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Sonnabend, denN-AuMISW

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ÄbecheUfche Zeitung

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Sr.189 67. »M Marburg a. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Es bleibt beim Präsidial-Kabinett

Der Vorstoß des Zentrums mißglückt Hitler heute Sei v. Papen und Hindenburg

Vorwärts!

Das große Rätselraten, das nun schon eine Woche lang über die Neugestaltung der Reichsregierung geführt) wird, hat auch am Freitag, wie allgemein erwartet wurde, noch nicht zu der erhofften Lösung geführt. Der mit größter Spannung er­wartete Empfang Adolf Hitlers beim Reichskanzler mußte ausfallen, weil der Führer der Nationalsozialisten nicht in Berlin war. Das Fernbleiben Hitlers hat naturgemäß zu einer Reihe neuer Kombinationen und Vermutungen Anlaß gegeben. In politischen Kreisen bringt man die Tatsache, daß Hitler am Frei­tag in Berlin nicht erschien, mit Presse­meldungen in Zusammenhang, nach denen Hindenburg sich angeblich strikt ableh­nend gegen Hitler ausgesprochen haben sollte. Nach diesen Meldungen, die von einem amerikanischen Korrespondenten in Berlin verbreitet worden sind, sollte sich der Reichspräsident dahin geäußert haben, er könne Hitler nicht zum Reichs­kanzler ernennen, weil dieser sich höch­stens zum Postminister eigne. Eine solche Aeußerung Hindenburgs wird aber m der Wilhelmstraße energisch bestritten. -Hindenburg, so wird erklärt, zöge ein Verbleiben des Herrn von Papen auf dem Kanzlerposten vor, und habe- schwer­wiegende innen- und außenpolitische Be­denken gegen einen Wechsel. Er habe aber nicht die Absicht, sonst erfolgver­sprechende Verhandlungen an der Per- sonalsrage scheitern zu lassen. Damit dürfte der zweifellos zu Störungszwecken in die Welt gesetztenEnte" gründlich der Garaus gemacht worden sein.

Sicher hat aber Hitler auch noch andere Gründe gehabt, seine Besprechung mit dem Reichskanzler noch hinauszuschieben. Vor allem hat man bei den National­sozialisten wohl auch die Wirkung des zentrumsparteilichen Störungsversuches, der mit seinem preußischen Koalitions­angebot wieder den politischen Kuhhan­del längst überlebter Methoden zu neuem Leben erwecken wollte, abwarten und seine Stellungnahme dazu festlegen wol­len. Die Klärung ist hier sehr schnell erfolgt. Sowohl die Deutschnationalen als auch die Nationalsozialisten haben dem Zentrum unzweideutig zu verstehen gegeben, daß sie einen Rückfall in den überlebten Parlamentarismus nicht mit­machen wollen. Das Zentrum wird hier­über sicher sehr enttäuf dit sein, wollte es doch in letzter Minute den Versuch machen, für die Tolerierung eines von Adolf Hitler geführten Kabinetts sich in Vreußen schadlos zu halten und hier die Wahl einer ihm nahestehenden Persön­lichkeit man spricht von Dr. Bracht zum Ministerpräsidenten, durchzusetzen Es ist nur zu begrüßen, daß bietet Kuh­handel abgelehnt wurde und das damit die Möglichkeit einer Personalunion Reich-Preußen nach wie vor offen bleibt, die dann bei der Regierungsbil­dung im Reich mit in die Entscheidung einbezogen werden kann. Jedenfalls werden die Koalitionsoerhandlungen über die Preußenregierung nicht stattfin- den, womit gleichzeitig auch die in Linkskreisen erörterte Version, daß der Reichspräsident auch eine parlamenta­rische Lösung annehmen würde, falls eine der führenden Persönlichkeiten aus den Parteien chm eine tragfahige Mehr­heit präsentieren sollte, hinfällig gewor­den ist.

Nachdem das Zentrumsmanöver miß­lungen ist, wird man allerdings so schnell mt möglich an die Lösung der Regre-

rungsfrage auf dem vorgezeigten über­parteilichen Wege Herangehen müssen. Es steht nunmehr fest, daß heute die Be­sprechung zwischen Hitler und dem Reichskanzler stattfinden wird. Hitler wird in dieser Besprechung dem Kanzler sicher ins Einzelne gehende Vorschläge sowohl über die Zusammensetzung des Kabinetts als auch über die Regierungs­pläne der Nationalsozialiestn machen. Im Anschluß daran wird Herr von Papen dem Reichspräsidenten einen Zwischen­bericht erstatten. Dann wird Hitler auch im Reichspräsidentenpalais empfangen werden. Bemerkenswert ist, daß von nationalsozialistischer Seite noch einmal mit aller Entschiedenheit sestgestellt wor­den ist, daß die einzig mögliche Losung

der Krise die Kanzlerschaft Hitlers ist. DerAngriff" umschreibt die Einstel­lung der Partei noch einmal dahin­gehend, daß auch die Nationalsozialisten für ein Präsidialkabinett, für ein Ka­binett der Persönlichkeiten, seien. Darum eben verlangen wir", so betont das Blatt,daß die stärkste Persönlich­keit unseres politischen Lebens die Staatsführung übernehmen soll, und das kann nur Adolf Hitler fein." Der Na­tionalsozialismus, so stellt derAngriff" weiter fest, ist keine Partei im Sinne der anderen Parteien, sondern eine Volksbe­wegung, und darum sind die in der na­tionalsozialistischen Bewegung führenden Männer auch nicht parteigebunden, fon- I dern Persönlichkeiten, die im Volke ver-

-Kem Kuhhandel!

Absage der N.S.D.A.P. und D.N.V.P. an das Zentrum

Wie wir erfahren, wird der Empfang Adolf Hitlers beim Reichskanzler am Sonnabend vormittag stattfinden. Haupt­mann Röhm und Graf Helldorf waren gestern mittag i« der Reichskanz­lei, «m die Besprechung vorzubereiten. Nachdem durch die Absage der National­sozialisten und der Deutschnationalen an das Zentrum die Möglichkeit einer parla­mentarischen Lösung Mnachst wieder in den Hintergrund getreten ist. beurteilt man die Aussichten einer Verständigung mit den Nationalsozialisten hn Sinne eines Präsidialkabinetts wieder etwas günstiger.

Der««griff fordert auch heute wieder mit allem Nachdruck, daß endlich die einzig mögliche Folgerung gezogen und Adolf Hitler mit ifet Führung des Staates beauftragt wirt». 5a anderen Blättern erörtert «an aber die Möglich­keit einer Regierungsumbildung, bei der das Kabinett weiter von Herrn von Pa­pen geführt werde, während Tregor Strasser preußischer Minifterpräsidenl und gleichzeitig Vizekanzler im Reich wer­den solle. Nach diesen Kombinationen württz Dr. Frick das Reichsinnenministe- rium übernehme« und Dr. Bracht 'n Preußen Innenminister bleiben. Das find aber vorläufig nur Kombinationen, die jetzt «ehr als Sttmmnngsbarometer z» werten find. Ma« muß zunächst abwar» teu. wie die direkte Stellungnahme zwischen dem Reichskanzler »ad Adolf Hit. ler ausgeht. Aus «ationalsozialisttschen Kreisen wird übrigens bestättgt, daß Hit­ler auch vom Reichspräsidente« empfangen werde« wird.

Regierungsentscheid in Preuße« erst «ach Hitlers Rücksprache mit de« Reichska«,ler.

Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. in gut unterrichteten parlamentarischen Krei­sen hört, ist nicht damit zu rechnen, daß vor der Rücksprache Adolf Hitlers mit dem Reichskanzler auch in der Frage der preu­ßischen Regierungsbildung eine Entschei­dung fällt. Die Nationalsozialisten schei­

nen unter Hinweis auf lfte flmm Ver­bundenheit der Neubildung der Regierun­gen im Reich und in Preußen nicht ge­willt zu sein, der Zentrumseinladung zu Besprechungen über die preußische Frage vor einer Entscheidung durch Adolf Hitler Folge zu leisten. Jedenfalls wird be­kannt, daß auch am Montag kommender Woche die geplante Unterhaltung zwischen Deutschnationalen, Nattonafftyialisten und Zentrum in Preußen nicht erfolgen kann, weil die Deutschnattonalen und die Na­tionalsozialisten der Zentrumssraktton er­klärt haben, daß sie zu dem vorgegebenen Zeitpunkt Vertreter nicht entsen­den könnten.

Die RröchskMsftakkdm bet NSDAP, ein AbdSd der BoNsgemrtnschast!

Die NatiomMoziaststische Korrespondenz teilt mit: Em Blick auf die durch Reichs- wahlvorschkag und in den einzelnen Wahl­kreisen am 31. Juli endgültig gewählten Nationalsozialisten beweist überzeugend, daß der Nationalsozialismus den Gedanken der Volksgemeinschaft nicht nur tm Munde führt. Sier finden sich in bunter Reihenfolge, aufge- stektt von der Führung und bestättgt vom Verttauen der erwachten Deutschen, die Der- treter aller Berufe nebeneinander als wirk­licheVolksbeaustragte". Hier steht der Fa- brilarbettet neben dem Minister, der Bauer neben dem Regierungsrat, der Kaufmann neben dem Künstler, der Handwerker neben dem Rechtsanwalt, der Angestellte neben dem Unternehmer. Kastengeist und Klassenunter­schiede, Bildungsgrad, Herkunft und Stan­desdünkel sind restlos ausgeschaltet. Die Volksgemeinschaft ist in 230 deutschen Volks­genossen als Vertrauensträger aller Schich­ten des deutschen Volkes zur Tatsache ge­worben. Von den 230 Abgeordneten der nationalsozialistischen Reichslagsfraktion sind: Landwirte. Hofbesitzer. Gärtner 48

Reichs-, Staats-, Kommunal-, Privat­

beamte, Lehrer 38

Fabrik- und Landarbeiter, Angestellte 33 Handwerker, Gewerbetreibende, Vertreter 26 Kaufleute 19

Schriftsteller, Schriftleiter, Verleger 15 Ehemali-- Offiziere 15

Ingenieure, Techniker, Architekten 9 Rechtsanwälte 6

Volkswirte 5

Aerzte und Apotheker 5

Fabrikanten 3

Gauleiter (die früher and. Berufe hatten) 3 Sonstige Berufe (Freie Berufe) 5

wurzelt sind, und ht der Bewegung er- wiesen haben, daß sie fähig sind, ein Volk zu führen.

Es ist zu hoffen, daß der Sonnabend endlich eine Klärung der reichlich ver­worrenen Lage bringt und daß endlich die Entscheidung getroffen wird, die unter Berücksichtigung des am 31. Juli zum Ausdruck gekommenen Volkswillensund der staatspolitischen Notwendigkeiten un­umgänglich notwendig ist. Jedenfalls dürfen die Verhandlungen nicht an einer etwaigen Ueberspitzung des Begriffs der Ueberparteilichkeit des Präsidialkabinetts fcheitern. Dies umso weniger, als man doch wirklich nicht im Ernst behaupten kann, daß eme Betrauung Hitlers einen 'Rückfall in das parlamentarische Pariei­system bedeutet. Die Nationalsozialisten haben im Gegenteil auch im Wahlkampf betont, daß sie nicht Partei, sondern Volksbewegung sein wollen und dem- enffprechend ihre Regierungsaufgabe an­sehen wollen. Wenn man die Dinge von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, wirv es auch dem Reichspräsidenten erheblich leichter fallen, eine für alle Teile zufrie­denstellende Lösung zu finden.

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Oldenburg will die Bauern mobilisieren

Hannover, 12.Ang. Die Ortsgruppe Hannover der ASDAP. benutzte den ein­zigen vom Burgfrieden freien Augusttag zu einer stark besuchten Protestkund­gebung und hatte hietM als Redner den oldenburgischen Ministerpräsidenten Röder gewonnen. Der Minister wandte sich zunächst gegen die Vorwürfe, die ihm wegen seiner angeblichen Aeuhemngen als Ministerpräsident gemacht würden. Er, Röder, stehe zu seinen Worten und wieder- hole, daß dieBrunnenvergifter im drit­ten Reich so lange am Ast hängen" würden,bis die Raben sie gefres- f en" hätten. Räch einer scharfen Polemik gegen die Warenhausbetriebe betonte er, die RSDAP. müsse die Macht verlangen, well nur dann Gewähr für eine restlose Beseitigung alter volksfeindlichen und landesverräterischen Elemente gegeben sei. Dazu gehöre auch der Interna­tionalismus, auf den als Landes­verrat im Dtttten Reich die Todes­strafe stehe. Für die, die noch an der Macht seien und nicht den Mut zu scharfem Durchgreifen besäßen, sei es h ö ch st e ZeitzumAbtreten. Wenn im Reich nicht bald ein gründlicher Wechsel ein­trete, werde Oldenburg als kleines Land ein Musterbeispiel national^ ozia- listischer Wirtschaftsgestaltung geben. Wenn im Reiche fein Wechsel eintrete, werde Oldenburg zu einfachen Mitteln greifen, und zwar in der Weise, daß über die Oldenburgische Staatsbank aus eige­ner Machtvollkommenheit heraus ein bestimmter Betrag auf Grund von Werten der oldenburgischen Wirtschaft flüssig gemacht werde. Wenn die Reichsregierung dazu einen Staat«- kommissar schicken sollte, dann wurde Oldenburgdie Bauern mobilisie­ren und bis aufs äuße r sie kämp­fen."

Segen die Notverordnung vom 14. Juni.

Magdeburg, 11. Aug. Der anhal- tische Ministerpräsident Freyberg und der braunschweigische Minister Klagges sand­ten eine Erklärung an den Reichskanzler, bie wahrscheinlich auch von den Minister-