SomiMag, btnl.6wt.1932
eie ,Obert*f|if<t* Bettung* er- f^etnt sechsmal wkebentltch. Be- ,vg«pret« monatl.t Marburg 2.02 SM aueschl. Znsielluug«gebabr, h«i unsren Agenturen 1.93 SM. jUjfigL Zustellung^gebLbr. durch hie Post 2.25 SM fifrt etwa h«ch Streik. Maschinendefektoder eiementare Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Tria» geleistet. Verlag. Dr. 5. Kitzervtb, Veuck der 1lnü>-Vuchdru<kerel 506 Aug. Koch. Markt 21/23. «kernsprecher: «lkr. 2054 tu 5Rt. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Skr. 5015. - Svre»»e« der Siedakürm von 10—11 e»
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Deutschland fordert Sicherheit
Eine deutsche Denkschrift über den Umbau der Reichswehr — Die Pariser Presse tobt
Die Pariser Avendpresse veröffentlicht eine Havasmeldung, nach der das fran- zöfische Außenministerium während der Abwesenheit des Ministerpräsidenten Her- ri»t eine Rote der Reichsregiernng über die Frage der Umbildung der Reichswehr erhalte« habe. Dem Ministerpräsidenten sei am Dienstag abend »on der Note Mitteilung gemacht worden.
I« Berlin wird erNärt. die Tatsache als stüche dürste richtig sein, dagege« läßt sich im Augenblick noch nichts Authentisches über die Einzelheiten des Schrittes feststel- tee. Es ist aber wohl anzunehmen, daß von zuständiger Seite im Laufe des Tages dazu Stellung genommen wird.
Eine Erklärung des Quai d'Orseq.
Der Quai d'Orsey hat am Mittwoch abend eine halbamtliche Erklärung zur deutschen Note herausgegeben, in der die aus England kommende Havasmeldung bestätigt wird. In dieser Erklärung heißt es:
„3m Juli d 3. ist Reichskanzler von Pap en bei Herriot vorstellig geworden. Der französische Ministerpräsident erwiderte jedoch, daß er sich in jenem Augenblick auf keinen Fall mit der Frage beschäftige« wolle." Am Dienstag abend hat «un der Reichsaußenminister de« französischen Botschafter Francois Poncet in Berlin eine Denkschrift in Bezug auf die Berfasiung der Reichswehr überreicht.
Ministerpräsident Herriot über den deutschen Schritt.
Der Kabinettschef im französischen Außenministerium, Alphand, hatte sich gestern nach Cherbourg begeben um dem Ministerpräsidenten Herriot das Schriftstück, in dem der deutsche Standpunkt in der, Abrüstungsfrage dargelegt ist, zu überreichen.
Nachdem Herriot Einblick in das Schriftstück genommen hatte, soll er — wie „Echo de Paris" meldet — zu semer nähere Umgebung gesagt haben:
„Diese Erklärung überrascht «ns nicht. Eie war angekündigi worden ««d wir erwarteten sie. Bevor ich dazu Stellung nehme, will ich zunächst den vollständigen Wortlaut der Note lesen. Aber auch dan« wird es noch verfrüht sei«, eine Meinung z« äußern, denn diese Note muß den Ministern unterbreitet werden «nd zum Gegenstand von Besprechungen mit den interessierte« Regierhnge« gemacht wer-
Die Presie behauptet, nach den Der- ossentlichungen des Reichswehrministers ebenfalls nicht überrascht zu sein, doch treten die Blätter bereits in eine geschloffene Abwehrfront. „Petit Parisien" versteigt sich zu der Behauptung, daß Deutschland mit der Formulierung seiner Forderungen in einem diplomatischen Dokument sich in Gegensatz zu den Bestimnum- gen des Versailler Vertrages stelle.
Journal" meint, es sei nicht das erste Mal daß die Deutschen versuchten, die Aufmerksamkeit der französischen Regierung auf ihre Pläne einer Reorgam- ßeruug der Reichswehr zu lenke«. Luch
Entweder - oder
Schleicher zum Umbau der Reichswehr entschlossen
Der „Rest» del Carlino" veröffentlicht eine Unterredung seines Vertreters mit dem Reichswehrminister van Schleicher. Auf die Frage, welches die grundsätzlichen Wünsche und Forderungen Deutschlands in der Abrüstungsfrage seien, erklärte der Generäl:
Deutschland wünscht nach wie vor die allgemeine, entschiedene und schnelle Abrüstung. In diesem Wunsch nach allgemeiner und entschiedener Abrüstung trifft sich Deutschland mit Italien, dessen Staatsmänner wiederholt und überzeugend den gleichem Standpunkt vertreten haben. Heute schon mutz ich mit allem Nachdruck darauf Hinweisen, daß die Schuld für em etwaiges Scheitern der Konferem auf jene Staaten zurücksällt, die den Zweck der Konferenz nicht in der Herstellung gleicher nationaler Sicherheit aller Völker durch allgemeine Abrüstung sehen, sondern in der einseitigen Sicherung und
Verewigung einer ungerechtem Verteilung von Recht und Macht, die sich im letzten Jahrzehnt als Quelle Mm Uebels erwiesen hat. Man kann aber ein 65- Millionen-Dolk, das für dm kulturttten Fortschritt der Welt unendlich md geleistet hat, auf die Dauer nicht als
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Was hätte Deutschland in einem Völkerbund zu suchen, der es unter entwürdigendes Sonderrecht stellt? Ein Staat, der seinen Bürgern nicht die Sicherheit gegen äußere Bedrohung gewährleisten kann, ist in seinem Lebensnerv getroffen und bildet deshalb — und nicht wegen der Lügen über geheime Rüstungen — in den internationalen Beziehungen einen Faktor der Ansicherheit.
Auf die Frage, was der Reichswehrminister praktisch unter der Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage verstehe, ant- robrtete der Minister: Deutschland beansprucht in bezug auf die Wehrverfas- s ung die Organisation und Einteilung seiner Wehrkräfte, die Ausstattung mtt Waf- f en, die Landesbefestigung und die Waffenherstellung grundsätzlich die gleichen Rechte, die die anderen Staaten für sich in Anspruch nehmen. Ein 12 Jahre dienender Soldat verursacht in der Besoldung, in der Vorbereitung auf einen bürgerlichen Beruf und im Versorgungsanspruch hohe Kosten, die nur zmn Teil einen mMärischen Nutz- effett haben. Der Soldat der allgemeinen Wehrpflicht oder der kurzdie- nenden Miliz ist erheblich billiger «nd die Aufwendungen für ihn kommen $u nah^u 100 v. H. der Landesverteidigung zugute. Der Umfang eines Umbaues der Reichswehr hängt vom Grad des Abrüstungswillens der hochgerüsteten Staaten ab. Es ist selbstverständlich, daß bei ihm außerdem der schwierigen 5in a 3läge des Reiches Rechnung getragen werden muß.
Auf die Frage, welche Fo-Kgervnsem die deutsche Regierung äus einer Ablehnung ihrer Gleichberechtigungsforderung ziehen werde, erllärte der Minister: Die deutsche Regierung wird sich dann nicht mehr an den Arbeite« der Abrüstungskonferenz beteißge«. Was diese Nichtbeteiligung für bte Eristenz des Döl- kerbnndes bedeute, liegt auf der Hand. Die deutsche Regierung wird darüber hinaus durch den Bruch der Abrüftungsver- fprechungen fettens ihrer Derttagspartner gezwungen fein, die nationale Sicherheit auf nationalem Wege herzustellen, wenn es auf dem internationalen Wege nicht möglich war.
„Echo de Paris- bezeichnet die deut- i sche These als unhaltbar.
Der Ton auch der übrigen DlAter ist von größter Schärfe und nimmt bisweilen drohende Formen an. Jedes Maß verliert „Ere Nouvelle", das Blatt, in dem Ministerpräsident Herriot zu Wort zu kommen pflegt. Es stellt an den Beginn einer äußerst gehäsiige« Ausführung die Frage, ob Minister v. Schleicher den Versailler Vertrag beerdigen wolle, und meint bann u. a., es sei klar, daß man im Versailler Vertrag die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen gegen diejenigen ergreifen wolle, die nicht ge- zögett hätten, den Krieg vorzubereiten.
„Jjomme Libre" fordert den Zusammenschluß aller Franzosen um Herriot, um der Welt klar zu machen, daß Frankreich nichts weiter wolle, als den Ftteden und seine Sicherheit.
„Quotidien" fordert ebenfalls ein einmütig geschlossenes Nein und die Sammlung der Franzosen um den fran- zfischen Ministerpräsidenten. Deutschland beschuldigt Frankreich nicht abgerüstet zu s haben. Frankreich kann erwidern, daß 1 Deutschland heimlich aujserüstet CD habe.
„Figaro" und „Ami du People bemühen sich, in dem Interview des Reichswehrministers in einem italienischen Blatt eine Beleidigung für Frankreich zu erblicken, die nicht unenoibert bleiben könne. Im GÜverkschaftsblatt „£e P euple" lehnt bei sozialistische Abgeordnete Fonts n i e r bie deutsche Forderung insofern ab, als bie Sozialisten eo ipso jebe Auf- rüftungsgleichheit verurteilen. Allerdings müße man der französischen Politik ben Vorwurf machen, bie heutigen Verhältnisse heraufbeschworen zu haben. Man müsse abrüsten, bamit Deutschland nicht erneut rüste, bas stehe im Versailler Vertrag.
Allgemeine Wehrpflicht in China?
Loudon. 31. Aug. Wie Reuter aus Schanghai meldet, befaßt sich das chinesische Kabinett mit einem Gesetzentwurf über die Einführung der allgemeinen MSitärdienstpflicht in China. Als Muster sollen die Wehrverfasiungen Frankreichs «nd 3talieas zugrvnbegelegt «erde»-
Sn der Schwebe
Das innerpolitische Kräftespiel, das durch den Kampf zwischen der Prästdialregierung und den in der Taktik des parlamentarischen Zwischenspiels zum Ausdruck gekommenen Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten gekennzeichnet ist, befindet sich in einem äußerlich ruhigen Schwebezustand, der aber doch nicht über die innere Spannung Hinwegtäuschen kann. Der durch das Telegramm des neuen Reichstagspräsidenten Göring beim Reichspräsidenten in Neudeck erbetene Empfang des Reichstagspräsidiums unterbleibt auf Wunsch Hindenburgs. In dem Antworttelegramm des Reichspräsidenten, das in der Sitzung des Reichstagspräsidiums am Mttwoch nachmittag zur Sprache kam, fällt zweierlei auf: Einmal die Tatsache, daß der Reichspräsident dem beabsichtigten Besuch lediglich den Charakter der üblichen Vorstellung beimitzt, sodann die Tatsache, daß Hindenburg den Termin für diesen in der nächsten Woche in Berlin stattfindenden Besuch selbst festsetzen wird- Das Reichstagspräsidium ist der Ansicht, daß der Empfang beim Reichspräsidenten noch vor der nächsten Reichstagssitzung, die am nächsten Donnerstag stattfinden soll, vor sich gehen wird. Ob das zutreffen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Falle geht aus der Antwort des Reichspräsidenten hervor, daß er jede Uebereilung der politischen Entwicklung ablehnt und nach wie vor an seiner Ansicht festzuhalten scheint, daß die sachlichen Arbeiten der Regierung unabhängig von parlamentarischen Einwirkungen beschleunigt durchgeführt werden sollen.
Auf Grund der in Neudeck festgestellten llebereinstimmung zwischen dem Reichspräsidenten «nd den maßgebenden Kabinettsmit- gliedern über das große Wirtschaftsprogramm der Reichsregieiung, hat das Kabinett am Mittwoch nachmittag sofort die Beratungen aufgenvmmen, um den Wortlaut der Notverordnung festzustellen, in der das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung zusammengefaßt wird. In den Grundzügen ist das Programm von dem Kanzler in seiner Rede in Münster ja bereits angekündigi worden. Es dürfte sich jetzt um die Ausarbeitung der Einzelheiten handeln, die bisher noch offen geblieben sind- Wie man hott ist hierbei vor allem die Entscheidung über bie künftige Handelspolitik zu treffen. Die Kabinettsberatungen fußen in dieser Frage auf einem Verordnungsentwurf des Reichsernährungsministeriums. Von diesem Entwurf ausgehend, wird sich das Kabinett voraussichtlich dafür entscheiden, nicht vom Meistbegünstigungsprinzip aozuweichen, sondern die Einfuhrkontingenie- rung auf Grund der in den Handelsverträgen enthaltenen Klausel über die öffentliche Sicherheit durchzusetzen. Die vom Reichs- ernährungsministettum vorgeschlagene Äon» tingentierung umfaßt fast alle wichtigen landwirtschaftlichen Veredelungsprodutte sowie gewisse Rohstoffe, vor allem Bau- und Nutzholz. Ungewiß ist, ob die Zinssenkung in die Notverordnung hineinkommt. Es scheint so, als ob die Reichsregierung Maßnahmen auf dem Gebiet der Zinspolitik noch solange zu- rückstellen will, bis die Frage der Diskontsenkung geklärt worden ist, was auf der nächsten Sitzung der BIZ am 19. September der Fall sein dürste. Der Wunsch der Regierung ist sedenfalls, den Diskont von 5 auf 4 v- H. zu senken, wozu nach den noch geltenden Bestimmmunqen des Poungplanes — das Lausanner Abkommen ist bekanntlich noch nicht ratisiziert — die BIZ ihre Zustimmung geben muß, da die Notendeckung der Reichsbank unter 40 v. H. liegt.
Der Reichskanzler wstd dann vor dem Reichstag eine große politische Programmerklärung abgeben. Der Termin der Kanzlerrede wird wie übstch in Verhandlungen zwischen Regierung und Reichstagspräsidium festgesetzt werden, er hängt auch davon ab, wann die große Notverordnung verabschiedet werden kann, da der Kanzler erst dann Zett für die Vorbereitung der parlamentarischen Auseinandersetzungen finden wird. Die nächste Reichstagssitzung soll zu diesem Zweck für den Donnerstag nächster Woche, den 8. September, einberufen werden. Die Absicht