Sonnabend, drn s.AnM M
©ft .Obtrhtssischk Settimg* er- scheint sechsmal wSchentttch. Bt» ,ug«prtf« monatl. i. Marburg 2.02 GM au«schl. 3uffentntfl#fltbtot, bei unsren Agenturen 1,93 SM. ,«,ügl. Zust-llung-gebühr. durch die Post 2.25 SM. Mir etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder elementare Trefgufste au-saveude Nummern wird kein Srsa» oe* leistet. Verlag, Dr. S. Hcheroth. Druck der Unid-Buchdrmkerei Job. Aug. «och, Mark« 21/23. AtrnsbrechertRr. 2054 u-Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt «.M. Skr. 5015. - Sprechzeit der Redaktion bon 10—11 **
’M—1 tot-
ÄbevhMsche
*2* *****
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Sr.183 67.
Marburg luLabn
Der Anzeigenpreis betragt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., Familienanzeigen bet Barzahl. 0.07 GM., amtl. u. auswärtige Anz. 0.10 GM. Sog. »eine Anzeigen nach Spezialtarif.Grund- fchrtft: Aolonel. Bei schwiertg.Sah. sowie bei Plapdorschrtft 50*1« Aufschlag. — Sammelanzeigen 100’/, Aufschlag Rekiam--Mlllim. 0.40 GM. Grundschrift Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Vfferteu-Sebiihrr 25 Pfg^ bei Zustellung der Angebote einschl. Potto —.60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Wird Hitler Reichskanzler?
Nationalsozialistische Forderungen zur Regierungsbildung — Das Innenministerium für Straffer
Terror ohne Ende Bombenanschlag ans di« Reichsbanknebenstelle im Lätzen.
Lätzen. 5. Ang. 3« der Nacht ,ma Freitag wnrde anf die Reichsbankneben, stelle in Lätze« ei« Bombenanschlag verübt. An der Hanptfront des Reichsbank- gebändes in der Hindenbvrgstrahe wnrde an de« Pfeilern, die einen vorgebanten Bal ko« tragen, ein« Bombe niedergelegt «nd Mr Entzündung gebracht. Der gutz- eiferne Sprengkörper, der eine starke La, dang gehabt haben m«h. explodierte mit läster Detonation, die in weitem Umkreis gehört wnrde. Es wnrde dtzr untere Teil des Pfeilers, an dem die Bombe niedergelegt war. beschädigt, die Scheibe zu dem große« Fenster des Kafienraumes zersplittert und durch die Splitter a« der Betondecke des Kassenraums und des Balkons «eitere Beschädigungen angerichtet. Wenige Augenblicke nach der Explosion eil« te« Publikum und Polizei herbei, di« einhellig anssagen, daß sie in den Zugangs- strasten keine verdächtigen Perfone« gesehen hätten. Lediglich von einem gegenüberliegende« Grundstück wurde im Dunkel der Nacht kurz nach der Explosion ein verdächtiger Man« beobachtet, der sich eiligst in Richtung des nahe« Bahnhofs entfernte.
Sprengstoffanschlag anf NSDAP.
3n der gleichen Nacht wurde ebenfalls ent Sprengstoffauschlag auf eine Mitgliederversammlung der NSDAP, ht 3uchau (Kreis Lpck) verübt. 3m Saale der Gastwirtschaft Eeydasch fand eine Besprechung der NSDAP, statt, an der neunzehn Personen teilnahme«. Um 22.15 Uhr erfolgte eine Detonation bei der die Fensterscheiben des Saales in Trümmer gingen. Personen wurde« nicht verletzt. Nach dem vorläufigen Befund scheint der Anschlag s- -nsgeführt zu sein, daß der Sprengkörper an einen 10 Meter von de« Gebäude entfernte« Zaa« niedergelegt worden ist, da der Zau« zertrümmert und ein Betonpfeiler zerrisse« morde« st«d. Ueber die Täter ist «och nichts bekannt. Es steht fest, datz sich ein Kraftwagen nach dem Anschlag auf das nattonalsozialistische Lokal in schneller Fahrt entfernte. Die die Untersuchung führenden Stellen vermuten, datz von de« 3nsasse« des gleiche« Kraftwagens avch der Anschlag auf di« Reichsbankneben- ftelle in Lötzen verübt worden sei.
Mord int Cafe.
Chemnitz, 5 Aug. Im Cafe Herold, das als Derkehrslokal der NSDAP gilt nmrde heute nacht der 31jährige Dentist Krebeck von einem unbekannten Täter durch einen Kopfschutz so schwer verletzt, datz er kur, nach der Einlieferung in das Krankenhaus starb.
3n der Rächt zum Freitag wurde in Schneeberg im Erzgebirge ein der NSDAP angehöriger 23jähriaer Schneider durch Stockschläge auf den Kopf und ins Gesicht schwer verletzt. Auch in Schwarzenberg im Erzgebirge wurden mehrere Nationalsozialisten überfallen. Einer von ihnen wurde mit Erschietzen bedroht. Drei trugen schwere Kopfverletzungen
Am Donnerstag sind ht Müllen St. Jakob drei, ht Lößnitz zwei, in Crimmitschau drei, in Cunersdorf ein Reichsbannerangehöriger verhaftet worden. Bis jetzt find 125 Pistolen und etwa 27 000 Schutz Munition ans Tageslicht gelangt. Die Staatsanwaltschaft führt die «eitere Untersuchung, in die »unmehr 40 führende Persönlichkeiten des Reichsbanners verwickelt find.
verstärkter Polizeidienft ht München.
München, 5. Aug. Wegen der Ereignisse in der vorletzten Rächt find gestern abend in zwei Stadtvierteln starke Polizeistreifen ein- gesetzt worden. Im Westen wurden acht verdächtige Kommunisten, die beim Erscheinen der Polizei geflohen waren, in einem Hans versteckt ausgesunden und festgenommen. 3m Stadtteil Giesing wurden zehn Kommunisten verhaftet, die im Besitz von Waffen untren.
Die politischen Aemter
B e r l i n, 5. Aug. 3n politischen Kreisen werden die Forderunge« der Nationalsozialisten hinsichtlich der Regierungsbildung eifrig erörtert. Wie verlautet, wird die NSDAP, verlangen, datz ihnen die maßgebende politische Führung im Kabinett übertragen wird. Das würde mit anderen Worten bedeuten, datz die Ratio- nalsozialisten das Kanzleramt, »nd zwar für Hitler selbst, «nd das Reichs- innenministermm für Gregor Strasse» beanspruchen. Die übrigen Ministerien sollen, da sie unpolitisch find, von tüchtigen Fachleuten geleitet werden. Als ausgesprochen politische Posten gelte» außerdem
die Aemter des Staatssekretärs der Reichskanzlei und des Reichsprefiechefs. Auch auf diese beiden Posten wollen die Ratio- nalsozialisten, wie verlantet. Anspruch erheben. 3n den kommeudea Verhandlungen wird zunächst festgestellt werden müfien, inwieweit der Reichskanzler von Pape« «nd de, Reichswehrminister von Schleicher bevoit find, auf diese Forderunge« e»NM- gehen. Und letzten Endes wird auch der Reichspräsident Stellung dazu nehmen müfien. Da der Reichskanzler gegenwärtig von Berlin abwesend ist «nd seinen Urlaub im Saargebiet verlebt, ist mit irgendwelchen Entscheidungen allerdings vorerst nicht zu rechne».
Die Blutschuld der K.P.D.
Eine furchtbare Statistik
IBe'rlkn, 8. Avg. Der mit der Fich- rung der Geschäfte des preußischen Innen» Münsters beauftragte Bevollmächtigte des Rerchskmnnriffars für Preußen Dr. Br acht hat auf Grund der Berichte der einzelnen Regierungspräsidenten eine Statistik der politischen UeberfLlle unb AnsschrMungen ausgestellt, die die Zeit vom 1. Juni bis 20. Juli und sämtliche preußischen Gebietsteile außer Berlin umfassen.
Rach dieser Aufstellung stich ftt der angegebenen Zeit insgesamt 322 politische Ueberfälle erfolgt, die 72 Todesopfer gefordert haben. 497 Personen wurden dabei schwer verletzt. Auf Grund der polizeilichen Ermittlungen waren i« 203 Falle« davon die Angreifer Kommunisten, i» 75 Fällen Nationalsozialisten, ht 21 Fällen Reichsbanaerle»te. In 23 Fällen konnte die Schuldfrage durch die polizeiliches Ermittlungen nicht geNSrt werden. Für diese Statistik lagen n. a. auch die Berichte der Regierungspräfideutea vor dem 15. 3nli Mgrunde, also vor dem Re, gimewechsel ht Prettßen.
Was die blutigen Vorfälle in Königsberg anbetrifst ,so kann außer dem geftern mitgeteilten Untersuchungsergeb-nis wegen des Anschlages auf das Gewerkschaftshaus Und der Brandstiftungen in Königsberg »Kalthof f über den Stand der Ermittlungen in den anderen Fallen im Interesse der Untersuchung vorläufig nichts gesagt werden. Ueber die Ausschreitungen in Schleswig-Holstein hat der Kieler Regierungspräsident einen eingehenden »Bericht an das preußische Innenmini
sterium gesandt, ht Wm vke chtgeBten Fälle — von den Altonaer UuberfäMen an — ausgeführt werden. Der RegierungS- Präsident ftefyt als Ursache dieser Ausschreitungen einerseits die Verhetzung durch die kommunistischen Führer und Presse, Und andererseits die Tatsache, daß zweifellos eine Reihe jüngerer SA.- und SS.-LeUte sich nicht in der Hand ihrer Führer befinde«.
ztngtfugrs ott Innungen pvnnstyen «ns- schreitnngen macht der Bevollmächttgte des Reichskommtfiars Dr. Bracht erneut darauf aufmerksam, datz er alle Maßnahmen ergreife« wird, die geeignet find, Lebe« «nd Sicherheit zu schützen, und datz er unterschiedslos gegen alle Schuldigen rücksichtslos vorgehe« roh», ganz gleich, ob sie iw rechte« oder linken politischen Lager stehe«.
Die Untersuchung der politischen Anschläge ht Ostpreußen.
Berlin, 5. Aug. Mit dem Auftrage, die politischen Vorfälle und Terrorakte in Ostpreußen zu untersuchen, ist der Oberregierungrat im preußischen Innenministerium, Dr. Diels, nach Königsberg entsandt worden.
Die ernsten Ruhestörungen, die sich in den letzten Tagen in Allenstein ereigneten, haben den Regierungspräsidenten veranlaßt, den Oderpräsidenten zu ersuchen, er möge die Beamten der Landjägerschule in Allenstein der uadtijchen Polizeiverwaitung zur Verfügung halten.
In Bereitschaft
Die blutigen Vorfälle, die sich überall im Reich ereignet haben, zeigen, daß die Androhung einer neuen Notverordnung mit schärfsten Strafbestimmungen nicht den geringsten Eindruck aus die Unruhestifter gemacht hat. Im Gegenteil, die Einzelüberfälle und Morde, die am Anfang der Woche zu verzeichnen waren, haben sich zu Massenausschreitungen gesteigert, so daß es geradezu ein Verbrechen am Volke wäre, wollte man auch nur noch einen Tag mit der Inkraftsetzung der von der Reichsregierung angekündigten Sondermahnahmen warten. Nach einer preußischen Statistik sind in kaum sieben Wochen, und zwar vom 1. Juni bis zum 20. Juli, nicht weniger als 322 Terrorakte zu verzeichnen gewesen. Bei diesen Zusammenstößen hat es nicht weniger als 72 Tote und 497 Schwerverletzte gegeben. Dabei sind die zahllosen Bluttaten in Berlin noch nicht einmal mit eingerechnet. In 203, also in den weitaus meisten Fällen, sind Kommunisten zweifelsfrei, .als die Angreifer und Urheber dieser Bluttaten festgestellt worden. Daraus geht klar hervor, auf westen Konto die furchtbare Verrohung unserer politischen Sitten zu fetzen ist und wo die wahrhaft Schuldigen fitzen.
Auf Geheiß ihrer Moskauer Auftraggeber haben kommunistische Horden Deutschland mit einer Welle von Mut und
Terror überzogen. Der friedliche Bürger ist fernes Lebens nicht mehr sicher, es sei beim, daß er sich dem Terror unterordnet und sich zum Marxismus bekennt. Die Linkspresse hat diesem verbrecherischen Treiben dadurch Helferdienfte geleistet, indem sie die Taten der roten Mörder nach Möglichkeit bemäntelte und die Schuldfvage za verwischen suchte. Sv spricht die Linkspresse auch jetzt wieder, obwohl gerade in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Mitionalsitzialisten den Mordkugeln und Dolchen der Kommunisten zum Opfer gefallen sind, lediglich von der „Schuld der SA.", von der „nationalsozialistischen Terrorwelle" usw. Zur Stützung dieser Argumente wird der Polizeibericht über die Königsberger Vorfälle weidlich ausgeschlachtet. Es läßt sich nicht leugnen, daß auf Grund der Feststellungen der Polizei ber dem beabsichtigten Anschlag auf das Königsberger Gewerkschaftshaus SA.- Leute beteiligt waren. Ein gleiches trifft auch hrnsichtsich der Uebergriffe in einem Königsberger Vorort, wo versucht worden war, Tankstellen in Brand zu stecken, zu. Aber diese Vorfälle, so bedauerlich sie an sich sein mögen, stehen in keinem Verhält- zu den Mordtaten, die von linksradikalen
Elementen begangen worden sind. Bei der Feststellung der Schuldfrage sind aber auch die Arsachen, die zu den Ausschreitungen geführt haben, wesentlich. In Königsberg wurde am Vorabend der Wahl von Linksradikalen ein nationalsozialistischer Zettelverteiler auf geradezu bestialische Weise abgeschlachtet. Man wird dieses Verbrechen, das in nationalsozialistischen Kreisen zweifellos größte Erregung ausgelöst hat, bei der Motivierung der Ausschreitungen nicht unberücksichtigt lassen dürfen. Ebenso stehen die Bombenanschläge in Schleswig-Holstein sicher in ursächlichem Zusammenhang mit der langen Kette der Morde und Ueberfälle, die dort
gegen Nationalsozialisten verübt worden fink Jahrelang fino die Nationalsozialisten dem Wüten der roten Horden sozusagen schutzlos ausgesetzt gewesen. 59 Tote beklagt nach dem „Völkischen Beobachter" die AS-DAP. allein in diesem Jahr. Ist