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Simsrae.

ten 4.90.1932

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Polen bleibt weiter Ratsmitglied

Stärkung des französischen Einflusses im Dölkerbundsrat - Lebhafte Beftiedigung in Paris

Neuwahl von Ratsmitgliedern.

«enf. 3. Okt. Die Vollversammlung hat di« Neuwahl für die alljährlich turnusgemäh ausscheidenden Ratsmitglie­der vorgenommen. Anstelle I«gosla­st e n s wurde die Tschechoslowakei, anstelle Perus Mexiko in den Rat gewählt. Polen wurde w i e d e rg e - wählt.

Pariser Genugtuung über Polens Wieder­wahl.

Die Wiederwahl Polens zum Mitglied des Völkerbundsrates wird von der französischen Presse mit besonderer Ge­nugtuung und unverholener Freude aus­genommen. Da man darin eine Kund­gebung der Mitglieder des Völkerbundes gegen Deutschland im allgemeinen und gegen diedeutschen Rüstungsforde- rungen" im besonderen erblickt. Die Blät­ter feiern die Wiederwahl des französischen Vasallenstaates als einen grohen Sieg.

DerPetit Parisien" schreibt u. a., bhft diejenigen Mächte, die für die erneute Bestätigung Polens gestimmt hätten, damit unbedingt ein politisches Ziel verfolgten undin erster Linie den deutschen Heraus­forderungen die richtige Antwort erteilen wollten".

DasJournal" ist der Auffasiung, daß ein Mißerfolg Polens ein Triumph für Deutschland bedeutet hätte.

Das Echode Paris" meint, die Wie­derwahl stelle die beste Warnung für die Wiedergeburt des deutschen Militaris­mus" dar.

Di« Aufnahme des Iraks in den Völker­bund.

Genf, 3. Okt. Nach der Aufnahme des Iraks in den Völkerbund sprachen zahl­reiche Delegationen dem neuen Mitglied ihre Glückwünsche aus. Der Ministerprä­sident des Iraks erklärte, daß Groß­britannien in seiner Mandatsherrschaft sich stets nicht nur an den Buchstaben, sondern auch an den Geist des Völkerbundspaktes gehalten habe.

Im Namen der deutschen Regierung be­glückwünschte Gesandter von Rosen­berg den Irak; er erklärte, datz der Irak, der tn seiner tausendjährigen Geschichte eine so hervorragende Rolle für die mensch­liche Kultur gespielt habe, auch in Zu­kunft dazu berufen sei, einen wichtigen Platz im Leben der Nationen und der Weltwirtschaft einzunehmen.

Eine Viererkonferenz?

Der Pariser Korrespondent derMor- liitii Post" verzeichnet das Gerücht, datz Nacdoaald Frankreich, Italien und Deutschland einladen werte, gemeinsam »it der britischen Regierung die Ab- rüftungskrifis zu bespreche«.

An Berliner zuständiger Stelle er­fahren wir dazu, datz ein derartiger Plan an die deutsche Regierung bisher noch nicht herangetragen worden ist. In Berliner Özen Kreisen steht man im übrigen gen Absichten skeptisch gegenüber.

Am die Nachfolge Eravinas.

Genf. 3. Okt. In einer streng gehei­me« Sitzung des Dölkerbundsrat am Mon­tag über die Ernennung des neuen Danziger Völkerbundskvm- *iff er» und über den Zeitpunkt für die

Ernennung des Generalsekretärs des Völ­kerbundes. Beide Fragen wurden ohne Entscheidung verschoben. Die Ernennung des Danziger Völkerbundskommissars stötzt auf große Schwierigkeiten, ob­wohl zahlreiche Kandidaten auftauchen, konnte bisher keine Einigung zwischen den

interessierten Mächten erzielt werden. Im Hinblick auf diese Schwierigkeiten find jetzt Bestrebungen im Gange, einen vorläufi­gen Völkerbundskommisiar zu ernennen, der sein Amt jedoch nur wenige Monate bis zur endgültigen Ernennung des Döl- kerbundskommifiars inne haben soll.

Handelskrieg mit Italien?

Devisensperre gegen Deutschland

Berlin, 3. Okt. Die italienische Re- gieritng hat am Sonnabend eine neue De­visenregelung in Kraft gesetzt, die als gegen Deutschland gerichtet ange­sehen werden mutz. Die Bestimnwngm der neuem italienischen Devisenverardnimg sind bedeutend ungünstiger für Deutschland als die, die Deutschland für feinen Devisen verkehr mit anderen Ländern getroffen hat.

Wie wir von zu ständiger Stelle er­fahren, werden deutscherseits Gegenmaßnah­men erfolgen. Nach der ganzen devisem- und wirtschaftspolitischen Situation ist es für Deutschland nicht möglich, die Devisenrege­lung von der Frage abhängig zu machen, od wir mit diesem oder jenem Lande freund­schaftlich stehen. Für Deutschland ist nur eine einheftliche Regelung allen Staaten ge­genüber denkbar. Ern Kompromiß mtt entern einzelnen Staat würde dadurch sofort Mu- sorisch gemacht werden, daß dann alle ande­ren Länder die gleichen Bedingungen für sich in Anspruch nehmen würden.

Eine deutsche Deoisemkommisfion «ach Rom.

Berlin, 3. Ott. Wie das Eonti-Nach- richten-Büro erfährt, wird sich in den nächsten Tagen eine Sonderkommission nach Rmn be­geben, um mit der italienischen Regierung wegen des Devisenkonti rkts zu ver­handeln. Diese Komrniffion ist nicht mrt der Kontingentierungsdelegatron zu verwechseln, die vorn Haag dirett nach Rom fährt, so daß also die Verhandlungen in Parts und Kopenhagen erst Später angeschlossen werden.

Die Devisenkommission besteht aus je entern Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichswirtschastsmmisteriums und derReichs-

banl. Die Reichsregierung hat sich, rote schon aus der Entsendung der Kommission hervor- geht, bereits mit dem Konflikt beschäftigt und die Gegenmaßnahmen beraten, die zu er­greifen sind, wenn die Bemühungen der Kom­mission nicht zum Ziele führen. Dabei ist be­reits volle Einrgkeit über diese Maßnahmen erzielt worden.

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3n Kreisen der Wirtschaft hegt man übet die italienische Devisensperre große Beden­ken und im besonderen ist man fettens der Industrie und des Handels bemüht, auf je­den Fall die italienischen Maßnahmen so­bald als möglich rückgängig zu machen. Dts Schwierigkeiten entstanden durch die Kündi­gung des Clearing-Abkommens durch Deutsch­land. Praktisch wirft sich die Kündigung derart aus, daß die Banken auf Anweisung der Regierung den Importeuren deutscher Waren zur Bezahlung ihrer Verpflichtungen keine Devisen mehr bewilligen. W«e rott hören, soll diese Devisensperre solange dauern, bis die italienischen Sparguthaben in Deutschland wieder für die italienischen Be­sitzer flüssig gemacht worden sind. Die ita- lienische Maßnahme macht den deutsch-itate-, nischen Handelsvertrag direkt illusorisch, da ihm m jeder Hinsicht eine praktische Bedeu­tung bet dieser Einfuhrsperre nicht mehr zu­kommt. Die maßgebenden Streife der In­dustrie sind bereits bei der Reichsregierung vorstellig geworden, um mit sofortiger Wir­kung die gegenroärtige Wirtschaftslage mrt Italien zu klären. Die Verhandlungen, tue in den nächsten Tagen bereits über die Kon­tingentierung in Rom anberamnt sind, wer­den in materieller Hinsicht eine ausschlag­gebende Bedeutung haben. Es handelt sich vor allem um die Kontingente von Gemüse^ Obst und Weintrauben.

Die Weltwirtschaftskonferenz

8 e «f, S. Okt. Das mit der Orgaaifa, tio« der Weltwirtschaftskonfere«, beavf- tragte Ratskomitee befchlotz, vag die Welt- wirtfchaftskonferenz ia London ftatt- finden and za Beginn des kommenden Jahres znfammentreten soll. Das genaue Datum steht jedoch noch nicht fest.

A« 31. Oktober wird der vorbereitende Sachverftändigeaansfchatz in Genf znfam­mentreten, hi dem Deutschland tetrdj Reichswirtschaftsminister Warmbold und Dr. Bocke vertreten ist. Während der außerordentlichen Tagung der Völker- bundsversammlung im Rovember wird das Ratskomitee das Datum der Konfe­renz endgültig festsetze«. Man spracht da­von. daß die Konferenz a« 1. ober 20. Fe­bruar 1933 zusammentreten soll.

Die Moskauer Regierung ist vor­läufig nicht z«r Teilnahme an den Arbei­ten des SaLoeritäudiLenausichusies einae».

laten worbe« da die überwiegende Mehr­heit der Mächte die Mitwirkung der Mos, lernet Regierung in diesem Ausschuß vor­läufig nicht für notwendig HM.

Zum Hamburg« Verkhrsstkeir.

Hamburg, 3. Ott. Der zwefte Tag des Hamburger Verkehrsstreiks machte sich.,da es ein Sonntag war, besonders ungünstig für das Gaststäftengeroerbe bemerkbar. Da dte Einstellung von Ersatzverkehrsmnteln am Sonntag nur gering war, fiel der Vorort­bahn die Aufgabe zu, den stärksten Verkehr zu bewältigen. "Ein von der Hochbahndirettion ab'Montag, den 3. Oktober auf der Langen­horner und Walddörfer Bahn für die Dauer des Streiks geplanter Notbetrieb kann nicht aufgenommen werben, well die Durchführung mit Hochbahnangestellten nicht möglich iit.

Am Sonnabend abend hielten die m 2er Gewerkschaft der Ellenbahner organ .Tierfen Hoch- und Straßenbahner eine Versammlung ab, auf der beschlossen wurde, bis zum Mon­tag eine abwartende Haltung einzunehmen. Streikende versuchten, Autos der Altonaer Verkehrsgesellschaft umzuwerfen. Ms dies nicht gelang, wurden die Autobusie beschä­digt, wobei eine Frau erhebliche Verletzungen davontrug. Insgesamt wurden 14 Personen fettaenommen .

Schematismus"

Für die Oeffentlichkeit überraschend hat die italienische Regierung am 1. Oktober eine Neuregelung der Devisenzuteilung tre Kraft gesetzt, die den deutschen Handel mrt Italien außerordentlich schädigen mutz. Das bisher vom beiderseitigen guten WA-*! len getragene handelspolitische Verhält-, nis zwischen Deutschland und Italien droht damit m eine schwere Krise zu geraten, die alle Aufmerksamkeit verdient. Rein/ formal stellen die rigorosen Durchfüh- rungSbeslimmUngen der italienischen De- visenverordnung einen Degenzug gegen die deutsche DiÄontingeittierung dar, zu der sich Deutschland wohl oder übel verstehen mutzte, bis die Inkraftsetzung der Kon-, tingente das Devisenabkommen überflüssig machte. Ihrer eigentlichen Absicht nach ist also die Verfügung der Kampfmatznah- men gegen den deutschen Handel ein Dor- stoß gegen die deutsche Kontingentierungs- Politik, ein Vorstotz, der in Berlin von die* fer Seite am wenigsten erwartet wurde und der jetzt im Dang befindlichen handels­politischen Umstellung Deutschlands ernste Schwierigkeiten bereiten mutz. Im einzel-» nen bestimmt die neue. italienische De-. Visenordnung, daß für deutsche Waren* t einfuhr nur die auf Sperrkonto in Italien liegenden Gelder verwendet werden dür­fen. Soweit solche Konten in Italien nicht 1 bestehen, werden nur 25 v. H. des Devisen­bedarfs ches Vorjahrs zugeteilt.

Wie sich Deutschland demgegenüber ver­halten wird, ist bisher noch nicht klar zu übersehen. Während es einerseits heitzt, daß der deutsche Botschafter in Rom sich sofort mit der italienischen Regierung in Verbindung gesetzt hat, um einen Aus- gleich zu erzielen, der bis zum Abschluß der HandelSvertragsverhandlungen gelten soll, linö während die deutsche Kontingents- kommissivu beschleunigt nach Rom fahren soll, um durch etwaige Zugeständnisse eine Abänderung der harten italienischen De­visenbestimmungen zu erreichen, währxnd danach also auf eine baldige Beilegung der bedauerlichen Spannung hingearbeitet zu werden scheint, wird andererseits in Ber­liner politischen Kreisen das italienische Vorgehen als ein schwerer Angriff gegen Deutschland bezeichnet und mit Gegen­maßnahmen gedroht. Man vertritt dabei hinsichtlich der Kontingentierungen einen sehr bedenklichen Formalismus und starren Schematismus, der darauf hinausläuft, daß man gegenüber Italien zu keiner Son­derregelung schreiten könnte, ohne daß auch die anderen in Frage kommenden Länder die gleichen Ansprüche stellen würden und es ist nicht einzusehen, wie man von diesem Standpunkt aus einen Handelskrieg mit Italien vermeiden will, der nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern vor allem auch aus politischen Gründen mir zu bedauern wäre.

Wie kann eine drohende Aeberspitzung der beiderseitigen Maßnahmen und damit die Gefahr einer Spannung vermieden werden? Diese Frage hat gerade, was das deutsch-italienische handelspolitische' Verhältnis anbetrifft, grundsätzliche Be- beUfcmg, sie ist eine Frage der prinzipiellen Haltung, die den Kurs der Handelspolitik besttrnrnt. Man hat bei uns sehr spät, aber nun doch immer mehr die Nachteile des Meistbegünstigungssystems eingesehen, und die grundsätzliche Bedeutung der handels- politischen Neuorientierung konnte nur da­rin. bestehen, eine andere Methode an­zuwenden, die uns von dem bisherigen Schematismus befreit, größere Bewegungs­freiheit gibt und es möglich macht, die