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Nr. 183

CberMfW 3ettttwft JtetWM «. L. Smmavenb, da, 6. »«suft 1933

Hesien Raffau und Nachbargebiete

Frankfurt Kl drei Monaten GkfängMS der« erteilt Das Gericht nahm an, daß er die Waffe nicht Mltführte, um Gewalttätig­keiten zu begehen, und daß die geistigen Eigenschaften des Beschuldigten nicht so weit reichten, daß er die Tragweite seines Verhaltens übersehen konnte. Bei guter Auskunft wird er bedingt begnadigt.

Der fehlgelettete »rief.

Frankfurt a. M, 5. Ang. ©ne in Frankfurt ansässige Dame echielt Ende Statt einen Brief, der mit den drastischen Worten begann:CCBenn Sie dieses Schrei­ben erhalten, bitte erschrecken Sie nicht und zeigen Sie sich äußerlich Mhig". Auch bei dem Lesen des weiteren Inhalts verlor die Bttefempfängerin die Ruhe nicht, sie gab ben Vries der Polizei, die das weitere veranlaßte. Die Dame hatte einem Be­kannten in Herborn geschrieben und sich in dem Brief kritisch über die Aationalfozia- listen geäußert Dieser Brief scheint irr- tümlich einem Nachbar in die Hände ge­raten zu fein, der ihn in seinem Kasten fand. Es war der unbestrafte Wärter Kronenberg, der sich gegenwärtig in einer üblen Lebenslage befindet und der glaubte, aus dem Schreiben einen gewissen Nutzen ziehen zu können. Er schneb der Absen« denn den oben zitierten Brief und ersuchte sie, ihm 30 RM. zur Verfügung zu stel­len. Die Dame sollte erst durch ein Zei­tungsinserat ihr Einverständnis erklären und dann Brief Und Geld unter Chiffre postlagernd nach Limburg senden. Als Kronenberg festgenommen wurde, entdeckte man einen uralten Trommelrevolver bei ihm. Wegen Erpressungsversuch und un­befugten Führens einer Schußwaffe wurde Kronenberg vom Kleinen Schöffengericht in

nähern. Glücklicherweise wurde es vom Badewärter bemerkt, der die Persona­lien des Mannes feststellen wollte. Dabei ergriff dieser die Flucht, wurde aber ein­geholt und in eme Nabekabine einge­sperrt, wo ihn dann die Polzei in Emp­fang nahm. Auch beim Transport zur Wache suchte der Mann zu entfließen, konnte aber wieder eingeholt werden. Seine Vernehmung ergab eine lieber» raschung. Es war der evangelische Pfarrer von Heuchelheim, Kreis Gießen, Er wurde in Haft behalten.

16 Kinder, was ein Segen!

Dietzenbach, 5. Aug. Bei dem 16. Kinde (acht Söhne und acht Töchter) des Ludwig Fenchel III hier, hat Reichsprä­sident v. Hindenburg die Patenschaft übernommen und den Paten mit einem Geldgeschenk bedacht.

Ein Invalide erbt 10 000 Mark.

Arnsheim, 5. Aug. Ein hiesiger 7l>,ahriger Invalide gelangte in den Be­sitz einer amerikanischen Erbschaft in Hohe von etwa 10 000 Mark. Ein Teil des Betrages wurde dem Glücklichen be­reits durch seinen Rechtsanwalt ausge- handigt.

Nächtliche Schießerei in Darmstadt. Wem galten die Schäfte?

Darmstadt, 5. Aug. Am Freitag morgen gegen 4 Uhr fielen in der Nähe der Rhein- und Neckarfttaße zahlreiche Schüsse. Das sofort alarmierte Ueber- fallkornrnando begann mit den Recherchen, die jedoch bisher noch zu keinem Ergeb­nis führten. Eine Halde Stunde später wurde auf einen in der Nähe fein Haus­tor öffnenden Passanten aus einem grauen Auto, das vorn Bahnhof Karn, zwei Schüfte abgefeuert, worauf die In­sassen des Wagens schleunigst davonfuh­ren. Es soll sich um einen mehrsitzigen grauen Opelwagen mit dem Kennzeichen VS 87...? handeln. Das genaue Kenn­zeichnen honte jedoch nicht festgestellt werden. Die Schüfte wurden auch von einem in der Nähe wohnenden und durch die Detonation alarmierten Polizei­beamten wahrgenommen.

Lebensmüde.

K a f f e l, 5. Aug. Wegen allzugroßer Schmerzen versuchte ein bijähriger Kriegsinvalide Selbstmord durch Ein­atmen von Gas zu verüben. Er wurde bewußtlos aufgefunden und konnte nach halbstündigen Wiederbelebungsversuchen ins Leben zurückgerufen werden. Eine 1< jutjrige Hausangestellte brach auf dem Friedrichsplatz plötzlich bewußtlos zusam­men. Sie hatte aus Lebensüberdruß Gift zu sich genomen. Das Bewußtsein kehrte erst am nächsten Tage wieder zurück.

Eine Mutter mH ihrem Kind vom Motorrad überfahren.

Kassel, 5. Aug. Gestern abend er­eignete sich ht der Leipziger Straße ein schwerer Verkehrsunfall. Eine Mutter, die mit ihrem Kinde den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde von einem Motorradfahrer aus Großalmerode erfaßt und zu Boden geworfen. Die Frau trug eine schwere Gehirnerschütterung und einen komplizierten Bruch der Schädel­decke davon, während das Kind mehrere Armbrüche erlitt. Die beiden Verletzten wurden einem hiesigen Krankenhaus zu­geführt. Die Schuldftage muß noch ge­klärt werden.

Abba« im höheren Schulwesen Wetzlars.

Wetzlar, 5. Aug. Der Etat der Stadt Wetzlar wird außerordentlich belastet durch ein höheres Schulwesen, wie es im Vergleich zur Größe der Stadt wohl nirgends angetroffen wird. Es bestehen nicht weniger als drei Volksanstalten in Wetzlar, und zwar ein Gymnasium, eine Aufbauschule und ein Oberlyzeum. Außer­dem ist ein Lyzeum vorhanden. Der enorme Rückgang der Schülerzahlen das Oberlyzeum wird gegenwärtig nur von 35 Schülerinnen besucht läßt die städtischen Zuschüsse zu den Anstalten in einer Weise anwachsen, daß es bei der gegenwärtigen gespannten Finanzlage kaum noch verantwortet werden kann. Man betreibt daher eine energische Be­reinigung des höheren Schulwesens. Zu­nächst soll das Oberlyzeum verschwinden. Staatspartei und Sozialdemokratie haben bereits entsprechende Anträge einge­bracht. Auch das Gymnasium und die Aufbauschule, die Ostern 19öi unter einer Leitung zusammengelegt wurden, sollen sich weitere Ginfparungen gefallen lassen. Man rechnet mit der Auslösung einer die­ser Anstalten. Die Frage hofft man bis ^Oktober entschieden zu habey.

**' SBefcfät, 5. Aug. Im Städtischen Freibad an der Lahn hat sich gestern ein unglaublicher Vorfall zugetragen. An der Eingangskontrolle erschien ein Mann von etwa 35 Jahren und verlangte Zu- tritt mit der Begründung, er wolle nach seinem Kinde sehen. Es badeten zwei Mädchen von etwa 12 Jahren etwas ab­seits. Zu diesen begab sich der Mann und versuchte, sich ihnen unsittlich zu

Höhung und die Haldenbestände eine Vermin­derung erfahren haben. Der weitere Ver­kehrsrückgang, der sich aus dem Juniberrcht der Deutschen Reichsbahn ersehen läßt, ver­stimmte etwas. Nicht zuletzt will man wohl auch die Maßnahmen der Regierung gegen die Terrorakte abwarten die in Form einer Not­verordnung heute abend zur Veröffentlichung kommen durften. Jedenfalls war die heutige Börse zu Beginn mit Ausnahme von wenigen Spezialgebieten nicht so fest, mie man vormit. tegs erwartet hatte.

Berliner Deoisenbericht vom 5. August.

Helstngfors 6,3246,336, Wien 51,9552,05, Prag 12,46512,485, Budapest, Sofia 3,057 bis 3,063, Holland 169,58169,92, Oslo 73,33 bis 73,47, Kopenhagen 78,7778,93, Stockholm 75 2275,38, London 14,6514,69 Buenos Arres 0,8980,902, New York 4,2094,217, Belgien 58,3258,44, Italien 21,4821,52, Paris 16,4816,52, Schweiz 81,8582,01, Spanien 34,0734,13, Danzig 81,9282,08, Japan 114191,121.

Wirtschaft »ad Sandel

Berliner Effettentendenzbericht vom 5. Aug.

Die heutige Börse eröffnete in uneinheit­licher Haltung. Das Publikum zeigte zwar hier und da wieder Interesse und bevorzugte wie schon seit Tagen Pariswerte zu Än- lagekäufen, die Spekulation, die von gestern Ware übrig hatte, war aber zu Realisationen geneigt, zumal die Newyorker Börse gegen Schluß des Verkehrs und die heutigen errro»- päischen Auslandsbörsen ebenfalls kleine Er­müdungserscheinungen zeigten. Man glaubt, daß das Anziehen der Warenpreise in ll.S.A. und die darauf zurückzuführende Festigkeit in Wallstteet nicht zuletzt eine gewisse Wahl­mache ist, und daß diese scheinbare Konjunk- turbesferung keine dauernde sein könne. Die Nachrichten aus der deutschen Industrie lau­ten sehr verschieden. So ist in der Eisen­industrie ein neuer Absatzschwund eingetreten, während die Ruhrkohlenförderung eine Er-

(Nachdruck verboten!)

Der Mgltng Im Merofen

Roman von Heinz ©tegutoext.

2. Fortsetzung.

Im Flur wurden Stimmen laut. Der Oberarzt sprach mit zwei Operationsschwe­stern. Alle trugen weiße Leinenkittel, die Gesichter sahen aus wie Pergamentblätter, so gelb und zerknittert, so ausgelaugt von der Karbolluft und vom Umgang mit den Verstümmelten. Der Oberstabsarzt kam in unsre Stube, er roch nach Eiter und wintte, ich dürfe schon fitzen bleiben. Dann befahl er:Unteroffizier, eine Blutüber­tragung, spätestens 7 Uhr!" Und ver­schwand wieder mit den weißen Schwestern. Der Spinner las sich einen Zettel durch, den ihm der Arzt gegeben hatte. Plötzlich packte er mich an der Schulter, daß mir der Reis vom Löffel stürzte:Du, dein Leut­nant kriegt Blut, da kann er noch durch­kommen!"

Der Quambusch?"

3a, gehst du mit?"

Wohin?"

3ns Gefängnis!"

Zu Vater Philipp? Was soll ich im Gefängnis?

Der Spinner erklärte mir alles:Da brummen genug Muskaten, die ihr Blut gern hergeben. Die kommen dann frei!"

3ch fragte:Deserteure und Diebe?" Alles mögliche!"

Da setzte ich die Rotweinflasche an den Mund und soff fie leer. Der Spinnet freute sich: ob er aber ahnte, warum ich so übermütig wurde? Rächen wollte ich mich jetzt, rächen für zwei Stunden lang­samen Schritt!

Herr Unteroffizier, ich melde mich frei­willig! Der lange Quambusch soll noch Danke zu mit sagen!"

Der Spinnet rannte zum Oberstabsarzt, nach fünf Minuten stand er vor mir:Sie wollen freiwillig?"

Man stellte mich in eine Badewanne, in einen herrlichen Sarg aus weißen Kacheln. Richtige Fettseife brachte mir ein Sani­täter, auch graue Salbe. Und überall schnitt man mit die Haare ab, jawohl, überall. Mein Blutdruck fei normal, näselte ein kleiner Unterarzt. Mein Puls und meine Temperatur seien ebenfalls in Ordnung, brummte wichtig ein stelzfüßiget Hilfsdienstonkel, bet mir das Thermometer aus der Achselhöhle zog. Ich kam mir vor, als sollte ich im Museum ausgestellt wer­den. Meinen Adam betrachtete ich im Spiegel, wie lange hatte ich bas alles nicht mehr gesehen. Das Gesicht müde nnb vol­ler Schlupfwinkel, im Arm eine Narbe von Tannenberg her, im Bein zwei fansibicke Löcher aus bet Champagne, tmb sonst überall kleine Krater vom Kratzen, benn bis Läuse waren ein tolles Geflügel Weid­mannsheil. Mochten draußen Sterne fal­len, mochte es Krieg sein ober Friebe: Ich stand hier geborgen in einem weißen, blan­ken, warmen Raum. Viel Licht, wunder­bar viel Licht, nnb von der Erde konnte man efien, so sauber war alles gescheuert. Mein Magen hing voll Reis, der Bur­gunder rumorte in meinem Gehirn: Berge her, damit ich jodeln tonn!

Ich seifte mich ein, ich schrubbte und wusch mich, da tanzten die Seifenblasen durch den Baderaum, der ein lautes Echo hatte. Was man hier sprach, hallte drei­mal von den Wänden zurück. Und ge­braust wurde ich in allen Tonarten. Kalt, heiß, lauwarm. Dann brachten sie Hand­tücher zum Trockenreiben, schließlich auch Wundpuder wie für ben Säugling. Ich sah an mir hinunter unb fand, daß ich lecker sei. Meine Haut glühte rofarot wie bei einem Marzipanferkel.

Run war ich trocken und dampfte von oben bis unten. Saubere Wäiche reichte

mir der stelzfüßige Hilfsdienstonkel, dazu eine Netzjacke und eine wollene Unterhose, alles roch frisch nach dem Schrank. Wäre ich ein Pfau gewesen, ich hätte ein eitles Rad geschlagen. Hatte ich Tod und Elend unb Massengrab schon vergessen?

Der Santtäter stocherte mit einem Draht im Abfluß, schimpfte dabei und warf mir immer vorwurfsvolle Blicke zu. Nun hatte mein Brausewafter gar ben Kanal ver­stopft. Und der Karboljunker wollte knurren?

Mensch, ein freches Wort, unb ich klebe bich an bie SBanb!*

(Er kuschte unb tat sein bißchen Dienst zu Enbe. Die Wanbuhr zeigte auf 3 Uhr nachts, bas waren noch vier Stunben bis zum Aderlaß. Ich wollte fragen, ob bie Sache lebensgefährlich sei, aber bas wäre blöb gewesen. Ein Solbat bringt nur ganze Opfer, keine halben. Hatten wir draußen vorher gefragt? Fragen bürfen?

Ich staub im kurzen Hemb ba, als eine kleine Schwester eintrat nnb sich gar nicht schämte, während ich r>erzweifelt in den Lazarettmantel stieg unb bie Beine prompt in ben Aermel steckte. Die Kleine kicherte: Entzöckenb, wie er rot nritib?"

Schon wieder kam der Oberstabsarzt, ganz ernst unb blaß::Schwester, marsch, raus!" Dann legte er mir bie Hand auf bie Schulter: .Himmerod, es tut nicht weh, es kitzelt nur etn bißchen!"

Ich mußte die Hemdbrust offnen, der Doktor beklopfte mich wie ein Specht, stülpte dann eine kleine Holztrompete auf meine Rippen und horchte nach der Stimme meines Herzens. Ich mußte einatmen unb ausatmen, es tat wirklich nicht weh. Schließlich zapfte er mit noch eine Blut­probe ab, bte er untersuchen wollte.

Gut so. Jetzt ruhen Sie sich, oben steht ein Bett, Pollak führt Sie hin!"

Pollak wat der Sanitäter, der immer noch im Abjl-K bet Badewftmm popMe,

Warenmärkte

Setwibe tn 1000 Ktlogr., Weht unb Futter, mittel le 100 Kilogramm.

Berliner Produktenmarkt vom 5. August.

Weizen 222224, Roggen 163165, Futter­gerste 159-171, Hafer 164169, Weizenmehl 293325, Roggenmehl 23,1525,15, Weizen­kleie 11,2511,50, Roggenkleie 1010,25.

Die Preisgestaltung am Getreidemarkt war heute zwar nicht ganz einheitlich, ledoch bttev ein stetiger Grundton unverkennbar. Der Aus, weis über die Berliner Bestände zeigt deut- lich, daß die Mühlen ihre Vorräte im ver­flossenen Monat ziemlich aufgebrauch-t haben. Dementsprechend zeigt sich für Wetzen tn bahnstehender Ware etwas mehr Interesse, und es werden immer Aufgelder für diese Position gegenüber promptem Matertal be- willigt. Auch am Promptmartt war das Weizenangebot keineswegs dringlich, und bte Preise konnten sich ziemlich behaupten, wah­rend im Zeithandel leichte Abbröckelungen einttaten. Das Roggenangebot ttitt beson­ders zur kurzfiistigen Lieferung veretnzelt stärker in Erscheinung, jedoch werden, die ge­forderten Aufgelder kaum noch bewilligt. Im allgemeinen liegt der Roggenmarkt aber in den letzten Tagen etwas fester, da die Land­wirtschaft in Erwartung der Regierungsmaß­nahmen kaum zu Preiskonzessionen bereit ist. Anregungen von Exportgetreide liegen aller­dings nicht vor.

Sos Mnrttt «ohie-Htooimmn

Sonntag, bat 7. August.

6.15: Hafen - Konzert von Bremen. 8.15: Choralblasen. 8.30: Morgenfeier. 10.30:Paddler am Altthem", Hörbe- richt. 10.50:Au .Also sprach Zarathustta' von Friedrich Nietzsche, Vottrag. 11.20: Rundfunk und Volksbildung", Gespräch. 12.00: Konzert. 13.00: Konzert des West­deutschen Rundfunkorchesters. 14.00: Zehn- minutendienst der Landwtttschaftskammer Wiesbaden. 14.10: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Jugend. 16.00: Unterhaltungsmusik für Blasorchester. 17.15: 21. Deutsches Meisterschastsrudern m Passau. 18.00: Dreißig bunte Minuten. 18.30: 25. Mittelrheinisches Kreisturnfest in Trier, Horbericht (auf Schallplatten). 18.50:Rheinische Parks". 19.15: Son- derwetterdienst für die Landwirtschaft. Anschließend: Sportnachrichten. 19.30: Violoncello-Konzert. 20.00: Drei unter­haltsame Geschichten. 2,0.20:Kinderhoch­zeit", Kindersingspiek in zwet Akten. 21.40: Schrammelmusik. 22.00: Nachrrchten, Wet­terbericht, Tagesnachrichten. Sportbericht. 22.35: Großer Zapfenstreich. 22.55: Nacht­musik. _

Montag, ben 8. August.

6.00: Wetterbericht. Anschließend: Mor­gengymnastik. 7.05: Schallplatten-Konzert. 8.00: Olympiade-Frühdienst. 12.00: Unterhaltungs-Komert. 13.15: Olympiade- Nachrichten. 13.30: Schallplatten-Konzett. 17.00: Operetten-Konzett des Kurorche­sters Schlangenbad. 18.25:Der Natur­wissenschaftler Goethe", ein Gang ,durch die. Goethe-Ausstellung im Senckenbergianum. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Mandolinen-Konzett. 20.00:Die Retour- Kutsche" oberEine Fahrt in vergangene Zeit", ein Hefien-Darmstädter Hörspiel. 21.00: Serenade. 22.20: Zeitangabe, Wet- terbreicht, Tagesnachrichten, Spottbericht. 22.45: Nachtmusik.

Daß er mich jetzt höflich führen mußte, ging ihm gegen ben Strich.

Mein Zimmer lag auf bem ersten Stock, Über bet Tür staub ein Spruch: Demütige bich von Herzen, benn bas Himmelreich tft nahe! (Sirach VIT, 19.)

Das konnte ja heiter werben. Immer­hin: Endlich mal etwas andres als ein dienstlicher Befehl.

Ich kroch ins Bett unb kam mir vor wie eine Braut. So weiß war alles, so frisch knisterte bas Leinen, so glücklich machten mich bie Mattatze, bas Federkissen unb bie Steppbecke. Unb als gar bie junge Nacht­schwester wieberkam, mich mit bet Taschen­lampe abzuleuchten unb mir angenehme Ruhe zu wünschen, ba war ich bemütig von Herzen, genau so, wie es übet ber Tür an­empfohlen würbe. Unb beten konnte ich roieber, im Eranatloch hatte ich es oft ver­gessen. Dann schlief ich ein, tief unb selig. Wenn ich einmal im Leben reich war, bann in biefer Stunbe. Unb einen Traum hatte ich: Ich sah Hannes Vrotmichel roieber, ben ich ben Herligen Balken genannt hatte. Bei Hulluch war nämlich eine junge Fran- Mn mit ihrem Kinb von einem Balken erschlagen worben. Volltreffer. Hannes Brotmichel begrub bas Weibchen mit bem Kinb. aus bem blutigen Balken schnitzte er eine Mabonna. Auf Höhe 70 wurde Hannes hernach zerrissen. Daher ber Heilige Bal­ken. Der fromme Vilbschnitzer nickte mir im Traum friebfertig zu, er sei nicht tot, er begleite uns immer noch, unb ba hatte er schon recht. Ich wollte ihn umarmen, aber Pollak, ber hohe Herr Sanitäter, zog mir bie Steppbecke ab, es sei Zeit, ich müsse in ben Operationssaal. Ich wollte aufstehen, aber Pollak hinderte mich, weil neben meinem Bett ein weißer Tisch auf ©ummiräbern staub. Also kroch ich auf diesen Tisch, draußen braute die Dämme­rung ihre milchigen Nebel, kalt war es, ich zitterte und hatte eine Gänsehaut.

(Fortsetzung folat.1