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Anzeiger für (bas frühere kurhessifche) Oberhessen

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Anzeiger Der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Kampf um die Wehrhoheit

Der Inhalt der Unterredung des Reichsautzenministers mit dem französischen Botschafter

Der deutsche Standpunkt

Aus französischer Quelle find am Mitt­woch abend Nachrichten über eine Be­sprechung zwischen dem Reichsaußen- minister und dem französischen Botschafter verbreitet und auch von uns wiedergege­ben worden, die am Montag stattgefunden habe. In den Nachrichten heißt es weiter, es sei eine Note übergeben worden, über deren Inhalt im einzelnen noch nichts ge­sagt werden könne.

Wie hierzu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, trifft die Meldung über die Besprechung am Montag zu. Es war mit der Gegenseite völlige Vertraulichkeit vereinbart worden, die von deutscher Seite streng gewahrt worden ist. Durch eine Indiskretion von der anderen Seite her ist zunächst die französische Oeffentlich- keit auf die Besprechung aufmerksam ge­macht worden.

Schon in Lausanne und Genf haben Be­sprechungen über die Eleichberechtigungs- frage zwischen Deutschland, Frankreich und anderen Mächten stattgefunden. Im Ver­laufe dieser Besprechungen hat der Reichs­außenminister am Montag den französi­schen Botschafter zu sich gebeten, um eine Klärung über die Beurteilung des deut­schen Anspruches auf Gleichberechtigung in der Abrüstungsfrage einzuleiten, wie das in Genf mit dem französischen Außen­minister ausdrücklich vereinbart worden war. Minister von Neurath hat dem französischen Botschafter gegenüber den deutschen Standpunkt in der Abrüstungs­frage so vertreten, wie er immer von Deutschland vertreten worden ist. Um. irgendwelche Mißverständnisse und Irr­tümer auszuschließen, hat er dem franzö­sischen Botschafter noch eine schriftliche Zu- sammenfastung seiner mündlichen Dar­legungen übergeben. Diese Zusammen- fafiung als Note oder als Memorandum zu bezeichnen, ist irreführend. Es handelt sich nur um eine lose Aufzeichnung der be­handelten Gedanken.

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Inhalt der Darlegungen

des Reichsaußenministers wird von unter­richteter Seite folgende Darstellung ge­geben:

Die Erklärungen des Reichsaußenmini­sters gehen aus von der Resolution, die bei der Vertagung der Abrüstungskonfe­renz in Genf beschloßen worden ist. Diese Resolution enthält nichts über die Frage, ob die neuen Maßnahmen über die Ab­rüstung auch auf Deutschland Anwendung finden sollten. Aus diesem Grunde war es für Deutschland unmöglich, diese Re­solution anzunehmen; es hat sie abge­lehnt Der Reichsaußenminister hat dem französischen Botschafter gegenüber be­tont, daß Deutschland die Berechtigung hat. eine Klärung über seine Eleichberech- tigungsansprüche zu verlangen. Deutsch­land hält an dem Standpunkt fest, daß die Abrüstung der anderen nach dem Muster der deutschen Abrüstung durchgeführt wer­den muß. Deutschland ist für eine mög­lichst allgemeine radikale Abrüstung. Diese Abrüstung könnte aber nur nach denselben Grundsätzen für alle Staaten durchgeführt werden. Die Maßnahmen, die in Deutsch­land ergriffen werden müßten, richten sich, wie der Reichswehrminister wiederholt dargelegt hat, nach der Art und dem Um­fange der allgemeinen Abrüstung. Ein­zelheiten sind noch nicht durchgesprochen worden.

Milderung für Beuthen?

Der Enadenbericht befürwortet Zuchthausstrafen

Die Beuthener Justizbehörden haben, wie dieBossische Zeitung" erfährt, die llrteilsaussertiguag des Sondergerichts schon vor einige« Tagen nach Berlin über­sandt und auch der sogenannte Enaden- bericht der zuständigen Beuthener Stellen ist in Berlin eingelaufen. Zur Frage der Begnadigung haben die Mitglieder des Sondergerichts, der Eeneralstaatsanwalt, der Oberstaatsanwalt, der Enadenbeauf- tragte. Landgerichtsdirektor Lehns- dorff, und der Beuthener Rechtsanwalt Zylka, Stellung genommen. Die Mei­

nung der Beuthener Enadenstellen neige überwiegend zu einer Umwandlung der Todesurteile in langjährige Zuchthaus­strafen. Es sei, nach Meinung des Mattes, anzunehmen, daß sich der kommifiarische Preußische Justizminister dieser Meinung der Beuthener Stellen anschließe und seiner­seits gleichfalls die Umwandlung der To­desstrafen empfehle. Unter diesen Umstän­den erscheine es wahrscheinlich, daß das ge­samte kommifiarische Kabinett einen ent­sprechenden Beschluß faßt und dke fünf To­desurteile in Zuchthausurteile umwandele.

Der Stand der Rüstungen,

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gierung auf die Gefühle der nationalen Bevölkerung Rücksicht nehmen müfie.

Der Standpunkt der englischen und der französischen Regierung stimme zwar nicht genau überein, aber alles deute daraus hin. daß die beide« Re- gierungen beabsichtigen, gemeinsam zu handeln.

Bei der Besprechung aus der Kanalinsel Jersey habe Sir Herbert Samuel dem französischen Ministerpräsidenten Herriot klar gemacht und der britische Geschäfts­träger in Paris habe dies gestern nach­mittag gleichfalls getan, daß die britische Regierung eine Lösung der Frage der Rüstungsgleichheit für dringend erwünscht halte, wenn sie auch nicht der Auffafiung sei, daß die Gleichberechtigung eine wesentliche Vorbedingung eines Erfolges der Abrüstungskonferenz bilde. Die bri­tische Regierung würde es begrüßen, wenn die Franzosen und die Deutschen vor Wie­derzusammentritt der Genfer Abrüstungs­konferenz zu einer Verständigung ge­langen würden. Für diese Verständigung bringt-, das Blatt gewiße Komprom'ßvor- schläge, dre aber dem französischen- Stand» punkt stark Rechnung tragen und keine neueren Gedanken bringen. Der Korre­spondent fügt hinzu, er höre von maß­gebender Seite, daß die französische Re­gierung nicht gegen solche Verhandlungen sei, daß sie sie aber nicht allein führen wolle, sondern darauf bestehen werde, daß die anderen alliierten Mächte, besonders Großbritannien und Italien und mög­licherweise auch die Vereinigten Staaten, daran teilnehmen.

Verschiedene Blätter veröffentlichen Auslastungen ihrer politischen Korrespon­denten, in den betont wird, daß England sich vorläufig abseits halte und von Deutschland und Frankreich stetig auf dem Laufenden gehalten werde.Daily Mail" betont, daß der Standpunkt der britischen Regierung noch nicht endgültig festgelegt sei.

News E h r o n i c l e" erklärt in einem Leitartikel, Deutschland verlange nicht, wie die französischen Extremisten es hinstellen, das Recht, sich bis an die Zähne zu bewaffnen, sondern nur Gleichberech­tigung mit anderen Nationen. Diese Forderung sei nicht nur begreiflich, son­dern könne auch nicht oügelehnt werden. Es sei unmöglich, eine große Nation für immer in einer Stellung der Unterlegen­heit zu halten.

Zurückhaltung in England

5 o «11 a T weiß zu berichten. Mi­nisterpräsident Herriot habe gestern dem englischen Geschäftsträger eine Kopie des deutschen Schriftstückes, in dem der deutsche Standpunkt ;« der Gleichberech­tigungsfrage behandelt wird, mit der Bitte überreicht, sie der englischen Regie­rung zur Kenntnis zu bringen. Herriot habe sich, so schreibt das Blatt, nach dem gestrigen Kabinettsrat zwar geweigert, irgend eine Erklärung abzugeben, aber seine Unterredung mit dem englische« Ge­schäftsträger gab einen interefianten Hin­weis auf die wahrscheinliche Haltung der französischen Regierung, die vor allem be­müht zu sein scheint, gemäß der Bestim­mungen des Bertrauensabkommens vom

13. Juli sich mit der englische« Negierung ins Einvernehmen zu setzen.

Die englische Presse ist mit Kommentaren zu der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung zurückhal­tend. Auch wo Aeußerungen laut wer­den, die dem französischen Standpunkt zu­neigen, wie in einem Leitartikel der rechtskonservativenMorning Post", wird kein Versuch unternommen, Deutsch­lands Recht, wie es sich aus dem Ver­sailler Abrüstungsversprechen ergibt, zu bestreiten. Der Pariser Korrespondent der Morning Post" erklärt, guten Grund für die Annahme zu haben, daß die britische Regierung mit der französischen der Mei­nung sei, die ganze Angelegenheit sei be­dauerlich, aber auf beiden Seiten herrsche Verständnis dafür, daß die deutsche Re-

Frankreich lehnt ab

Die in Berlin gegebene Aufklärung über die Tragweite der Bedeutung des deut­schen Schrittes in der Wehrsrage wird von den meisten Berichterstattern der Pariser Preste sachlich übermittelt, obwohl grundsätzlich die Abwehrstellung gegen die deutschen Wünsche beibehalten wird. Man erwartet eine Erklärung des fran­zösischen Ministerpräsidenten für nächsten Sonnabend.

83 o I o n 16 bezeichnet es als absurd, von einem ultimativen Charakter der deut­schen Forderungen sprechen zu wollen. Das deutsche Schriftstück sei so korrekt wie möglich abgefaßt und könne im Quai d'Orsay nicht die geringste Unzufrieden­heit erregen. Man werde fetzt auf diplomatischem Wege verhandeln, aber ohne Eile und ohne Beunruhigung.

La Republiqu e" nennt das Schriftstück geschickt. Es werde ihre Be- spreckunaen und Kiürietunne** "ack kick