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Nach Feieraben-

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitung___________

Xiermütter

Fetzt wir- -er Hopfen veemtet

Von Dr. F. Hauch ec oL-ne-KAn Direktor des Zoologischen Gartens

ten erstreckt. Die merkwürdigsten Pfiege- schaften kommen manchmal zustande. Es erscheint fast wie Jägerlatein, wenn man gelegentlich liest, daß Hauskatzen junge Ratten, Eichhörnchen, Hasen oder Marder annehmen oder daß eine Dackelhündi« be­reitwillig die Pflege junger Marder über­nimmt. Es ist nicht etwa eine besondere Erscheinung in der Gefangenschaft, auch in der Freiheit kommt es vor, daß sich Tiere fremder Jungen annehmen, sogar solcher anderer Arten. Besonders find es die Vogelmütter, deren Mutterliebe auch dem Locken fremder Jungen oft nicht widerstehen kann.

Die Hopfendolden werden gevilückt.

Biele tausend fleißige Hände regen R6 jetzt, vor allem in Bayern, um die Hopfenernte einzubrin- gen. Alljährlich werden in Deutschland rund 100000 Zentner des Rankengewächses geerntet, das hauptsächlich in den Bierbrauereien verwendet wird, und dem Bier den bitteren aromatischen Geschmack verleiht und seine Haltbarkeit erhicht.

Schauermär in Wachs

Wer hält eine Nacht im Wachsfigurenkabinett aus?

Den Russen Eorgulof, den Mörder des französischen Staatspräsidenten Doumer, hat das Pariser Schwurgericht zum Tode ver­urteilt. Erne neue Wachsfigur, nein eine neue Figurengruppe, Täter und Opfer darstellend, wird in die Panoptika einziehen.

Merkwürd«erweise nämlich gibt es noch einige dieser Schauerstätten, die um die Jahr­hundertwende große Mode waren. Der Film, so realistisch uni) wahrheitsgetreu er auch Szenen und Menschen wiederzugeben vermag, fort doch den Nervenkitzel des Wachsfiguren­kabinetts. eine der schauerlichsten Geschmacks­verirrungen alter Zeiten, nicht ganz ersetzen können.

Der Film ist dem Pauoptikmn deshalb in seiner Wirkung unterlegen — wenn man sich so ausdrücken will —, w«Ä er zu viel Licht besitzt, weil er keine dunllen, geheim­nisvollen Ecken und Winkel kermt, well er zu rasch am Auge vorübergeht. Das Wachs­figurenkabinett dagegen ist ein Erttakt aus Men düsteren Geheimnissen, ist erfüllt von schwer auf der Brust lastender muffiger Lust, hat lichtscheue Ecken, aus. denen plötzlich bleiche, leblose Gesichter austauchen, reizt die Pfam- tasie und läfet die Gänsehaut in TätigkeL treten. Und das find alles Dinge, für die manche Menschen gern ein paar Groschen ausgeb en.

Ms die WachsfrMlrenkabmeste aufkamen, hasten sie, anch von einem höheren Stand- puntt aus gesehen, eine gewisse Daseinsberech­tigung. Durch sie formte sich das Volk eine Vorstellung von berühmten Persönllchkesten, besonders von Regierenden, machen. Männer und Frauen der Weltgeschichte. Kaiser, Kö­nige, Päpste, Heerführer, Staatsmänner, groß« Künstler und Gelehrte zogen in dre RuhmeshaLe des Panoptikums ein, und dre eine oder andere geschichtliche Szene wurde dargestellt. Dem neunzehnten Jahrhundert blieb es vorbefallten, das Wachsfigurmrkcwr- nett zur Schauerstätte zu degradieren, in der Raubmörder. Mädchenjäger, Einbrecher und ähnliche unangenehme Zettgenossen dem sen­sationslüsternen Publikum möglichst natur- gesteu oorgeführt wurden. Deshalb fiel es dem .Plastiker auch nicht ein, etwa Danton

Mit mehr ober weniger tiefem Ver­ständnis wandern die Zoobesucher die Reihen der Käfige enstang. Fremdarstge Tiergestalten ziehen in bunter Reihe an ihnen vorüber.

Hier und dort werden die Zuschauer langer festgehalten. Da ist irgend etwas Besonderes zu sehen: Vorführungen abge­richteter Tiere, junges Volk oder gar ein Familienidyll — eine Tiermutter mit ihren Jungen. Da bleiben alle stehen, auch solche, die sonst für Tiere nicht viel übrig haben, und ganz besonders die Frauen und Kinder. Welche Rührung, wenn die Aeffin mit unbeschreiblich müt­terlicher Gebärde die Jungen an sich drüitt, mtb welcher Jubel entsteht unter den Kin­dern wenn die Bärin ihren kleinen Tol­patschen „eine runterhaut"!

Genau wie bei uns! Mit größter Ge­nugtuung wird das allseistq festgestellt.

Ist diese ausdrückliche Feststellung eigent­lich besonders nötig, als wäre Mutterliebe nur ein menschliches Vorrecht — gerade die Fürsorge für die Nachkommenschaft, der ursprünglichste Trieb, auf den sich die Erhaltung des Lebens aufbaut?

Mau meint oft, die Weibchen der einen Art feien besiere Mütter als die der an­deren. Dabei ist es nicht anders, als daß die Jungen verschiedener Arten verschie­dene Ansprüche an die Dauer und die Gründlichkeit der mütterlichen Pflege fie­len. Die Häsin gilt als schlechte Mutter, weil sie ihre Kinderstube irgendwo an einer wenig geschützten Stelle ganz flüchtig curiegt und die Kleinen frühzeitig verläßt. Das Kaninchen dagegen, das für seine Jungen eine ganz versteckte, unauffällige Röhre scharrt und darin ein weiches, war­mes Rest baut, das es mit der Wolle von ^feinem eigenen Leibe polstert, gilt als eine besonders gute Mutter. Dabei tut fede ihre Pflicht, um die Kinder soweit es notwendig und nützlich ist, durch die erste Jugend zu bringen. Die Junghasen find schon bei der Geburt sehend und vollbe­haart, nach wenigen Tagen können fie herumlaufen und fresien, Kaninchen kom­men dagegen in unverhältnismäßig gerin­gerer Größe nackt und blind zur Welt.

Auch von der Mutterliebe gibt die Na­tur eben jedem Wesen so viel mit, wie zur Schaltung der Nachkommenschaft gerade nötig ist. Innerhalb der Art gibt es nur geringe Abstufungen. Daß fie aber da find, das weiß jeder Tie^üchter. Gerade der nicht näher eingeweihte Besucher des Zoologischen Gartens läßt leicht ein allzu hartes Urteil, wenn er eine Tiermutter, die scheinbar ihre Jungen schlecht behan­delt, für lieblos erklärt. Man muß fich einmal vergegenwärtigen, welche Zumu­tungen an die Weibchen dort gestellt wer­den. Das Tier ist ja oft verhindert, ganz nach seinem Fürsorgebetrieb zu handeln.

Die Hirsche, die draußen im hohen Adlerfarn oder im dichten Unterholz des Waldes ihre Kälbchen ängstlich zu hüten gewöhnt find, müssen fich im Gehege nun in aller Oeffentlichkeit zeigen. Der Lö­win, die sonst im Schutze des Dornbusches oder gar eine Felshöhle ihre Jungen mo­natelang verbirgt, schauen im Raubtter- haus Scharen von Besuchern neugierig in die Kinderstube. Die meisten Tiere gewöh- sen fich überraschend schnell daran. Aber es ist kein Zeichen geringerer Mutterliebe, wenn eine Löwin, die nicht schonend ge­nug daran gewöhnt ist, in der Aufregung darüber, daß fie ihre nächstliegende Pflicht, die Jungen zu verstecken, nicht restlos er­füllen kann, andere Pflichten vergißt, viel­leicht einfach körperlich dazu unfähig wird.

Es ist ja nicht möglich, allen Tieren so viel Freiheit zu lassen wie etwa Pfauen und Perlhühnern, die auch heute noch als alte Haustterarten am besten brüten, wenn fie nur in loser Anlehnung an den Menschen irgendwo im Park ihr Rest an­legen können. Eines Tages kommen fie dann nach wochenlangem Verschwinden mit ihrer Kinderschar wieder zum Vor­schein.

s Um die Löwenjugend vor dem hem- ' mungslosen mütterlichen Schutztrieb zu retten, muß der Tierpfleger gelegenüich eine Hündin zu Hilfe nehmen, der die Furcht vor der Anwesenheit des Menschen schon fremd geworden ist. Dieses Bild fesselt die Teilnahme aller die es sehen, im höchsten Maße: die Hündin als Pflege­mutter junger Eroßkatzen. So ohne wei­teres befiegt allerdings der Muttertrieb

der Hündin nicht das Ungewohnte der neuen Pflichten. Durch vorsichtiges Um­wechseln der Jungen wird fie überlistet.

Etwas weniger Vorsicht, aber viel Ge­duld erfordert es auch, einer Kuh oder Ziege die Pflege eines mutterlosen Hirsch­oder Anttlopenkälb'chens zu übertragen. Einfacher, aber im Grunde doch ebenso wird der Glucke die Pflege junger Enten überantwortet. Das bekommt man ja nicht nur im Zoologischen Garten, sondern auch auf dem Eeflügelhof zu sehen.

Es gibt aber auch Fälle, wo der mütter­liche Trieb so stark rst, daß er sich ohne weiteres auch auf Stere ganz anderer Ar-

im Leben darzustellen, sondern so, w« sein Kops im Korbe der Guillotine gelegen hatte, mit zerzaustem Haar und einem Blutstrom aus Nase und Mund, Blut um den vom Fallbeil zerschnittenen Hals.

Nachdem man einmal soweit gegangen war, mußte ein neuer Einfall den anderen jagen, um konkurrenzfähig zu sein und die Sen­sationslust des Publttums befriedigen zu kön­nen. Sehr wirkungsvoll war es, wenn man irgend eine bekannte Figur ihrem Todfemd gegenüber stellte, daß der Beschauer memte, die beiden müßten jeden Augenblick mtt ge­zücktem Dolch oder erhobener Pistole am einander losstürzen. Das ist auch heute noch so. Man stellt zum Beispiel, bte beiden Italiener Saeco und Vancettt bar, deren Prozeß vor einigen Jahren so viel von fich reden machte, und den beiden, die eben zum elektrischen Stuhl geführt werden Md mtt ihrem verzweifelten Gesichtsausdruck Mttkeid erregen muffen, steht natürlich der Staats- gouvernem gegenüber, der ihre Begnadigung ablehnte.

Trotz alles Gruseligen, was a» sich schon geboten wird, gibt es noch eme besondere Steigerung der Schauerlich kett. Irgendwo in der Wand sind $wet Gucklöcher, und dar­über steht „Nur für starke Nerven!" Für zottbesatt^e. besonders weibliche Gemüter na» tüttich em Grund, um erst recht dorthinein zu sehen. Und dann liegt da vieSercht eine Here auf der Folterbank, oder ein sterbender Soldat ist bargefteit, bei bem sich bank eines Mechanismus die Brust leicht hebt unb senkt und aus einer Wunde einen Blutsttahl her- vorquelien iäfet. Das ist dann Pcmopttkums- „kunst" itt ihrer Vollendung. Man fragt fich nur, wie bte Polizei es überhaupt sowett kommen lassem konnte.

Natürlich muß auch „Freunden bet Schön­heit" etwas im Wachsfigurenkabinett geboten werden. Denen zuliebe stellt man berühmte Kurtisanen in möglichst leichter Bekleidung bar, ober läßt vor ihren Augen eine üppige Haremsszene erstehen, unb bannt auch bie Frommen zu ihrem Rechte kommen, gibt es im Panoptikum vielleicht sogar einen wächs«- iten Schutzengel.

Auch auf die WNenjchÄt.umtz WÄficht gemnMlLll werden — rrrmW rn VHerer -mo- deine» Zeit, bie fich so gern etwm.wiffat. schädlichen Anstrich gibt —, unb so zeigt man dem Beschauer ben menschlichen Körper m fernem Tellen, Krankheitserscheinungen. Ab­normitäten. 3ebe Geschmacksrichtung kommt rät Wachsfigurenkabinett auf ihre Rechmmg.

Ja, sie leben immer noch, diese Schauer­stätten, wenn auch bas berühmteste Deutsch­lands, Caftmrs Panoptikum in Berlin, auf­gelöst und die Wachsfigurensammtmrg bei Madame Tussaud in London vor . einigen Jahren verbrannt ist. Sie befinden sich zwar auf dem Aussterbeetat, aber sie haben ein zähes Leben, und bevor das letzte Wachs­figurentabmett verschwunden ist, wirb noch manches Jahrzehnt vergehen, wirb noch man­cher Zeitgenosse Enyug m bas Panoptikum hockten.

Bis bahrä müssen neue Möglichkeiten ge­funden werden, um den Menschen das Gruseln berzubringen, auf das sie so ungern zerzichten. Dazu war ja bas Wachsfigurenkabinett das geeignetste Mittel. Das sah man, als vor einiger Zett ein Preisausschreiben erlaßen wurde, demzufolge diejenige Person, die eine Nacht allein zwischen allen SchaumNchkerten .eines Paiwuttttums aush-Äen würde, einen namhaft« Betrag affe Beiohmmg erhallen fiMx. Aber die Summe brauchte mcht aus- gezaW yt werden, dam niemand-erf Sitte SSe Bedingung«. Dm unheimliche Nähe aller dieser Schreckensftguren, uüchMche Geräusche, die dem taten Wachs schauerli^s^Leben zu verleihen schienen, bie Dunkelheit, die ganze mtt MMigkett und Grauen ersMte At- mosvhäre jagten die Wettbewerb« ball» itt bie Flucht. R-otPf-s^-Stp-eirl.

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Bon $>ans Felix Rväholl.

Die üblichen Arten der $letallge= WMNltNg im Hochofen oder ans ete&ta* emifchem Wege lassen sich trotz ihrer heute erreichten Vollkommenheit nicht immer anwenden^z. B. dann nicht, wenn es sich heute zu immer größerer Bedeu- tung kommen. Zu den bereits bekann­ten Verfahren ist neuerdings ein weiteres getreten, bei dem die betreffenden Metalle oder Metallverb Ladungen auf außer­ordentlich einfache Weife aus dem gas­förmigen Zustand auf einen dünnen Draht niedergeschlagen werden.

Erhitzt man beispielsweise einen Wolframdraht, der nicht mehr als ein fünfundzwanzigstel Millimeter stark zu sein braucht, in einer mit dem Gas einer Wolsramoerbindung, etwa Wolframhexa- chlorid, gestillten Retorte, so zerfällt dieses bei einer Temperatur von rund 1400 Grad Celsius sehr rasch in Wolfram und Chlor. Ersteres sst bei dieser Temperatur noch fel^r wenig flüchtig und schlägt sich auf dem Wolframdraht nieder. Entfernt man nun das sich blldenüe Chlor stets wieder, so setzt sich der Niederschlag an dem DnM immer weiter fort, und man er­hält schließlich einen .Stab reinen Wolf­rams.

Die Entfernung des Chlors erfolgt zweckunäßigerweise dadurch, daß man Wolframpulver in die Retorte bringt und auf 400 Grad erhitzt. Das an dem Drath freiwerdende Chlor verbindet sich dann mit dem Pulver zu Wolframchlorid, und es entsteht fo ein geschloffener Kreislauf, bei dem das in pulverförmiger Gestalt hinzugefügte Wolfram sich an dem Draht niederschlägt und so in reiner Form zu- rückbleibt. Eine Besonderheit des Ver­fahren besteht noch darin, daß, falls man als Ausgangsdraht einen solchen genom­men hat, der aus nur einem einzigen Kristall besteht, er auch als ein Kristall weiter wächst, so daß man durch die na­türlichen Kristallflächen begrenzte Wols- ram-Ein-Kristalle erhält. Neben Wolfram gewinnt man nach dem gleichen Verfah­ren auch Molybdän unb unter gewissen scheinbar unbedeutenden, praktisch aber schr wesentlichen Aenderungen auch Titan, Hafnium, Zirkonium, Chrom und Vanadium, die alle in der modernen Tech­nik eine große Rolle spielen.

Der Vortell des Verfahrens liegt vor­nehmlich darin, daß man die sonst schwer abfd)eibbaren seltenen Metalle in reinem Zustande in leicht bearbeitbarer Form erhält. Sie erhaltenen, mehrere Milli­meter starken Stäbe sind sehr biegsam und lassen sich leicht zu Drähten oder Platten bis zu drei Hundertstel Milli­meter Stärke ausziehen bezw. walzen. Derartige Zirkoniumfabrikate finden mit Vorliebe in den modernen Radio-Röhren Verwendung, sei es als Platten für die Anode oder als Draht für das Gitter. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens liegt in feiner Mlljakeit. l-