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Verlag Dr. T, Hiheroth. ßauptMjriftleitet und verantwortlich für Politik und Feuilleton: Dr, Ernst Schelfer? für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales:
L. Schneider beurl., sänttl. in Marburg.
„Prost, aber gewiß doch!"
„Gut, Kamerad. Dann fange jeder uns bei sich selber an!"
Berliner Börsenbericht »em 18. August.
Obwohl sich in der innerpolltischen Situation noch keine Klarheit zeigt, glaubt die Börse, «eiter ein, zuversichtlich, Stimmung haben zu dürfen. Sicherlich wird die geschickte Haltung de» Zentrums hei den kommenden Verhandlungen zu einer Entscheidung führen, und man erwartet mindestens ebenso gespannt die Verhandlungen zwischen der Regierung und Hitler. Hatte man aber geglaubt, daß diese in der Luft hängenden politischen Fragen die Unternehmungslust der Börse stark hemmen würden, so konnte man zwar eine gewisse Zurückhaltung feststellen, aber die Epezialintercssen wurden hierbei nicht berührt. Und von solchen Spezialbewegungen ausgehend, wurde es allgemein freundlicher. Wirtschaftliche Momente wurden weiter lediglich zur Kenntnis genommen. New York war gestern gegen Schluß zwar schwächer, doch machte dies ebenso wie die vorangegangenen starken Steigerungen kaum Eindruck. Beachtung fanden dagegen die weiter, Aufwärts- bewegung der Kaufpreise und die Hauff, am Silbermarkt. Auch die Nachrichten über einen Weberstreik in England wurden zur Begründung für die freundlich, Stimmung herangezogen. Das Geschäft nahm im großen und ganzen aber nicht an Umfang zu. Di, Tatsache, daß Verkqufsaufträge aber so gut wie gar nicht vorlagen, gab der Spekulation V,r- anlaffung zu Rückkäufen und Deckungen, zumal auch von Publikumsseite klein, Kauforders eingetroffen waren.
veeliner Drvlsenberlcht vom U. August.
Helsingfors 6,284-6,296, Wien 51,95-52 05 Prag 12,465-12,485, Budapest - Sofia 3,057 dis 8,063, Holland 169,73—170,77, Oslo 73,§3 bis 73,37, Kopenhagen 77,92—78,08, Stockholm 75,02-75,18, London 14,62—14,66, Buenos Aires 0,878-0,882, New York 4,809-4,217 Belgien 58,39-58,51, Italien 21,51-81,55, Paris 16,48—16,52, Schweiz 81,92—82.08 5pa= nten 33,92—33,98, Danzig 81.97---82.13, Japan 1,079—1,081.
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Dem Bärtigen blieb das Glas Schnäuzer stehen. Er beglotzte mich harten Augen. Dann trank er weiter, bedächtiger als vorher. Ss war etwas aufgesprungen in ihm.
Unserm Tisch näherte sich ein Kieler Matrose der einen Solzkasten öffnete. In dem Kasten lagen schmierige Stopfnadeln, ein Fläschchen mit Essig nud eine Dose voll -Rutz. Der Matrose fragte uns, und sein Atem stank nach Grog: „Genossen soll ich euch tätowieren? Glaube, Liebe Hoffnung? Den Seemannsanker oder den Drachen von China? Kostet alles eine Mark und ist was für die Ewigkeit!" , winkte ab, nur der Bärtig» ,.?^aube. Liebe, Hoffnung, so QU»!
.,?®r Matrose ging, er machte gut» Geschäfte an andern Tischen. Vielleicht mij>se ei noch reich werden mit seinem Kasten. Er war scharfer aufs Geld al» ich ÄiHftSr"* """ ml*: "*•'
„Viertel nach sechs, Kamerad!"
„Dann werden ste bald kommen!"
„Wer denn?"
„Die Batterien meine» Regiment»». Gestern sind sie von Aachen abmarschieet. da müssen ste bald hier über die Brück«/
Oorifettung fysgt,)
tRachdruck verboten!)
Ser Mgllns im Feuerofen
Roman von Heinz Steguweit, 8. Fortsetzung.
mit mir in den Ver- pf.legungssaal des Bahnhofs, wo ich noch Zigarren und Pfeifentabak kaufte. Dann Ä w!lu?6 .on einen Tisch, dessen Holz- platte schmierig war, in kleinen Tee- pfufcen schwammen Zigarettenstummel und ox^,Un?en; Ringsumher ein höllischer L^m, sausende von Feldgrauen liefen sich in die Füße, Pyramiden von Tornistern standen an den Wänden, zuweilen trippelte ein Sanitäter durch das Gewühl oder blasse Krankenschwestern führten einen Kriegsblinden hinaus, daß er nicht """den Sehenden zertreten werde. Viel Geschrei auf den Straßen und in den Hal-
£ 1 DieI Staub, vkel Stick- lüft. Der Bärtige an meinem Tisch stürzte das Bier in seinen Schlund, als müsse er eine Feuersbrunst löschen. Dann wischte S^um vom Schnäuzer und chlurftemitder Zunge: „Mensch, die Brühe schmeckt, wenn auch nichts drin ist!" Ich fragte den dessen Vertrauen ich ha^e^^Kamerad, du hast auch Revolution ^-.Eespielt? Da sagst du wa» Richtige»: Zber ich hatte auch ne Sauwut,' ich hatte sogar das Gefühl, als sei das alles Quatsch mit dem Vaterland. Na, und da hab ich in Brüssel den Dienst verweigert und bin abgehauen mit einem Kraftwagen von der Munitionskolonne. — Du, «och so'n Bier, ja?"
Der Schelm bekam es, ich aber fragte ihn weiter: „Warum hattest du eine Sau- wut?"
..Mensch, stell dir vor: Ich bin ein alter, /= t - - 1 ttWÜ und fünf «hu . ... Erubenarbetter auf der Zeche Hammerstein, hab doch allerhand eiteot
Frankfurter Börsenbericht eem 18. August.
Tendenz: fester. An der heutigen Börse machte sich im Hinblick auf die tnnerpolitische Situation eine wettere Beruhigung bemerkbar, immerhin bestand noch etwas Zurückhaltung, und man erwartet mit großer Span- tuna, und man wartet mit großer Span- Tendenz war überwiegend befestigt, wobei auch die neue Stellungnahme Hoovers zur Kriegsschuldenfrage etwa, anregte. Eine Belebung des Geschäftes trat zunächst nicht ein, weil das Publikum nach wie vor mit Orders zögert. Die Spekulation zeigte indessen weiter etwas Deckungsbegehr, Je daß gegen die Abendbdrse durchschnittliche Besserungen von 14—1 Prozent zu verzeichnen waren. Bei einigen Spezialwerten stellten stch darüber hinaus Erhöhungen von 2—2% Prozent ein, wobei die Marktleere allerdings die Aufwärtsbewegung begünstigte.
und getan, und da schnauzt mich doch neulich so'n siebzehnjähriger Fähnrich an, ich sollte meine krummen Knochen vor lhm zusammennehmen. Von Lankwitz hieß der Kerl. Dummer Junge, sagte ich, hernach flog ich m den Kahn. Sag, ist da, in Ordnung? He?"
Ich schwieg.
.. b6nn kam ich mal auf Urlaub an die Ruhr, meine Frau war lungenkrank, gottcgott, was hatte ste schon zu fressen. Meine fünf Kinder sahen au» wie die Ratten. Da hab ich Kartoffeln gehamstert, bin verpetzt worden und muhte alle» wieder herauvgeben. Na, ist da» ein va- terland? Kämpft man für so was?"
Der Bärtige trank ein zweites Bierglas leer. Ich schwieg. Ich konnte nur schwei- Sen. Muhte ich keine Antwort? Hatte stch er Tölpel nicht an kleine Dinge gestoßen während wir zu großen unterwegs waren? Aber waren für diesen Menschen die kleinen Dinge keine Ungeheuerlichkeiten? Nun hatte er in den Chor der Kanaillen eingestimmt, weil das Alte schlecht war nach seiner Meinung. Würde ex an die Stelle dieses Schlechten etwa» Besseres setzen? Wie klagte meine Seele auch jene Schuldigen der andern Seite an, die Aergernis gesät und die Folgen nicht bedacht hatten. Dieser Bärtige, der schon aus ein neue» Bier »artete und dessen Magenwände knurrten, weis er Löhnung und «rot immer an seine Familie geschickt hatte, dieser Verzweifelnde muhte doch mein Bruder sein, «i» auch Leutnant Ouambusch — wie mochte es um 'hn stehen? — mein Bruder gewesen »ar.
„Ra, du sagst ja nix?"
Der alte Artillerist scheuchte mich auf mit dieser Frage. Ich antwortet»: Kame- r<u>, wenn der Fähnrich von Lankwitz stch ®*e. ein Kindskopf benahm, und wen» tausend andere Dinge falsch waren im al- w» ««ich, glaubst du, daß jetzt die tau*
Warenmärkte
Getreide tn 1000 Kilogr., Mehl und Futter mittel je 100 Äffogramm.
Berliner Produktenbericht vo« 12. August. • Weizen 207—209, Roggen 158—160, Futtergerste 158—169, Hafer 135—144, Weizenmehl 28—32, Roggenmehl 22,25—24,40, Welzenkleie 11,25—11,50, Roggenkleie 9,60—9,80.
Gegenüber der schleppenden Kauflust der Mühlen und des Handels bleibt das ersthäm dige Angebot nach wie vor reichlich. Aus allen Landcsteilcn wird Brotgetreide auch zur kurzfristigen Verladung offeriert, der Absatz begegnet in Ermangelung einer Belebung des Mehlgeschäfts und infolge der weiterhin geringen Exportmöglichkeiten Schwerigkeiten. Im allgemeinen ist Weizen stärker als Roggen anaebsten. Am Effektivmarkt lauteten die Gebote für beide Brotgetreidearten wieder I M niedriger als gestern. 3m handelsrechtlichen Lieferungsgefchäft ergaben sich Preisabschläge bis zu 1,50 M. Weizen- und Roggenmehle werden zu entgegenkommenden Preisen nur in Locoware ausgenommen, während sich das Geschäft für Herbstlieferung noch nicht regelmäßig entwickelt hat. Neuer Hafer m auch in guten Qualitäten reichlich am Markte und dix Gebote waren gegen gestern weiter ermäßigt. Am Eerstenmarkt finden gute Qualitäten, zu stetigen Preisen Unterkunft, Das reichliche Angebot von abfallenden «orten ist dagegen schwer verkäuflich.
send Dinge alle richtig werden? Kindsköpfe wird es ewig geben, und Aerger- nisse worden die Menschen immer noch erdulden, solange es Menschen gibt. Oder soll das neue Reich ein Himmelreich sein? In dem Augenblick da du rebelliertest, glaubtest du da«. In dem Augenblick da du vor den Depeschen die Welt verf/uch? test, hast du dich selber verflucht!" W
»Mensch, 300 Milliarden!"
muhte lachen, obzwar ich traurig war: ,,$s geht nicht um» Geld, Kamerad, geht um Deutschland. Nicht um die gliche auf der Landkarte, nicht um ae- hamsterte Kartoffeln oder um einen un- relfen Fähnrich, wohl aber um einen hei- Uflen ffietft; Um die Nation und ihre Art! iMnrich war noch nicht tauglich für diese Art, und untauglich bleiven auch alle, die da. Gütige, wo es immer notwendig ist, für Schwäche halten. Ich hab es selber oft erfahren müssen, daß Güte von mir ein Uehermaß an männlicher Kraft und Selbstüberwindung verlangte!" ^.Mensch wa, versteh ich davon. Bist eu»""ÄaP ttn? ®ib ”eber noch'n Bier
®«'Ü0e bekam fein drittes Bier, obwohl ich meine Groschen zählen mußte. Aber das merkte der Tropf nicht, und solche Tröpfe wird es ewig geben. Sie werfen ihrer Frau die Fensterscheiben ein, wenn die Suppe zu kalt ist, und ste brauch- ten die Brühe doch nur anzuwärmen. Sie zerschlagen ein alte» Reich, al» käme nur jede» neue ohne Opfer und Dummheiten aus. Aber Dinge des Geistes zu erkennen muh leider eine Gnade bleiden. Die Zukunft erfüllte mich mit Sorge, obwohl ich an mein» eignen Scherben noch gar nicht dacht».
W«r sagte mir neulich: Wir wollen keine armen und auch keine reichen Sten« schen, wir wollen zufttedene Menschen? Diese Weisheit wäre die letzte, liehe stch
die Zufriedenheit in einen festen Begriff bringen. Gr gibt Könige, die nicht genug haben. Es gibt Landstreicher, die ihr Bettelbrot den Vöglein streuen und Lieder flöten. Hätte nur jeder den Willen, Mtig A« sein, ihm bliebe selbst die tollste Welt nicht stumm.
Ich trank dem Alten zu: „Kamerad, wollen wir die Deutschen bessern?"
melnd, von Hau» zu Hau» zieh«». Unter letzteren unterscheidet man als ehrliche Bettler: „Knopfdalf," (Pfennigbettler), die jedem die Hand Hinhalten, „Cchal- macher", welche vorzugsweise Spaziergänger und Gasthofgäste Heimsuchen, „Blitz- kunden", die um abgelegte Sachen bitten; als unehrliche oder Schwindelbettler unterscheidet man: die „Tapoenreiter", welche sämtliche Handwerksspruche kennen und sämtliche Krauter (Meister) „ledern", die aber nie Arbeit nehmen, „Hochtöpler^, die Brandunglück und Überschwemmungen vorgeben, Krankheiten vorfpiegeln usw., und „Zoddelbrüder" oder „Drucklavhen- nen", welche nur Gelegenheit jum Stehlen suchen.
st»r»r, welche kleine Gebrauch-gegenstände anbieten jedoch weniger in der Absicht, etwa« verkaufen zu wollen, al, tn bet Erwartung, mit einer Geldgabe ohne Gegen, leistung abgefunden zu werden.
Unter den seßhaften Bettlern find di» die durch geschickten Vertrieb oft ein ansehnliches Vermögen erwerben und die Invaliden, die an Sportplätzen, Kirchen- ™* l‘n- «rücken und anderen belebten Plätzen ihre feste Stelle einnehmen. Unter den fahrenden Bettlern unterscheidet man die Schnorrer, jüdische Bettler, die nur bei Juden vorsprechen, und die eigentlichen Handwerksburschen, die nur da, Handwerk .'großen , von den Fechtbrüdern die wie die Weiler in Oberbayern (Baken sam-
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Sonntag, den 14. August.
Pfarrkirche. 8 Uhr: Gottesdienst, Pfr. Bork: 10 Ufer: Gottesdienst, Sup. i. R. Wemnch. — Der FrauenhUfs-Abend fällt für diesen Monat noch aus.
Elisabethkirche. 8 Uhr: Gottesdienst, Sup. i. R. Weinrich: 10 Uhr: Pfr. Wal- lemath.
Ockershausen. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Pfr. Bork.
Reformierte Gemeinde. 8.30 Uhr: Gottesdienst, Vikar Korfs: 10 Uhr: Gottesdienst, Pfr. Veerhoff, Tert: Matthäus 11, Vers 29, Lieder: 314, 290.
Selbständige ev.-luth. Gemeinde Michaels-Kapelle. 10 Uhr: Predigtgot- tesdienst, Sup. Martin.
Diakvnjss.-Mutterbau, „Hebron" Wehrda. 9.30 Uhr: Gottesdienst, Mis- slonsinspettor Bufe.
Katholüche Kirche. 6 Uhr: Heilige M-'se:7.30Uhr: HIg Messe mit Predig 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt: 11 Uhr: Hlg- Messe mit Predigt: 15 ilhr: Se- genscmdacht. — Montag. Fest Mariä Himmelfahtt: Eottesdienstordnung mit an den Sonntagen; außer 20 Uhr: Segensandacht.
Reuapostolische Gemeind«, Heu- slngerstraße 5. Gottesdienste: Sonntag 9,30 und 16 Uhr; Mittwoch 20.30 Uhr.
M e thodistengemeinde, Wötthstr. 15a. Sonntag 9.30 Uhr: Gottesdienst: 11 Uhr: Sonntagsschule: 20.15 Uhr: Gottesdienst: Donnerstag 20.30 Uhr: Bibelstunde.
Baptist en gemeinde, Pilgrimstem 6. Sonntag 14 Uhr: Gottesdienst: Dienstag 20.30 Uhr: Bibelstunde.
Stadtmission, Reitgass« 5. Sonntag 8.30 Uhr: 14 Uhr: Frauen-Missionsge. betsbund: 15 und 20 Uhr: Montag 820, 15.15 und 20 Uhr; Dienstag 8.30 und 20 Uhr: Teilnahme an den Versammlungen der Christli^en Postvereinigung: Mittwoch 20.30 Uhr: Missionsstunde für Frauen, Bibelbesprechung für Männer: Freitag 20,30 Uhr: Bibel- und (Bebet- stunde.
Gemeinschaft Marburg-Süd in- nerhalb der Landeskirche, Schwanallee 47. Sonntag 8 Uhr: Morgencmdacht: 1020 Uhr: Sonntagsschule: 20.30 Uhr: Evangelisation: Mittwoch 20.30 Uhr: Jung- männer-Bibelstunde: Donnerstag 2020 Uhr: Jugendbund-Bibelstunde; Freitag 20.30 Uhr: Bibelbesprechstunde.
Tbristl. Verein junger Mädchen, Phittppshaus. Sonntag 16 und 2020 Uhr: Montag 16 und 19.30 Uhr: Dienstag. 20.30 Uhr: Donnerstag 20.30 Uhr: Freitag 19.30 Uhr.
Thristl, Verein junger Männer, Phtlippshaus. Sonntag 10 Uhr: Teilnahme an den Gottesdiensten: Posaunen* ditnst in Elnhausen usw.: Montag 17 Uhr: Jungscharnachmittag: Dienstag 20.30 Uhr: Posaunenchor: Mittwoch 20.15 Uhr: ÄM??lkabend; Donnerstag 20.30 Uhr: Bibelstunde.
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SaS Settetorfro mA feine innen
Die Beurteilung und die Behandlung der Bettelei ist von jeher verschieden gewesen je »ach bem Stande der Kultur und Entwicklung des Armenwesens. Instinktiv pflegt man im Bettler zunächst einen beklagenswerten und unglücklichen Menschen zu sehen. Wo, wie z- B. im Orient, das Almofengeben dem Einzelnen als reit« giöse Pflicht auferlegt wird, kann der Bettler, der den Reichen an feine Gewissensschuld erinnert, nicht getadelt werden. Selbst bei den alten Griechen stellte der alte Volksglaube die Bettler unten den Schutz des Zeus Hiketestos. Die Verdienstlichkeit der Armut und Ehrenhaftigkeit der Bettelei kamen in den „Bettek- ordsn" — man denke an die Bettelmönche — zum schärfsten Ausdruck. Das Mittel- alter mit der Auffassung, man könne stch besonders verdienstliche Werke vom Himmel sichern, hat den Bettel großgezüchtet und zur Landplage gemacht. In seinem Narrenschiff sagt sschon Sebastian Brant: „Wer wohl schwatzen und laufen kann, bekommt soviel, daß sich zehn daran ließen genügen." Mit und nach der Reformation gab die Zunahme des Proletariats zu einem scharfen Vorgehen gegen das Bettler- tum Veranlassung. Man begann daher durch die sogenannten Bettlerorden den unberechtigten Bettel durch Androhung strenger Strafen zu unterdrücken, indem man aber andererseits bei gewissen hilflosen und gebrechlichen Personen durch Ausstellung obrigkeitlicher Bettelbriefe ein Recht auf Mildtätigkeit anerkannte. Die modernen Anschauungen sind von unbilliger Härte ebensoweit entfernt wie von kurz- sichtiger Duldung.
Das Wort Bettler hat einen bitteren Klang und erweckt unwillkürlich die Vorstellung von einem zerlumpten, verkommenen Menschen, wenn es heißt: „Es steht ein Bettler draußen." Scheu wird dem armen Reisenden eine Münze in die Hand gedrückt und sorgsam die Flurtüre geschlossen. Man hat ja auch zuviel von Bettlerfrechheit und dergleichen gehört und gelesen. Der Bettler pflegt nicht selten, namentlich wenn ein weibliches Wesen die Türe öffnet, den Fuß einzustemmen und übt dadurch einen Zwang auf möglichst schnelle Abfindung aus. Andere wieder machen auch mit Kreide oder Bleistift ein Zeichen an die Wand zur Information rhrer Genossen. Nicht bloß der unverbesserliche Eewohnheitsstromer, der zwischen Landstraße, Wirtshaus und Gefängnis hrn und hex pendelt, sondern auch mancher andere pocht zuweilen an unsere Tur. Ob Leichtsinn, eigene Verschuldung, Unglück oder sonst was dahintersteckt weiß man oft nicht bei leidlich angezogenen Leuten Man kann mit Rücksicht auf die besonderen Erscheinungsformen der Bettelei unterscheiden: Hausbettel, der vielfach zur ^cmantelung von kleinen Gelegenhetts- diebstahlen Dient, Straßenbettel, Wander- be.tielei alias Vagabundentum, gewerbsmäßigen und betrügerischen Bettel. Hau-