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Anzeiger fiir (das frühere knrhefsifche) Overhesse»

Anzeiger -er amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Streit um die Verantwortung

War die Entscheidung schon vor dem Empfang Hitlers gefallen? Eine Unterredung mit Adolf Hitler

München. Adolf Hitler gewährte einem Vertreter derRheinisch-West­fälischen Zetung" eine Unterredung, in der er sich zu einigen die Berliner Regierungs­verhandlungen betreffenden Fragen äußerte.

Er erklärte, er betrachte die Herein­ziehung Les Reichspräsidenten in den Gang einer Regierungsumbildung als eine Ab­wälzung der Verantwortlich­keit von den Schultern des Reichskanzlers auf die Schultern des Reichspräsidenten.

Im übrigen fei er nicht auf seinen Wunsch nach Berlin gefahren, sondern ge­rufen worden. Die Reichsregierung habe ihm eine Neubildung der Regierung vor- geschlaqen, die er als Führer der national­sozialistischen Bewegung in der vorgeschla. genen Form habe ablehnen muffen. Er habe die Voraussetzung mitgeteilt, unter der ein Eintritt in eine Regierung durch die Nationalsozialistische Partei erfolgen könnte.

Aus dem Munde des Reichskanzlers habe er erfahren, daß diese Bedingun­gen von vornherein schon durch den Reichspräsidenten abgelehnt wäre«.

Damit habe für ihn um so weniger ein Anlasi zu diesem Besuch bestanden, als er ja nicht den Herrn in Berlin irgendwie sich aufzndrängen versucht habe. Er habe da­her erklärt, das, in seinen Augen die Ver­antwortung für die gescheiterte Regie­rungsumbildung selbstverständlich der Reichskanzler von Papen zu tragen habe, daß infolgedeffen ein Besuch bei Hinden­burg für ihn nicht in Frage kommen könne und daß er nur dann bereit sei. dem Reichspräsidenten einen Besuch abzustat- ten wenn dieser noch keinen endgültigen Entschluß gefaßt habe, sondern zunächst nur die verschiedenen Auffaffungen kennen­lernen wolle. Es sei dies aber, wie sich Herausstellen sollte, nicht der Fall ge­wesen. Der Beschluß des Reichspräsiden­ten habe bereits vorgelegen.

Daß er dennoch zum Reichsprafiden- ten gekommen fei, fei nur der dem Minister Frick seitens des Staats­sekretärs der Reichskanzlei neuer­dings übermittelten telephonischen Erklärung zuzuschreiben, daß ein solcher Beschluß des Reichspräsidenten noch nicht gefaßt fei.

In Wahrheit bestätigte bereits eine Vier­telstunde vorher die Reichskanzlei der Preffe die Tatsächlichkeit des bereits ge­faßten Befchluffes des Reichspräsidenten mit der Bemerkung, meinem Hitlers Besuche komme nur mehr formale Bedeu­tung bei und könne an dem Ergebnis nichts mehr ändern. Der Reichspräsident selbst erklärte dann ebenfalls, daß sein Entschluß bereits feststehe.

Auf eine weitere Frage des Bericht- erstattes erklärte Hitler, daß er und feine Bewegung weiterkämpfen würden. In dem Augenblick, wo durch die Maßnahmen einer Negierung auf der nationalen Seite eine Stockung, auf der Internationalen Seite aber eine Belebung eintreten, werde sie von ihm abgelehnt, ganz gleich, wer immer ihre Männer sein mögen.

Grundsätzlich sei ex der Ueberzeugung, datz jede Regiervng scheitern müffe und scheitern werde, die nicht eine feste weltanschauliche Verankerung i« einer tragenden Bewegung ihres Volkes

Die Regierungstätigkeit der heutigen Reichsregterung werde seiner Ueberzeugung nach zum Chaos führen.

Auf die Frage des Berichterstatters, ob es richtig fet, daß Hitler die schärfste Oppo­sition der NSDAP, gegen die Regierung Papen angekündigt habe, erwiderte Hit­ler, die nationalsozialistische Bewegung treten gegenüber der heutigen Reichsregie­rung in Opposition. Die Schärfe dieser Opposition werde bestimmt durch die Größe des Schadens, der durch das Unter­bleiben einer Opposition entstehen würde.

Auf die Frage, ob Hitler nicht glaube, daß es besser gewesen wäre, die NSDAP.

den Spatz in der Hand zu haben statt die Taube auf dem Dach, erwiderte Hitler:

Sletn; ich werde niemals für ein Lin­sengericht die Erstgeburt verkaufen. In grundsätzlichen Dingen nehme ich lieber jeden Kampf und jede Ver, folgung auf, als datz ich mir oder der

' Bewegung jemals untre« würde."

Der Berichterstatter fragte dann weiter, wie groß die Zahl der Terrorakte gegen­über den nationalsozialistischen Parteian­gehörigen sei. Hitler antwortete: Die Zahl der Terrorakte der marxistischen

RegierungsbildunginPreutzen?

Optimistische Vermutungen

Berlin, 16. Aug. 3n unterrichteten parlamentarischen Kreisen wird dem Nach­richtenbüro des VDZ. erhärt,- daß man vermutlich Ende dieser Woche bereits kla­rer sehen könne über die Neubildung der preußischen Regierung. Man ist in diesen parlamentarischen Kreisen optimistisch in Bezug auf das Zustandekommen von Re­gierungsbildungsverhandlungen Mischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum. Bis vor den Reichstagswahlen hätten solche Bechandlungen immer unter der be­sonderen Schwierigkeit gestanden, daß das Zentrum nicht geneigt schien, den Natio­nalsozialisten die Position des preußischen Ministerpräsidenten zuzugestehen. Für diese Haltung des Zentrums sei nicht bis zuletzt bestimmend gewesen, daß in einem solchen Falle die Nationalsozialisten die Mehrheit im Dreimännerkollegium erhalten würden und dann jederzeit in der Lage wären, den Landtag aufzulösen. Jetzt hört man in maßgebenden Zentrumskreisen, daß an der Frage des Dreimännerkollegiums jeden­falls nicht di« DegierungSverhandlUngen als solche dauernd scheitern dürsten. 2n- abhängig davon, wie der AuSgang solcher Verhandlungen sein werde, könne man nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen annehmen, daß die nati onals ozi alisttsche Mehrheit im Dreimännerkollegium nicht mehr so entschieden für eine baldige Wie­derauflösung des Parlaments eintreten würde. Ob die zu erwartenden Regie- rungsvechandlungen einen positiven Aus- gang nchmen, vermöge jetzt noch niemand zu sagen. Der Versuch Hier Durchführung müsse von verantwortlichen Pvlitkiern so­fort unternommen werden. Aus dieser Meinung scheint sich zu ergeben, daß das Zentrum jetzt geneigter ist, den National­sozialisten die Position des preußischen Ministerpräsidenten zuzugestehen. In die­sem Falle würde das Zentrum wahrschein­lich Wert darauf legen, den preußischen Innenminister, vielleicht in der Person des jetzigen stellvertretenden Reichskommissars Dr. Bracht, M stellen.

Der Preußische Landtag, dessen Mn» berufung für die nächste Woche bevor- stehen dürfte, könnte bei einem positiven Verlauf der erwähnten Verhandlungen be­reits in diesem Sitzungsabschmtt die Wahl deS Ministerpräsidenten auf die Tages­ordnung setzen. Denn nach einer etwaigen grundsätzlichen Einigung Mischtzn den bei­den maßgebenden Parteien liehe sich die Regierungsbildung ohne Mühe innerhalb von 48 Stunden durchführen. Landtags­präsident Kerrl hat übrigens sämtliche Pressekarte» zum 30. September d. Z. Mr

Ungültig erklärt. Für die EmeUerUng der Karten sind einschränkende Bestimmungen vorgesehen und die Erklärung, für welche politische Partei ausschließlich oder vor­wiegend berichtet werden soll.

Einberufung des Preußischen Landtags zum 25. August?

Berlin, 16. Aug. Wie wir von unter­richteter Seite hören, sind Bestrebungen im Gange, den Preußischen Landtag für den 25. August zusammenzuberufen. Landtagspräsident Kerrl soll auch bereits seine Zustimmung gegeben haben.

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Stabschef Roehm bei v. Schleicher

Reichswehrminister von Schleicher hat, wie de, DAZ. aus politischen Kreisen be- richtet wird, de« nationalsozialistischen Stabschef R ö h « am Montag empfangen.

Graf Helldors an die SA.

B e r l i n, 16. Aug. Der Berliner SA- Führec, Gras Helldorf, veröffentlicht imAngriff" einen Gruppenbefehl an die SA.:

Die Verhandlungen zwischen dem Füh­rer und dem Reichspräsidenten sind ab­gebrochen worden. In völliger Ver­kennung der tatsächlichen Machtverhältnisse in Deutschland glaubte der Reichspräsident dem Führer eine Beteiligung an dem bürgerlichen Kabinett Papen-Schleicher anbieten zu können. Selbstverständliche Forderung des Führers ist: Volle Macht und damit volle Verantwortung Sr die NSDAP.? Ich verstehe wohl, ameraden, daß ihr alle, die ihr mit Un­geduld auf die Entscheidung gewartet habt, jede neue' Verzögerung schwer er­tragt. Auf der anderen Seite verlange ich von euch nationalsozialistischen Kämp­fern die Einsicht, daß die SA. nur dazu geschaffen ist, die Politik des Füh­rers zu unterstützen. An den revo­lutionären Aufgaben, die ihr zu erfüllen haben werdet, hat sich nichts ge­ändert. Lediglich der Zeitpunkt ist ver­schoben worden und ich nehme an, daß bereits in den nächsten Wochen die pol i- tischen Voraussetzungen für die Machtübernahme durch die NSDAP, ge­schaffen sein werden. Bis zum 28. d. Mts. ist der SA. weitgehend Urlaub gewährt, ab 28. d. Mts. tritt Urlaubssperre ein.

Parteien gegen unsere Bewegung geht nunmehr in viele zehntausend«. Die Zahl der Toten beträgt über 300; die Zahl der Verletzten betrug im vergangenen Jahre über 6000, in diesem Jahre aber tn Monaten bereits über 8200. Es gibt ein Recht der Notwehr, das wir uns auf die Dauer nicht abschwatzen laffen durch die dumme Phrase Ruhe und Ordnung. Die nationalsozialistische Bewegung hat legal bis auf das äußerste gekämpft. Das Ab­schlachten aber nimmt bald ein Ende. Ich selbst werde mich gezwungen sehen, den Parteigenoffen ein Notwehrrecht zu be­fehlen, das die roten Tscheka-Methoden aber dann wirklich blitzschnell beseitigen wird.

Auf die Frag,e wie et sich den weiteren Weg seiner Partei denke, antwortete Hitler:

Die Partei kämpft um die Macht. Ihr Weg wird bestimmt durch die Methoden des Kampfes der Gegner. Eewiffe Rechts­kreise bezeichnen uns' als Bolschewisten. Die Bolschewisten wiederum behaupten, wir seien reaktionäre Barone, Eroß- kapikalisten, Unternehmerknechte usw

Datz die Feinde des deutsche« Volkes inne« und außen das Unterbleibe« ver Regierungsumbildung begrüßen, ist eine große Ehre für unsere Partei.

Daß sie aufatmen darüber, daß ich nicht Reichskanzler wurde, ist eine große Ehre für mich.

Die marxistischen Feinde Deutschlands int Innern wissen nach ihrem jahrelangen Betrug am deutschen Volke, daß die na­tionalsozialistische Bewegung sich wirklich ehrlich des deutschen schaffenden Menschen annehmen wird.

Die bürgerlichen Reaktionäre wissen, daß wir ihre Politik der Schwäche ab­lösen werden durch eine Politik der na­tionalen Kraft. Beide ahnen, daß die Zeit der Klassen- und Standesintereffen- kämpfe sich ihrem Ende nähert und auf der gedanklichen Plattform des Nationalsozia­lismus das deutsche Volk wieder seine Einigkeit zurückerhält.

NSDAP, dementiert.

München, 16. Aug. Die Pressestelle der Reichslertung der NSDAP, teilt mit: Sie Behauptung, Adolf Hitler habe ein Versprechen abgegeben, die Regierung von Pape« nach den Wahlen zu toleriere« »nd nun dieses Versprechen nicht gehalten, ist »«wahr. Ebenso unwahr ist die bereits wiederholt zurückgewiesene Behauptung, der Führer der NSDAP, habe bei den Regierungsoerhandlungen in Berlin nicht nur die Führung der Reichsregierung, sondern die Uebergabe der gesamten Re­gierungsgewalt in vollem Umfange ge­fordert.

Politische Schlägerei in Duisburg.

Duisburg-Hamborn, 16. Aug. Zwischen Angehörigen der KPD. und der NSDAP, kam es heute gegen 2 Uhr früh zu einem Zusammenstoß, bei dem es meh­rere Verletzte gab. Als zwei Polizeibe- amie einschreiten wollten, mürben sie bedroht, so daß einer von ihnen gezwungen war, zwei- mal zu feuern. Sechs Personen, die an bet Schlägerei beteiligt waren, mürben festge- nommen und ms Polizeigefängnis eingelie- feit. Sie werden sich vor dem. Sanberge» rickt au verantworten haben.