Nr. 201___________________________________.
Gasangriff
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Es war im August 1917. Wir kamen vom (Themm des Dames, und es hieß, wir sollten m einigen Wochen freundlicher Erholung nach Lothringen hinunter, wo der Krieg, wie man süßte, sich noch in angenehmsten Formen
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,u gehen pflegte. Der Transportzug machte, Natt geradeaus weiterzufahren, einen heimlichen Bogen nach Süden. Am Morgen befanden wir uns vor irgend einer Saberampe in ter Nähe von Stönay. vor welcher der Zug nicht mehr weiter wollte. Ehe wir es uns r-rfahsn, koppelten die Eisenbahner, eilfertig ihre Maschine los und trollten sich damit Abwärts. Uns drückte ein verschlafener Unteroffizier von der Bahnhofskommandan- tyr einen Befehl in die Hand. Darm stand kurz und bündig, daß wir als Eingreck- division im Abschnitt Verdun, westlich Maas- nfer, eine Gastrolle zu geben haben wurden.
Erst dann vernahmen wir das mächttge Kumpeln, das von Süden kam.
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«m Abend lag BSthincnurt vor uns, ein Trümmerhaufen, von gellenden Einschlagen berstend. Die schweren Granaten kamen alle von Süden herangereist, wo schwach im letzten Tageslicht zwei gewölbte Bergrücken standen Das waren der Tote Mann und die Köhe 304, so viel wußten wir schon. Die Sonne war rechts hinter dem Wald von Avo- eourt unterqetaucht. Der stand nur auf der Karte.
Wir wußten nicht, ob uns der Befehl auf den Toten Mann, auf die Höhe 304 oder in den Wald von Avocourt führen würde, wir sollten es erst beim Reoimentsgefecktsstand in I^thincourt erfahren. Der Gefechtsstand war aber nicht mehr in BSthinecurt. Nachdem ein fernerer Volltreffer feinen Keller eingedrückt, hatte er sich ins freie Gelände zurück- >gezogen.
[ Die Nackt prasielte von hefttaem Artillerie- - feuer Oben auf dem Toten Mann flatterten grünweiße Leucktkugeln. Einmal wurde auf der Höbe 304 Sperrfeuer angefcwdert mit gelben Leuchtzeicken. Aber das Ohr vermochte nickt zu unterbleiben, w rc bort vorging. Alles ging unter in einem gleichmäßigen Geraffel, Gefunke und Gezisch.
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Wir gelangten zwiscken dem Wald von Avocourt und der Höhe 304 auf einen Berafattel. der den poetifchen Namen „Termitenhügel" trug. Der Stoßen, m dem wir oblösten, hörte auf die Bezeichnung „Elsternest", und der Kampftrunpen b ommanbeur unseres Abschnitts saß im „Vogelberd".
Neun Tage lang häuften wir im Elsternest unter dem französischen Trommelfeuer. Neun Tage lang bedeutete der Sprung ins, Freie, um die Notburst zu verrickten, ein Spiel mit dem Leben. Ackt Näckte hatten wir nichts zu tun. als eingefckloffene Stollen in unserem Abschnitt auszubuddeln und zu retten, was noch Atem hatte.
et>.-3n der neunten Nacht zerquetschte eine schwere Mine das halbe Elsternest mit dem einen Ausgang. Der größere Teil bet Besatzung befand sich gottlob gerade draußen. Dir saßen die zweite Hälfte der Nacht m dem übriggebliebenen Teil des Stollens und warteten, daß eine neue Mine unfern letzten Austchlupf verschüttete. Der Kerzenstummel verlosch immer wieder, wenn der furchtbare Hammerschlag oben auf unsere Köpfe fuhr und die Streichhölzer knackten.
Es mochte etwa drei Uhr morgens sein, als uns die Vorstellung befiel, es sei 'draußen viel ruhiger geworden. Wir krochen hinaus Und starrten von unserer Höhe hinab in die Nacht in unferm Rücken. Die frische Luft tat gut, obwohl es stark nach Schwefel roch.
Die Dunkelheit war seltsam belebt von bunten Feuertupfen, die sich um bestimmte Punkte anhäuften. Unsere Erfahrung lehrte uns, diese Punkte als Dörfer, Straßenkreuzungen, Batteriestellungen, Waldstücke imd Reservesfützpunkte zu beftimmen. Hier oben war es entschieden ruhiger es stiegen auch keine Leuchtkugeln aus. Der Schatten der Höhe 304 trat hin und wieder vor einem Feuerschein hervor, der hinter ihr lohte. Es brannte dort wohl etwas.
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Aber etwas ftimmte hier nicht, es beunruhigte uns irgend etwas. Fortwährend rauschte es hoch über uns hinüber und fuhr in die Mulden unter uns, ohne daß man von dort unten das Geklirr der Einschläge vernahm. Wir kamen schließlich zu der Meinung, daß der Franzmann aus Versehen eine Kiste inst Granaten ohne Zünder aufgemacht habe, «nd fanden das sehr angenehm. Die Stirn« nnmg drohte beinahe behaglich zu werden.
Bei erster Helligkeit machte uns bas neue Geklirr des Artilleriefeuers wie Ratten in unser Lock verschwinden. Wir sahen gerade «och, daß in den Mulden unten weißliche Nebel standen. Als letzte romansische Vorstellung vor der Rattenflucht ins Loch kam mir ein" flüchtiges Bild aus Jugend und Heimat. Denn wir am Herbstmorgen früh hinauf auf die Höhen geeilt, lagen die Dergfpitzen als Inseln in einem weißen Meer, und aus der Tiefe klangen unsagbar geheimnisvoll die Morgenglocken unter der Fläche. Wie Doten- glocken klangen sie.
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Wenige Minuten später stürzte ein Meldeläufer vom Karnnftruppenkommandeur zu uns herein, erbrach^ sich würgend, schlug um sich, und stöhnte, mählich ruhiger werdend, ein em« ziges Wort, das uns graufam machte.
„Gas..."
... das leckt mit weißen spitzen 3untren zu uns heraus. Das . sammelt sich fröstelnd, kriecht stumm übereinander, steigt von rückwärts auf die Schultern und rückt von hinten vor. Es weht ein leichter Rordwest, der verhindert das Abfließen aus den Mulden.
Das staut sich und kriecht nach rechts und nach links m einer tödlichen Berlegenhett.
Dtertenw Zeitung, Marburg a. L. Sonnabend, dm 27. August 1932
vor Verdun
Smt Weimer Beurnelbrrrg
Das breitet sich in dünnen Kanälen aus, wie Spinnenarme bewegt sich das vorwärts, in hundert Gliedern gelenkig.
Die schwarzen Mauerreste von Böthincourt werden sichtbar wie verbrannte Holzstücke, die auf einer Fläche treiben. Jenseits fährt im Galopp eine Kolonne zurück. Zwischen Bsthincourt und Haucourt ertrinkt ein Waldstück rettungslos und langsam. Bald verweben die letzten Daumspitzen. Auf der Höhe 304 raffelt Maschinengewehrfeuer. Sperrfeuerzeichen tanzen. Aber da unten bleibt alles still — was soll bas werden!
Die Sonne geht auf über dem anderen Maasufer. Bald wird sie ihre ersten Speer« strahlen über den Toten Mann versenden. Es wird einen herrlichen Augusttag geben, blau und blitzend, ein Tag für Lerchentrillern und Finkenschlag.
Das da unten steht zäh und weiß und wankt und weicht nickt, ein Leichentuch von mitcourt bis zu Füßen des Toten Mannes.
Wir würden Rettungskolonnen bilden und 'hinuntersteigen. Aber wir müssen hier oben bleiben und warten. In jeder Minute kann der Franzmann angreifen. Im Handumdrehen kann sich aus den Trichtern das Geraffel der Jnfanteriefchlacht erheben. Wenn nur em kräftiger Wand sich aufmachte! Wir sind ganz ohne Befehle, vom Kampftruppenkommandeur ist keine Nackricht mehr gekommen. Wenn der Franzmann angreift, wird es uns rasch erledigt haben. Wir sind ja ganz ohne die Unterstützung unserer Feldartillerie. Das ist alles dort unten unter dem Leichentuch.
Die Sonne ist jetzt aufgegangen über dem Toten Mann. Flieger sind glitzernd unterwegs. Sie surren hin und her über dem weißen Tuch. Wenn sie wenden, blitzten sie mit den Sonnestrahlen um die Wette.
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Der Franzmann hat nicht angegriffen, mir wissen es nicht, warum, er hätte keine Muhe mit uns gehabt.
Am Mittag zerrt endlich ein kräftiger Wind vom Maasufer her das Leichentuch auseinander. Wir bilden jetzt Rettungskolonnen und steigen hinunter. Die Division hat Sauerstoffgerät geschickt. Wir arbeiten den ganzen Nackmittag hindurch und nehmen uns einen Stollen nach dem andern vor. Die Sanitätsautos werden vollgeladen und sausen über die beschossenen Straßen zurück. Unterwegs begegnen sie schon den neuen Bereitschaften, die non der Division in Marsch gesetzt worden sind, nackdem man die Verluste einigermaßen hat übersehen können.
Für den Abend und die Nacht ist am ganzen Abschnitt äußerste Gasbereitschaft angeordnet. Die Leute hocken mit glotzenden Masken vor den Stollen. Drinnen kann man sich noch nicht aufhalten.
Um einzelne Mauerstücke, in Grabenlöchern, in großen ©ranattricbtern, um Hecken und Sträucher klettern noch die letzten Reste des weihen Leichentuches. Sie gleicnen frierenben Sckafen in der Dämmerung. Der füfjlure Elorgeruch reizt fortwährend zum Erbrechen. Immer noch werden einzelne Tote gefunden
Was mag die neue Nacht bringen?
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Skizze des nördlichen Teils des Ausstellungsgelöndes mit den riesigen Ausstellungsanlagen, die zum Teil in phantastischen Dimensionen gehalten sind.
In Chicago sind die Vorbereitungen für die Weltausstellung 1933 in vollem Gange. Zurzeit weilt Chicagos Oberbürgermeister in Berlin, um auch Deutschland zur Teilnahme an dieser Ausstellung einzuladen, die viele Weltfenfationen enthalten wird.
Das Innere eines Tornados
Von Dr. E. Kaknner, Profeffor an der Technischen Hochschule Berlin
Tornados, diese wirbelnden Schädlinge der Vereinigten Staaten von Amerika, sind schon oft beschrieben und abgebildet worden. Aber wie ein solcher Wirbel im Innern aussieht, war bisher eigentlich nicht bekannt. Wohl weiß man, daß es sich bei ihm um eine schlauchähnliche wirbelnde Luft« und Wolken- maffe handelt, die unten auch Erde und zerstörte Teil und selbst Menschen und Tiere hoch- ijcbt; daß man aber auch hineinsehen kann, ist eine sehr große Zufallsache, weil ja die Bahnen der Tornados vorher nicht bekannt sind, so daß sich nicht ein erfahrener Beobachter richtig und rechtzeitig aufstellen kann. Auch ist die Bahn sehr schmal, ost kaum 100 Meter breit Es ist daher sehr zu begrüßen, daß ein Farmer in dem tornadoreichen Staate Kansas neulich Gelegenheit hatte, einen Tornado ohne Schaden über sich hinwegziehen zu sehen. Seinem eingehenden Bericht folgen wir: Ich war gerade gegen 3 Uhr nachmittags mit meiner Famllie auf dem Felde, um den durch Hagel verwüsteten Weizen zu besehen. Da erblickte ich im Westen eine dunkle, schirmförmige Wolke, die erfahrungsgemäß zu einem Tornado gehörte. Auch war die Lust wie sonst vor einem Tornado sehr drückend. Bald danach sah ich drei Tornados herabhängen, von denen zwei deutlich seitwärts vorbeiziehen würden, während der dritte auf uns zukam. Ich eilte sofort mit meiner Familie nach Hause und in unfern bombensicheren Tornadokeller, blieb aber an seiner Tür stchen, um die weitere Entwicklung abzuwarten. Da das Land flach ist. konnte ich weithin blicken. Regen fiel fast gar nicht. Die beiden weiter entfernten Tornados glichen zwei Raupen, die von den Wolken herabbaumelten, wogegen der nahe dritte wie ein Trichter mit Wolkenfransen aus»
sah. Ein starker gasähnlicher Geruch benahm mir fast den Atem. Vom Ende des Trichters kam ein schriller, zischender Ton. In diesem Augenblick war der Tornado gerade über mir. Ich sah in eine kreisförmige Oeffnung von 15 bis 30 Meter Durchmesser, die etwa 800 Meter (eine halbe englische Meile) hoch reichte. Ihre Wände waren wirbelnde Wolkenmasse. Aber nur dadurch, daß innen querüber fortwährend Blitze sprangen, konnte ich das Innere überschauen. Um den unteren Rand des großen Wirbels entstanden und vergingen fortwährend kleine Wirbel, die sich um den Rand herum bewegten und das erwähnte starke Ge- räufch verursachten. Der große Wirbel drehte sich im Sinne des Uhrzeigerganges, die kleinen aber teils ebenso, teils anders herum. Die Oeffnung erschien ganz hohl, mit Ausnahme einer nicht klar erkennbaren Maffe, wohl Wolkenmasse, die sich in der Mitte auf und ab bewegte. Der Tornado wanderte ziemlich langsam, so daß ich genügend Zeit zum Beobachten hatte. Sein Weg war nicht geradlinig, sondern ging im Zickzack nach Nord- osten. Rach dem Vorübergang in einiger Höhe senkte sich der wirbelnde Schlauch zur Erde und zerstörte Haus und Scheune eines Nachbarfarmers. Der Farmer selbst hatte nicht mehr Zeit, seinen Tornadokeller zu erreichen. Er und seine Familie legten sich hinter einem windgeschützten kleinen Abhang flach auf den Boden und hielten sich an einigen Büschen fest. Trotzdem hatten sie das Gefühl, als würden sie ein wenig angehoben, lieber sie weg flogen Teile ihres Hauses, sogar der eiserne Küchenherd. Dem ältesten Kinde, einem Mädchen von siebzehn Jahren, das am wenigsten geßt}üj5t_jjar, wurden die Kleider abgerissen.
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Am 27. ds. Mts. vollendet (Benetal der Infanterie a. D.. v. Hutter, der bekannte Armeeführer im Weltkrieg und jetzige Präsident des Deutschen Offiziers-Bundes, sein 75. Lebensjahr.
Oskar v. Hutter wurde am 27. August 1857 zu Erfurt geboren. Er wurde rm Kadettenkorps erzogen und am 15. 4. 1875 dem Infanterie-Regiment 88 als Leutnant überwiesen. Von 1894 bis 1900 und 1902 bis 1907 gehörte er in verschiedenen Stellen dem Eeneralstab an. Vom 22. 3. 07 bis 22 3 10 war er Kommandeur des Leibgarde-Infantene-Regiments 115 und übernahm am 22. 3. 10 als Generalmajor den Befehl über die 74. Infanterte-Bri- gäbe. Am 3. 2. 11 wurde er zum Ober- quartiermeister ernannt und zum Mitglied der Studienkommission der Kriegsakademie. Am 22. 4. 12 zum Generalleutnant befördert, trat er am 19. 11. 12 an die Spitze der 1. Earde-Division, mit der er 1914 ins Feld rückte. In schnellem Aufstieg wurde v. Hutter Kommandierender General des XXL A. K., Oberbefehlshaber der 8. und sodann der 18. Armee. Aus den bedeutenden Kriegshandlungen dieser beiden Armeen unter dem Befehl des Generals v. Hutter seien besonders hervorgehoben die Eroberung von Riga und der balttschen Inseln im September und Oktober 1917 sowie die außerordentlichen Erfolge der 18. Armee bei der großen Schlacht in Frankreich im März 1918. Unter Führung des Generals v. Hutter drang die 18. Armee im März 1918 in Frankreich in raschem Siegeszug 60 Kilometer weit in die englischen Stellungen ein. lleber 37 000 Gefangene wurden gemacht und über 600 Geschütze erbeutet. Die 5. englische Armee war völlig zertrümmert. Von englischer Seite wird dieser Erfolg als die größte Niederlage bezeichnet: die die Engländer in der Geschichte erlebt hätten.
Nachdem er seine Armee geschlosien und in voller Ordnung über den Rhein in die Heimat zurückgeführt hatte, nahm General v. Hutter am 14. Januar 1919 den Abschied.
Im Dezember 1919 entsprach General v. Hutter der Bitte des Deutschen Offizier- Bundes, an seine Spitze zu tretest. Eetra, gen von dem Vertrauen der Mitglieder hat er den Bund zu einer machtvollen und segensreichen Gemeinschaft fest zusammen- geschlossen. — General v. Hutter verlebt seinen Geburtstag in Salzburg.
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Der letzte Kamps kurz vor dem Ziel.
Ein Bild aus den Dolomiten, dem Paradies der Hochtouristen, das so recht die Schwierigkeiten zeigt, die hier alltäglich im harten Kampf um den Gipfel von den künen Bergsteigern überwunden werden.
Anna Rosegger gestorben.
G r a z, 26. Agu. In Krieglach ist heute die Witwe des Dichters Peter Rosegger, Frau Anna Rosegger im Alter von 72 Jahren gestorben.
X Der nichtbeamtete ao. Profeffor für Zoologie an der Universität Jena Dr. Eduard U h l m a n n ist als beamteter Konservator cm Phyletischen Museum der borgen Universität angestellt worden.
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