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Montag, den 5.6M1932

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

Der 13. Reichsfrontsoldatentag

Die große Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld Ovationen für den Reichskanzler

Berlin, 4. Sept Berlin steht seit Sonn­tag früh ganz im Zeichen des Stahlhelms. Seit 5 Uhr früh marschierten je nach ber_ Ent­fernung vom Tempelhofer Feld, dem Schau­platz des 13. Reichsfrontsoldatentages, die ?xnien Kolonnen des Stahlhelms nach dem lughafen. Auf acht Anmarfchftrahen sah man dicht gedrängt die singenden Kolonnen. Degen 10 Uhr war im großen und ganzen der Aufmarsch beendet. Weit über die gemeldete Zahl, nach der Berechnung der Bundesleitung 195 000 Mann, hatten in vier großen Treffen nach den 23 Landesverbänden und Gauen Auf­stellung genommen. An einer Ehrenstelle, ganz in der Nähe des Rednerpultes, standen die Abordnungen der Saarländer, der Süd­tiroler und der Danziger, die ebenfalls ihre Vertreter entsandt hatten. Die Massen der Etahlhelmer mit etwa 6000 Fahnen waren aus allen Gauen und den äußersten Zipfeln Deutschlands nach Berlin geeilt, um ihren Führern Gefolgschaft zu leisten.

Den Auftakt zum 13. Reichsfrontsoldaten­tag bildete die Erfüllung der Lyrenpflicht der Bundesleitung, am Ehrenmal einen Kranz niederzulegen. Sämtliche Bundesführer, be­gleitet von einer Ehrenkompagnie und der Bundesstandarte, legten am Ehrenmal Unter den Linden, am Denkmal Friedrichs des Gro­ßen und am Nationaldenkmal vor dem Schloß Kränze nieder.

Als die Bundesleitung auf dem Tempelhofcr Feld erschien, war bereits eine große Anzahl Ehrengäste anwesend. Unter den Ehrengästen sah man u. a. Reichsinnenminister Freiherrn von G a y l, Reichsaußenminister «reiherrn von Neurath, Reichsernährungsminister Freiherrn von Braun, Reichswehrminister von Schlei cher, Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Krosigk, den kom- misiarischen preußischen Innenminister Dr. Bracht, den kommissarischen Handelsmini­ster Dr. E r n st, den Polizeipräsidenten von Berlin Dr. Melcher, den Kommandeur der Berliner Schutzpolizei Polizeioberst Polen den Kronprinzen und die Kronprin­zessin, Brinz Waldemar von Preußen, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklen­burg, Fürst von Hohenzollern, Major Pabst, Fürst Starhemberg und Ma;or Frey aus Wien, Oberstleutnant B e e m i ck e vom Deutschen Kolonialkriegerbund sowie viele Hohe Offiziere der alten Armee und Marine.

Beim Erscheinen der Bundesleitung ging die Bundesflagge am zehn Meter hohen Red­nerpult hoch. Die Bundesleitung fuhr im Kraftwagen unter den Klängen des Präsen­tiermarsches und des Deutschlandliedes die Front ab. Ihnen folgte, begeistert begrüßt, der greise Generalfeldmarschall von Mak- kensen, der in der Traditionsuniform der Totenkopfhusaren erschienen war.

Noch während die Bundesleitung die Fron­ten abfuhr, betrat Reichskanzler von Papen den Ehrenplatz. Er wurde bereits im Vestibül des Flughafens erkannt, und begeisterte Front-Heil-Rufe begleiteten ihn bis zum Ehrenplatz.

Nach einer kurzen Begrüßungsansprache durch den Landesführer von Stephani ergriff

Franz Seihte

das Wort zu einer Ansprache, in der er u.a. ausführte:

Zum zweiten Male in seiner bald 14jährigen Geschichte steht der graue Heerbann der alten Frontsoldaten in der Reichshauptstadt. Da­mals traten wir mit der Verkündigung unse­rer ersten Stahlhelmbotschaft vor die deutsche Oeffentlichkeit als die neuen bewußten Staatsbürger einer werdenden Nasion. Heute sind die Forderungen dieser Stahlhelmbotschaft in weitgehendem Maße die Programmpunkte der deutschen Reichsregierung. Heute sind wir so weit, daß soldatisches Denken und sol­datische Haltung wieder verständlich werden in Deutschland. Dieser Erfolg der soldatischen nationalen Idee ist euer Erfolg.

Die alte deutsche Armee ist nicht mehr. Aber der Geist der Disziplin, des Dienens am Ganzen, des Opfers' für die Gemeinschaft dieser Geist der alten Armee, der Geist der Front, mit dem wir den Geist eines neuen deutschen Staatsbürgertums verbinden, steht unter den alten ruhmreichen Fahnen beute

Wille zur Einheit größer sein möge als das Erbübel des Haders unter den deutschen Men­schen. Zu derselben Stunde, in der wir feier­lich uns zu der Idee dieser brüderlichen deut­schen Einigkeit bekannten, erscholl hier in Berlin eine Stimme jenes schrecklichen Haders, brachte es, eine Parteibewegung fertig, Zwie­tracht säend sich an unsere Stahlhelmkame­raden zu wenden mit der Aufforderung, ihre Führer im Stiche zu lassen . Keine Partei, keine Klasse, keine Interessengruppe, das ganze Deutschland , soll es sein, dem wir die-

wieder auf diesem historischen Felde. Der Stahlhelm ist keine Partei. Er kämpft nicht für sich, sondern für Deutschland. Er will nicht die Gewalt, sondern das Gesetz. Er fordert nicht die staatliche Macht, sondern den machtvollen Staat, den Staat, unter dem das ganze Deutschland in freier, friedlicher Arbeit einer neuen, besseren Zeit und Zukunft ent­gegensehen kann. Kameraden! In meiner Programmrede vorgestern hatte ich die Worte des Reichskanzlers ausgenommen, daß es anders werden möge in Deutschland, daß der

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Die Stahlhelmmannichaften leisten den Treueid

neu, für das wir weiter kämpfen und weiter uns opfern wollen bis zum endlichen Sieg. Das ist der Wille des Stahlhelms von dem Tage an, da er vor fast vierzehr Jahren im November 1918 als erster die Fayne der Frei­heit aufrichtete in Deutschland. Das wird der Wille des Stahlhelms sein in aller Zukunft. Wir bekennen uns in dieser Stunde neu zu diesem Willen und Geist des Stahlhelms. Bund der Frontsoldaten, indem wir vor ganz Deutschland und aller Welt hier das Gelöb­nis unseres Bundes und das Gelöbnis auf die Stahlhelmfahne wiederholen.

Das Treue-Gelöbnis, vom Führer vorge­sprochen und von den Stahlhelmern im Chor abgegeben, klang aus in die erste und vierte Strophe des Deutschlandliedes. Dann ge­dachte der Redner der Gefallenen im Welt­kriege und der Opfer in Oberschlesien und im Ruhrgebiet. Mit dem LiedeIch halt' einen Kameraden" schloß die kurze Heldenehrung.

Im Anschluß an die Rede des Ersten Bun­desführers Seldte weihte der Zweite Bundes­führer Oberstleutnant Düsterberg 55 Fahnen.

Danach begann der Vorbeimarsch an der Bundessührung und den Ehrengästen, der etwa um 12.15 Uhr begann und sich mehrere Stunden lang hinzog. Die einzelnen Marsch­kolonnen zogen mit klingendem Spiel und flatternden Fahnen in ihre Quartiere bezw. sofort nach den einzelnen Bahnhöfen ab, um noch teilweise heute in ihre Heimat zurückzu- kedren.

Trotz des bedeckten Himmels hatte sich eine nach vielen Zehntausenden zählende Menschen­menge auf dem Flughafen und auf den An- marfchstraßen zum Tempelhofer Feld einge- ftmben, bie bie Marschkolonnen bes Stahl­helms mit stürmischen Front-Hell-Rufen be­grüßte.

Der Stahlhelm gelobt dem Reichs­präsidenten treue Gefolgschaft.

Berlin. 4. Sept. Die Vundesführer des Stahlhelms haben aus Anlatz des 13. Jahresfrontsoldatentages folgendes Telegramm an de« Herrn Reichspräsiden­ten gerichtet:

Die in Berlin anfmarschiertea Stahl- helmkamerade« entbieten durch «ns ihrem hochverdienten Reichspräsidenten und Ge­neralfeldmarschall die ehrerbietigste« und herzlichsten Grüße. Der Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten, gelobt dem Herrn Reichspräsidenten seine treue Gefolgschaft für die »«abhängige Staatsführung, die die innere »nd äutzere Freiheit des deut­sche» Volkes erkämpfen wird. Frontheil!

gez. Franz Seldte. Düsterberg.

Antworttelegramm des Reichspräsidenten an den Stahlhelm.

Berlin, 4. Sept. Reichspräsident v. Hin­denburg hat auf das Begrüßungstelegramm bes Bundesführers des Stahlhelms vom 13. Reichsfrontsoldatentag folgendes Antwort- telegramm gesandt:

Den zum 13. Frontfoldatentag versammelten Kameraden vom Stahlhelm danke ich bestens für das Gelöbnis treuer Gefolgschaft und für die übersandten Grüße. Diese in kamerad­schaftlicher Gesinnung erwidernd, übermittle ich den Wunsch, daß der Geist der Schicksals- Verbundenheit und Wehrhaftigkeit aller Bolks- kreise Würde und Kraft nach nach innen und nach außen und damit unserem Vaterlande eine Stellung geben möge, wie sie ihm ge­bührt.

Die Frage der deutschen Gleichberechtigung vor dem Londoner Kabinett.

London. 4. Sept. Das englische Ka­binett wird sich, wie der diplomatische Kor, respondent ttsObserve t meldet, nach Rückkehr Sir John Simons, die für morgen erwartet wird, mit dem deut­schen Anspruch auf Rüstungsgleichheit be­fassen. Die britische Regierung sei. erklärt der Korrespondent wefter. im Augenblick technisch daran nicht interessiert. Der erste Schritt des Kabinetts werde dari« be­stehen. zu erwägen, ob die deutsche For­derung aus rechtlichen oder Zweckmäßig­keitsgründen bekämpft werden könnte, wenn man zu der Ansicht gelangt, daß sie entweder «nzeitgemätz oder nnzulässig sei. Es sei bekannt, datz Deutschland eine all­gemeine Abrüstung vorziehe« würde, aber es seien die nichtdeutschen Mächte, die dies «nmöglich gemacht hätten.

Die tonangebende englische Sonntags­presse ist sich über die Berechtigung der deuschen Forderung auf Gleichberechti­gung einig. Dagegen gehen die Auffas­sungen darüber auseinander, ob Zeit und Art der Geltendmachung des Anspruches günstig gewählt feien.

Ob fern er" findet in seinem Leit­artikel Worte der Anerkennung für die Reichsregierung. Das Gefühl der Beun­ruhigung habe sich in den wenigen Mona­ten seit ihrem Amtsantritt zum größten Teil gelegt. Sie habe den ganzen demo­kratischen Apparat in erster Linie in kavaliersmäßigem Geiste behandelt. Sie habe eine Wirtschaftspolitik angekündigt, die alles andere als konservativ ist, und schließlich habe sie die Frage des deutschen Status unter dem Versailler Vertrag auf­geworfen. Sie ist, fährt das Blatt fort, kein Kabinett der impulsiven Handlungen, sondern sie baut ihre Politik auf einer be­trächtlichen Grundlage von Ueberlegung und Berechnung auf. Die Genfer Konfe­renz hat tatsächlich überhaupt keine Fort­schritte in Richtung auf die Einlösung des Versprechens von Versailles gemacht. Wenn sie nicht eine schmerzliche und blei­bende Erinnerung an den Fehlschlag hin­terlassen soll, dann muß sie ihre grundsätz­liche Zustimmung zu der gerechten Forde­rung geben, die Deutschland jetzt vorge­bracht habe. Die gegenwärtige deutsche Regierung habe einige ins Auge fallende Beweise praktischer Klugheit gegeben, und nichts berechtige zu der Annahme, daß sie