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Sonnabend, den 8. Skt. IM

VK ,Ob«ih«ssische Seihntfl* er- scheint sechsmal wöchentlich. B<- piqSprei« monatl. L Marburg 2.02 ©95?. ansschl. ZuflellungSgebtihr, bei unsren Agenturen 1.93 SM. zuzügl. ZustellungSgebithr, durch »ie Post 2.25 SM. Mir etwa durch Streik, Maschinendefrktode« elementare Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. 5. Hitzeroth, Druck der Univ-Buchdruckerei Job. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 2054 u. Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 «ab M1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

alt.237 67.MM.

Marburg a. Lahn

Ser Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 DM., Familienanzeigen bei Barzahl. 0.07 SM., amtl. u. auS- wärtigeAnz. 0.10 SM. Sog. kleine Anzeig ennach SpeziaUarif.Srunb» schrift: Eolonel. Bei schwierig.Satz, sowie bei Platzborschrift 50'j. Ans- schlag. Sammelanzeigen 100®/, Aufschlag R«klam.-Millim. 0.40 «M Srundschrift! Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebühr: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebot« einschl. Porto.60 GM. Belege werden hErrchmt. Erfüllungsort Murburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Amerika unterstützt Frankreich

Washington braucht Ersatz für die ausbleibende englische Unterstützung im Fernen Osten Druck auf Deutschland?

Die deutsche Antwort an England.

fk. B e r l i n. 8. Ott. Die deutsche Ant­wort an die englische Regierung in der Frage der Einberufung der Londoner Sleichberechtigungskonferenz ist am Frei­tag abend nach London abgegange« und wird nach erfolgter lleberre-chung am Sonnabend veröffentlicht werden. Die Reichsregierung erttärt sich grunlWtzlich zur Teilnahme an der Konferenz bereit, widerspricht auch nicht der Heranziehung von Vertreter« kleiner Staaten, wen» gleichzeitig auch der Rüstungsstand dieser Staaten in die Erörterung einbezogen wird, und verweist nochmals aus die Vor­aussetzungen. die von deutscher Seite wie­derholt in der Konferenzfrage gemacht wurdea.

Die Antwort Deutschlands an England gibt der französischen Presse heute Ge­legenheit, sich wieder einmal in ableh­nendem Sinne mit Deutschland zu befassen.

DerExcelsior" schreibt, man habe sich in Berlin außerordentlich beeilt, die Einladung des<$ or eign Office" an­zunehmen nachdem man erfahren habe, daß die Konferenz bis auf weiteres ver­tagt sei. Man bemühe sich in Berlin, die Vertagung als einen diplomatischen Sieg Frankreichs hinzustellen, während sie doch nur einen Triumph der britischen Vernunft bedeute.

Im übrigen bemüht sich die Pariser Presse auf ein anderes Thema überzu­gehen, dessen Richtung derMatin" da­durch angedeutet sieht, daß in der amt­lichen Mitteilung über die Unterredung zwischen Herriot und Norman Dadis die Genfer Arbeiten besonders hervor» gehoben wurden. Da jedoch über die Ab­rüstungsfrage zunächst nichts Neues zu sagen ist, feiern die Pariser Blätter die französisch-amerikanische Einig­keit. Die Liebereinstimmung zwischen Pa­ris und Washington in den Ansichten über die meisten laufenden großen Probleme fei, so schreibt dasJournal", noch nie vollkommener gewesen. Diese Lieber- einstimmung wird von der Pariser Mor­genpresse in erster Linie auf dem Gebiet der 'Abrüstungskonferenz gesehen, ohne baß dafür nähere Unterlagen, geboten werden.

Amerika »ad die geplante Londoner Konferenz.

Washington. 7. Ott. Die Frage, welche Haltung die Regierung der Ver­einigten Staaten zu der geplanten Lon­doner Fünfmächte-Konferenz einnehmen werde, wird durch eine Erklärung hoher Beamter des Staatsdepartements klarge­stellt, die am Freitag an die Presse gegeben wurde. Die Vereinigten Staaten werden hiernach sich anderLondoner Kon­ferenz nicht beteiligen und eine Haltung einnehmen, die man hier als Hands off"-Politik (Händeweg-Politik) bezeichnet. Dies geschehe, um nicht in die Jntriguen Europas verwickelt zu werden, die sich bereits jetzt noch vor Zusammen­tritt der Konferenz bemerkbar gemacht hätten. Das Staatsdepartement erklärte, es habe das allergrößte Interesse an einer deutsch-französischen Einigung, damit sich Hoovers Abrüstungsplan verwirklichen lasse. Es fei jedoch zu befürchten, daß die Londoner Konferenz eine schwere Be­lastungsprobe für die Politik Hoovers und Ctimsons inbezug auf die Weltabrüstung

und die Heiligkeit der Verträge darstellen werde.

Verschiedene hohe Beamte des Staats­departements gingen sogar soweit, den französische« Standpunkt z» verteidi­gen und z» erklären, daß die deutsche Haltung eine Verletzung des Versailler

Vertrags bedeute»

Andererseits gaben sie jedoch zu. daß Hoovers Abrüstungsplan zum Scheitern verurteilt sei falls Deutschland auf seinem Standpunkt 'beharre. Anscheinend strebt die USA-Regierung eine Beruhigung

Maximal-und

Frankreichskoi

Der Genfer Berichterstatter desPe­tit. P a r i s i e n" macht heute Angaben über den sogenanntenkonstruktiven" fran­zösischen Abrüstungsplan, der jetzt Her­ri ot unterbreitet sei. Dieser Plan sehe zwei verschiedene Pläne vor. nämlich einen i maximalen und einen minimalen. Der Maximalplan beruhe a'af dem Sicherheits- Höchstmaß, das Frankreich nicht nur sich selber, sondern allen europäischen Staa­ten ohne Ausnahme verschaffen möchte. Er sehe für die Rüstungen maximale Her­absetzungen vor. Der Minimalplan stütze sich auf das Mindestmaß der für alle Un­erläßlichen Sicherheit. Während der Maxi- malplan die oberste Grenze angebe, auf

Frankreichs an, da die Vereinigten Staa­ten die französische Unterstützung m der Frage der Aufrechterhaltung der Ver­träge benötigt, wenn der Völkerbund die Mandschurei-Frage aufrollt. Die Vereinigten Staaten befürchten offenbar, dah sie in ihrer fernöstlichen Politik von den Engländern nicht mehr unterstützt wer­den und glauben daher, sich auf die fran­zösische Seite schlagen zu müssen. Allgemein ist in Amerika die Ansicht verbreitet, dah die Londoner Konferenz, falls sie doch noch zustande kommt, wegen der deutsch-fran­zösischen Gegensätze keine greifbaren Ergeb- nisie zeitigen wird.

Minimalplan

Iruktiver" Plan

die Frankreich die verschiedenen Rüftungs- arten zu vermindern bereit wäre, wenn die Signatare der künftigen Abrüstungskon­vention sich nicht nur verpflichteten, deren Anwendung der strengsten KontroNe zu unterwerfen, sondern auch im Falle einer Verletzung gewisse heilsame Maßnahmen (Sanktionen!) zu ergreifen, setzt der Mini­malplan noch die unterste Grenze, Unter die Frankreich nicht glaubt herunter gehen zu können, solange die für einen jeden Staat gewährleisteten Sicherheitsbeding- hingen nicht ein gewisses unerläßliches Mindestmaß übersteigen. Bevor die Pläne veröffentlicht werden könnten, mühten sie die Zustimmung des Obersten Rates für die nationale Verteidigung erhalten.

Weitgehendes Einvemehmen?

Heniots Unterredung mit Norman Davis

fk. Paris, 8. Ott. Z» der gestrigen Unterredu«« de» amerikanischen Ver­treters anf der Abrüstungskonferenz. Ror- man Davis, mit dem Ministerpräsident Herriot. schreibt die Pariser Ausgabe de»Rewyork Herakd", Davis habe den Wunsch Washingtons, die Abrüstung», konferenz möge nu« endlich greifbare Fortschritte zeitigen, zum Ausdruck gebracht. Weite, habe er erttärt. Wa­shington stehe jede, Bemühung kn dieser Richtung wohlwollend gegenüber. Herriot habe i« der Besprechung seinen ernste« Willen bekundet, das AbrSstnngswerk zu fördern. Er sei bereit, jette« positiven Bor, schlag in Erwägung zu ziehen.

Die Pariser Presse ist nicht in der Lage, Einzelheiten Über die gestrige Unterrednng z« bringen. Sie sucht aber de« allge­meinen Eindruck dahi« zu charatterifieren, dah die in letzter Zeit zu Tage getretene Tendenz einer französisch-ameri­kanischen Annäherung bei der gestrigen Unterredung sich erneut gezeigt und sogar verstärkt habe. Da alle Blätter diese Feststellung machen, darf ma« an- nehmen. dah die Presie vom Quai d'Orsay in dieser Richtung informiert morde« ist. Mit gröhter Vorsicht wird ma« die Be­hauptung des stark national stische» Blat­tes jyDrtae ausnehmen müssen, wonach

Rorman Davis vorgeschlagen haben soll, die Aussprache in Genf auf der Grundlage der Hoover-Rote wieder anfzunehmen. Wenn Deutschland dan« sich «och weiger« sollte, a« der Konferenz teilznnehmen. würde» ihm die übrige» Mächte zn ver­stehe« gebe«, dah der Rüstungsstand Dentschlands sich stettg «ach den Bestim- nmngen des Versailler Vertrages werde richte« müsie«. Herriot scheint sich dem Standpunkt Rorma« Davis angeschlossen »u haben. ___________

Walker will keine Wiederwahl.

Rewyork, 7. Okt. Der frühere Bür­germeister von Rewyork, Walker, er­klärte, daß er nicht beabsichtige, sich am 8. November wieder zum Bürgermeister wählen zu lassen, da er die Demokraten nicht kompromittieren wolle und die Interessen der Partei nicht über die per­sönlichen Wünsche stelle. Infolgedessen ist O'Brien von der demokratischen Kon­vention in Rewyork einstimmig als Kan­didat für den Bürgermeisterposten für den Rest der Amtszeit Walkers, die yoch bis zum nächsten Jahr läuft, nominiert worden.

Fünf Todesurteile in der Sowjetunion vollstreckt.

Moskau, 7. Okt. Das Gericht in Tomsk verurteilte fünf Beamte der Ge­nossenschaften wegen Sabotage und ge- genreoolutionärerUmtriebe Tode

durch Erschieße-'

Reformen

Der Gedanke der Reichsreform nimmt von Tag zu Tag einen breiteren Raum in der deutschen Öffentlichkeit ein. Dah eine Reform der Reichsverfassung notwendig.ist, wird nirgends mehr bezwei­felt. Erhebliche Beachtung hat in den letzten Tagen ein Entwurf des frühere« demokratischen Ministers Dr. Schiffer gefunden, der als Druckschrift unter dem TitelDie neue Verfassung des Deutschen Reichs" im Verlag von Reimar Hobbing erschienen ist. Jetzt meldet sich auch das Zentrum zum Wort. Zn derKölnischen Volkszeitung" bringt Dr. Dell einen Ar­tikel, in dem er Richtlinien für einen staatsrechtlichen Umbau des Deutschen Reichs darlegt, die in den nächsten Tagen Prälat Kaas noch ausführlich als Re­formprogramm des Zentrums betanntgcben wird. Die Angelegenheit ist im Fluß, aber bei der ganz besonders großen Schwierig­keit der Materie soll man s.ch doch darauf gefaßt machen, dah eine Regelung so rasch noch nicht zu erwarten ist. Wenn behaup­tet wird, daß im Reichsarbeitsministerium schon ein fertiger Gesetzentwurf vorliege, so entspricht das keineswegs den Tat­sachen. Zahllose alte Entwürfe sind vor­handen, täglich kommen neue Vorschläge dazu. Alle werden geprüft und Gutes herausgenommen Und vorgemerkt. Das Kabinett hat sich mit der Angelegenheit noch gar nicht besaht. Das Reichsinnen- ministerium hat noch keinen Aufttag, einen Entwurf auszuarbeiten. Also schnell geht es nicht.

Aber etwuS anderes ist im Gang: die Preuhenreform. Hier wird darüber beraten, wie man die Zenttalinstanz ver­einfachen kann. Wahrscheinlich wird schon sehr bald die Zusammenlegung des Land- wittschastsministeriums, des WohlsahrtS- ministeriums und des Handelsministeriums zu einem Wittschaftsministerium erfolgen. Gewisse Restgebiete dieser Ministerien werden durch Staatsvertrag mit dem Reich diesem zur Verwaltung übertragen. Man hofft, dah dem preußischen Beispiel dann andere Länder folgen, so daß auf diese Weise von den Ländern her schon ein Teil der Reichsreform, nämlich die Verwal­tungsreform, durchgeführt wird.

Es bleibt dann noch die Wahl­reform das heißt die Aenderung des Wahlrechts, des Wahlalters, der Wahl­kreiseinteilung und die eigentliche Reichs­reform, die Neuregelung des staatsrecht­lichen Aufbaus des Reichs, durch Neu- begrenzung der Rechte des Reichs und der Länder, des Reichspräsidenten, der Reichs­regierung und des Parlaments, Ein­führung einer zweiten Kammer usw. Die Frage der Wahlreform ist dabei einer Lösung vielleicht schon näher; jedenfalls dürste sie grundsätzlich geklätt sein. Die Frage ist nur, wie die Reform durchge,uhrt werden kann. Man Senft daran, die Wahl - reform durch Verordnung des Reichspraa- benten in Kraft zu setzen und sie dann ,pa­ter im Parlament oder dem Volk teibii zur Bestätigung vorzulegen. Mit der »rage der eigentlichen Reichsreform i.t man aber noch lange nicht darüber im Klaren, was man will und noch weniger darüber, wie man die Reform durchetzen will. Ob eine Nationalversammlung einberufen wird, oder ob man eine fertige neue Verfassung sum Volksentscheid bringt, oder ob man versucht, in einem neuen Reichstag eine .qtocibrittelmebrheit für die Reform aoiich-