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Die .Oberhessische Zeitung" erscheint sechsmal tvkchentlich. Bezugspreis tnonatl. i. Marburg 2.02 KM. auSschl. ZusiellungSgebtibr, bei unsren Agenturen 1 93 SM. zuzügl. ZustellungSgebthr, durch die Post 2.25 SM. Für etwa durch Streik, Maschinendefektoder elementare Sreigniste ausfallend« glummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag, Dr. C. Htheroth, Druck der Unib-Buchdruckerei Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 2054 u. Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion bvn 10—11 tob »/,!—! Uhr.
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Anzeiger für (das frühere knrheffische) Oberhessen
9lt.224 67.MIT. Marburg ».Mn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.
Die deutsche Haltung in Genf
Gegen Gerüchte über ein Kompromiß in der ALrüstungssrage — Keine Furcht vor „Geheimdokumenten"
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zu beteiligen.
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Präsidenten Henderson aufsuchen und ihm noch einmal mündlich im einzel-
Bon amtlicher Seite wird zu den Zeitungsmeldungen über eine beabsichtigte schriftliche Antwort att Henderson erklärt, daß die Reichsregierung das Schreiben des Präsidenten der Abrüstungskonferenz nicht schriftlich beantworten wird. Selbstverständlich wird Reichsauhenminister Freiherr von N e u -
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_____ Sn diesem Zusammenhang muffen die 52oe Gerüchte und Erörterungen zurückgewiesen
rbm, werden, die von einer Kompromissuche in der Abrüstungssrage sprechen und andeuten, daß im Verlaufe von persönlichen Un-
dnboi terredungen zwischen den deutschen Dele- gierten bei der Ratstagung und der Völ- kerbundsversammlung und den Staats«
ES^ männern der anderen vakrvern Berfucye ‘
)i<mn »en die Gründe darlegen, die Deutschland । ” veranlagt haben, sich an de» weiteren Ver- zuriit Handlungen der Abrüstungskonferenz nicht
Abrüstungsfrage zurückgezogen. Man hat in deutschen Regierungskreisen durchaus nicht die Absicht, die weitere Entwicklung zu überstürzen, sondern ist gewillt, in Ruhe abzuwarten, wie die Gegenseite sich verhalten wird, und danach die deutsche Haltung einzurichten.
Wenn jetzt in der französischen Preffe immer wieder von angeblichen Geheimdokumenten die Rede ist, so kann auch demgegenüber immer wieder nur betont werden, daß wir die Veröffentlichung fol- cher Eeheimdosfiers nicht zu fürchten haben, ganz abgesehen davon, daß es sich bisher immer um unklare Andeutungen gehandelt hat.
Französische Verstimmung über Henderson.
Genf, 22. Sept. Die heute im Büro der Abrüstungskonferenz entstandene Kontroverse zwischen Henderson und Sir /John Simon wurde nach Schluß der Ätzung in den Konferenzkreisen eifrig besprochen und kommentiert.
Von englischer Seite wird die Version verbreitet, daß Sir John Simon keineswegs gegen eine Diskussion der politischen Fragen, zu denen natürlich in erster Linie die Gleichberechtigungsfrage gehört, Einspruch erheben wollte, sondern daß er lediglich den jetzigen Augenblick, vor den Privatbesprechungen mit dem deutschen Außenminister, die man allgemein hier erwartet, für unangebracht halte. .
In französischen Kreisen vertritt man eine wesentlich schärfere Auffassung. Es verlautet, dah man in der französischen Delegation über Henderson ziem- lich verstimmt ist. Es scheint, daß die französische Delegation eine Diskussion der Gleichberechtigungsfrage im Büro her Konferenz ablehnt mit dem Dor- tvande, daß für die Behandlung dieser Frage lediglich der Völkerbunds- r a t oder die Völkerbundsversammlung zuständig seien.
, Die Pariser Preffe gegen Henderson.
Die Erklärungen, die der Präsident der ^lbrüstungsfonferenz, Henderson, im
■■ einer baldmöglichen Einigung gemacht XZ* werden würden. Deutschland hat sich mit seinem Schritt in der Frage der Eleichbe- i und rechtigung keineswes in einen politischen n °CT Schmollwinkel zurückziehen wollen, weil es sich irgendwie verletzt fühlte, sondern hat sich aus schwerwiegenden sachlichen Gründen von den weiteren Verhandlungen der
■■ rath nach seinem Eintreffen in Genf den IW
Saufe der Donnerstag-Aachmittag-Sitzuna des Abrüstungsbüros abgegeben hat und in denen er auf einen bevorstehenden Schritt im Sinne der Wiederbeteiligung der Deuts chen bei den kommenden Verhandlungen hinwies, werden von der großen Pariser Presse allgemein adgelehnt. Man spricht von einem Manöver Hendersons zugunsten Deutschlands, das durch nichts gerechtfertigt sei, bah die Arbeit auch ohne Deutschland
einen guten Fortschritt mache. Der außenpolitische Berichterstatter des „Echo de Paris" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, dah man bei der Wiederaufnahme der Arbeiten des AbrüstungsbürvS am 10. Oktober von allen Seiten auf die französische Abordnung einwirken werde, damit sie für eine quantitative Und qualitative Herabsetzung des Heeres- stimme. Er wendet sich gegen die Einstellung Hendersons, dem er vvrwirst, seine Befugnisse
Stimson gegen Henderson
Kontroverse im Büro der Abrüstungskonferenz
Genf, 22. Sept. Das Büro der Abrüstungskonferenz hat heute nachmittag den vorliegenden Arbeitsplan in allen Punkten durchgesprochen und sich sodann auf Anfang nächster Woche vertagt. Zu cii,er irdhusieu Ä.ntrovcrs* kam es bei dem letzten Punkt des Arbeitsplanes, der von den allgemeinen und den politischen Fragen handelt «nd wo gesagt wird, daß es Sache des Büros sei, zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Art die Prüfung dieser Fragen vorbereitet werden soll.
L i t w i n o f f erklärte, daß es jetzt an der Zeit sei, die großen Fragen, wie sie in dem Hoover-Plan und in den Vorschlägen Sowjetruhlands vorgelegt seien, anzu- packen. Der englische Außenminister Sir Sohn Simon vertrat die Meinung, dah das Büro nicht dazu da sei, die grohen politischen Probleme, die zur Zuständigkeit des Hauptausschusses gehörten, zu diskutieren. Das Büro habe die Aufgabe, die zweite Phase der Konferenz vorzubereiten. Die in der Resolution vom 23. 7. enthaltene Stelle über die politischen Fragen sei
lediglich deshalb ausgenommen worden, um jedes Mihverständnis bezüglich der in der Resolution getroffenen Entscheidungen zu vermeiden. Der französische Kriegsminister Paul Boncour und der Berichterstatter Benesch traten den Ausführungen
englischen Auheuminifters bei.
Präsident Henderson jedoch vertrat einen anderen Standpunkt. Er erklärte, dah die in seinem Briefwechsel mit der deutschen Regierung aufgeworfene Frage sehr wichtig sei.
Es sei unerlählich, dah gerade Fragen
dieser Art von dem Büro diskutiert würden.
Er sei erstaunt, dah eine Delegation (gemeint war die französische Delegation) sich dieser Ausfaffung widersetze, umso mehr als diese Delegation stets der Meinung gewesen sei, dah Probleme dieser Art nicht im Hauptausschuh, sondern in der politischen Kommission diskutiert werden mühten. Henderson erklärte ausdrücklich, dah er sich feilte endgültige Stellungnahme vorbehalte und dah er nach Beratung mit dem Präsidenten des Büros später auf die Frage zurückkommen werde.
Der Reichskanzler im Rundfunk
Die Winterhilfe
Berlin, 22. Sept. Reichskanzler von Pap en hielt heute abend im Rundfunk eine Rede, in der es u. a. heißt: Heute wendet sich das Win ter Hilfs werk an Sie und ans ganze deutsche Volk mit der dringlichen Bitte, es auch im kommenden Winter durch freiwillige Spenden aller Art bei der Betreuung hilfsbedürftiger Volksgenossen zu unterstützen. Die Reichsregierung macht sich gern durch mich zum Fürsprecher dieser Bitte, welche die in der Deutschen Liga der Freien Wohlfahrtspflege zusammengefahten Wohl- tätigkeitsorganisationen an alle, die helfen können, ergehen laffen.
Me grob dennoch die Lebensnot von Millionen deutscher Volksgenossen ist, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Sie sind täglich Zeugen ihres ost verzweifelten Lebenskampfes. Die Massen unschuldig ins Unglück Geratener haben dennoch den Glauben nicht verloren, dah sie mit ihren zermürbenden Sorgen und Entbehrungen sich wieder einmal in -ne beffere Zukunst hinüberretten. Sie haben sich das Zutrauen zu sich selbst und zu ihrem Volke erhalten, aber sie werden in ihrem Vertrauen neu gestärtt werden, wenn es auch in diesen Wintermonaten gelingt, ihnen einen neuen Beweis wohltätiger Nächstenliebe zu erbringen, rbie es stets Christen- psticht amd Chriftenbrauch gewesen ift
Das letzte Winterhilfswerk hat den Beweis erbracht, wie grob und stark sich deutsche Opferbereitschast und deutscher Opfersinn trotz allem erhalten haben. Für das letzte Hilfswerk sind vom deutschen Volk rund 100 Millionen in Geld und Sachspenden aufgebracht worden. Allen denen, die daran mitgewirtt haben, spreche ich den Dank des Reiches aus. Ich bin überzeugt, dab auch der diesmalige Appell an die Opferbereit« schäft nicht vergeblich fein wird.
Die höheren Beamten beim Finanzminister
Berlin, 22. Sept. Vom Reichsbund der höheren Beamten wird rnitge- teilt, daß der Reichsminister der Finanzen gestern Vertreter des Reichsbundes der höheren Beamten, die ihre Besorgnisse über die fortschreitende Zersetzung des Gehalts vieler Länder- unb Gemeinde beamten darlegten, empfangen hatte. Der Reichsfinanzminister verwies auf den neu eingesetzten Länderausschuh, in dem auch diese Fragen zurErötterung kommen würden, und stellte eine Erwägung der vorgesHlagenen Hllfs- maßnabmen in Aussicht
zu überschreiten. Das „{Journal* 6e* tont, daß man dem Manöver Hendersons mit aller Ruhe antgegensehen könne, da die letzte Sitzung des AbrüstungsbürvS deutlich bewiesen hätte, daß man sich im Schoße der Konferenz selbst keine Sorgen um die Abwesenheit der deutschen Abordnung mache.
Kabinettsrat über die autzenpolftifche Rede Herriots.
fk. P a r i s, 23. Sept. Die französischen Minister treten am Freitag nachmittag zu einem Kabinettsrat zusammen, nm sich fast ausschließlich mit der außenpolitischen Lage zu beschäftigen. § erriet wird die Gelegenheit benutzen, um seine Kollegen über die Eindrücke zu unterrichten, die er während seines kurzen Aufenthalts in Genf gewonnen hat. Er wird außerdem die großen Richtlinien der politischen Rede unterbreiten, die ausschließlich außenpolitischen Fragen gewidmet " sein wird, und der man in politischen Kreisen große Bedeutung beimißt, da der Ministerpräsident darin die These erläutert, die Frankreich auf der bevorstehenden Tagn-ng des Völkerbundsrates verteidigen wird. Am Sonnabend vormittag findet auf dem Sommersitz des Staatspräsidenten in Rambouillet ein M i n i st e 11 a t statt, in dessen Verlauf der Ministerpräsident den end- gültigen Wortlaut seiner Rede bekannt geben wird.
Mnffolinis Anerkennung des deutsche« Rechtssta ndpuuktes.
ft. Paris, 23. Sept. Mussolini hat ein Mitglied der Redaktton der radikalen Zeitung „RepUblique" empfangen und sich über die französisch-italienischen Beziehungen ausgesprochen. Zm Verlaufe der Unterredung tourde auch die Ab- r üstungsfrage berühtt. Mussolini erklärte hierzu kategorisch, tnewn man die Wiederaufrüstung Deutschlands vermeiden wolle, so gebe es nur ein Mittel dafür, nämlich die konkrete Herabsetzung der Rüstung en. Es sei ein im Versailler Vettrag verankertes Gesetz , daß di« Abrüstung Deutschlands als Vorbereitung der allgemeinen Abrüstung zu gelten hätte.
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Außenpolitik
und Autzenvertretung
Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt unter der Überschrift „Außenpolitik und AUhenvertretung" u. a.: „Die Außenpolitik tritt über Gebühr hinter den innerpolittschen Auseinandersetzungen zurück und doch spielen sich Vorgänge von außerordentlicher Zukunftsschwere ab. Die Isolierung Deutschlands tritt immer schärfer umrissen heraus. Die Westmächte sind zu einer politischen Front zusammengewachsen, in der England mcht mehr die Etappe hält, sondern einen ganzen Frontabschnitt besetzt hat. Was Brüning an Vertrauen in London aufgeschichtet hat. ist zusammengesunken. Die Verbindungsstege von Deutschland zu England sind schmal und schwankend geworden. In Sir John Simon ist der frankophile Chamberlain wieder auferstanden. Was hat Deutschland getan, um dieser Entwicklung entgegenzutreten? War es notwendig, den Londoner Außenposten monatelang unbesetzt $u lassen? Warum zögerte man in diesen kritischen Zeiten so lange mit dieser Besetzung? Hat man vielleickn außenpolitische Erwägungen imierpvli-