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Nr. 208

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Es git niks üwer e Grabefest

Hoffmanns Lieschen" - Man gewinnt schon wieder einen Prozeß

120 Jahre sind es nun her. daß die Weidenhäuser Crlengrabengesellschaft ge­gründet wurde und ganze 19 Jahre waren mS Land gegangen, seitdem die Weiden- Häuser Bürger zum letzten Male ihr be­liebtes Grabenfest feiern konnten. Man kam nicht mehr dazu, jenen Prozeß zu feiern, der vor 120 Jahren den Weiden­häuser Bürgern das Recht gab und chnen ihre wohlerworbenen Rechte wahrte Krieg, Inflation und Arbeitslosigkeit ver­wischten fast das Bild jener Feste, von den die Alten noch so gerne erzählen und die die Jungen nur noch von Hören­sagen kennen.3a, als wir noch zusammen die Drautwäsch' wuschen" so hörte man gestern des öfteren die Alten sagen . . .

Inzwischen sind aber nun wenigstens 19 Jahre ins Land gegangen und wenn man immer noch auf besseres Wetter hätte war­ten wollen, dann wäre das Grabenfest viel­leicht für immer vergessen worden, so blühte es jetzt neu auf, den Alten zur Er­innerung und den Jungen als Symbol des Zusammengehörigkeitsgefühls, das wir heute so bitter nötig haben.

Grund zur Feier gab es gerade heuer genug. Einmal das 120jährige Jubiläum der Erlengrabengesellschaft, zum Zweiten die umgepflasterte Weidenhäuser Straße, von der ein Weidenhäuser Bürger in einem just zur Feier erschienenen Liede singt:

Doch niemals hat die Stadt beacht' Anseren Stadtteil Weidenhausen, Das Pflaster war wohl niemals grad, Man könnt' kaum darauf laufen.

And wenn man endlich gepflastert hat Zeitgemäß! Ohne viel Geld, So ist die Straße doch jetzt glatt, Die Hauptfach' wenn's nur hält."

And der dritte Grund zur Feier stellte sich gerade noch in letzter Minute ein: Die Weidenhäuser gewannen nach neun Jah­ren einenProzeß". Herr Dietrich vom Haus- und Grundbesitzerverein teilte dies während der gestrigen Feier mit. Die Weidenhäuser sollten nämlich der Stadt Marburg 30 000 Goldmark zahlen zu dem Hochwasserdamm, der heute Weidenhausen, aber auch und das wurde besonders festgestellt Stadion, Sommerbad, Ten­nisplätze usw. gegen Hochwasser schützt. Der Hochwasserdamm an der Bücking- Promenade und Hindenburgsttmhe war aber auf Kosten der Allgemeinheit an­gelegt worden und so gingen denn die Weidenhäuser gemeinsam mit dem Haus- unü Grundbesitzerverein den Beschwerde­weg, bis jetzt der Bezirksausschuß endgül­tig entschieden hat: Die Stadt Mar­burg muh die 30000 Goldmark selber zahlen.

*

Ans scheint: die Weidenhäuser prozes­sieren gern, aber auch zu Recht. Schon vor 120 Zähren wollte man ihnen wohlerwor­bene Rechte nehmen und jetzt sollten sie blechen für etwas, für das es andere Dür- ner nicht tun. Run hatten die Weiden­

Häuser wieder einmal Recht, also zwei­fachen, jadreifachenGrunb wenn man die neue glatte Straße hinzunimmt zum Feiern!

Gefeiert wurde auf dem Hansenhaus links nach altem gutem Brauch und die dielteten sorgten dafür, daß alte Trabi- tton überliefert wurde und wieder zu Ehren kam. Das Wetter war günstig und so tarnen denn am Nachmittag vor ädern die Kinder zu ihrem Recht, derer man weit- gehendst gedacht hatte. Da wurde auf der Wiese Sacchüpfen, Tauziehen und Topf­schlagen veranstaltet, auf bem Pferd gerit­ten, das der Marburger Zoo gestellt hatte, es wurde eine Polonaise gegangen, Kasperle erschien und nach alter Sitte aab's eine Wurst und eine richttge Brezel. Geführt wurde die begeisterte Kinderschar von dem alten Mel mit der Glocke, den Herr Karger mit Ernst und Würde zu mimen wußte. Er war es auch, der das Fest mit dem alten, von uns bereits veröffentlichten Gedicht eröffnete und der zusammen mit Herrn Wagner die Rund- sunkrepottage sprach. Hier wurde so aller­lei sattrisch behandelt, man hörte von oem Dazillensteg, dem Meisterwerk deutscher Technik, von den WeidenhäuserGrand-

* Das Kinderfest in der St. Eli» sabeth-Schule. Wie alljährlich, so fand auch in diesem Jahre am Donnerstag das Kinderfest der Elisabeth-Schule statt. Das Fest begann um 3 Uhr nachmittags auf dem Hansenhaus links. Groß war die Freude der Kinder, als die Leiterin der Schule zum Rer- Sen zusammenrief. Fröhliches Treiben, Topf- hlagen, Sackhüpfen und andere Spiele dienten als Zeitvertreib. Viel weinende Gefichter sah man, als die Photodame erschien, um das schöne Fest der Kinder im Bilde tzstzuhalten. Nur allzu schnell vergingen die schönen Stun­den. Um 7.30 Uhr brach man bann auf. Bei Lampionschein und unter Vorantritt der Spielmannsabteilung des Turnv. Ockers- Hausen ging es fröhlich bis an den Rudolphs- platz, wo sich bann der Zug auflöste. Trotz der wirtschaftlich schweren Lage, brachte es die St. Elisabethschule fertig, den Kindern ihre alljährliche Freude zu bereiten. Beson­ders sei an dieser Stelle den Leitern der Schule gedankt. Hoffen wir jeDes Jahr dieses schöne Fest weiterleben zu können. Br.

* Der Tierschutzverein Marburg wird gegen Ende des Jahres an die ver­ständigsten Tierhalter, insbesondere an die Pferdehalter, die die ihnen anoertrouten Tiere besonders gut behandeln, Weihnachtsprämien geben. Zweckdienliche Mitteilungen, in erster Linie solche von Mitgliedern des Vereins er­bittet der Vorsitzende unter Postschließfach Süd 54 Marburg. '

* Verlängerte Gültigkeit der Sonntagsrückfahrkarten. Von der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn ist in Aussicht genommen,, die Gültigkeits­dauer der Sonntagsrückfahrkarten derart zu verlängern, daß die Rückfahrt, die bisher an den Montagen und nach Festtagen bis 9 Uhr vormittags angetreten werden mußte, künftig erst bis 12 Uhr mittags angetreten zu werden braucht. Die Reichsbahn erhofft von dieser Maßregel eine Belebung des Wochenendoer- kehrs.

HotÄS", dazu Saftiges aus dem Gerberei- Handwerk, über das Herr Weintraut m Weidenhäuser Mundart Auskunft gab. Seinen Höhepunkt erreichte das Graben­fest, als man zum alten Weidenhäuser RattonaltanzHoffmannsLreschen" antrat. Selbst 75jährige ließen es sich nicht nehmen, den zierlichen Menuettschritt mitzugehen und so sah man denn auf der Wiese ein köstliches Bild, aus altem Rah­men geschnitten.

Nachdem gegen Abend sich die Kleinen, mit Lampions in den Händen, nach Hause getrollt, wurde das Fest in den ©aal verlegt. Auch die Schloßbeleuchtung fand wie man in fröhlicher Stimmung be­merkte im Saale statt, denn man hatte einfach ein Marburg-Bild, das der Vor­sitzende anläßlich des letzten Grabenfestes 1912 gezeichnet hatte, mit einer Glüh­birne beleuchtet. Die Kapelle Beermann sorgte für fröhliche Stimmung, äst und jung huldigte eifrig dem Tanz. Allen An­wesenden war es wohl aus dem Herzen gesprochen, als Herr Dietttch dem Vor­stand der Erlengrabengesellschaft, insbe­sondere Herrn Adorf und dem Dergnü- gungsausschuß, herzlichst dankte, für die wohlgelungene Veranstaltung, denn es git emvl niks üwer e Grabefest. fr.

* Vorsicht bei 'Beteiligung an Erdölgesellschaften. Nach Feststel­lung der Industrie- und Handelskammer Kassel-Mühlhausen werden in verschiede­nen Orten Hres Bezirks durch Agenten Anteilscheine auswärtiger Erdölgesellschaf- ten angeboten. Diese Att der Werbung läßt den Schluß zu, daß es sich kaum Mn kapitalkräftige und finanziell gesicherte An- ternehmen handelt. Der Erwerb von An­teilen unbekannter Erdölgesellschaften stellt daher ein Risiko dar, das niemand ahne genaue Prüfung eingehen sollte. Inter­essenten kann daher nur größte Zurück­haltung Und Vorsicht angeraten werden. Insbesondere sollte sich niemand, ohne vorher genaue Erkundigungen eingezogen zu haben, zum Kauf von Anteilen ent­schließen. Die Industrie- und Handels­kammer ist bereit, auf Wunsch Auskünfte zu beschaffen und zu erteilen.

* Landjäger dürfen wieder jagen. Unter Aufhebung der bisheri­gen Bestimmungen hat der preußische In­nenminister folgende Verfügung erlassen: Künftig ist die private Ausübung der Jagd und der Fischerei allen Landjägerei­beamten nur während des Dienstes, in un­mittelbarer Verbindung mit dem Dienst, in Dienstkleidung und unter Verwendung von Dienstwaffen, Dienstmnnition, Dienst­gerät, und Dienstpferden untersagt. Von der hiermit verfügten Aufhebung des Ver­bots der Jagdausübung im eigentlichen und erweiterten oder vertretungsweise zu­gewiesenen Dienftbezirk bleibt unbe­rührt die Ermächtigung der Dienstauf- fichtsbehörden, einzelnen Beamten bei Mißbrauch die Ausübung der Jagd und der Fischerei ganz oder teilweise zu unter­sagen.

Das Sranfiurter Mio-Amaum

Dienstag, den 6. September.

6.00: Wettermeld., anschließend: Morgen­gymnastik 7.00: Zeitangabe usw. 7.05: Frühkonzert aus Bad Oeynhausen. 8.00: Zeitangabe usw- 11.45: Desgl. 12.00: Konzert d Rundfunkorchesters. 13.15: Zeit­angabe usw. 13-30: Konzert auf Schallplat­ten. 14.00: Zeitang. usw. 14-10: Werbe­konzert. 15 00: Zeitangabe usw. 15.20: Hausfrauennachmittag. 16.50: Zeitangabe usw. 17.00: Nachmittagskonzert aus Pforz­heim. 18.15: Zeitangabe usw. 18.25: Der Abonnentenwerber (Vortrag). 18.50: Zur Lehre von der Harmonie der Sphären (Vor­trag). 19.15: Zeitangabe usw- 19.30: Ja- kob Schaffner spricht überDeutsche Reden".

Nachdruck verboten

Ohne Gewähr

Auf jede gezogene Rümmer sind zwei gleich hohe Gewüme gefallen, und Mar je einer auf 6te Lose gleicher Nummer in de» beide» Abteilungen I und II

Gewinuauszug

5. Klasse 39. Preußisch-Süddeutsch« (265. Prrutz.) Staats-Lotterie.

23. Ziehungslag

3. September 1932

ön der heutigen Bormtttvgsziehang wurden Gewinns über 400 M. gezogen

4 (MptaM |a 6OOO TL 24440 294373

14 eetotane m 3000 W. 43654 160460 165398

182929 199315 216462 266824

68 M 2000 SB. 2964 16305 23971 43649 49033 68247 69117 63060 82354 106682 108305

113700 118291 121375 136341 153823 164445

182839 210429 228456 228844 239625 256867

258261 271160 295673 318074 377285 380339

114 ®«Dhmt en 1QOO SHU 10363 12154 12698 23764 27693 30394 43898 60678 62992 61200 68166 74664! 74805 79764 82026 82375 83495 89674 97319 103430 114699 123172 123493 127896 133783

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3» der heutigen Nach nnttogsziehung wurden. Gewinne über 400 M. gezogen

2 Mtae t* 10000 TL 130806

4 Betmnno e* 6000 TL 178079 192099

10 eetobne en 3000 TL 201888 208055 263779 317867 338981

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112 ©etonn» m tOOOTL 1601 4100 11146 11303 11987 19024 38874 51062 64181 60355 66643 69334 72921 77030 98480 101998 103618 111633 114887 120123 120746 129091 129369 136146 149131

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230669 231387 236833 258166 258374 259250

261453 262266 269278 282982 284325 286991

288476 296617 296991 300486 309019 313273

318397 318418 324967 328277 346641 347702

351299 351765 366477 369126 376306 381249

387331 368726 391387

Im Gewdmrade verblieben: 2 Prämien *t je 500000, 100 Schlußprämieu zu je 8000, 2 Ge­winne zu je 75000, 2 zu je 50000, 8 ja je 25000, SO zu je 10000, 122 W je 5000, 210 zu je 8000, 588 zu je 2000, 1140»1 je VXJO, 1956 M je 500, 6908jaje400St

(Nachdruck verboten!)

Ser Mnolfng Im geuerofen

Roman von Heinz Stegutoeit

27. Fortsetzung.

Das fette Donnerkeil hatte eine Stimme wie ein billiges Grammophon. Ich konnte mich zu keinem Widerwort entschließen, ich hätte mich schon in die Nähe einer ge­blümten Nachtjacke begeben müssen, deren Geheimnisse ich mit dem besten Willen nicht ergründen mochte. Jungfrau hin, Hexe her, dies ewig Weibliche stieß mich ab. Und doch mußte unter der geblümten Nachtjacke eine fühlende Brust klopfen; denn als ich mich schweigend nach meinem Reisebündel bückte, das immer noch unterm Küchenstuhl lag. wurde Susanna, so hieß die Mamsell, schon rührselig. Sie vergaß ihrer wohlbeleibten Jungfräulichkeit, kam die letzten Treppenstufen herunter und platschte mit nackten Füßen über den Steinboden der Küche. Dann inspizierte sie das Gelände, warf aus Verlegenheit noch eine weitere Schüppe voll Kohlen dem Herd ins Maul, trappelte zur Offiziers­stube, sah, daß alles wieder sauber, gelüf­tet und mollig war, und schwankte zu mit zurück, um mir ihre ebenso joviale wie un­gewaschene Pfote aus die Schulter zu legen:Bleibe se vorläufig, aber nur Probeweis, nit wahr?"

Ich nickte keusch. Susamm hatte noch weitere Wünsche. Ich sollte schon vier Lot Kaffee mahlen, dreißig Scheiben Brot säbeln. Butter schaben, Tassen anftragen, Eier kochen, Messer schmirgeln---,

ein ganzes Register. Meine Einwilligung hielt Susanna nicht lange für nötig, sie

stampfte schon wieder die Holzstiegen hinauf. Wahrscheinlich wollte sie noch im Bett dösen, das sie so früh und unter solch ungemütlichen Umständen hatte verkästen mästen. Ich guckte ihrer Massigkeit grü­belnd nach: Und sie bewegt sich doch!

llm 8 Uhr kamen die Offiziere wieder, einer nach dem andern. Sie stotterten sich in die Stube, mit käsigen Gesichtern und geschwollenen Brummschädeln. Alle taten so, als sei am gestrigen Abend nichts Außergewöhnliches vorgefallen. Sie sag­ten gar den Morgengruß, wenn ich ihnen einzeln begegnete, doch kehrten sie die Sie­ger heraus, als sie zu zwölfen hinterm Kaffee hockten. Nach dem Frühstück stürz­ten sie zum Exerzierdienst, gegen dessen Drill, ich konnte das durchs Fenster beobachten, die im neuen Deutschland und sonst in aller Welt so verfemte Preußerei nur ein zephirisches Säuseln gewesen war. Im übrigen ließen die parfümierten Verzingetorixe zwei BrandlScher in der frischen Tischdecke zurück, obwohl ich für Aschenbecher gesorgt hatte. ®»a Anker, die arme Mttsfrau, schlappte erst gegen 10 llhr die Treppe hinunter, mit verheul­ten Augen und eingeschrumpften Wangen. Sie jagte mich sofort zum Gemeindevor­steher, ich sollte nach dem Schicksal ihres Adam fragen, außerdem müßte ich mich anmelden und mit dem notwendigen Per­sonalausweis für die französische Zone versehen lasten. Ich beeilte mich sehr, denn Adam Ankers Schicksal kümmerte mich wie mein eigenes.

Das Haus des Dorstehens war mir nicht fremd: Pankraz Wendland, Weingutsbe- sttzex, Mostheim am Rhein! Mein Her­

bergsvater mit dem spanischen Korken. Der Biedermann kannte mich wieder, er fragte mich sogar über meine Kahnpartie durchs Treibeis aus denn diese Fahtt sei doch ein Bubenstim gewesen. Während Wendland mir meinen englischen Paß kas­sierte und den französischen mit Hilfe der alten Photographie ausstellte, knirschte er übers Tintenfaß hin:Den Adam habe se heut Nacht scho no Zweibrücke gfchafst!" Mehr wußte selbst der Vorsteher nicht, die Franzosen hatten jede Auskunft höhnisch verweigert. Mit diesem Bescheid würde ich Fran Eva wenig trösten können. Ich mußte dann ooch in die Höhle des Löwen, nämlich zum Herrn Ortskomman­danten, um meinen Paß stempeln zu las­sen. Later Wendland ermahnte mich vor­her mit drohendem Finger, ich sollte mich einer vernünftigen Zurückhaltung beflei­ßigen, die Frarqosen lager überall auf der Lauer, um die Männer zu verschleppen und die Frauen zu nötigen. Er habe wieder scheußliche Nachrichten bekommen. Die Poilus beraubten jetzt auch die Eeld- transporte der deutschen Bankhäuser sie unterschlügen an den Zollgrenzen selbst Lebensmittel und Reisekoffer, sie hätten sogar in der Hardt auf Eisenbahnzüge ge­schossen und in vielen Orten des Rhein­gaus junge Mädchen vergewaltigt.

Da sollte ich mich vernünftiger Zurück­haltung befleißigen!

Der alte Wendland beschwor mich noch einmal, er habe seine Gründe, der Orts- kommandant warte darauf, in Mostheim alles auszuplündern und auszuweisen, was sich irgendwie trotzig verhalte. Die Reihe würde mit dem alten Wendland be- gtnuen.

Ich ging zum Kommandanten, der mich an Hand eines Wörterbuches mit Swein und Alunke begrüßte. Meine Gedanken konnte er nicht lesen, ich wäre sonst stand­rechtlich füsiliert worden. Mtt dem Paß lief ich zumGoldenen Anker", nachdem mir der Mackei in den Straßen und das standhafte Getrapste von den Dachkandekn offenbart hatten, daß das Tauwetter vom Oberrhein wacker nach Norden plätscherte.

Eva Anker saß wieder bebend und wei­nend auf dem Küchenstuhl, ich brauchte ihr die Nachricht des Vorsteher nicht mehr zu geben: Adam Anker hatte noch in der Nacht einen Abschiedsbrief schreiben dür­fen, der seiner Frau soeben von einer Or­donnanz überbracht worden war. Su­sanna, oie Kochmamsell stand am Bottich und schälte Kartoffeln. Durfte es meine Aufgabe sein, so vielen Jammer zu trösten. Schon reichte mir Frau Eva den Bries. Da stand geschrieben, es würde alles wie­der gut werden, eine Gefängnisstrafe in Zweibrücken sei eher eine Auszeichnung als eine Schande!

Da schlug ich mich auf die Schenkel, daß die Weiber zusammenfuhren: Frau An­ker, um diesen Mann wird Sie jede Frau beneiden!

Susanna schnitt sich vor Schreck in die Finger, während die Wirtin aufstand, die Tränen mit der Schürze trocknete und sagte: »Herr Himmerod, bleiben Sie um Gottes willen hier, es muß doch einer da sein, der . . .!"

Da schluchzte sie schon wieder. Eva An­ker ahnte nicht wie gern ich in ihre Dienste trat. Sie hatte mich zum ersten Mal mit Herr Himmerod angeredet!

>1Fortjetzung folgt).