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Nr. 189

SonnlagSSedauke«

„Ihr Männer von Athen, ich sehe^datz ihr in allen Stücken gar sehr di« Götter fürchtet. Ich bin herdurchgegangen und habe gesehen eure Gottesdienste und fand einen Altar, darauf war geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkünde ich euch ihn, dem ihr unwissend Gottesdienst tut.“

Wer Kennte nicht die gewaltige Rede »es Paulus vor dem Areopag in -er geistigen Metropole der antiken Welt? Wenn irgend ein "Dokument als klassisches Zeugnis der Geistesgeschichte für alle Zeiten angehört, so ist es dieses, mit dem das junge Christentum an die Pforten jener Vorstellungswelt pocht, die es abzulösen berufen war. Nicht allein, daß diese Worte in lapidarer Wucht für alle Zeiten ein Beispiel aufrichten, wie allein Mission getrieben werden kann. Nicht allein, daß der geniale Dialektiker aus der Rabbinenschule mit unverfäng­licher Kühnheit so Rede steht, daß er dem Kerker entgeht und noch dazu Seelen gewinnt, ein Meister des gesprochenen wie des geschriebenen Wortes, — das ist an sich schon ein Ereignis von unver­gänglichem psychologischen und drama- i, chen Reiz. Nicht allein, datz hier den Epigonen des Plato und des Aristoteles ein eingewachsener Geist achtungsgebie­tend entgegentritt. Entscheidend ist auch hier nicht das Weltgeschichtliche, sondern das rein Menschliche: „Etliche der Epikurer und stoischen Philosophen strit­ten mit ihm, und etliche sprachen: Es sieht aus, als wolle er neue Götter ver­kündigen. Sie nahmen ihn aber und führten ihn auf den Gerichtsplatz und fprachen: Können wir auch erfahren, was das für eine neue Lehre sei, die du lehrst? Die Athener aber alle, auch die Ausländer und Gäste, waren gerichtet auf nichts anderes, denn etwas Neues zu sagen oder zu hören." Das ill das Bezeichnende an der Situation. Was diese geistigen Blaustrümpfe aus dem Markte zu Athen am Christentum und aller Lehre interessiert, ist die Sen­sation. Ob die Lehre einleuchtet oder nicht, „n e u" mutz sie sein, sonst geht man über sie zur Tagesordnung hinweg. Neu erst ist sie interessant. Leuchtet sie Halb­wegs ein, so wird sie Mode, leuchtet sie nicht ein, so wird der Ketzer verbrannt, auf jeden Fall aber hat man seinen Kitzel gehabt. Einen antiken Einstein- oder Steinachrummel hat man begehrt, des­halb rief man den seltsamen, feurigen Prediger auf den Platz der öffentlichen Diskussionen — das typische Zeichen der Dekadenz: zur Zeiten, die mit dem ewig Wahren nichts mehr zu tun haben, rufen sich so heiser nach dem „Neuen". Alle großen Epochen haben nach dem Richtigen gefragt..

Und in dieser eigenartig modernen Welt steht der Apostel Jesu und soll reden. Aber wie ein Löwe Fliegen ab- schüttelt, so schüttelt er von sich die Jn- quisitionsschlingen, als lehre er etwas, das das Volk in Aufruhr setzen, und zu­gleich verzichtet er auch mit einer grandiosen Bewegung überhaupt darauf, etwas neues zu sagen. Er will nicht die Sensation. Und da konnten sie sich nicht helfen. Den Inquisitoren war der ver­meintliche Ketzer zu schlau, den Sen­sationslüsternen der schlichte Prediger zu einfach, weil nichts, als seine innere Wahrhaftigkeit für ihn sprach und die Bescheidenheit geistigen und seelischen Reichtums. Da ging ihre Weisheit in einem Verlegenheitslächeln zu Bruch. „Da hatten etliche ihren Spott", erzählt die Apostelgeschichte. Wenn irgendwo die Mahnung Jesu erfüllt wurde: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben", so ist es in dieser fes­selnden Menschenbegeanung am Knoten­punkt der Kulrurgesö^chte. Ist's alt, ist's neu, was Paulus kündet? Beides ja und nein. Alt, weil es immer gegolten, neu, weil es die Kraft des Neuen nie verliert, dieses Geheimnis des „unbe­kannten Gottes", in dem wir „leben, weben und sind", dieses letzte Mysterium, das sich den schlichtesten Menschen zuerst offenbart, zu dessen Erkenntnis philo­sophischer Verstand große Umwege machen muß und doch nicht ans Ziel führt, es sei denn, daß ein einfaches offenes Herz ihn leite, das keines Schlüssels und keines Kompasses bedarf, weil es den Vater kennt und des Vaters Haus.

„Dem unbekannten Gotte." Wunder­voll ergreifend ist das Gedicht des jungen Nietzsche mit diesem Titel. Verzehrende Leidenschaft und edel-wildes Begehren, ober kein Trost, keine Erfüllung, „Ich will Dich kennen, Unbekannter..."? Mit Willen findet ihn niemand. Er ist kein Abenteuer und keine Sensation. Paulus jedoch weist aus den Mann, in dessen gnadenvoller Gestalt sich aller Zeiten Sehnsucht erfüllt. „Miche aber sprachen: Wir wollen dich weiter davon hören." Auf taubem Boden keimte Gottes Sao* Diek.

vbaheM»« Jett««. R» 'StumaMü. hat 13. »Igg B33 —

Stand der diesjährigen Meliorationsarbeiten ün Kreiie Kirchhain

Rund 14 Wochen sind vergangen, seitdem mit der Wohraregulierung begonnen wurde. Wenn man jetzt die Bilam der vergange­nen Wochen zieht, so zeigt das Ergebnis, datz di« Arbeiten mit vollem Erfolg ge- tränt sind. Es ist erstaunlich, welches hohe Matz von volkswirtschaftlichen Arbeiten ge­leistet wurde. Es soll heute nicht geschüderi werden, was im einzelnen in der vergangenen Zeit geschafft worden ist, da hierüber früher schon einmal an dieser Steile berichtet wurde.

Das frühere Wohrabett befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Durchweg war das gesamte Flutzprofil bis zur Lochwasser­linie derart stark mit Weiden und Erlen be­wachsen, datz die Sommerhochwäfser in keiner Weise bordvoll abgeführt werden. konnten. Anlandungen und Jnselbildungen innerhalb des Flutzprofils mit traf tigern Aufwuchs von Gestrüpp, Strauchwert und Bäumen waren keine Seltenheit. Infolge der so entstan­denen Verengung des Abflutzquerschntttes nahmen die Uferabbrüche immer gröhere For­men an. Eine Beseitigung dieser mißlichen Verhältnisse war nur durch eine grohzüglge Melioration der Wohra möglich.

Mit den Arbeiten wurde unmittelbar un­terhalb der Bartenhäuser Mühle begonnen und fluhabwärts weiter ausgedehnt. Zu er­wähnen ist, datz nicht alle Strecken von dem Ausbau erfaßt wurden, sondern kleinere un­wirtschaftliche Flutzstrecken sind vorerst aus- geschaltet worden: denn nur so war es mög­lich, mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln an dem ganzen Wohralauf im Kreise Kirch­hain eine bessere Vorflut zu schaffen. Die vorher geschilderten Mitzstände sind auf den bereits fertiggestellten Strecken restlos be­seitigt worden. Das Flußbett hat ein ein­heitliches Profil erhalten mit gleichmäßig ge­neigten Böschungen und einer einheitlichen Sohlenbreite. Um für eine dauerhafte Ar­beit zu sorgen, mußten die Böschungen mit Faschinen befestigt werden. Stellen, bet de­nen Erdanschüttungen erforderlich waren, ha­ben erst durch Buschwerk und Britschen ein» Unterlage erhalten, um das lose Erdreich vor Ausspülungen zu bewahren. Das erfor- derliche Pfahlholz und Reisigmaterial sind in den Eemeindewaldungen Himmelsberg und Rauschenberg gewonnen. Es wird gleichzeitig eine zweckmäßige Durchforstung des Waldes vorgenommen. ,

Die Unterhaltung^- bzw. Regulierungsar­beiten sind soweit bis an die Schmaleicher Mühle fettiggestellt. so daß in den nächsten Tagen die Arbeiten in der Gemarkung Ernst- Hausen aufgenommen werden.

3n Allendorf ist es der Iungmänner- und Arbeiterverein, der sich um die Durchführung einer Entwässerung verdient gemacht hat. Nachdem der vom Kreiskulturbauamt aufge­stellte Entwuff vom Landesarbeitsamt aner­

kannt und gefördert worden ist, konnte Ende Juni mtt den Ausführungsarbeiten, begonnen werden. Hier wurde von tatkräftiger Hand eine Wiesenfläche von übermäßiger Feuchtig­keit befreit und wettvolles Kulturland ge­schaffen. Es wird sich Herausstellen, daß m Zukunft die (Erträge an Menge und Güte erheblich zuäehmen werden. Em langerhvff- ter Wunsch der Wiesenbesitzer geht hiermit in (Erfüllung.

In der Gemarkung Burgholz kommt die Aufschließung von Siedttmgsland zur Durch­führung. Dort hat sich eine Pmhtlandge- nossenschäft gebildet, welche durch Urbar­machung einer Waldfläche Ackerland zu schaf­fen beabsichtigt. Der Genossenschaft ist vom preußischen Staat eine etwa 10 Hektar große abgeholzte Waldfläche zur Kultivierung.pacht­weise überlassen worden. Zur Aufschließung dieses Gebietes ist der Ausbau von drei Hauptwirtschaftswegen erforderlich. Der Ent­wurf hierfür wurde ebenfalls vom Kreis­kulturbauamt bearbeitet. Diese Maßnahme soll als Notstandsarbeit durchgeführt werden. Sie ist bereits vom Landesarbeitsamt ge­nehmigt worden und sieht die Beschäftigung von etwa 40 Arbeitslosen auf die Dauer von 12 Wochen vor. Die Arbetten werden Mon­tag in Angriff genommen.

In Niederklein ist man zur Zeit mit Oed­land kultivierungsarbeiten beschäftigt. JDurd) Umbruch und Einebnungsarbeiten, .Enffer- nung von Findlingen aus der Ackerschicht, soll das Gelände in einen kulturfähigen Zustand gebracht werden, um somit dem herrschen­den Kulturland-Mangel zu begegnen.

Es sei noch einiger Arbeiten gedacht, die allerdings nicht unmittelbar zu den Meli­orationsarbeiten gehören. In den Eemem- den Neustadt und Großseelheim werden zur Zett einige Wegebauten durchgeführt. Sie kommen im Wege der Notstandsarbeit zur Durchführung. In Stausebach und Allen- borf sind im Wege des Freiwilligen Arbeits­dienstes zwei Spott- und Spielplätze errich­tet worden. Auch hier wurde von fleißigen Händen unbrauchbares Gelände für die All­gemeinheit hergerichtet.

Die beiden Maßnahmen in der Gemar­kung Kirchhain. „Aufforstung von Oedland im Lechel" und die „Errichtung eines Vogel­schutzgehölzes in den Briesels Erlen" konn­ten bis jetzt schon beendet werden. In Er- ftttshausen beabsichtigt eine Interessen-Ee- meinschäft durch den Freiwilligen Arbeits­dienst eine Ackerdränage und Voffkutbeschaf- fung im Laufe des Herbstes durchzuführen. Das Projett sieht die Beschäftigung von 30 Arbeitswilligen für die Dauer von 14 Wochen vor und ist dem Landesarbeitsamt Frankfurt a. M. zur Anerkennung und Förderung be­reits eingereicht worden.

Weitere Maßnahmen sind in Bearbeitung.

Aus 6et Umgegend

Kreis Kinblmin

-o- Kirchhain, 13. Aug. Die in der Jahnturnhalle abgehaltene Verfassungsfeier war nur von etwa 60 Personen besucht. Die Festrede hielt Rektor Henkel. Die Feier war von Darbietungen der Sängervereini- gung umrahmt. — Die Römerstratze, eine Hauptzugangsstratze zum Bahnhof soll mtt einer neuen Decke versehen werden. (5egen» roärtig läßt die Stadtverwaltung in einem Privatsteinbruch auf Amöneburg die hierzu ettorderlichen Steine brechen und diese dann zu Kleinschlag verarbeiten. Durch diese Matz- nahme haben etwa 10 Arbeiter lohnenden Verdienst gefunden. — In der Neuengasse stürzte unter donnerartigem Getöse eine Mauer der Holzhandlung Z. Stern Sohn ein. einen Riesenstavel Bretter und Bohlen mitreißend. Als ein Glück ist es anzusprechen, datz di« lebhaft begangene Gasse nicht gerade von Menschen passiert wurde.

-o- Aus dem Kreis Kirchharn, 13. Aug. Die Kreisbauernschaft hat an alle ihre Mitglieder die Aufforderung gerichtet, unverzüglich zu melden, ob die FÄddiebstähle wieder überhand nehmen. Sollte dies der Fall sein, ist sofott Mitteilung an die Ge­schäftsstelle der Kreisbauernschaft zu machen, damtt dies« bet der Kreisbehörde weitere Schritte unternimmt.

Kreis Vtedenkvvi

0 Bied enko pf, 12. Aug. Auf dem Schwein em artt waren 224 Fette! aufgetrie­ben. Es wurden bezahtt: Für 4 bis 6 Wochen alte Tiere 8—10 Mark, 6 bis 8 Wochen 10—12 Mark, über 8 Wochen alt« Fette! 10—20 Mark. Der Handel war flott.

Aus dem StUkret-

0 Dillenburg, 12. Aug. Aus dem Westerwald wttd eine Hiobsbotschaft bekannt, die wohl in ihrer Art und dem Ausmaße ihresgleichen suchen wird. Em hier zu Be­such weilender junger Lehrer, der hier seine (Eltern wohnen hat, bekam von seinem Wohn- ort in der Nähe von Diez die niederschmtt- tembe Mitteilung, daß man in seiner Ab- wesenhett die Wohnräume seiner Dienstwoh­nung durchsucht, den größten Teil des Mobi- lars vollkommen zerschlagen und einen Teil der Eimichtungsgegenstände gestohlen habe. (Eine Frau ging an dem ttwas abgelegenen Schillgebäude vorüber und sah, daß die Tür zur Waschküche offenstand. Bei näherer Un­tersuchung mußte man diese ungeheuren Ver­wüstungen feststellen. Dem Lehrer wurde dies sofott rnttgeteitt, der dann auch gleich mit seiner Frau abreifte. Welche Gründ«

zu diesem Rohettsatt vorliegen, insbesondere ob sie polttischer Art sind, mutz erst die Un­tersuchung ergeben.

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kessmRassmi uni SWnrgtbitte

Gegen die Lostrenmmg des Kreises Herrschaft Schmalkalden vom Bezirks- verband Kassel.

Kassel, 13. Aug. Der Arbeitsaus­schuß Hessen-Kassel hat folgendes Brief» telegramm: 1. an den Reichskanzler als kommissarischen Preußischen Minister­präsidenten, 2. an den Herrn kom- missarifchen Preußischen Innenminister Dr. Bracht und 3. an den Herrn Reichs­innenminister Freiherrn von Gayl ge­sandt:

„Im Besfteben für das Kurhessisch- Waldeckische Gebiet im Hinblick auf die kommende Reichsreform zweckmäßige Neugliederungsvorschläge vorzubereiten, müssen wir die Lostrennung des Kreises Herrschaft Schmalkalden vom Bezirks­verband Kassel auf das entschiedenste ab­lehnen, weil sie die Reform im hessisch- "'ürinaischen Raume wefentlich erschwert. Wir bitten vor Ausführung der beabsich­tigten Maßnahmen, unsere Vorschläge darlegen und begründen zu dürfen.

Ausschuß Hessen Kussel.

von Keudell, Vorsitzender der Land- wirffchastskammer für den Reg- Bez Kassel,

Müller, Vorsitzender der Handwerks­kammer,

Dr. h. c. K. L. Pfeiffer, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer, Kassel-Mühlhausen,

Rabe von Pappenheim, Landeshaupt­mann in Hessen, Derbandsanwalt Schmidt, Kurhes­sischer Verband ländlicher Genossen­schaften — Raiffeisen — e. V. Kassel, Dr. y. c. Stadler, Oberbürgermeister der Stadt Kassel,

Unioer sitätsprofessor Dr. Stengel,

Mattmi^ a. d. L."

Er konnte nicht genug bekommen. .Kassel, 12. Aug. Bei einer Schlägerei in einer Wirtschaft war ein Gast nicht unerbeblick verlekt worden, io daß er die

-TanAAswache aussuchen mutzte, um sich die stark blutende Wunde verbinden zu lassen. Er wurde dann entlassen und ihm angeraten, jetzt der Ruhe zu pflegen, da­mit die Wunde nicht wieder aufbrache. Wer beschreibt aber das Erstaunen der Samariter, als der gleiche Mann bald darauf wieder auf der Rettungswache er­schien, um sich eine zweite, gefährlichere Wunde verbinden zu lassen. Er war nach der Versorgung durch die Rettungs­wache wieder in das ihm feindliche Lokal zurückgekehrt, hatte doch wieder Streit angefangen und war darauf von feinen dortigen „Freunden" noch schwerer miß­handelt worden als das erste Mal. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob er jetzt zufrieden war oder nicht.

Geisteskranker grabt sein Grab.

K a s f e 1, 12. Aug. In seiner Garten­laube hinter den Quellhöfen wurde ein älterer Mann ausgefunden, der plötzlich geisteskrank geworden war und sich in seinem Garten sein eigenes Grab ausge­schachtet hatte. Er wurde in eine Anstatt verbracht.

Einbrecher-Zechgelage in der Billa ein« verreisten Rechtsanwalts.

Nordhausen, 11. Aug. Ein unge­wöhnlicher Einbruch wurde in die Woh­nung eines verreisten Rechtsanwalts ver­übt. Zwei junge Leute aus einem der Villa des Rechtsanwaltsbe nachbatten Iu- gendsanatottum verschafften sich Eingang in die Villa und ließen sich dattn häuslich nieder. Aus dem Keller wurden etwa 40 Flaschen Wein, Sekt und Likör heranfge- schafst, dann noch einige Freunde aus dem Sanatorium sowie Freundinnen eingela­den und gemeinsam ein Zechgelage abge­halten. Als sich die ganze Kumpanie in ziemlich angeheiterter Stimmung befand, gingen sie dazu über, die Wohnung umzu­kehren. Wettvolle Gemälde, Bücher, Bet­ten, Kleider. Geschirr, alles wurde durch­einander geworfen und dazu noch mit Tinte und Likör begossen. Das tolle Zech­gelage wurde erst entdeckt, als einer der Einbrecher sich den Spaß machte, bei einem Kollegen des Wohnungsinhabers anzuru­fen. Dieser schöpfte Verdacht und benach­richtigte die Polizei. Inzwischen hatten auch die jungen Leute die Wohnung ver­lassen. Einige wählten als Unterschlupf eine Kiesgrube. Ein Kriminalbeamter, der die Flüchtlinge dort ausheben wollte, wurde von dem Anführer der Bande na­mens Ury, mit einem feststehenden Messer bedroht. Als Ury zu fliehen versuchte, gab der Beamte zwei Schüsse ab, von denen ll. am Halse streifte. Erft im Boden eines nahen Wochenendhauses gelang es U. fest­zunehmen. Bei der Abführung der Fest­genommenen drangen etwa 12 der Täter auf den Beamten ein, der sich nur mit Mühe der Burschen erwehren konnte.

Einbrecher in behördlichen Büros.

Gießsn, 12. Aug. In der ver­gangenen Nacht drangen Einbrecher in die Büros der oberhessischen Provinzial­direktion, des Reichsbahnbetriebsamtes I und des Landwirtschaftlichen Instituts der Gießener Universität ein. Die Ein­brecher, die es offensichtlich nur aus Geld abgesehen hatten, erbrachen verschiedene Schränke und Schubläden, aber auch über die nichtverschlossenen Behältnisse machten sie sich her. Ihre Beute belief sich auf ungefähr 200 Mark, die sie im Landwirtschaftlichen Institut auftreiben konnten.

Mit dem Motorrad tödlich gestürzt.

Gießen, 12. Aug. Gestern Nach­mittag stürzte Studienrat Wallenfeld aus Schotten, ein gebürtiger Gießener, auf einer Motorradfahrt in der Nähe von Langgöns so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch davontrug, dem er im Laufe der Nacht in der Gie­ßener Klinik erlag.

Die Kohlenproduktion in Hessen.

Darmstadt, 12. Aug. Die monat- liche Statisttk der Kohlenproduktion des Volksstaates Hessen weist für den Monat Juli 1932 folgende Zahlen nach: An Roh­braunkohlen wurden gefördert 75 970 Tonnen, davon wurden 69 781 Tonnen zu Schwelereiprodukten weiter ver­arbeitet. Aus den verschwelten Kohlen wurden gewonnen: 4 203 190 Tonnen Rohteer, 589 370 Tonnen Leichtöl aus Schwelgasen, 11701 Tonnen Koks, ohne die Schwelrückstände des Messeler Koh­lenschiefers.

Ein begehrter Posten.

Mainz, 12. Aug. Um die ausge­schriebene Stelle des Mainzer städtischen Kapellmeisters hat sich nicht weniger als 135 Personen beworben. Die Stadt hat sich jetzt entschlossen, fünf der Bewerber zum Probedirigieren nach Mainz zu be­rufen. Große Aussichten eröffnen sich dem ftüheren Kapellmeister des Staats­theaters in Kassel, Abravanelli. Dieser sollte unlängst nach Wiesbaden engagiert werden, doch haben sich schließlich doch noch die Verhandlungen aus personellen Gründen zerschlagen.