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OberheMche Zelttmg, Marburg a. L. Monk«, -en 3. Oktober 1932
Nr. 232
VEAttLis dle PmeentwUlung
Auf dem Weizenmarkt scheint sich zurzeit eine etwas freundlichere Tendenz durchsetzen zu wollen. Bei der geringen Lagerbildung der zweiten Hand mutz sich das lebhaftere Mehlgeschäft und die regere Ausfuhr der letzten Tage in stärkerer Nachfrage auswirken. Das Deckungsbedürfnis dürfte auch wohl zunächst noch anhaltcn, da viele Mühlen noch nicht den „eisernen Bestand" haben werden, zu dessen Magazinierung sie sich der Regierung gegenüber vcrpilicytet haben. Bis dahin aber dürfte das Angebot seitens der Landwirtschaft, welche jetzt vollauf mi.t Feldarbeiten uber= bastel ist, erfahrungsgemäß klein bleiben-, Es sollte also eine weitere Festigung des Weizen- marktes nicht ausgeschlossen sein. Etwas an- • ders liegen die Verhältnisse zurzeit auf dem Roggenmarkt, wo bei regerem Angebot und größerer Zurückhaltung der Käufer die Tendenz eher zur Schwäche neigt^-Es hat sich aber gerade wieder in der letzten Zeit gezeigt, datz schon verhältnismäßig geringe «tutzungskaufe eilens der D-G.H- genügen, die Prerse einigermaßen stetig zu halten. Es scheint leben falls die Absicht der Regierung dah.n zu gehen, die Stützungskäufe so einzurichten, daß die Roggenvreise zunächst auf ihrem augenblicklichen Niveau verbleiben. Und das durste sich ohne Schwierigkeiten erreichen lassen.
Der Futtergetreidemarkt liegt besonders still. Es werden noch immer große Partien Brotgetreide minderer Qualität verfüttert ; dazu kommen allmählich die roemg haltbaren Futtermittel aus der Hackfruchternte. Daneben zeigt sich auch der ungünstige -Einfluß der Eosinroggenaktron auf den Absatz von Futtergerste. Immerhin ist durch die Einlagerung von Braugerste und die Drosselung der Futtergetreideeinfuhr ein gewisses Gegengewicht geschaffen, so daß man eine stetige Tendenz auf dem Gerstenmarkt auch weiterhin für wahrscheinlich hält. Die Haferpreise liegen bei unvermindert geringem Angebot unverändert tief. Eine Erholung der Preise ist zunächst nicht anzunehmen.
Die tiefen K artoffeIvrei se haben die Zufuhren eingeschränkt, so daß mit den bahn- stehenden Waggons geräumt werden konnte und die Tendenz etwas freundlicher wurde. Trotzem müssen die Aussichten für das Kar- toffslgeschäfi weiter als wenig günstig bezeichnet werden, selbst wenn einzelne Markte gelegentlich etwas höher notieren. Die Einkellerung wird zunächst noch keinen nennenswerten Umfang annehmen. Anscheinend hat die unmittelbare Belieferung der Verbraucher durch die Landwirte in diesem Jahre größeres Ausmaß angenommen; auch die Kartoffelernte aus den Schrebergärten" beeinflußt den Handel ungünstig. Die reichlichen Angebote von Fabrikkartoffeln drücken auf die Preise, obwohl der Stützungspreis für Fabrik- kortoffeln zur Flockenherstellung unverändert 9 Pfg. je «tärkeprozent beträgt.
Die Regierung hat vor kurzem ein neues Agrar Programm verkündet, laut welchem sie zur Wiederherstellung der Rentabilität unserer Viehzucht u. a. die Einfuhr von Rindern, Butter, Speck und Schmalz kontingentieren will. Ueber die Bedeutung dieser Maßnahmen für die Märkte von Vieh und dessen Produkte, wird man sich erst ein Urteil biloen können, wenn der Umfang dieser Kontingentierungen feststeht. Die stetige Tendenz auf dem Butter- und Eiermarkt dürfte zunächst noch anhalten.
Nach der soeben bekanntgegebenen Statistik find die Schweinepreis» im August noch um r. 10 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen: es darf aber bezweifelt werden, daß die Preisbesierung noch wesentlich Fortschritte machen wird. Nach der Zählung vom 1. September waren zwar die Eesamt- Schweinebestände um 4,6 Prozent geringer als um dieselbe Zeit des Vorjahres; di« an Schlachtschweinen aber noch etwas höher. Es zeigt sich also hier wieder, worauf wir schon verschiedentlrch hinwiesen, daß die Landwirtschaft in der letzten Zeit mit ihren Auftrieben im allgemeinen zurückgebalten hat. Es ist daher für die nächsten Wochen und Monate mit verhältnismäßig starkem Angebot zu rechnen, was sich natürlich in den Preisest- auswirken muß. Es wird daher von den maßgebenden Stellen der Landwirtschaft größte Vorsicht bei der Marktbeschickung angeraten. Die Gefahr einer Ucberlaftung der Schlachtviehmärkte wird dadurch vergrößert, daß sich in der nächsten Zeit das Angebot von Rindern besonders aus den nordwestdeutschen Weidegebieten, verstärken dürste. Sehr beachtenswert ist das Gutachten welches der Sachverständiaenaus- ' schütz auf Grund der September-Schweinezählung fällt:
Der Eesamtbestand an Schweinen weist gegenüber dem Rekordbestand des Vorjahres einen Rückgang von 4,6 Prozent auf. Die rückläufige Bewegung hat sich somit weiter fortgesetzt, sie vollzieht sich jedoch viel langsamer als früher.
Besonders beachtlich ist, daß der Bestand an über ein halbes Jahr alten Schlacht- s ch w e i n e n wider Erwarten noch zugenommen hat. Dagegen ist der Bestand an Jungschweinen, trächtigen Sauen und besonders an Jungsauen gegenüber dem Vorjahre zurückgegangen.
Die dadurch bedingte Verkleinerung der Zahl der im nächsten Jahr zum Markt kommenden Schweine ist so gering, daß sie voraussichtlich durch die zu erwartende Eewichts- Iteigerung und durch ein Mehrangebot an Schlachtrindern — und Kälbern ausgeglichen wird; cs wird also die gesamte Angebots- menae am Fleischmarkt kaum kleiner sein als rm Vorjahre. Von der Angebotsmenge her dürfte demnach für die nächste Zukunft eine nachhaltige Preisbesierung noch nicht zu erwarten sei«. Eine solche kann vielmehr nur eintreten, wenn durch Wiederankurbelung der Wirtschaft die Kaufiraft der großen Masse der Bevölkerung und damit die Nachfrage am Vlch- und Fleijchmarkt wieder Steigert' wird. .
Aus der Umgegend
Kreis Morvorg
Vom Amtsgericht.
Rauschenberg, 1. Ott. Das Amtsgericht hier ist mit Wirkung vom 1. Oktober d. Js. aufgehoben und in seinem ganzen Umfang dem Amtsgericht in Kirchhain zugeteilt werden. Zahlungen für das Amtsgencht und die Gerichtskasse in Rauschenberg sind vom 1. Oktober 1932 ab an die Gerichtskasie in Kirchhain zu leisten. Zahlungen im Postscheckwege können aber noch weiterhin auf das Postscheckkonto der aufgehobenen Gerichtskasie (Postscheckamt Frankfurt a. M. Nr. 9446) geleistet werden.
Wermertshausen, 3. Ott. Am 29. d. Mts. verzog unser allseits beliebter Herr Lehrer Kröhne nach Elnhausen, dessen erste Lehrerstelle ihm am 1. September übertragen wurde. Ueber IOV2 Jahre hat er die hiesige Schulstelle musterhaft, zum Wohle der Jugend, bekleidet und erteilte bet allen sonstigen Angelegenheiten in der Gemeinde, bis zur letzten Stunde, einen stets guten Rat. Auch war er in den Jahren der Verkoppelung Rechner der Nebenkostenkasse und hat dieses Amt stets gewissenhaft und zur allgemeinen Zufriedenheit geführt. Er, sowie seine Frau haben während ihres Hierseins an Freud und Leid regen Anteil genommen. In dankenswerter Weise wurden die Schüler zum Abschied von Frau Lehrer K. mit Kaffee und Kuchen bewirtet. — Herr Lehrer Kröhne versah sonntäglich auch den Organistendienst m der Kirche und hielt alle 14 Tage sehr erbauliche Vorlesegottesdienste. Man sieht Herrn Lehrer K. ungern von hier scheiden und wird ihm stets ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.
KreiS Arankenverg
Veränderungen in der Stadtverwaltung.
—. Frankenberg, 1. Ott. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde für den durch Versetzung ausscheidenden Stadtverordnetenvorsteher Eerlach der Kaufmann Gäbler am llntermarkt und für den durch Pensionierung ausscheidenden Vizebürgermeister Katasterdirektor Schultz der seitherige Vertreter des Stadtverordnetenvorstehers, Herr Pansch, gewählt. Der seitherige Kurs erleidet dadurch, wie man hört, keine Veränderung.
Aus dem SMreiS
Die Orgalnisation der neuen Kreisverwaltung Dillenburg.
0 Dillenburg, 2. Ott. Der Umzug der landrätlichen Verwaltung des aufgelösten Kreises Biedenkopf erfolgt bereits am Montag durch eine hiesige Speditionsfirma. Am Dienstag werden dann die Beamten und Angestellten der Biedenkopfer Verwaltung folgen. Es kommen, wie jetzt feststeht, vier Angestellte und ein Beamter in Frage. Die Kreisverwaltung wird etappenweise im Laufe der nächsten Wochen folgen.
Landrat Dr. Bünger erläßt folgenden Aufruf: „Am heutigen Tage habe ich die Verwaltung des durch die preußische Verorderung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932 aus dem Dillkreis und dem größten Teil des Kreises Bredenkopf gebildeten Kreises Dillenburg übernommen. Eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe ist mir gestellt; ihr kann ich nur gerecht werden in engster, von gegen« seifigem Vertrauen und Verständnis gefia- aener Zusammenarbeit mit der Bevölkerung des neugebildeten Kreises. Dre Not der Bevölkerung, die schwierige Lage der Städte und Landgemeinden ist bekannt; sie zu überwinden ist das 6eifee Bemühen der Verwaltung. Das Ziel kann nur erreicht werden, wenn jeder Einzelne seine Pflicht als Bürger und Mitbürger bis zum Letzten tut. Schweres muß noch ertragen, vieles weiterhin entbehrt werden. Deutscher Lebenswille, der Gedanke an die Heimat und unser deutsches Vaterland und echtse Eottvertrauen werden uns helfen."
D« neue Kreisausschutz des Erotzkreisrs Dillenburg.
0 Dillenburg, 30. Sept. Der Regierungspräsident zu Wiesbaden hat nunmehr die endgültige Bildung des neuen Kreisausschusses des Kreises Dillenburg vorgenommen. Gegenüber den ersten Vorschlägen hat man verschiedene Abänderungen getroffen, die wohl auf Grund der Vorschläge der Kreisdepufierten der beiden Kreise erfolgt sind. Dem neuen, kommissarischen Kreisaus- schufe gehören an: aus dem Kreise Biedenkopf: Bürgermeister Stückrath-Biedenkopf, 'Eewerkschastssekretär Dcbus-Buchenau, Bürgermeister Schmidt-Wolzhausen; aus dem Dill kreise: Landwirt Benner-Fleisbach, Syndikus Leng-Haiger und Maurermeister Pfaff-Vreitscheid. Als Stellverfieter fungieren: Landwirt Lenz-Erdhaufen, Fabrikant Dr. Hecker-Biedenkopf, Bürgermeister Scheld-Wei- denhausen, Bürgermeister Kupfnan-Dillen- burg, Gewerkschaftssekretär Kunz-Burg und Bürgermeister Ar-Manzenbach.
Radfahrer von einem Auto überfahr«, wid getötet.
Herborn, 2. Ott. In der Nacht zum Sonntag wurde auf der Landsfiafee zwischen Dillenburg und Herborn der 46 Jahre alte Eisenbahnsthlosser F ö r st er aus Herborn, als er sich mit fernem Fahrrad, vom Dienst kommend, auf der Hetmfahrt befand, von einem Kraftfahrzeug erfafet und überfahren. Motorradfahrer fanden etwa 1000 Meter vom stark beschädigten Fahrrad entfernt den leblosen Körper auf der Landsfiafee. Förster hatte furchtbare Verletzungen daoongefiagen und war bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet. Es ist vis jetzt «och nicht gelungen, den
Kraftwagen ausfindig zu machen. Dre Polizei neigt zu der Annahme, daß der Auto- fahr« den Unfall bemertt haben mutz und absichtlich weitergefahren ist, um sich den Feststellungen zu entziehen. Da auf einer Strecke vom über 1000 Metern starke Blutspuren festgestellt wurden, wird angenommen, datz der Verunglückte zunächst zwischen KüUer und Schutzblech geschleudert wurde und sich hierbei eine stark blutende Kopfwunde zugezogen hat. Msdann ist der Körper vom Auto geglitten und überfahren worden, worauf die sonstigen schweren Verletzungen schließen lassen. Die Lrmburger Staatsanwaltschaft weitte am Sonntag an der llnglücksstelle.
Kreistag Biedenkopf widerruft in der legten Sitzung den Beschluß 00m 5. April, bei dem man dem Landrat das Mitzfiawen aussprach.
0 Biedenkopf, 2. Ott. In der letzten Sitzung des Kreistages des Kreises Biedenkopf wurde auf Anregung des Abgeordneten Brühl auch zu der Frage des Mifefiauens gegen den scheidenden Landrat Cotzmann Stellung genommen. Nach einigen Ausführungen der Abgeordneten wurde über die Anregung des Abgeordneten Brühl abgestimmt. 10 Abgeordnete stimmten gegen den Antrag, 11 dafür. Damit hat man den früheren Miß- , trauensbeschlutz widerrufen. — In enter Re- I solution wurde dann noch besonders darauf 1
hingewiesen, datz man auch m Zukmrst die Einheit des Kreises Biedenkopf wahren werde.
Uebergab« der Verwaltung.
0 Biedenkopf, 2. Ott. Am Sonnabend fand im Kreishause Biedenkopf die Uebergabe der Verwaltungsgeschäfte des aufgelöstem Kreises Biedenkopf an den neuen Kreis Dillenburg statt. Landrat Dr. Bünger übernahm die Geschäfte mit einer herzlichen Ansprache an alle Beamten und AngesteMten und der Bitte um Mttarbeit im neuem Kreise Dillenburg.
Gemeindeoertreter sitzung.
0 Gladenbach, 30. Sept. Die Gemeindevertretung befatzte sich in der jüngsten Sitzung «. a. mit dem Preis für Urnengräber. Man setzte einen Preis für 1,20 Quadratmeter große Gräber auf 50 RM. feit — Die Angelegenheit betr. Wasierversorgung des Ottes wurde vettagt. Der neue Wasserbehälter wird in etwa 3 Wochen in Arbeit genommen werden. — Zwei personelle. Angelegenheften wurden erledigt — Die Gemeindevertretung beschloß wefter, für 350 Zentner Kartoffeln für Erwerbslose di« Garantiesumme zu übernehmen. Die Erwerbslosen sollen die Beschaffung allein vornehmen. — Die neue Motorspritze hat die Gemeinde erhalten. Bei der hier stattgefundenen Vorführung wurde die Sptttze als einwandfrei anerkannt.
Aeffen-Raffau und Rachbaesehiete
Teilstreik be; der frankfurter Zeitung".
Frankfurt a.M., 1. Ott. Ein Teil der Belegschaft der „Frankfurter Zeitung" ist wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten. Die heufige Nachmittagsausgabe des Blattes konnte daher erst mit mehr als einer Stunde Verspätung herausgebracht werden und war vorsorglich gleich mit der Frühausgabe für Sonntag vereinigt.
Raubmord a« einem Brotkutscher.
Frankfurt a.M., 1. Ott. Am Sonnabend abend gegen 19.30 Uhr wurde auf der Mainuferstratze zwischen Offenbach und Frankfurt ein Kutscher einer Offenbacher Brotbäckerei von zwei unbekannten Tätern überfallen, durch drei Schüsse getötet und seiner Barschaft von 2—300 Mark beraubt. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Schwere Verkehrsunfälle in Darmstadt.
Darmstadt, 1. Ott. Am Sonnabend vormittag ereigneten sich kurz hintereinander zwei schwere Verkehrsunfälle, von denen der eine ein Todesopfer fordern dürfte. In der Nähe der Residenz wurde gegen 8 Uhr ein Feuerwehrmann, der mit dem Rad auf dem Weg zur Dienststelle war, von einem Autobus angefah
ren und mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Städtische Krankenhaus verbracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. — Eine halbe Stunde später überrannte ein Motorradfahrer in der Neckarsfiahe den 70jähttgen Kaufmann Kahn, der mit einem doppelten Kniebruch in eine Klinik gebracht wurde.
Zum Flugzeugunglück bei Darmstadt. — Zwei Tote.
Darmstadt, 1. Ott. Ueber das Flugzeugunglück berichten Landleute, die das Flugzeug beobachtet hatten, datz es in sehr geringer Höhe über den Wald geflogen fei. Der Morgen war sehr neblig, und offenbar sind die Flieger durch den Nebel irritiert worden. Sie hätten in der Nähe eine gute Möglichkeit für eine Notlandung gehabt, glaubten jedoch wieder höher steigen zu können. Dabei stiehen sie gegen den hohen Pappelbaum. Die Tragflächen rissen sofort auseinander. Die Namen der Piloten konnten vorerst nur aus dem Bordbuch festgestellt werden. Es handelt sich um den Flugzeugführer Hermann Hettinger, der sofort tot war, und seinen Begleiter August Haslocher, der unmittelbar nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus gestorben ist.
berliner Möbels gehen zu Hindenburg
Da soll nun mal einer sagen, die heutige Jugend wisse sich nicht zurecht zu finden, wenn einmal nicht etwas nach Wunsch geht. Elf Berliner Mädels im Alter von fünfzehn bis sechzehn Jahren haben wieder einmal bewiesen, datz sie echte und rechte Berlinerinnen sind. Bekanntlich soll zum 85. Geburtstage Hindenburgs am Tag vorher eine Schulfeier stattfinden, worauf der Unterricht ausfällt. Nun leben wir aber im klassischen Land der „Zuständigkeit". Soweit die Schulen dem Kultusministerium unterstehen, gibt es gar keine Schwierigkeiten. Wie ist es aber bei den Handels- und Fachschulen, die dem Han- delsministettum unterstehen? Als die Schülerinnen einer Berliner Handelsschule sich deshalb an ihren Direktor wandten, erklärte dieser, datz er vom Ministerium keine Anweisung erhalten habe. Die Lehrerin, die um Rat gefragt wurde, gab scherzhaft den Mädels den Rat: „Geht doch zu Hindenburg und beschwert Euch." Und nun kommt das Nette an der Geschichte. Die Mädels machten aus dem Scherz Ernst. Sie veranstalteten rasch eine Sammlung, kauften einen Blumen- strautz und zogen in die Wilhelmstrahe, elf „Mann" hoch, in die Reichskanzlei, wo Hindenburg jetzt'wohnt. Damals war er gerade nicht daheim, aber die resüluten Mädels überwanden alle Schwiettgkeiten und setzten den Empfang einer Deputation von dreien beim Staatssekretär durch. Er nahm den Blumenstrauss für Hindenburg in Empfang, lietz die Wünsche der Handelsschülerinnen vorfiagen, setzte sich darauf telefonisch mit dem Handelsministerium in Verbindung, und prompt hatten alle Handels- und Fachschulen den schulfreien Tag bewilligt erhalten. Erohe Freude allerseits. Beim Staatssekretär, datz er helfend eingreifen konnte, beim Handelsminister, datz vr über den zuständigen Konflitt auf diese Weise hinweg fatm Bei allen Lehrern und Lehrerinnen, Schülern und Schülerinnen der Handels
und Fachschulen und vor allem auch bei der mutigen Deputation die den Stein ins Rollen gebracht hat. Und man wird auch annehmen dürfen, datz Hindenburg selbst, als man ihm die Geschichte erzählte, seine aufrichtige Freude über diese resoluten Berliner Mädels gehabt hat.
Das Mis-MglanM
Dienstag, den 4. Oktober.
6.00: Wetterbericht. — Anschließend: Morgengymnastik. — 7.05: Schallplatten-Konzert. — 12.00: Unterhaltungs-Konzert. — 13.30: Konzert. — 15.20: Hausfrauen-Nachmittag. — 17.00: Unterhaltungs-Konzert. — 18.25: „Zinssenkung", Vortrag. — 18.50: „Die deutsche Woche 1932“, Vortrag. — 19.20: „Kleiner Knigge für 1932", Vortrag. — 19.35: Landsknechts-, Soldaten- und rheinische Trinklieder. — 20.15: „Erntefest und Erntebräuche", eine herbstliche Hörfolge. — 21.15: „Tristan und Isolde", 2. Aufzug. — 22.20: Zeitangabe, Tagesnachrichten, Wetterbericht, Spottbericht. — 22.45: Tanzmusik.
Geschäftliche Mitteilung.
Wie soll man Kunstseide waschen? Das ist heute wirklich leicht. In einer alten Persillauge (1 Eßlöffel Persil auf 2 Liter Wasser) schwenkt man das Stück leicht hin und her, drückt es an den besonders schmutzigen Stellen etwas fester, doch ohne Auseinanderziehen, Reiben und .Wringen. Das Spülen geschieht sofort nach dem Waschen in kaltem Wasser, dem man bei farbigen Sachen etwas Essig beigegeben hat. Dadurch werden die Farben aufgefrischt. Zum Trocknen rollt man das Stück in ein weißes Tuch fest ein und legt zwischen alle aufeinanderliegenden Teile (Vorder- und Rückenteil, Kragen, Manschetten, Aerrnel usw.) weiße Tücher. Kunstseide muß sehr vorsichtig von links geplättet werden, das Eisen darf nur mäßig warm fein. Werden kunstseidene Stücke so behandelt, bann wird man an ihrem fchönen Aussehen und ihrer langen Haltbarkeit Freude haben