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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die NSDAP, bleibt in Opposition
Die Forderungen Hitlers ab gelehnt — Das Kabinett v. Papen bleibt im Amt — Hindenburg nach Neudeck abgereist
Das „Nein" Hindenburgs
Die Verhandlungen zwischen der Führung des Reiches und dem Führer der Nationalsozialisten, die am Sonnabend den ganzen Tag über dauerten und schließlich mit einem völligen Mißerfolg endeten, waren in allen ihren Phasen so dramatisch und für die nächste Zukunft des Reiches fo entscheidend, daß sie in allen Einzelheiten festgehalten zu werden verdienen. Dieser Sonnabend war ohne Uebertreibung ein geschichtlicher Tag von noch nicht abzusehender Bedeutung. Den Ausschlag gab der Reichspräsident, der kraft seiner ganzen Persönlichkeit die Verhandlungen stärker beeinflußt und mit größerer Autorität bestimmt hat, als dies Außenstehende, Freunde wie Gegner dieses Mannes, wohl glauben möchten.
Wie lagen die Machtverhältnisse? Und was wollten die Verhandlungspartner? Es war niemanden ein Geheimnis, daß gerade der Reichswehrminister von Schleicher der nationalsozialistischen Bewegung gegenüber loyal, wenn nicht in voller Sympathie, gegenüberstand. Aber auch darüber war kein Zweifel möglich, daß der Reichswehrminister voll und ganz nicht nur hinter der Person des Reichspräsidenten von Hindenburg steht, sondern im Ernst auch keinerlei irgend wie geartete Teilung der Aufgaben der Wehrmacht mit anderen Instanzen zuzulassen gewillt war. Umso bemerkenswerter war es, daß nach den durchaus erfolgversprechenden Vorverhandlungen Görings und des Grafen Helldorf beim Reichskanzler, die am Freitag stattgefunden hatten, die ersten persönlichen Verhandlungen Adolf Hitlers am Sonnabend mit General von Schleicher geführt wurden. Diese Unterredung dauerte nahezu zwei Stunden. Eie war zweifellos dramatisch. Beide, Hitler und Schleicher, dürften sich in aller Offenheit über die Machtlage, die Haltung und Bedeutung der Reichswehr und über den Kampfwert der SA. ausgesprochen haben. An diese Unterredung schloß sich eine nicht minder eingehende Aussprache Hitlers mit dem Reichskanzler v. Papen, an der auch der Abgeordnete Frick und Staatssekretär Planck teilnahmen. Schon während dieser Verhandlungen sickerte durch, daß die Nationalsozialisten ihre Forderungen auf volle hundert Prozent gebracht hatten. Das war zwar von der nationalsozialistischen Presse bereits angekündigt worden und noch am Sonnabend mittag erklärte der früh erscheinende „Angriff", daß diese in den letzten Tagen immer schärfer herausgestellten Forderungen unverrückbar seststün- den. Diese Forderungen liefen praktisch darauf hinaus, daß Adolf Hitler für sich selbst, als den Führer der NSDAP., die Kanzlerschaft beanspruchte, außerdem Tür einen Vertreter seiner Bewegung (Gregor Strasser) das Reichsinnenministe- rum, aber auch das Ministerium der Arbeit und der Wirtschaft.
Nach allem Vorausgegangenen war es klar, daß die Forderungen Hitlers, die mit einem Wort die brückenlose Errichtung des Dritten Reiches in Politik und Wirtschaft, Arbeit und Finanzen, Staatsgewalt und Polizeiexekutive verlangten, von der Führung des Reiches abgelehnt wurden. Man war bereit, Hitler den Vizekanzler, den Reichsinnenminister und einen weiteren Reichsministerposten zuzugestehen, aber das war das Aeutzerfte der Zugeständnisse. Daß man im Reichswehr- minifteriivn von den Forderungen Hitlers wenig erbaut war, versteht sich für den, der die Persönlichkeit des Generals von
Schleicher kennt, von selbst. Man wußte nicht einmal, ob Hitler seine neuen Ansprüche, die zweifellltz) das Ergebnis der nationalsozialistischen Führerberatungen von Berchtesgaden waren, ernst meinte, oder ob er nur, so ober so, die ungeminderte und uneingeschränkte Stoßkraft der nationalsozialistischen Bewegung erhalten wollte. Aber auch der Reichspräsident von Hindenbükg ist und bleibt der Generalfeldmarschall. Er ist gewohnt, Befehle zu geben und Meldungen entgegenzuneh- men; er ist nicht gewohnt, sich unter Druck setzen zu lasten.
So standen sich die gegenseitigen Interessen, man muß schon sagen, die verschiedenen Weltanschauungen des Glaubens an das Dritte Reich hier und des Festhaltens an den altverwurzelten Gedanken einer überlegenen und neutralen Staatsautorität dort unüberbrückbar gegenüber. Die entscheidende, nur wenige Minuten währende Unterredung zwischen dem Reichspräsidenten und Adolf Hitler war der dramatische Höhepunkt dieses von beiden Seiten würdig geführten Kampfes. Was nun? Der Reichspräsident ist noch am Sonnabend abend nach
Polnische Frechheit
Demonstrationen gegen das deutsche Danzig
Danzig, 14. Aug. Aus Anlaß der polnischen Legionärtagung in Edingen habe« am 14. 8. von 3.30 Uhr bi« 10.15 Uhr acht Sonderzüge und ein fahrplanmäßiger v-Zug die polnischen Legionäre über Danzig nach Edingen befördert. Die Züge waren teilweise von polnischen Militärtransporten, die nicht angemeldet waren, begleitet. Alle Züge hatten eine Beschmückung von Tannen- griin, Fahnen und Transparenten mit Aufschriften z.B. .^Danzig war uud bleibt polnisch-, „Wehe dem Preuße«, der die Hand nach Pommerellen ausstreckt-. Während des Aufenthaltes auf dem Danziger
Hafenbahnhof wurde von Legionären, die zum Teil ihre Abteile verlasten hatten und sich auf dem Bahnsteig aufhielteu, polnische Hetzlieder, wie z.B. das polnische Notalied gesungen und ferner aufEe- heiß eines in Uniform befindlichen Ostiz»ers ein Hoch auf Marschall Pilsudski und drs „polnische- Danzig ausgebracht. Auch wurden vo« einigen Offizieren Säbel, Seitengewehre sowie Pistolen verbotswidrig mitgeführt. Den Beamten der Schutzpolizei wurde an verschiedenen Stellen mit Fäusten gedroht und ihnen die Zunge gezeigt.
Die Verhandlungen am Sonnabend
Berlin, 13. Aug. Der Empfang Adolf Hitl et8 beim Reichspräsidenten dauerte nur eine Viertelstunde. Dem Empfang wohnten der Reichskanzler sowie Staatssekretär Meißner, von nationalsozialistischer Seite Hauptmann Röhm und der Abgeordnete Frick bei. Die Unterredung verlief völlig ergeb, nislos. Die Reichsregierung v. Papen bleibt unverändert j« Amt.
Die amtliche Darstellung
Berlin, 13. Aug. Amtlich wird mitgeteilt:
Reichspräsident von Hindenburg empfing heute nachmittag' in Gegenwart des Reichskanzlers v. Papen den Führer der NSDAP., Adolf Hitler, zu einer Besprechung über die politische Lage und die Frage der Umbildung der Reichsregierung.
Der Reichspräsident richtete an Hitler die Frage, ob er bereit fei, selbst sowie mit anderen geeigneten Persönlichkeiten der NSDAP, in die von dem Reichskanzler v. Papen geleitete Regierung einzutreten. Herr Hitler verneinte dies und stellte an den Herrn Reichspräsidenten die Forderung, ihm die Führung der Reichsregierung und die gesamte Staatsgewalt m vollem Umfange zu übertragen.
Reichspräsident v. Hindenburg lehnte diese Forderung sehr bestimmt mit der
Begründung ab, daß er es vor seinem Gewissen und seinen Pflichten dem Vaterlande gegenüber nicht verantworten könne, die gesamte Regierungsgewalt ausschließlich der Nationalsozialistischen Bewegung zu übertragen, die diese Macht einseitig anzuwenden gewillt sei. Er bedauerte, daß Herr Hitler sich nicht in der Lage sehe, entsprechend seinen vor den Reichstagswahlen gegebenen Erklärungen eine vom Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten berufene nationale Regierung zu unterstützen.
Die Aussprache schloß alsdann mit einer ernsten Mahnung des Reichspräsidenten an Hitler, die von ihm angekündigte Opposition der NSDAP, ritterlich zu führen und feiner Verantwortung vor dem Vaterlands und vor dem deutschen Volke bewußt zu bleiben.
Vor dem Empfang bei dem Herrn Reichspräsidenten hatte im Laufe des Vormittags eine Aussprache des Reichskanzlers mit Herrn Hitler stattge- funben. In dieser Aussprache hatte sich der Reichskanzler erboten, dem Herrn Reichspräsidenten Herrn Hitler als Vizekanzler in der gegenwärtigen Regierung vorzuschlagen und , ferner einige weitere geeignete Persönlichkeiten aus der nationalsozialistischen Bewegung mit wichtigen politischen und fachlichen Ministerien zu betrauen, um dieser Bewegung einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß auf die Staatsführung einzuräumen. ' ".......■ •
Neudeck zurückgefahren und wird erst Ende September wieder in Berlin sein. Die NSDAP, tritt, ihrer Ankündigung treu, in scharfe Opposition gegenüber den» Präsidialkabinett von Papen, das unverändert im Amt bleibt. Wird sich im Reichstag eine Mehrheit pjgen dieses Kabinett finden, das zu {türmen die Stimmen der Nationalsozialisten und des Zentrums, oder der Nationalsozialisten und Kommunisten, allein schon genügen würden? Das würde vielleicht das schnelle Ende des eben erst gewählten Reichstags bedeuten. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen.
Die Erklärung der NSDAP.
Berlin, 13. Aug. Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP, teilt mit:
Der Führer wurde heute zu Besprechungen zum Reichskanzler v. Papen und im Anschluß daran zu Reichspräsident von Hindenburg gebeten. Auf die ihm vorgelegten Fragen, ob er und die Partei bereit seien, in eine Regierung v. Paven einzutreten, erklärte der Führer: Wir sind gewillt und entschlossen, die volle Beran t w o r t u n g für die deutsche Politik in jeder Beziehung zu übernehmen, wenn man uns dafür die eindeutige Führung der Regierung anvertraut. Ist das nicht der Fall, so kann die Nationalsozialistische Bewegung weder an der Macht noch an der Verantwortung teilnehmen, insbesondere kommt ein Eintrittin die Regierung v. Papen für die Partei nicht in Frage. Da aber der Reichspräsident v. Hindenburg es ablehnte, die nationalsozialistische Bewegung als stärkste Partei mit der Führung der Regierung zu betrauen, wurden die Verhandlungen als ergebnislos abgebrochen.
Die nunmehr getroffenen Maßnahmen für die weitere Fortführung des Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung werden in einer in der kommenden Woche stattfindenden Führertagung bekannt- gegeben werden. Der Führer verließ noch am Samstag Berlin.
Zu dem amtlichen CommuniguS über die Zusammenkunft Hitlers-Hindenburg- Papen, das in manchen Punkten nicht unbedeutende Unrichtigkeiten enthält, wird die NSDAP, noch Stellung nehmen.
Die Absichten der Negierung
Offenbar anknüpfend an die Ausführungen des Reichsinnenministers anläßlich der Berfaffungsferer und die Aeußerungen des Reichspräsidenten von Hindenburg über die Notwendigkeit schleunigster Erled'gung der zur Behebung der Arbeitslosigkeit erforderlichen Maßnahmen ergehen sich die Montagsblätter in Vermutungen über die Einzelheiten des kommenden Regierungsprogramms.
Der „M o n t a g m o r g e n“ glaubt in bereits heute die Reihe der Miwster- befprechungen und Kabinettsfitzungen beginnen solle.
Der., Montagmorgen" glaubt in der Lage zu sein, Einzelheiten über das Kabinettsprogramm mitteilen zu können. Er will erfahren haben, daß dieses Programm, mit dem die Regierung am 30. August vor den Reichstag treten wolle, im wesentlichen vier Punkte umfasien werde. In einer Gesetzesvorlage über die Reichsreform solle, neben Verein-