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Sette 6

OderdrsssiLe 3cttunfl. Marburg «. L. Montag. den 3. Oktober 1932

Nr. 232

Sie christliche M-finderschali

Man schreibt uns:

Als die feldgrauen deutschen Pfadfinder aus dem Ringen des Weltkrieges in die Heimat zurückkehrten, fanden sie ihre alten Gruppen durch die vierjährige Führerlosigkeit geschwächt und erschüttert vor. In langer und mühsam geduldiger Arbeit bauten sie aber allen Wider­ständen zum Trotz ihre Kreise wieder auf. Ihre eigenen Erlebnisse von Dienst und Ein­ordnung, Kameradschaft und Führertum, die sie von der Front mitgebracht hatten, versuch­ten sie neu lebendig werden zu lassen. Zur gleichen Zeit, als man so an den Wiederauf­bau heranging, strömten mit voller Macht die Kräfte der deutschen Jugendbewegung ein, die das vor dem Kriege von dem englischen Ge­neral Baden-Powell übernommen« Pfad- findertum grundlegend und zwar im deutschen Sinne umgestalteten. Damals geschah es auch, daß im Jahre 1921 die Christliche Pfad- fi n d e rs ch a f t Deutschlands neu ge­sammelt wurde. Aus manchen evan­gelisch-kirchlichen Jungmänneroereinen und Christlichen Vereinen junger Männer waren jugendbewegte Menschen gekommen, die sich mit älteren, früheren christlichen Pfadfindern zusammenschlossen. Allmählich arbeitete sich eine bestimmte Form in Tracht, Arbeitsart und Aufgabenstellung heraus. Als di« neue Welle der Jugendbewegung mit ihren Gedanken vom hündischen Menschen und von straffer, harter, volksbewußter Jungenführung über die deut­schen Jugendbünde wuchtig hereinbrach, fand sie auch in der Christlichen Pfadfinderschaft fruchtbaren Boden. Nun sah man nicht mehr in der Pfadfinderei das Soldatenspielen und allein die äußerlichen Fertigkeiten des Skoutis- mus, sondern da erfuhr man etwas von der Schönheit jungenhaften „Waldläufertums", aber auch davon, daß recht gelebtes Pfad- findertum Lebenspfadfindertum ist, wenn an­ders es nicht unecht und „gemacht" gewesen ist. Diese ganze innere und äußere Umstellung auf ein neu verstandenes, jungengemäßes deutsches Pfadfindertum stand in der christlichen Pfad­finderschaft dazu unter dem großen Gesichts­punkt der christlichen Botschaft. Vom Evan­gelium her bekam das Pfadfindertum neuen Sinn und neue Erenzsetzungen. Man sah, daß nicht mebr Baden-Powells „Staatsbürger" das Ziel sein konnten, sondern allein Christus und der neue Mensch im Reiche Gottes.

Die Botschaft, die in der Christlichen Pfad- finderschaft heute verkündigt wird, ist die re­formatorische des jungen Luther. Wohl wird die Entscheidungsfrage für oder wider Chri­stus mit Ernst und Klarheit vorgelegt, man nutet sich aber, junge Menschen in eine innere Haltung zu pressen, die ihnen wesensfremd ist, und von ihnen etwas zu verlangen, was sie weder sein, noch geben können Von Luther hat man «s wieder gelernt, daß der Mensch nur anders werden kann, sofern Gott in seinem Leben ändernd eingreift. Die Christliche Pfad- ftnderschaft will darum nichts anderes sein als Ort, da Gott selbst jungen Menschen nahe kommt. Da sie somit nur Wegbereitung sein kann und will ist Christus für die Kraft, die die Ganzheit des menschlichen Lebens zu ge- statt en hat. Die Verkündigung umfaßt des­halb den ganzen Menschen und alle seine Le- bensaußerungen. Wo aber der Anspruch Got­tes auf den ganzen Menschen gehört wird, kann man sich nicht mit dem eigenen kleinen

Erst recht nicht mit seiner Seele begnügen sondern dort wird der Aufruf Gottes gespürt' auf Staat und Volk, Kirche, Beruf und Wirtschaftsleben, sowie auf die soziale Not wie Arbeitslosigkeit und Wohnungselend, auf di- Volkslaster Alkohol, Nikotin und Schund­literatur aufmerksam macht. Dorthin gilt es dann als Christliche Pfadfinder den Blick zu richten und ohne parteipolitische Bindungen mitzuarbeiten, daß Gerechtigkeit und Reinheit

Hier wir- -as Deutsche Turnfest stattstn-en

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Blick auf das neue Stadion auf dem Cannstodter Vaasen bei Stuttgart.

wo im nächsten Jahr das 15. Deutsche Turnfest abgehalten wird. Für das Fest, zu dem eine Vier­tel Million Turner nicht nur aus allen Deutschen Gauen sondern auch aus deutschen Gemeinden jenseits der Reichsgrenzen in der württembergischen Hauptstadt erwartet werden, sind baulich umfangreiche Vorarbeiten nötig, die jetzt mitten im Gange sind.

im Volksleben wieder lebendig werden. In einem Volke der Christusferne und Eottent- fremdung wollen die Christlichen Pfadfinder zu den wachsten Menschen gehören, die nicht an der Lage der Zeit vorübergehen, sondern tätig als christliche Zellen in Fabrik, Werkstatt, Büro und Hörsaal oder wo sie sonst im Leben stehen mögen, im Gehorsam vor Gott wirken.

Selbstverständlich sind diese Aufgaben, die erst den Aelteren und Reiferen gelten können. Die Jugenschaft selbst wird, soweit es über­haupt menschenmöglich ist, in dieser Richtung geführt. Sie soll einst im Leben „ihren Mann stehen", das bedeutet aber, der Ausdruck fei einmal gestatet, daß di« Jungenschaft „ihren Jungen stehen" soll. Darum wird alles jungenhafte, landsknechtartige, zuchtgebundene Leben und Treiben der Jungen bejaht und ge­fördert, auf Fahrt, im Zeltlager oder im Heim, bei Spiel oder Pasteln, Erzählen oder Vor­lesen. In all diesem hat die Christliche Pfad­finderschaft an allen Gaben deutschen Jungen- tums lebendig«: Anteil.

Zweierlei sei zum Schluß noch gesagt: Bei allem bewußten Festhalten ihres geschichtlich bedingten Zusammenhangs mit dem großen evangelischen Jugendwerk, weiß sich die Christ­liche Pfadfinderschaft doch als einer der Bünde der jungen Generation innerlich mit den anderen Bünder der Jugendbewegung eng verbunden, denn der Dreiklang „Wandervogel- tum, Pfadfindertum und Frontsoldatentum" schlägt in deren, wie in ihren Adern. Und zum anderen: Da die Christliche Pfadfinder­schaft bewußt evangelische Jugendführung ist, steht sie in lebendiger Fühlung mit den evan­gelischen Kirchen und Gemeinden und der Ge­samtheit des evangelischen Jugendwerkes. „Allzeit bereit" zum freiwilligen Einsatz ihrer Kräfte steht die Christliche Pfadfinderschaft zur Verfügung, wo sie gerufen wird.

Neben den geschichtlichen älteren und be­kannten Gruppen der evangelischen Jugend­arbeit, den parochialen Eemeindejugend- vereinen und den großstädtischen Christlichen Vereinen Junger Männer stellt die Christliche Pfadfinderschaft eine neue Art evangelischer Jugendführung dar, die sich aus einem neuen Verständnis der Kirche bei aller Freiheit im einzelnen planmäßig in die Gesamtheit kirch­licher Gemeindearbeit eingliedert Nicht immer ist diese Einstellung verstanden wor­

den, aber fest in der Hand ihrer Führer ist die Christliche Pfadfinderschaft allen Mißverständ­nissen, Verleumdungen und Anklagen zum Trotz ihren Weg weitergegangen. Es erfüllt sie zugleich mit Freude und Stolz, daß ihre jahrelange Pionierarbeit in Beziehung auf neue Art und Form evangelischer Jugend­führung heute nicht allein den Erfolg hat, daß 10 000 Jungen ihren Fahnen folgen, sondern auch weiterhin anregend und befruchtend ge­wirkt hat. sch.

ßeneetW

Am 18. September ließ die Reichsbahn­direktion Frankfurt a. M. unter Mitwirkung des Mitteleuropäischen Reisebüros und der Hapag wieder einmal — wie schon des öfte­ren in diesem Sommer — einen Sonderzug in die bayrischen Alpen fahren. Die Beteili­gung war trotz der späten Jahreszeit gut. Alle Mitfahrenden, zum größten Teil Passagiere, die die Berge zum ersten Male sehen wollten, erregte freudige Erwartung und hoffnungs­volle Spannung. Der geringe Fahrpreis hatte manchem Reiselustigen, der nur über geringe Mittel verfügt, Veranlassung gegeben, ungeachtet der schlechten Wirtschaftslage in den sauersüßen Apfel zu beißen und während einer Woche das Ungemach dec- Alltages von sich abzuschütteln.

Luftige Turchgangswagen sorgten dafür, daß alle Reisenden, je nach Ansprüchen, Aus­sicht und Bewegungsmöglichkeit wählen konn­ten. Die Mitropa hatte die Verpflegung ohne Trinkgeldaufschlagi übernommen. Ihren Speisen und Getränken wurde gern und viel zugefprochen.

Die Fahrt war von dem herrlichsten Wetter begünstigt und ließ den Hochspessart, die Wahrzeichen Würzburgs, die fränkische Hoch­ebene, die bayrische Hauptstadt, den blauen Starnberger See sowie die von dort aus immerfort ansteigenden Berge und den ge- ohne Trinkgelbausschlag übernommen. Ihren Heben Licht erscheinen, bas die Stimmung der Reisenden noch hob. In Murnau wurden die Besucher 'des berühmten Festspielortes Ober­ammergau ausguartiert. Der nächste Halte­punkt war Oberau, auf dessen Bahnhof sich die Ortskapelle eingefunden hatte, um ihre Gäste mit wohlklingenden oberbayrischen Hymnen würdig zu empfangen. Ueberall das

gleiche Bild, freudige und lachende Mienen bei Alt und Jung. In kurzer Zeit war auch Garmifch erreicht, dessen musikalische Be- grüßung aus dem Bahnhofe derjenigen Oberaus nicht nachstand. Hier stieg der größte Teil der Passagiere aus und nur wenige fuhren bis zur Endstation des Zuges, Mittenwald.

Ein jeder bekam vorzügliches lobenswertes Quartier nachgewiesen und allabendlich fan. den Gefelligkeiten in feuchtfröhlicher Stim­mung mit Vorträgen, die einen Einblick in die Eigenart der bayrischen Seele gaben, statt. Auch das tanzfreudige Kurpublikum kam voll und ganz auf seine Kosten.

Tag für Tag war durch die unermüdliche Reiseleitung dafür gesorgt, daß ermäßigte Fahrten in die lohnende Umgegend unternom­men wurden. Geboten wurden an Zielen: Kloster Ettal, die Zugspitze, Innsbruck, Kochel- unb Walchensee, die Königsschlösser Hohen­schwangau und Neuschwanstein sowie Schloß Linderhof. Es bestand kein Zwang zur Mil- fahrt, aber jede Fahrt war einzig in ihrer Art.

Den Abschluß bildete die Rückfahrt nach München mit einem eintägigen Aufenthalt in der großen Kunst- und Bierstadt. Dort wurde eine umfangreiche Besichtigung vorgenommen, die ein jeder nach feinen Interessen ausdeh­nen konnte. Ein Abschiedsabend im bortigen Künstlerhaus gab der an geistigen unb kör­perlichen Genüssen so reichen Reise ben wär- bigen Rahmen.

Während ber Heimfahrt war festzustellen, baß viele neue Freundschaften geschlossen wor­den sind und alle an der Reise Beteiligten mit Enthusiasmus für die nächste Fahrt propa­gierten.

Äreföfoffeimmrt M. Äg t

3m Alter von 64 Jahren ist nach kurzem, schwerem Leiden einer der bekanntesten Tur­nerführer des Mittelrheinkreises gestorben: Kaufmann PH. R ö b i g. Die Trauerkunde kam überraschend, vor allem für die Turner, die den Entschlafenen vor wenigen Wochen beim Kreisturnfest in Trier in der Voll­kraft seines Schaffens beobachten konnten.

PH. Röbig, der 50 Jahre der DT. an­gehörte, bekleidete in führender Stellung eine ganze Reihe von turnerischen Ehrenämtern in vorbildlichem Opfersinn. Er war feit 1895 erster Vorsitzender der Tgm. Frankfurt a. M.-Rödelheim. seit 1910 erster Gauver­treter des Main-Taumis-Gaues. 1917 wurde er Kassenwart des Mittelrheinkreises. Äks solcher hat er durch seine lluge Finanzpolitik und zähe Sparsamkeit dem Kreis in schwerer Zeit ein Vermögen erschaffen. Besonders volkstümlich ist PH. Röbig aber als Vor­sitzender des Feldbergfest-Ausschusses (feit 1903) geworden. Die Erhaltung der volks­tümlichen Eigenart des ältesten deutschen deutschen Bergfestes lag ihm allezeit beson- ders am Herzen. Die DT. hat ihrem Ge­treuen vergangenes Jahr ihre höchste Aus­zeichnung, die Ehrenurkunde, über­reicht.

Die Beisetzung des verdienten Turnerfüh­rers gestaltete sich am Sonnabend auf dem Frankfurter Hauptfriedhof zu einer erheben­den Trauerfeierlichkeit. Mehr als 100 Tur­nerfahnen senkten sich zum letzten Gruße über der Bahre. Kreisvertreter Pfeiffer (Wetz­lar) und viele Vertreter von Gauen und Vereinen widmeten dem Entschlafenen dank­erfüllt und tiefgefühlte Nachrufe. Berge von Kränzen, darunter in großer Zahl schlichtes Eichenlaub aus den Bergen und Wäldern des großen Kreisgebiets, bekundeten die große Liebe und Verehrung, deren sich PH. Röbig erfreuen konnte. Der Name des leider zu früh Heimgegangenen Tnrnerfüfeers wird in der Geschichte des Mittelcheinkreises und der DT. für lange Zeiten klangvoll weiterleben.

(Nachdruck verboten!)

Der Mgling im Feuerofen

Roman von Heinz Etegitweit.

51. Fortsetzung.

Mein Gaumen war trocken wie Torf. Ich hatte das Fieber, meine Blicke torkel­ten durch den Keller, mein Blut war be­trunken. Hätte ich jetzt im Sonnenlicht auf einer hohen Wolke stehen und hinab- fchauen dürfen in die volle Landfchaft des Rheins, vom Schwarzwald bis zur Lippe und von der Eifel bis zum Sauerland: meine Augen hätten es dem Verstände nicht erklären können, daß dort unten ein Gemisch von Haß und Verzweiflung kochte!

..Komm essen, Mannes!"

Marias Stimme. Mir fiel ein daß sie mich schon mehrmals angerufen fiatte.

»Die Kuchen werden doch kalt, Manes!"

„Ich mag nicht, ich kann nicht, laß die Kuchen erfrieren laß den Hund heulen!"

Marra zog mich am Arm, ich rüttelte mich los, verließ den Keller, rannte in die Luft, dieweil mir der Köter durch die Beine in den warmen Raum schlüpfte.

Ich stand wieder in der Straße der Wind jaulte kalt, in den erleuchteten 'Mili- tärquartieren sang man afrikanische Litaneien. Sonst keine Seele irn Ort die sich vor die Tür wagte in den Winzer­häusern nur banges Geflüster hinter ver­schlossenen Läden. Sollte ich mich dem alten Wendland anverttauen? Er würde nur noch gründlicher sausen, außerdem war er zu geschwätzig geworden. Zum Pastor gehen? Der durste nur beten und die Versöhnung mit den Unversöhnlichen predigen.

Ich beschloß, eine Rächt vergehen zu feilen, um morgen

sein. Und fand mich zu Maria zurück, die wieder einmal glaubte, daß Tränen ein Allheilmittel seien. Sie klagte mich an, ich liebte sie nicht mehr, ich hatte Geheim­nisse und abwegige Gedanken, unsre Ehe würde zerstört... Dabei raste es in mir, als wühlten Hände int Gehirn. Mein Gewissen ließ es nicht zu, diese Frau, die ich liebte wie keinen andern, mit geheuchel­ter Ruhe zu trösten und zu umarmen. Meine Sinne gehörten größern Dingen, meine Sorgen zerschnitten mich, ich aß die Kartoffelkuchen nicht, ich kaute und ver­schluckte sie nur, daß der Magen etwas zu schaffen hatte. Nachts zählte ich jeden Stundenschlag, die Minuten krochen wie Ewigkeiten. Und als ich, von marternder Mattigkeit überwältigt, ein Häppchen Schlummer gefunden hatte knallte ich im Traum meinen besten Freund über den Haufen, um beim Erwachen gewiß zu sein, einen Schuldlosen aus Uebereilung gerich­tet zu haben.

Um sechs Uhr stand ich wieder mit leerem Magen am Steuer der Ponte, und wenn ich einen East zu fahren hatte, riß ich die letzten Kräfte zusammen, um kei­nem Schiff vor die Schneide des Bugs zu geraten. So unstet flogen meine Gedan­ken, ohne Sammlung preßte ich die Fäuste ums Rad. Da wußte ich. daß ich über Mittag nicht mehr auf diesem Posten mit Verantwortung dienen durfte Darum warf ich den Anker aus, ging ins Dorf, klopfte an Vater Wendlands Tür, um den Alten, der als Ortsvorsteher mein Vorgesetzter war, nach einem kundigen Vertreters meines Amtes zu fragen. Aber Pankraz Wendland war wieder im Tran, er hockte gekrümmt wie ein Affe auf sei­nem Sessel unb lallte mir während seine fjägeten Fäuste im Delirium auf den Tisch yautzen, seine Antwort entgegen: J5elj,

ich hab mein Amt abgeben müsse, geh raus, ich will nix mehr zu schaffe habbe mit all dem Zeug. Man kann die Gall ins Blut kriege, man kann wahnwitzig werde, man sollt die Säu allemal ver­recke lasse--!"

Mein Schweigen mußte eine beredte Frage gewesen fein; denn Pankraz Wend- land stemmte sich hoch, ballte die Fäuste und heulte: „Gehe sollste! Ich Hah fei Amt mehr! Der Adam ist jetzt Vorsteher!"

Ich ließ mich vor die Tür stoßen. Wend­land wurde vom gleichen Mißtrauen heimgesucht wie ich. In meiner Hosentasche stak der Revolver. Ich wußte, was auf dem Spiel stand. Klar und kühl verließ ich das Haus, ging zur Ponte und warf den zweiten Anker aus, weil der Rhein mit Hochwasser drohte. Mochte Maria Schlechtes von mir denken, sie würde auch wieder Frieden schließen. Ich fühlte mich besonnener jetzt, ging geradenwegs zu Adam Anker, um meine Pflicht zu tun. Der Gastwirt war mein bester Freund, er mußte mir Rede stehen, vielleicht hatte man ihn grundlos im Verdacht. Ohren­bläser und Eeschichtenttäger!

Die Dörfler von Mostheim grüßten knapp, — was hatte ich ihnen getan? Die Bauern drehten scheele Augen? Die Ar­beiter michen wir aus? Da lief mir Philipp Weber in die Füße. Dieser Wei­chensteller stand in meiner Schuld. Ich tief ihn an: „Hast du Urlaub?"

Philipp Weber blieb stehen, mustette mich, spuckte aus: „Du, wir Arbeiter mache nit mit. Verstehst? Wir nit! Und wenn wir allemal nach Zweibrücke komme. Ver­stehst?"

„Kerl, sprich dich aus!“

bifH“*’ d"' ahnungslos wie du lang

!<b brauche dich. Mensch, trau mir doch, bist du nicht mehr bei der Bahn?"

„Ree. Die Bahn is französisch. Die mache jetzt Regie. Verstehst? Ich stell kei Weich für die Hünd!"

Er schied mit saurem Gesicht und trollte weiter, weil er mich für einen Feind hielt. Er war mißtrauisch wie alle andern. War aufgerührt wie ich. Philipv Weber würde noch andere Männer wissen, die man brauchen konnte, wenn es an der Zeit war. Ein Trost.

Ich ging in den Hof vom „Goldenen Anker", klinkte die Küchentür auf. Eva stand am Herd und rührte im Suppen­kessel.

„Jäses, der Manes! Warst lange nit mehr hie?"

Sie trocknete die Hände in der Schürze und begrüßte mich innig.

„Wo ist der Adam?"

„Den darfst nit störe, der hockt banne!“

„Bei den Offizieren?"

„Hm —"

„Was hat et mit denen?“

„Weiß nit, was er hat. Mir sagt e: > nix."

Sie tief laut: „Adam?"

Seine Stimme meldete sich ' .':nd: „Io, was is?“

„Gell, der Manes ist hie!"

In mir siedete neuer Verdacht. Ich setzte mich neben den Herd und beobachtete Eva bei der Kocharbeit. Im Kessel schäumte grünes Kohlgemüse, in bet Pfanne brutzelte Fleisch, das mit würziger ger Tunke begossen wurde. Die Fenster tropften, es war frisch draußen.

(Fvrtjetzung folgt.),