Mittwoch, MU.AlMitlSW
Trte ,Ot*r6eff1f<6< Sethmg* tt» schrint s«ch««al wöchentlich. B«- p,g«p«ei« tn ottati. I. Marburg 2.02 SM. auüschl. Zuslelluugegrbühr. td tmften Agenturen 1,93 TM. zuzügl. ZustellungOgebichr. durch dl« Post 2.25 TM. Für etwa durch Streik, Maschineudefektode« elementare Ereignisse »»«fallend« Stummer» wird kein Ersatz geleistet. Verlag, Dr. §. Hitzeroth» Druck der Untv-Buchdruckeret Zoh. Sag- «och, Markt 21/23. Fernsprecher: Str. 2054 b. Rr. 2055 Postscheckkottt«: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprech zett der «edaktion txm 10—11 ** *41—1 »br.
obechessssche
«"■»”* /Ii ft ft W6e
Mu* / ■ H ■ tontoätiema
Rr ltzk N.Mrg. Marburg a. Lahn
Der Anzeigenprew beträgt für den 11 gespalt. Zestenmillimeter 0.08 ®9Rm Familienanzeigen bei Barzahl. 0.07 SM., amtl. u. auswärtige Anz. 0.10 GM. Sog. klein« Anzeigen nach Speziattarif.Grund- schrist: §olo«el. Bei schwierig.Satz, sowie bei Platzdorschrfft 50»l. Auf- schlag. — Sammela»,eigen 100*<e Aufschlag R«Nam.-Millim. 0.40 GM. Grundschrift t Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebühr! 25 Pfg, bei Zustellung der Angebotr einschl. Porto —.60 GM. Belege werden bettend, CEsfAHutiglott Marburg.
Anzeiger fiir (das frühere knrhefsifche) Overhesse»
Anzeiger -er amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Streit um die Verantwortung
War die Entscheidung schon vor dem Empfang Hitlers gefallen? — Eine Unterredung mit Adolf Hitler
München. Adolf Hitler gewährte einem Vertreter der „Rheinisch-Westfälischen Zetung" eine Unterredung, in der er sich zu einigen die Berliner Regierungsverhandlungen betreffenden Fragen äußerte.
Er erklärte, er betrachte die Hereinziehung Les Reichspräsidenten in den Gang einer Regierungsumbildung als eine Abwälzung der Verantwortlichkeit von den Schultern des Reichskanzlers auf die Schultern des Reichspräsidenten.
Im übrigen fei er nicht auf seinen Wunsch nach Berlin gefahren, sondern gerufen worden. Die Reichsregierung habe ihm eine Neubildung der Regierung vor- geschlaqen, die er als Führer der nationalsozialistischen Bewegung in der vorgeschla. genen Form habe ablehnen muffen. Er habe die Voraussetzung mitgeteilt, unter der ein Eintritt in eine Regierung durch die Nationalsozialistische Partei erfolgen könnte.
Aus dem Munde des Reichskanzlers habe er erfahren, daß diese Bedingungen von vornherein schon durch den Reichspräsidenten abgelehnt wäre«.
Damit habe für ihn um so weniger ein Anlasi zu diesem Besuch bestanden, als er ja nicht den Herrn in Berlin irgendwie sich aufzndrängen versucht habe. Er habe daher erklärt, das, in seinen Augen die Verantwortung für die gescheiterte Regierungsumbildung selbstverständlich der Reichskanzler von Papen zu tragen habe, daß infolgedeffen ein Besuch bei Hindenburg für ihn nicht in Frage kommen könne und daß er nur dann bereit sei. dem Reichspräsidenten einen Besuch abzustat- ten wenn dieser noch keinen endgültigen Entschluß gefaßt habe, sondern zunächst nur die verschiedenen Auffaffungen kennenlernen wolle. Es sei dies aber, wie sich Herausstellen sollte, nicht der Fall gewesen. Der Beschluß des Reichspräsidenten habe bereits vorgelegen.
Daß er dennoch zum Reichsprafiden- ten gekommen fei, fei nur der dem Minister Frick seitens des Staatssekretärs der Reichskanzlei neuerdings übermittelten telephonischen Erklärung zuzuschreiben, daß ein solcher Beschluß des Reichspräsidenten noch nicht gefaßt fei.
In Wahrheit bestätigte bereits eine Viertelstunde vorher die Reichskanzlei der Preffe die Tatsächlichkeit des bereits gefaßten Befchluffes des Reichspräsidenten mit der Bemerkung, meinem — Hitlers — Besuche komme nur mehr formale Bedeutung bei und könne an dem Ergebnis nichts mehr ändern. Der Reichspräsident selbst erklärte dann ebenfalls, daß sein Entschluß bereits feststehe.
Auf eine weitere Frage des Bericht- erstattes erklärte Hitler, daß er und feine Bewegung weiterkämpfen würden. In dem Augenblick, wo durch die Maßnahmen einer Negierung auf der nationalen Seite eine Stockung, auf der Internationalen Seite aber eine Belebung eintreten, werde sie von ihm abgelehnt, ganz gleich, wer immer ihre Männer sein mögen.
Grundsätzlich sei ex der Ueberzeugung, datz jede Regiervng scheitern müffe und scheitern werde, die nicht eine feste weltanschauliche Verankerung i« einer tragenden Bewegung ihres Volkes
Die Regierungstätigkeit der heutigen Reichsregterung werde seiner Ueberzeugung nach zum Chaos führen.
Auf die Frage des Berichterstatters, ob es richtig fet, daß Hitler die schärfste Opposition der NSDAP, gegen die Regierung Papen angekündigt habe, erwiderte Hitler, die nationalsozialistische Bewegung treten gegenüber der heutigen Reichsregierung in Opposition. Die Schärfe dieser Opposition werde bestimmt durch die Größe des Schadens, der durch das Unterbleiben einer Opposition entstehen würde.
Auf die Frage, ob Hitler nicht glaube, daß es besser gewesen wäre, die NSDAP.
den Spatz in der Hand zu haben statt die Taube auf dem Dach, erwiderte Hitler:
„Sletn; ich werde niemals für ein Linsengericht die Erstgeburt verkaufen. In grundsätzlichen Dingen nehme ich lieber jeden Kampf und jede Ver, folgung auf, als datz ich mir oder der
' Bewegung jemals untre« würde."
Der Berichterstatter fragte dann weiter, wie groß die Zahl der Terrorakte gegenüber den nationalsozialistischen Parteiangehörigen sei. Hitler antwortete: Die Zahl der Terrorakte der marxistischen
RegierungsbildunginPreutzen?
Optimistische Vermutungen
Berlin, 16. Aug. 3n unterrichteten parlamentarischen Kreisen wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. erhärt,- daß man vermutlich Ende dieser Woche bereits klarer sehen könne über die Neubildung der preußischen Regierung. Man ist in diesen parlamentarischen Kreisen optimistisch in Bezug auf das Zustandekommen von Regierungsbildungsverhandlungen Mischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum. Bis vor den Reichstagswahlen hätten solche Bechandlungen immer unter der besonderen Schwierigkeit gestanden, daß das Zentrum nicht geneigt schien, den Nationalsozialisten die Position des preußischen Ministerpräsidenten zuzugestehen. Für diese Haltung des Zentrums sei nicht bis zuletzt bestimmend gewesen, daß in einem solchen Falle die Nationalsozialisten die Mehrheit im Dreimännerkollegium erhalten würden und dann jederzeit in der Lage wären, den Landtag aufzulösen. Jetzt hört man in maßgebenden Zentrumskreisen, daß an der Frage des Dreimännerkollegiums jedenfalls nicht di« DegierungSverhandlUngen als solche dauernd scheitern dürsten. 2n- abhängig davon, wie der AuSgang solcher Verhandlungen sein werde, könne man nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen annehmen, daß die nati onals ozi alisttsche Mehrheit im Dreimännerkollegium nicht mehr so entschieden für eine baldige Wiederauflösung des Parlaments eintreten würde. Ob die zu erwartenden Regie- rungsvechandlungen einen positiven Aus- gang nchmen, vermöge jetzt noch niemand zu sagen. Der Versuch Hier Durchführung müsse von verantwortlichen Pvlitkiern sofort unternommen werden. Aus dieser Meinung scheint sich zu ergeben, daß das Zentrum jetzt geneigter ist, den Nationalsozialisten die Position des preußischen Ministerpräsidenten zuzugestehen. In diesem Falle würde das Zentrum wahrscheinlich Wert darauf legen, den preußischen Innenminister, vielleicht in der Person des jetzigen stellvertretenden Reichskommissars Dr. Bracht, M stellen.
Der Preußische Landtag, dessen Mn» berufung für die nächste Woche bevor- stehen dürfte, könnte bei einem positiven Verlauf der erwähnten Verhandlungen bereits in diesem Sitzungsabschmtt die Wahl deS Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung setzen. Denn nach einer etwaigen grundsätzlichen Einigung Mischtzn den beiden maßgebenden Parteien liehe sich die Regierungsbildung ohne Mühe innerhalb von 48 Stunden durchführen. Landtagspräsident Kerrl hat übrigens sämtliche Pressekarte» zum 30. September d. Z. Mr
Ungültig erklärt. Für die EmeUerUng der Karten sind einschränkende Bestimmungen vorgesehen und die Erklärung, für welche politische Partei ausschließlich oder vorwiegend berichtet werden soll.
Einberufung des Preußischen Landtags zum 25. August?
Berlin, 16. Aug. Wie wir von unterrichteter Seite hören, sind Bestrebungen im Gange, den Preußischen Landtag für den 25. August zusammenzuberufen. Landtagspräsident Kerrl soll auch bereits seine Zustimmung gegeben haben.
----*----
Stabschef Roehm bei v. Schleicher
Reichswehrminister von Schleicher hat, wie de, DAZ. aus politischen Kreisen be- richtet wird, de« nationalsozialistischen Stabschef R ö h « am Montag empfangen.
Graf Helldors an die SA.
B e r l i n, 16. Aug. Der Berliner SA- Führec, Gras Helldorf, veröffentlicht im „Angriff" einen Gruppenbefehl an die SA.:
„Die Verhandlungen zwischen dem Führer und dem Reichspräsidenten sind abgebrochen worden. In völliger Verkennung der tatsächlichen Machtverhältnisse in Deutschland glaubte der Reichspräsident dem Führer eine Beteiligung an dem bürgerlichen Kabinett Papen-Schleicher anbieten zu können. Selbstverständliche Forderung des Führers ist: Volle Macht und damit volle Verantwortung Sr die NSDAP.? Ich verstehe wohl, ameraden, daß ihr alle, die ihr mit Ungeduld auf die Entscheidung gewartet habt, jede neue' Verzögerung schwer ertragt. Auf der anderen Seite verlange ich von euch nationalsozialistischen Kämpfern die Einsicht, daß die SA. nur dazu geschaffen ist, die Politik des Führers zu unterstützen. An den revolutionären Aufgaben, die ihr zu erfüllen haben werdet, hat sich nichts geändert. Lediglich der Zeitpunkt ist verschoben worden und ich nehme an, daß bereits in den nächsten Wochen die pol i- tischen Voraussetzungen für die Machtübernahme durch die NSDAP, geschaffen sein werden. Bis zum 28. d. Mts. ist der SA. weitgehend Urlaub gewährt, ab 28. d. Mts. tritt Urlaubssperre ein.
Parteien gegen unsere Bewegung geht nunmehr in viele zehntausend«. Die Zahl der Toten beträgt über 300; die Zahl der Verletzten betrug im vergangenen Jahre über 6000, in diesem Jahre aber tn Monaten bereits über 8200. Es gibt ein Recht der Notwehr, das wir uns auf die Dauer nicht abschwatzen laffen durch die dumme Phrase Ruhe und Ordnung. Die nationalsozialistische Bewegung hat legal bis auf das äußerste gekämpft. Das Abschlachten aber nimmt bald ein Ende. Ich selbst werde mich gezwungen sehen, den Parteigenoffen ein Notwehrrecht zu befehlen, das die roten Tscheka-Methoden aber dann wirklich blitzschnell beseitigen wird.
Auf die Frag,e wie et sich den weiteren Weg seiner Partei denke, antwortete Hitler:
Die Partei kämpft um die Macht. Ihr Weg wird bestimmt durch die Methoden des Kampfes der Gegner. Eewiffe Rechtskreise bezeichnen uns' als Bolschewisten. Die Bolschewisten wiederum behaupten, wir seien reaktionäre Barone, Eroß- kapikalisten, Unternehmerknechte usw
Datz die Feinde des deutsche« Volkes inne« und außen das Unterbleibe« ver Regierungsumbildung begrüßen, ist eine große Ehre für unsere Partei.
Daß sie aufatmen darüber, daß ich nicht Reichskanzler wurde, ist eine große Ehre für mich.
Die marxistischen Feinde Deutschlands int Innern wissen nach ihrem jahrelangen Betrug am deutschen Volke, daß die nationalsozialistische Bewegung sich wirklich ehrlich des deutschen schaffenden Menschen annehmen wird.
Die bürgerlichen Reaktionäre wissen, daß wir ihre Politik der Schwäche ablösen werden durch eine Politik der nationalen Kraft. Beide ahnen, daß die Zeit der Klassen- und Standesintereffen- kämpfe sich ihrem Ende nähert und auf der gedanklichen Plattform des Nationalsozialismus das deutsche Volk wieder seine Einigkeit zurückerhält.
NSDAP, dementiert.
München, 16. Aug. Die Pressestelle der Reichslertung der NSDAP, teilt mit: „Sie Behauptung, Adolf Hitler habe ein Versprechen abgegeben, die Regierung von Pape« nach den Wahlen zu toleriere« »nd nun dieses Versprechen nicht gehalten, ist »«wahr. Ebenso unwahr ist die bereits wiederholt zurückgewiesene Behauptung, der Führer der NSDAP, habe bei den Regierungsoerhandlungen in Berlin nicht nur die Führung der Reichsregierung, sondern die Uebergabe der gesamten Regierungsgewalt in vollem Umfange gefordert.
Politische Schlägerei in Duisburg.
Duisburg-Hamborn, 16. Aug. Zwischen Angehörigen der KPD. und der NSDAP, kam es heute gegen 2 Uhr früh zu einem Zusammenstoß, bei dem es mehrere Verletzte gab. Als zwei Polizeibe- amie einschreiten wollten, mürben sie bedroht, so daß einer von ihnen gezwungen war, zwei- mal zu feuern. Sechs Personen, die an bet Schlägerei beteiligt waren, mürben festge- nommen und ms Polizeigefängnis eingelie- feit. Sie werden sich vor dem. Sanberge» rickt au verantworten haben.