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DK .Sbrrr-sflsch« Sdhtnfl* et- y,tint sech-mal toM'rntlicb. $5f ,«g«p«i« monatl. 1. Marburg 2.02 SM. au«schl. Zoste0mig«a«babr. b«i unfttn Bqentvren 1 93 SM. ,ügl. Zustrll«ng«gebthr. durch t* Post 2.25 «M. Für tflea l«» Streik Maschiueudrfkklod« elementare Sreigniffe anetallende Rnmmern inird frttt Sriad st* leistet- Verlag, Dr. 5. Hitzervth, Druck der Uuib-Buchdruckeret -z»h. Aug. 5toch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 2054 «. Rr. 2055 Postscheckkonto: Aott Frankfurt a. W. Rr. 5015. Sprech,ett der Redaktion txm 1011 n»d

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Frankreichs Gegenstoß

Die Londoner Konferenz abgesagt Abrüstungskonferenz ohne Deutschland (Ein neuer französicher Plan

Abrüstungsfrage und Sicherheitsproblem kombiniert

fl. London. 6. Okt. I« Londoner politischen Kreisen wurde am Mittwoch abend überraschend mitgeteilt, dass die englische Regierung den Plan einer Lon­doner Konferenz zur Behandlung der Eleichberechtigungsfrage fallen ge- laffen habe. In einem Reuter-Bericht wird diese Auffassung bestätigt und erklärt, dass die ablehnende Haltung Frankreichs ««d der von Deutschland eingenommene Standpunkt keine Aussicht anf eine Einigung zuliehen. Rach eng­lischer Auffasiung sollen die Arbeite« der Abrüstungskonferenz jetzt unter allen Um­ständen und zwar auch im Falle der «ei­teren Nichtbeteiligung Deutschland« fort­gesetzt werden.

Deutschland nnd die Fortführung der Abrüstungskonferenz.

Aach den letzten Londoner Meldungen steht es fest, daß die Engländer auf die Abhaltung der Londoner Konferenz ver­zichten loerden. DaS i>st nach Auffassung deutscher Kreise das Ergebnis der Herriot- schen Politik, die sich der Londoner Kon­ferenz gegenüber genau so eingestellt hat, tote vorher zu der deutschen Forderung der Gleichberechtigung. Deutschland ist soweit entgegengekommen, daß es sogar bereit war, die Zuziehung anderer Mächte in Kauf nehmen, obgleich sich dadurch das Derhandlungsthema naturgemäß mit verschieben muhte. Wenn die Konferenz trotz dieser konzilianten Haltung Deutsch­lands scheitert, ehe sie überhaupt Mstande- gekommen ist, so nur deshalb, weil Herriot es grundsätzlich ablehnt, auf die für Deutschland unerträglichen Diskriminie­rungen zu verzichten.

Natürlich würde es für die ReichSvegie- rung keine Aeberraschung bedeuten, wenn die Abrüstungskonferenz nun ohne Deutsch­land weitergeführt wird, wie es nach dem Scheitern des Macdonaldschen Vermitt­lungsversuches die Absicht der englischen Regierung zu werden scheint. Zm Gegen­teil kann man feftstellen, daß di« Reichs­regierung damrt von vornherein gerechnet hat. Das geht schon aus der bekannten offiziellen Erklärung Deutschlands hervor, in der es heißt, daß die deutsche Regierung die werteren Arbeiten der Abrüstungs­konferenz mit Interesse verfolgen werde. Sine neue Situation würde also bei der Fortführung der Abrüstungskonferenz ge­genüber dem, was wir erwartet haben, nicht eingetreten sein. Dabei ist man sich auch auf der Gegenseite darüber un Kla­ren, daß die Abrüstungskonferenz ohne Deutschland ein Torso ist Und niemals zu wirklich entscheidenden Ergebnissen ge­langen kann, die geeignet sind, eine Be­friedung der Welt herbeizuführen. So ist ganz offensichtlich auch die englische Auf­fassung zu bewerten, die ausdrücklich die Hoffnung unterstreicht, Deutschland doch noch wenigstens zu einem späteren Termin prr-weiteren Mitarbeit bewegen $u können.

Englische Pressestimme«.

,^>aily Telegraph" schreibt, in britischen amtlichen Kreisen hege man jetzt keine Hoffnung mehr auf ein Zu­standekommen der Viermächte-Konferenz. Man rechne vielmehr mit einer vorläu- stgen Fortsetzung der Arbeiten der Ab- .rüstungskonserenz ohne Deutschland.

Der diplomatische Korrespondent de» Daily Telegraph" sagt, in einigen Krei­sen werde es für möglich gehalten, daß die Abrüstungskonferenz durch Annahme ge­wisser Resolutionen, von denen die eine eine energische Rüstungsverminderung ver­sprechen würde, Deutschland zu einer neuen Erwägung seiner Haltung veranlassen könnte. In anderen Kreisen werde ein

Unverschämt

solches Verfahren für hoffnungslos gehal­ten. Inzwischen frage es sich, ob es nicht unter den gegebenen Umständen angebracht wäre, daß Großbritannien und Italien und die anderen Garantiemächte des Locarno-Paktes über die besten Mittel zur Behandlung der deutsch-französischen Schwierigkeiten beraten.

oder verrückt?

Herriots Material über deutsche Geheimrüstungen

Der Genfer Berichterstatter desD a i l y Herald" macht Andeutunge« über de« Inhalt der französische« Akte«, sammluug über die angeblichea deut- scheu Seheimrüftunse«. , lüdet anderem werde in den Akte« festgestellt, was alle Welt wisse, nämlich daß das dentsche Heer mit apptanks und andere« verbotene« Waf­fen" übe. Hieraus werde die Folgerung gezogen, daß Deutschland auch Bestände an wirklichen Tanks «f«. habe« müsse. Ferner roetbe Klage darüber ge­führt, daß die deutschen Polizei- kräfte i« weiterem Ausmaß auf «- tärischer Grundlage organisiert feien. mrd zwar mit de, ReichswehrStotztrup­pen" bildeten. Ihr Borhandenfei« be­weis« eine Angriffsabsicht Deutsch­lands (!). Der Stahlhelm und ähn­lich« Organisationen würde« ei«e Reserve vo« 600 000ziemlich gut aasge­bildete«" Leuten stelle«, von denen «ran

glaubt, datz sie moderne militärische Aus­rüstungen hätte«. Weiter werde i« de« fra«zösischen Akten erklärt, datz Deutsch­land genügend leichte Waffe« Ma­schinengewehr« und leichte Artillerie (Waffen, die unter dem Bersailler Bei­trag erlaubt seien) für ei« Heer vo« 800000 (!) habe. Die Zivilflug- zeuge könnten sofort i« Bomben­flugzeuge verwandelt werden. Die wenigen erlaubte« schweren Fest»ngs- g«schütze könnte« sofort mobil ge­macht «nd die laadwirtschaft­liche« Zugmaschine« sofort in Ta«k» verwandelt »erde«.

Der Genfer Berichterstatter schreibt hier­zu. daß Herriot seine Absicht, die Akten­sammlung dem Völkerbund vorzulegen, sich kluger Weise noch einmal über­legt habe, denn sie seien keine Schrift­stücke, die ihm irgendwie als Grundlage für eine Völkerbundsunterfuchung hätten dienen können.

Der neuste Trick

FrankreichsWeltplan" für Sicherheit und Abrüstung

ft Pari», 6. Okt. In gilt »«terrichtetru Kreisen verlautet, daß die fra«zösische Regie­rung beim Wiederzusammeutrttt des Ab- rüstungsbüros eineu Abrüft»»g»pla« einbriugeu wird, der eine angeblich sehr glückliche Lösung der Abrnstungs- und Sicher­heitfrage darstelle. Lu diesem Plau soll die Jnteruatiooalifierung der Luftfahrt »«d der Abschluß regionaler Berteidigung»- büuduiss« vorgesehen seiu. Er werd« sich auf die gauze Welt beziehen, der Lage i« Europa aber in einem besonderen Abschnitt Rechnung trageq. Er soll angeblich am Mitt­woch von der französischen Abordnung in Seuf Herriot zugeleitet worden sein, der ihn einer letzten Prüfnng unterzieh«.

Auck die Pariser Blätter melden, datz die französische Delegation einen präzisen, konkre­ten und konstruktiven Plan fertig gestellt habe, i der im Augenblick vom französischen Kabinett geprüft werde.

Dieser Plan soll das Abrüstungsproblem mit dem Sicherheitsproblem kombinieren.

Der Londoner Haoas-Bertreter sagt, die Hauptpunkte des Vorschlages über den Kon- sulatiopakt seien ein K ontroI l- und Sank-, tionssystem. die3nternationa.isierung der

. Zivilluftfahrt, die Beschränkung und I Herabsetzung gewisser spezifischer Angriffswaf- fen entsprechend der Entschliehung der Ab­rüstungskonferenz oom 22. Juli d. 2s. und Wiehlich die Aufrechterhaltung der durch den Versailler Vertrag vorge­sehenen militärische« Klauseln mit gewissen Abänderungen.

Die Genfer Berichte der französischen Presse versuchen unter Hinweis darauf, datz ine eng­lische Jmtiative auf Einberufung einer Vierer­oder Fünfer-Konferenz nach London nament­lich bei den Delegationen der kleinen Staaten Beunruhigung ausgelöst habe, einen beson­ders starken Druck auf Herriot auszu- üben, damit er die Reise nach London auf­gebe. Verschiedene Blätter fahren schweres Geschütz gegen Macdonald auf und ver­steigen sich sogar, wie z. B.,,3 ourna f. zu der Behauptung, "datz sich der englische Premierminister gegenüber Deutschland ge- - bunden habe.

Der offiziösePetit Parisiet»" schreibt, die Entscheidung Frankreichs werde in erster Linie von der Einstellung Deutsch­lands, iaber auch von dem Programm der Konferenz abhängen. Gleichberechtigung sei einsynthetischer Ausdruck", unter dem man sehr viel verstehen könne. Man möge also, bevor man sich an dell grünen Tisch setze, sich genau über den Gegenstand und die Aus­wirkungen der künftigen Debatten unterrichten^

Unsichere Handelspolitik

Der verunglückt« Start in die neue Han­delspolitik mit ihrer Umstellung* auf das Korrtmgentfystem für eine Reihe van Agrar­produkten hat m der deutschen Oeffentluh- kert bereits ein lebhaftes Echo hervorgeru- fem. 3e nach der grundsätzlichen Einstellung wird die Regierung mit den verschiedensten Vorwürfen überhäuft. 3m Lager der Meist­begünstigungsinteressenten verweist man scha- denftoh auf den bereits vorausgesagten Mrtz- erfolg der Kontingentierungspolftik, während die Vertreter der Agrarinteressen umgekehrt den Vorwurf erheben, datz die Umstellung nicht mit der nötigen Konsequenz erfolgt ser, datz man sich auf gefährliche Verhandlungen eingelassen habe, anstatt die Kontmgente autonom festzusetzen. Angesichts der gegebe­nen Verhältnisse ist dem Eesamtrnterefse we­der mti dem einen noch mit dem anderen Standpunkt gedient, die Folge kann nur all­gemeine Unsicherhett und Verwirrung sein, von der man sich aber freimachen kann, wenn man bet tatsächlichen Verhältnissen auf den Grund geht. Damit ist noch nicht gesagt, datz der bisher beschrittene Weg der treuen deut- chen Handelspolftik der richtige ist. 3m Ge­genteil, es find, gelinde gesagt, Schönheits­fehler, wenn nicht Unklarheiten und Un- icherheften festzUstellen, die beseitigt werden müssen, wenn wir nicht vollends durch un­sere eigene Zwiespältigkeit, durch das Fest­hatten von Gesichtspunkten, die ledrglich in­nerhalb des Meistbegünstigungssystems einen Sinn haben, m der Kontingentierungspolftrk aber völlig unangebracht sind, in eine Han- delspotttffche Sackgasse geraten wollen.

Wie ist die tatsächliche Lage? Rach der Bekanntgabe der handelspolftischen Beschlüsse des Reichskabinetts durch, den Reichsernäh­rungsminister begab sich die deutsche Kontm- gentskommissian, die man übrigens in ringe- weihten Kreisen scherzhaft die Tomatenkom- rnission zu nennen pflegt, auf die Rerse, um über die 3nftaftsetzung der Kontingente zu verhandeln. Die erste Etappe in Brüssel wurde glatt genommen, es kam ein, wie es hieb, beide Setten zufriedenstellendes Ab­kommen zustande, aber die Hoffnungen auf eine wettere glatte Abwicklung wurden sehr schnell durch die plötzlichen Schwierigketten im Handels- und Zahlungsverkehr mtt 3ta- lien, sowie durch das wenig fteundliche Der- halten der Holländer, die der deutschen Kom­mission fast die Tür wiesen, getrübt. Zur Zett bemüht sich die Reichsregierung, die Schwierigketten zunächst in Rom auszuräu­men, zu welchem Zweck man einen Sonder­ausschuh zu Verhandlungen über die italieni­schen Devisenmatznahmen schnellstens nach 3talien schickte und außerdem die Kontin­gentskommission vom Haag statt nach Paris, direkt nach Rom beordette. Wie man sich gegenüber Holland zu verhalten gedenkt, steht offenbar noch dahin. Falls man aber die deutschen Kontingentsvorschläge autonom m Kraft setzen sollte, dürsten die Gegenmatz- nahmen in Form von Einfuhrsperren für Kohle und Eisen nicht ausbleiben.

Die Lage ist also im Augenblick recht ver- | fahren, wobei man feststellen muh, daß wir nicht ganz schuldlos daran sind. Zunächst hat sich bei den Verhandlungen, die bisher geführt wurden, schon die Unklarheit gerächt, dte hin­sichtlich der Befugnisse der Kontingentskom­mission bzw. der Methode, wie dte Kon­tingente in Kraft gesetzt werden sollen, oifen- bar besteht. Zunächst muhte man nach den Aeuherungen des Reichsernährungsmunsters cknnehmen, datz die Kontingente schon festge­setzt seien und datz die deutschen llnterhand- ler lediglich den Auftrag hatten, den Ver- handlungspattnern diese Kontmgente nntzu- teifen und sie ihnen versländnch zu machen. Rach dem, wie sich die Dinge abgespielt ha­ben scheint das aber nicht der «atl zu sein, wobei es sonderbar ist, daß man diese Er­kenntnis nur einem merkwürdigciiBetriebs­unfall" verdankt. Entgegen der Erwartung, 1 dab die Einzelheiten der Brüsseler Berhand-