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Obttfreffifdk 3ett8im, Marbma a. L.. eowoMib, Den 24. September 19&

Nr. 225

Kanzler, Dichter und Wun-erkin-

6tn unglücklicher Rekordbrecher.

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Doch der Zivilgouverneur, der sich vorsichtig auf ein Hausdach wagte und die Lage besah, verbot streng jedes Vorgehen. Dafür schickte er einen Polizeiwachtmeister in das belagerte Haus, der sollte mit den Banditen verhandeln.

Diese verlangten 20 000 Mark und freien

Wagen. Die Räuber stiegen aus; der Fahrer überzeugte sich durch das Guckloch, dah die junge Geisel gesund und den Umständen ent­sprechend munter war. Dann holte er die 20 000 Mark unter seinem Sitz hervor, warf sie den Banditen zu und raste mit Vollgas aus dem Bereich der schweren Pistolen seiner unheimlichen Fahrgäste. So geschehen im Jahre 1932 nzi neuesten Staate der Erde und in einer Großstadt mit Straßenbahn, Autobus und einer waffenstarrenden Polizei.

Von E. Conz.

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Von rechts nach link: Reichskanzler mm Popen, der ll jährige amerikanische Wunde rgekger Ruggiero Ricci und Gerhart Hauptmann nach dem Berliner Konzert des Wunderkindes, das bet Publikum und Presse einen begeisterten Wiederball fand.

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MenWenraub unter Pvllzeifchutz

Wlllsche Zuilänöe im neuen mandschurischen Staat - Banditen aus dem Rennplatz

Smstelgen aus der Luft ln -le See

Neuer Trost für Reisende, die den Sampler verpatzt haben

saßen alle gemütlich bei ihrem Wein und bliesen behaglich die Wolken aus ihren Pfeif­chen. Der eine der vier Burschen verlieh dann ohne Aufsehen das Zimmer; kurz dar­aus 'erfüllte vom Fenster aus ein unbändiges Gelächter. Berwundert sahen alle um sich und erblickten ihren seitherigen Zechgenossen, der sich vor Lachen kaum halten konnte. „Ihr wollt Gendarmen sein", rief er den Beamten zu, „und kneipt mit dem Schinderhannes?" „Auf. fangt ihn, wenn ihr schnelle Beine habt!" Damit war der Bursche vom Fen­ster verschwunden. Die Gendarmen rannten in den Stall, schwangen sich auf die Pferde, um den Flüchtling einzuholen; aber, o weh! Kaum waren sie aus dem Stall, fielen sie auch schon unsanft von den Pferden — der Bückler hatte die Sattelgurten losge­schnitten."

Nach vielen abenteuerlichen Raubzügen, wurde der Schinderhannes im Jahre 1803 im Taunus verhaftet und nach Mainz abgeführt. Daselbst sühnte das Blutgerüst seine Frevel.

Die unruhige Zeit von „damals" ist vor­bei und dem sicheren Bürger, den die Nacht nicht schrecket. Ringt sie geheimnisvoll, wun­derlich-märchenhaft — jene Zeit.

„Schinderhannes". Nur was der Volks­mund vermeldet, vergilbte Eerichtsalten und Dokumente verzeichnen, verrosteter Stahl ent­hüllt und seine durchaus sympathischen Physio­gnomie im Konterfei an der verrauchten Wand einer uralten Bauernstube zu offen­baren vermag, wissen die Menschen von ihm. — vielleicht auch wandelt sein Schatten manchmal im Mondschein zu mitternächtiger Stunde um die vermoosten Ruinen feines ge­wesenen Reiches.

Abzug unter polizeilichem Schutz. Sie woll­ten die Tochter des Bahndirektors als Geisel entnehmen, bis das Geschäft abgeschlossen ward. Der Polizei und dem Vater blieb nichts

ein Liebesbrief brachte ibn in'ö Gefängnis

Weil ein Engländer nicht auf den Gedanken kam, daß es heute noch Frauen geben kann, die in ihre Männer regelrecht verliebt sind und ihnen entsprechend feurige Briefe schrei­ben, muß der arme Mann nun auf drei Jahre ins Gefängnis wandern. Mister Hardman, der traurige Held unserer lehrreichen Geschichte, saß eines schönen Morgens i»n sonnigen Ufer des Wey, eines englischen Flusses, und dachte über die Trübsal dieser Welt nach, die ihn so stiefmütterlich behandelte, daß er kaum noch einen Penny in der Tasche hatte. Da wurde er plötzlich durch ein Paddelboot aus dem Sinnen gerissen. Ein Pärchen saß in dem leichten Fahrzeug, schien sich für unbeobachtet zu halten und verlieh feiner gegenseitigen Liebe durch Umarmungen, Küsse und anhim- melnde Blicke beredten Ausdruck. So beredt, daß jenes kleine Paddelboot ganj bedenklich ins Schwanken geriet und nach einem neuer­lichen Kuß kenterte. Da das Liebespärchen schwimmen konnte, verlief der Unfall ohne traurige Folgen, und Männlein und Weibleki erreichten das jenseitige Ufer. Dort freilich mußte der Besitzer des Paddelbootes, wie Mister Hardmann aus feinen Gesten entneh­men konnte, etwas Wichtiges verloren haben. Die beiden suchten noch eine Zettlang das Ufer ab, bann aber trollten sie sich. Mister Hardman dachte nun, das Vermißte könnte wohl ebenso gut durch die Strömung an sein

führte der Rebell sein geliebtes Julchen zum fröhlichen Tanz. Hier fanden sich die Dorf- schönen aus weitem Umkreis ein, um den be­rühmten und schmucken Räuberhauptmann auch einmal zu sehen. Hier entrichteten die Han­delsleute aus dem Hunsrück und Nahegebiet die ihnen von dem „Sudler" auferlegten Kontributionen.

Auch manchen ergötzlichen Streich Miete sich der wilde Gesell'. Bei Sobernheim (Nahe) überfiel er eine ganze Schar von Han­delsleuten, nahm ihnen Hab und Gut und befahl ihnen, sich ihrer Schuhe zu entledigen, die er dann durcheinander warf. Mit vor­gehaltenem Revolver forderte er dann die Erschrockenen auf, innerhalb einer Minute wieder die Schuhe amuziehen. Ein wilder Streit entbrannte. Der schalkhafte Held aber amüsierte sich köstlich.

Nach Rauchhaupt wird folgende lustige Be­gebenheit berichtet:

„Wir rotffen nicht, war es in Staudernheim oder in Mengerschied, wo nachstehende Ge­schichte passiert ist. Vier durstige Gesellen faßen in der Schenke, waren munter und guter Dinge. Plötzlich hörten sie Pferde­getrappel und bald darauf sprengten 2 Gen­darmen auf den Hof. „Herr Wirt, einen Kümmel, wir find auf der Suche nach dem Schinderhannes, der sich hierherum aufhalten muß!" „He, Kameräden. kommt herein und ruht euch von euren Strapazen ein wenig aus", rief einer der vorhin erwähnten Zecher. „Ihr seid wackere Beamten, und es soll uns nicht darauf ankommen, euch eine Flasche Wein zum besten zu geben!" Gerne folgten die Gendarmen der Einladung und bald

anderes übrig, als sich nach fünfstündigem Palaver mit diesem sonderbaren Handel ein­verstanden zu erklären. So fuhr der Polizei­wagen in den Hof des belagerten Hauses, der Wachtmeister saß bewaffnet am Steuer. Die vier Banditen nahmen in aller Ruhe mit ihrer Deisel Platz. Das inzwischen herbeigeschaffte Bargeld wurde im Führersitz verstaut.

Nun erhielt em Bandit die Erlaubnis, auf die Straße zu treten und sich zu vergewissern, daß die Polizei draußen keinen Hinterhalt plante. Dann fuhr der Wagen, in dem nur der Fahrer sichtbar war, unter dem tödlichen Schweigen Zehntausender von Menschen und durch ein dreifaches Spalier von Polizei aus dem Hause. Vereinbarungsgemäß war der gesamte Verkehr auf der Strecke lahmgelegt, se daß der Fahrer mit Renngeschwindigkeit durch die Stadt brausen konnte.

Dor den Toren, unmittelbar vor der Hügel­kette, die den Banditen Möglichkeiten genug zu Versteck und Entkommen bot, hielt der

diesen Nachkömmlingen so gut wie unmöglich sein, auf dem bewegten Meere zu wasiern, und zwar dicht genug neben dem Schiffe ohne jedoch damit zusammenzustoßen. Große Ge­schicklichkeit erfordert das Andordbringen bee Flugzeugs durch die Hubvorrichtung. Es ist sicher nicht leicht, auf dem Flugzeug zu stehen, wenn man jeglichen ausreichenden Halles entraten muß. Dann gehört eine nicht geringe Gewandtheit dazu, den in allen Richtungen schwimmenden Haken der Hebevorrichtung zu erreichen und ihn am Flugzeug einzuhaken.

Das Umfteigen aus der See in die Luft wird jedoch in dem Matze, wie der Flugzeug- verkehr über den großen Meeren an Häufig­keit und Regelmäßigkeit zunimmt, erhöhte Bedeutung gewinnen. Es ist daher sehr zu begrüßen, wenn die Technik sich dieser Frage neuerdings mit Eifer gewidmet hat. Als recht zweckmäßig wird in dieser Hinsicht die Erfin­dung der „Kiwullschen Staubahn" bezeichnet, über die M. Grell in der „Technik für alle" berichtet.

Das Landungsmlttel ist rechteinfad). Es besteht lediglich aus einem Stuck Segeltuch.. Soll es in Dienst genommen werden, so wird es am Heck des Schiffes, wo es festgezurrt ist, herabgelasfen und bildet nunmehr eine schräge, mehrere Meter breite Verbindung zwischen der Wasseroberfläche und dem Dampfer. Starke Trossen ziehen das Ende der Bahn unter den. Meeresspiegel und bewirken dadurch eine, Stauung des Wassers, die das Segel strafft' und wölbt. Diese Staubahn dient nun als Rampe für das Flugzeug, das in der Nähe ge­wassert ist, mit Hilfe einer Winde darüber ge­zogen und auf die Katapulvorrichtung ge­hoben wird. Von hier aus kann später dann der Start des Flugzeuges erfolgen, wenn es sich wieder auf die Reife begeben will.

Dank dieser neuen Erfindung wird Reifen­den, die sich verspätet hocken, doch noch die Er­reichung des bereits fahrenden Dampfers er­möglicht. Dem Postschiffe könne eilige Sachen nachgefcmdt werden. Die Versuche mit der Kiwullschen Staubahn sollen befrtebigenbe Ergebnisse gezeitigt haben. Don dem Verlauf einiger Prüfung, die zur Zeit noch im Gange sind, hängt es ab, ob auch auf den Schnell- Kämpfern „Bremen" und „Europa" die neue Erfindung cingeführt werden wird.

Dt. Hans Plettenberg.

Gut bewährt hat sich die Einrichtung des Katapultflugzeuges, die von dem deutschen Turbinendampfer „Bremen" erstmalig ange­wandt worden ist. Es wird dadurch, daß em Seeflugzeug den Dampfer einige hundert Kilometer vor der Erreichung seines Bestim­mungsortes verläßt, die Post schneller an Land gebracht.

Größere Schwierigkeiten bereitet dagegen der umgekehrte Fall, nämlich einem Dampfer Post ober Reisende im Flugzeug nachzusen­den. Bollends bei starken Seegang dürfte es

Bom Schinderhannes

Don Ludwig S ebener, Sohren.

„Der Wald raunt dort von dem Räuber, Der einst die Lande durchritt."

Wer kennt ihn nicht, den großen Räuber- Hauptmann, berüchtigten Abenteurer und Re­bellen, den man heute im Film und Theater konterfeit, dessen Name fast zum geflügelten Wort geworden ist?

Wer aber hat einmal seine Heimat besucht, M durch das Revier dieses „Johannes durch den Wald" geftreift?

Reizvoll ist es die Schluchten und Wälder, Burgen und Ruinen, Städte und Dörfer sei­nes Reiches zu durchwandern! Noch heute umwittert der Hauch des Romantischen „seiner Tage" die ureinsamen Wälder, zerklüfteten Berge, versteckten Gründe und zerbröckelten Gemäuer. Noch heute geht hier der Bauer hinter seinem langsamen Ochsengespann am Pflug wie vor 1000 Jahren. Nur der Singsang der Eisenbahn tönt durch das herbe Land, hallt durch die friedlichen Täler, in denen ganz drunten Bächlein leisllappernde Mühlräder drehen. Dem andächtig Lauschen­den raunt noch heute der alte Wald von dem Räuber, dem einstigen ungekrönten Herrscher des Hunsrück, der mit seinem Troß das tief- stille Land durchritt, Schrecken und maßloses Entsetzen verbreitend, wo seine Spuren sich Nur zeigten. Der Volksmund ließ den be­rüchtigten „Helden" fortleben, wob einen sagenhaften Kranz um sein Haupt, und gar Manches, was die Chronik von ihm vermeldet, klingt heute wie Legende.

Als der „Franzos" um 1800 auch hier auf dem Hunsrück „rumorte", trieb der große

Zu den gefährlichsten Fahrwassern in Europa zählt, wie wenigen bekannt sein dürfte, der Flutzlauf des Tajo von Toledo ab­wärts. Zwei jungen Spaniern ist es kürzlich gelungen, als erste in einem kleinen Kanu die Strecke von der genannten Stadt bis nach Lissabon hinunter zurückzulegen. Weniger er­folgreich lief vor etwa einem halben Jahr­hundert der Versuch eines englischen Obersten ab, der sich in den Kops gesetzt hatte, den Taj» schwimmend zu bewältigen. Angesichts frühe­rer ähnlicher Versuche, die ausnahmslos mit

in die Hände.

Fünf Minuten später war bas ganze Stadt­viertel m Aufregung. Die Ueberfallwagen sausten heran, zwei Hundertschaften berittener Polizei sperrten die Straße vor dem Haus des Bahndirektors ab. Taufende von Neugierigen stauten sick. Die Straßenbahnen mußten hal­ten, und die Schaffner nahmen für Plätze, von denen aus man das Haus Tfchang Schus sehen konnte, zehnfache Fahrpreise.

Aber kein Mensch unternahm etwas. Denn die Räuber schickten das Mädchen an ein Fenster und ließen es rufen: „Ich werde so­fort getötet, wenn man den Leuten hier nur em Haar krümmt! Sie wollen mich rauben und Lösegeld haben."

Die Polizei war ratlos. Der unglückliche Batet rang verzweifelt die Hände. Die japa­nischen Besatzungstruppen kochten vor Wut.

«Räubereien sind in China an der Tagesord­nung. Es muß also schon ein besonders kras­ser Fall sein, der die Aufmerksamkeit des ge­samten Fernen Ostens und Englands auf sich senkt: Auf der Rennbahn von Niutschwang, einer südmandschuris chen Stadt, tummeln eines Morgens zwei Engländer ihre Pferde, eine junge Frau von achtzehn Jahren, erst vor wenigen Monaten ver­heiratet und nun zu Besuch bei ihrem Vater, und der Sohn eines englischen Generals. Plötzlich werden die beiden von Räubern über« sollen und im Angesicht einiger Dutzend ver­ängstigter Chinesen fortgeschleppt.

Seitdem ist es unmöglich, eine Spur von ziaubern und Geraubten zu finden. Man weiß mir, daß die Gesuchten sich in einem ®ebiet aufhalten, das von schätzungsweise 20 000 Banditen und Deserteuren unsicher ge­macht wird und in das selbst die japanischen Besatzungstruppen noch nicht eingedrungen sind. Die ohnmächtigen mandschurischen Be­hörden wußten keinen besseren Rat, als den Räubern der beiden Engländer durch die Presse Staatsstellungen anzubieten, wenn sie die Fremden nur freigeben wollten.

Geradezu komödienhaft war der Vorfall, der sich im ebenfalls mandschurischen Harbin zu- trug. Vier gut gekleidete Chinesen liehen sich bei ihrem Landsmann, einem Direktor der Ostbahn, melden und wurden eingelassen. Tschang Schu, der Eisenbahnmagnat, saß mit seiner Tochter im Wohnzimmer. Kaum hatte sich hinter den Vieren die Tür geschlossen, zogen die Fremden Pistolen: „Hände hoch!" Tschang Schu war eiliger. Mit einem Satz sprang er durch das Fenster in den Garten und entkam. Seine Tochter fiel den Räubern

Räuberhauptmann Johannes Bückler, genannt „der Schinderhannes", mit seinen Spießge­sellen hier oben sein lichtscheues Handwerk. In einem in Rhaunen b. Kirn im Jahre 1797 abgefertigten Schriftstück heißt es: „Das herrenlose Gesinde! hat sich in der ganzen Gegend derart gehäuft, baß am Tage nie­mand ohne Begleitung, bei Nacht aber kein Mensch sich getraut, über Feld zu gehen aus Furcht, mißhandelt oder beraubt zu werden. Die Pferde werden täglich aus den Ställen gestohlen, und der Landmann muß sich wegen der Wiedererhaltung seines Eigentums mit den Dieben abfinden."

Das .game Land um Nave Hnb Elan, manchmal tauchte er auch im Rechtsrheinischen auf. ward von dem Desperado und fernem Troß heimgesucht. Von „drüben" kommend, überschritten sie oft bei Trechtingshausen den Rhein, stapften in langem Marsch durchs Morgenbachtal den Hunsrück hinauf. 3n Stromberg oder Rheinböllen wurde gerastet, und bei fröhlichem Bechern der Raubzugs­plan beraten. Vornehmlich vermögenden (Eigentümern fertigte man Brandbriefe ab — es dauerte auch nicht lange und die Geängstig­ten brachten die geforderte Summe und zahl­ten ihren Tribut ost m Gestalt eines Beutels roher Goldstücke. Dann raste die „wilde Jagd" weiter. Es galt einen Kramladen auszuplündern. Einen massigen Baumstamm wuchteten die Halunken wider den Hausein­gang und plünderten den zu Tode erschrocke­nen Handelsmann gänzlich aus. Dann flüch- teten die Heißsporne m alle vier Winde, um anderswo neue Streiche auszuhecken. Auf der Schnittburg, einer Ruine b. Kirn, „re­sidierte" Schinoerhannes lange Zett. Hier

Ufer getrieben fein, und machte sich ebenfalls auf die Suche. Mit Erfolg. Er fand eine an» geschwemmte Brieftasche, die zwar kein Geld enthielt, dafür aber etwas, das dem Sucher noch viel wertvoller erschien: einen Liebes­brief. Hardmann wußte sofort, daß er aus diesem Fund Geld herausschlagen mußte. So erkundigte er sich nach den Adressaten, erfuhr daß dieser verheiratet war, und rieb sich ver­gnügt die Hände. Denn jetzt konnte er einen wunderschönen Erpresserbrief schreiben: „Sie haben mit einer jungen Dame gepaddelt. Außerdem hat Ihnen, einem verheirateten Manne, die Bewußte einen glühenden Liebes­brief geschrieben. Letzteren besitze ich. Wenn Sie vermeiden wollen, daß ich den Brief Ihrer Frau schicke, so müssen Sie mir 1000 Mark zahlen." Es konnte keinen Zweifel geben: Mister Hardman waren die 1000 Mark von Seiten des verschüchterten sündigen Ehe­mannes sicher. Leider hatte sich Mister Hard­mann geirrt. Der Empfänger zahlte nicht die verlangte Summe, sondern er ging zur Poli­zei. Denn in diesem Fall — wie es sonst mit ihm stand, weiß der Chronist nicht zu berich­ten — wußte sich der Bedrohte von aller Sünde frei. Der Liebesbrief stammte nämlich von seiner eigenen Frau, die einige Tage vor ihm in die Ferien gegangen war und sich nach dem Daheimgebliebenen sehnte. Der kleine Fehler in Mister Hardmcms sonst so vor­treffsicher Rechnung kostete den unglücklichen Erpresser drei Jahre Gefängnis.

dem Tode der Wagemutigen geendet hatten, roar er auf einen ganz schlauen Gedanken ge­kommen. Er ließ sich einen Gummianzug an- fertigen, der mit Luft gefüllt seinen Träger über Wasser hielt, zog dazu ein Paar mit Blei beschwerte Schuhe an und stieg ins Was­ser, um so m aufrechter Haltung sich den Taj» hinuntertreiben zu lassen. Glücklich hatte ep auch die Stromschnellen auf spanischem Gebiet überwunden, als ihn kurz nach Ueberschreiten der portugiesischen Grenze doch noch das Ge­schick ereilte. Ein der Jagd obliegender Por- tugiefe bemerkte die seltsame Gestalt; in der Annahme, es mit irgend einem unbekannten Flugungeheuer zu tun zu haben, sandte er ihm eine Kugel nach. Sie traf nur zu gut. Sie durchschlug nicht nur den Gummianzug, aus dem alsbald die Luft entwich, sondern durch­bohrte auch das Herz des sonderbaren Schwim­mers. Die Bleigewichte zogen die Leiche, der jetzt der Auftrieb fehlte, in die Tiefe, und von Oberst Boyton wurde nie wieder etwas ge­sehen.

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