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Nr. 216________________________________

Die Monöfinsteems

Wenn das Wetter keinen üblen Streich spielt, werden die Freunde der Himmels- Kinde am Abend des 14. September das Schauspiel einer fast totalen Mondfinster­nis bewundern können; die Beobachtbar- keit wäre umsomehr zu wünschen, als diese Mondfinsternis ' für über ein Jahr die letzte sichtbare sein wird. Kurz vor Voll­mondstermin (22.06) taucht der Mond zu-

Mondlauf

U'/e eine Mondfinsternis entsteht;

Unten

Oben

Erde

Der Mond geht durch den Schatten derfrde: (aj?\Mond

Zur Mondfinsternis am 14. September.

Unsere beiden Skizzen zeigen das Ent­stehen und den Verlauf einer fast totalen Mondfinsternis, wie sie am abend des 14. September zu beobachten fein wird. Tie Vollmondscheibe tritt um 20.18 Uhr in den Erdschatten ein, von dem sie -schließlich 6is zu 98 Prozent bedeckt wird. Um 23.43 Uhr ist die Mondscheibe dann wieder voll sichtbar.

nächst in den Halbschatten der Erde um 19.05 Uhr. Von dieser Verfinsterung ist allerdings kaum etwas bemerkbar, da die Mondoberfläche immer noch von ziemlich viel Sonnenlicht getroffen wird, sodaß wir es nicht zu bedauern brauchen, daß der Mond erst wenige Grads^über den Hori­zont steht. Umso bester ist dagegen die erste Berührung des Kernschattens der Erde mit dem Mondrand um 20.18 Uhr zu be­obachten. Dann wandert die dunkelschwarz gefärbte Schattengrenze immer weiter über den Mond hinweg: wer ein Fern­rohr hat, kann das Eintauchen der Mond­krater in den Schatten gut beobachten. So wird nach unserer Vorausberechnung um 20.39 das RinggebirgeTycho" am Schat­tenrand liegen, um 20.46 UhrCoperni- cus, etwa 21.18Plato"': dann tritt um 22.01 Uhr die größte Phase der Finsternis ein: 0.98 Teile des Monddurchmesters sind vom Erdschatten verhüllt, die Finsternis ist also partiell, ihr Eindruck für den nicht ganz exakten Beschauer kommt aber einer totalen fast gleich. Dann wird der am stärksten verfinsterte Teil des Mondes (nahe dem Zentrum des Erdschattens) in rötlrchem Glanz leuchten, da in der Erd­atmosphäre gebrochene und wie bei Abend­rot rötlich gefärbte Sonnenstrahlen durch eben diese Brechung noch in den Schatten­kegel der Erde gelängen; es ist also hier gar nicht wirklichfinster". Dann wandert der Erdschatten wieder von der Mond­scheibe weg, um 22.26 wirdPlato" frei, um 22.49Copernicus", um 23.15Tycho" und um 23.43 tritt der Mond völlig aus dem Kernschatten der Erde aus, während der Austritt aus ihrem Halbschatten erst am Morgen des 15. September um 0.56 Uhr erfolgt.

O6et6eflH»e Zeitung, Marburg e. C- Mittwoch, den 14. September 1932

RelMtS-tebunrundBerwaltunssrMm

Unter starker Beteiligung tagte in Berlin der Hauptausschuß des Reichsstädtebundes unter Vorsitz des Bundespräsidenten Oberbür­germeister Dr. Belian, M. d. RWR. Der Reichsstädtebund vertritt 1570 mittlere und kleine Städte. Der Vorsitzende bezeichnete es als einen Schlag in das Gesicht für die Städte unter 10 C00 Einwohnern, daß sie durch die letzte preußische Verordnung unter die Dienstaufsicht der Landräte und die V e r w a l t u n g s g e r i ch ts b a r ke i t der Kreisausschüsse gebracht seien. Im Namen des Reichsstädtebundes pro­testierte Oberbürgermeister Dr- Belian mit aller Entschiedenheit gegen die Minderung der Rechte der betroffenen Städte.

Der geschäftsführende Vizepräsident Dr. Voigt äußerte sich über die Rechtsstel­lung der kreisangehörigen Städte und die Verwaltungsreform. Er begrüßte die Beibehaltung des Regierungspräsidenten und stellte fest, daß auch gegen die Konzentrierung der allgemeinen Landesverwaltung innerhalb der Landkreise beim Landrat keine .Bedenken zu erheben seien. Die allerschärfste Ablehnung finde aber die Unterstellung der kreisangehöri­gen Städte bis zu 10 000 Einwohnern unter die Staatsaufsicht des Landrats und die Er­klärung des Kreisausfchusies zur Beschluß- behörde, ganz zu schweigen von der Ermächti­gung des Staatsministeriums, diese Maßnah­men für einzelne Regierungsbezirke auf alle kreisangehörigen Städte auszudehnen. Die mit der Staatsaufsicht betrauten Behörden müßten von lokalen Einflüsien unabhängig sein. Der Landrat sei aber in seiner Eigen­schaft als Vorsitzender des Kreisausschusses Vorsitzender eines Kommunalverbandes, der in vielen Fragen im ausgesprochenen Gegen­satz zu den Interessen seiner Gemeinden stehe.

über die er nunmehr die Staatsaufsicht aus­üben solle. Es zeige sich hier der in der deut- scheu Rechtsgeschichte bisher einzig dastehende Fall, daß durch Gesetz von zwei widerstreben­den Parteien eine zum zuständigen Richter in eigener Sache berufen werde. Dadurch könnte das Vertrauen zum Landrat schwere Erschütterungen erleiden, weil die Be­völkerung ihm parteiische Motive unterstellen würde, wenn er einmal in eigener Sache zu Ungunsten einer Stadt entscheide. Es müsse daher der Regierungspräsident weiterhin Staatsaufsichtsbehörde für alle kreisangehörigen Städte fein. Der Redner wandte sich noch gegen die Aufblähung des Verwaltungsapparats der Landratsämter. In einer Ent­schließung wurden die Forderungen des Reichsstädteb'undes im Sinne des Referats niedergelegt.

Der geschäftsführende Präsident Dr. Haekel begrüßte in seinen Ausführungen über kom­munale Finanzfragen das Arbeitsbeschaf­fungsprogramm und den freiwilligen Arbeitsdienst, weil sie geeignet feien, die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen zu ver­ringern. Ihre Gesamtzahl betrage 53,4 Proz. aller unterstützten Arbeitslosen und habe be­reits im Sommermonat August den geschätzten Durchschnitt für 1932 um 270 000 überschritten. Eine Erhöhung der Wohlfahrtsbei, Hilfe des Reiches sei daher unerläßlich. Die Bürger st euer werde den Gemeinden nur einen Vorteil für die nächsten drei Monate gewähren, dagegen ihre Einnahmen in den nächsten sechs Monaten um ungefähr den glei­chen Betrag verkürzen. Es bedürfe eines Finanzausgleichs und eines neuen Gemeinde­steuer-Systems mit ausreichenden eigenen Ein­nahmen und eigenem Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden.

fWSurnfaBrt m 1. Bezirks (Siirngmi WO

Es herbstet! Em kräftiger Südwest jagt über die Stoppelfelder dahin. Am Himmel ein unbändiges Heer von Wolken, die nur ab und zu der Herbstsonne mit ihren an­genehm erwärmenden Strahlen Durchlaß ge­währen. Das ist die Zeit, in der es auch den Turner hinauszieht, Anteil zu nehmen an der herben Naturschönheit. So lag es auch im Programm der diesjährigen Veran­staltungen des 1. Bezirks, eine Herbst- wanderung der Vereine mit einem ge­meinsamen Treffen. Am Sonntag, dem 11. September fand daher der diesjährige Herbst- turngang statt. Das Ziel der Wanderung war diesmal die geschichtlich -berühmte Amöneburg. Das sonst so stille Städt­chen und die malerischen Trümmer der erz­bischöflichen Burg waren der Tummelplatz für unsere Turner, Turnerinnen und Schü­ler. Bereits am Vormittag konnte der interessierte Beobachter am Südhang in hal­ber Höhe des Berges zwischen grünen Wie­sen und dunklen Tannenwäldchen em lustiges Lagerleben erblicken. Lange schwarze und bläuliche Rauchschwaden, unendlichen Wim­peln gleich, denen der kräftige Herbstwind keinen allzu langen Bestand verlieh, kündigten an, daß Turner und Turnerinnen ihr Mit­tagsmahl bereiteten. Ern lustiges Lied auf den Lippen zogen sie nach Beendigung des Mahles zur luftigen Höhe. Hier ange­kommen wurde erst ein Streifzug durch das Städtchen unternommen. Besondere Auf­merksamkeit erregten die alten Burgtrümmer und die Dechaneikirche, die zur Zeit restau­riert wird. Nach nochmals kurzer Rast im Dereinslokal des heimatlichen Turnvereins und im Kurhotel fanden sich die Turner, Turnerinnen und Schüler zu einem volkstüm­lichen Wettkampf zusammen.

Der Bezirksoberturnwart M. Tertor- Marburg begrüßte die Teilnehmer im Na­men des Bezirks und wies in seinen Worten auf die Bedeutung des Turnertreffens hin. Er gab seinem Bedauern Ausdruck, daß die Beteiligung an dieser Herbsttumfahrt so gering ausgefallen sei. Die beschränk­ten Raumoerhältinsse und primitiven Hilfs­mittel gaben der Veranstaltung von Anfang an em humoristisches Gepräge. Als Lauf­bahn einige kurze Spazierwege, für das Steinstoßen unförmliche Basaltbrocken! Der grüne Rasen als Spielplatz für Turnerin­nen und Jugend!

Nach Beendigung des Wettkampfes trat sofort derBerechnungsausschuß" in Tätig­keit. Im Anschluß hieran fand die Sieger« Verkündigung statt und Abmarsch m die

heimatlichen Gefilden. Die Bezirksleitung tarnt trotz der geringen Beteiligung aber­mals auf eine gut verlaufene Veranstaltung zurückblicken. Nachstehend die Sieger des Wettkampfes: '

Turnerstufe: 1. Erich Rahlf, To. Gladenbach: 2. Seibel, Tv. Wenkbach: 3. Hans Kraft, Tgm. Marburg: 4. Neuhöf er, Tv. Amöneburg, Knott, Tv. Wenkbach, Hch. Schäfer, Tgm. Marburg: 5. Kaletsch, Tv. Wenkbach, Adam Ernst, Tv. Marbach: 6. Sauer, To. Wenkbach: 7. Erwin Kratz, Tgm. Marburg, Zecher, To. Amöneburg: 8. Kurt Schöne, T.- u. Sp.-V. 1860 Mar­burg: 9. W. Hoffmann, Tgm. Marburg, Weber, To. Amöneburg: 10. Hartmann, Tv Eladönbach.

Jugendturner: 1. Kd. Scheidemann, Tarn. Marburg; 2. Hermann Ernst, Tv- Marbach: 3. Karl Jesberg, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg; 4. Hch. Brechnitz, Tgm. Marburg; 5. Norbert Kliem, Tv. Amöne­burg: 6. Philipp Tertor, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg, Weber, Tv. Amöneburg.

Turnrinnen: Loh, T.» u. Sp.-V. 1860 Marburg: 2. Eva Fuchs, Tgm. Mar- bürg; 3. Henriette Heller, Tgm. Marburg: 4. Käthe Pilgram, Tgm. Marburg, Henkel, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg: 5. Else Rau, Tgm. Marburg; 6. Maria Heller, Tgm. Marburg: 7. Zutz, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg; 8. Martha Noll, Tgm. Mar­burg: 9. Annemarie Noll, Tgm. Marburg; 10. Keil, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg: 11. El. Scheidemann, Tgm. Marburg: 12. Stet, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg; 13. Elisabeth Staff, Tgm. Marburg; 14. Anne­marie Kunkel, Tgm. Marburg.

Schüler: 1. Heinz Kujus, T.- u. Sp.-V. 1860 Marburg; 2. Kurt Schlewert; 3. Heinz Noll; 4. Karlheinz Zell, Heinrich Fräbel; 5. Hans Brock; 6. Konrad Baier; 7. Kurt Kunkel, Helmuth Zell; 8. Hermann Scholl, Peter Block, WM Scheidemann, Wolfgang Zell; 9. Karl Emmerich; 10. Helmuth Frä- bel (sämtlich Tgm. Marburg).

'Heute rückt unsere ^Reichs- wehr ein. Wir weisen noch einmal dar­aus hin, daß das Marburger Ausbildungs- Bataillon heute nachmittag 16.39 Ahr aus dem Sennelager in seine Garnison zurück­kehrt.

Stifte Roman wir- verfilmt!

Die U f a hat soeben ««seren Roman des jungen rheinische« Dichters Heinz Stege« weit »Der Jüngling im Fe-er. efen $nr Verfilmung angenommen. Das bei Albert Langen-Georg Müller er­schienene Bach errang bisher eine Anflage so« 40 Tausend and ist bereits dnrch sein« anfbanende, vaterländische Gesinnung, durch seine« hohen sittlichen Ernst and sei­ne« echten rheinische« H«mor za einem wirflichea Volksbuch geworden.

* Ehrendenkmal für die Ge­fallenen des Jnfanterie-Re- aiments Nr. 81 und seiner Kriegs­formationen. In mühsamer, lang­jähriger Sammelarbeit hat der 81er Bund jetzt Mittel zusammengebracht, um den lang gehegten Plan, ein Ehrendenkmal für die im Weltkriege Gefallenen des ak­tiven Infanterie-Regiments und aller seiner Kriegsformationen in der alten Garnisonstadt Frankfurt o. M. zu er­richten, ausführen zu können. Im Früh­jahr 1933 soll das Ehrenmal geweiht wer­den. Die Stadt Frankfurt a. M. hat hierzu den erbetenen Platz in der Straße der Republik an der Einmündung der Hohenstaufenstraße vor dem Eisenbahn- Direktions-Eebäude freundlichst zur Ver­fügung gestellt, sodaß das Denkmal in un­mittelbarer Nähe der alten Earnisonkirche, der Matthäuskirche zu stehen kommt. Die Einweihung des Denkmals wird mit einer Wiedersehensfeier aller 81er, ähnlich wie im Jahre 1928, verbunden werden. Die Vorbereitungen hierzu find im Gange. Auskunft in der Denkmalsfrage erteilt: Oberstleutnant a. D. Weydt, Frankfurt a. M., Eppsteinerstraße 38. In Fragen Wiedersehensfeier: Inspektor Hermann Frank, Frankfurt a. M., Schielestraße 26. Die Regimentsgeschichte des Jnft.» Rgts. 81, dieses unvergängliche Denkmal zu Ehren der Kämpfer für Heimat und Vaterland ist erschienen und erfreut sich großer Nachfrage. Bestellungen sind an die vorgenannten Herren zu^ richten. Auch kann das Buch bei der llntversitätsbuch- handlung Blazek & Bergmann, Frankfurt a. M., Goethestraße 34, bezogen werden.

Brieflaften bet Schriftleitung.

H. P. Sie muffen Bürgersteuer zahlen, wenn Ihr Einkommen im Jahre über 500 M beträgt. Der Betrag von 18 M ist richtig, wenn Sie int Jahre 1930 ein lohnsteuerpflich- tiges Einkommen hatten, andernfalls beträgt der Satz 9 Jl, falls nicht Ihr Vermögen die Summe von 10 000 Jt übersteigt.

Wetterbeobachtungen am13.14. Sept

Höchste Temperatur am 13.September 18.8CeIsius

Niedrigste Temperatur letzte Nacht 11,9 Celsius

norm.

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER

Zeit

Barometerst. reduziert auf N. N.

Tempe­ratur

Relative

Luft- seuchtig-

13. 8.2 Uhr nachm.

13. 8. 9 Uhr nachm'

14. 9. 7 Uhr " vorm.

763.8 mm

765,3 mm

764.1 mm

18,5 Kell.

12,2 Teil.

13,8 Teil.

641.

98*1, 98'/.

Wettergasse 30 Bahnhofstr. 9

Marburg/Lahn

Fernruf 2248.

Bei Island ist em neuer kräftiger Tief­druckwirbel erschienen, da inzwischen aber das Azorenhoch einen Ausläufer nach dem Kon­tinent vorgeschoben hat, wird der Einfluß der Tiefausläufer auf unsere Witterung sich nur schwach auswirken. Die Neigung zur Nebelbildung.nimmt jedoch zu.

Vorhersage für Donnerstag: Abgesehen von Nebilbildung wolkig bis aufheiternd, höchstens vereinzelt etwas Regen, tagsüber ziemlich warm.

Verlag Dr. C. Hitzeroth. Hauptschrsttleiter und verantwortlich für Po­litik und Feuilleton: Dr. Ernst Schellet; für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales: Lothar Schneidet, sämtlich in Marburg.

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