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Anzeiger Dr (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Eine Fristvon18 Stunden
Dann unter Umstanden schärfftes Vorgehen der Reichsregierung — Todesstrafe für politischen Terror
ft Berlin, 5. Ang. 3m Zusammen, Hang mit dem vom Kabinett am Donnerstag beschlossenen verschärfenden Bestimmungen zur Bekämpfung des Terrors verlautet, daß die Entscheidung über dte Inkraftsetzung dieser Maßnahmen, die ». cu auch die Todes st rafe vorsehen, lediglich von de« Vorgängen der nächsten 18 Stunden abhängt. Auch das preußische Staatsministerium beschäftigte sich in eingehende« Beratungen mit entsprechenden Maßnahmen.
Der Regierungsbeschluß über die inneren Sicherungsmaßnahmen.
Die Ministerbesprechung, die gestern vormittag um 11 Ubr unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers von Eayl begann, war erst kurz nach zwei Uhr zu Ende. In dieser Besprechung hat die Reichsregierung aufgrund der eingegangenen Ve- ttchte eingehend die innerpolitische Lage erörtert und über entsprechende Maßnahmen gegen die sich in der letzten Zeit häufenden Terrorakte beraten. Dabei ist man, wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet, übereingekommen, die bestehenden Strafbestimmungen ganz wesentlich zu verschärfen. Man hat im einzelnen grundsätzlich festgelegt, welche Schritte unternommen werden sollen. Rach unseren Jn- formattonen werden die Maßnahmen jedoch zunächst noch nicht erlassen, da man dies von der wetteren Entwicklung abhängig machen will. Aufgrund des Er- gebnisies der Kabinettsberatungen ist die Reichsregierung aber jederzeit in der Lage, sofort die beschlossene Verordnung zu erlassen, wenn die Lage dazu zwingt. ‘
Im übrigen hat die Reichsregierung sich in ihrer Ministerbesprechung auch mit agrarpolittschen Fragen befaßt, die sich aus den Verhandlungen, insbesondere um den Butterzoll, ergeben haben.
Dor der Terror-Notverordnung.
Eine große Anzahl Berliner Blätter beschäftigt sich mtt den geplanten Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung des polittschen Terrors.
Die ..Deutsche Allgemeine Zeitung" weist auf die Tragweite der von der Regierung zu treffenden Entscheidungen hin. Sollte binnen der von der Regierung gesetzten letzten Fttst keine Besserung ekntteten, müße die Todesstrafe für Waffentragen, d. h. für unrechtmäßige Anwendung und Handhabung tödlich wirkender Waffen verhängt werden. Rur so könne dem um sich greifenden Bürgerkrieg Einhalt geboten werden. Don den Bestimmungen müßten, so mehrt das Blatt, alle für dieses Treiben mitverantwortlichen Kreise, ohne Rücksicht auf ihre vo- kittsche Richtung, gleichmäßig betroffen werden. Rur durch einheitliche beschleunigte Akttonen könne die Staatsgewalt ihr schwer in Frage gestelltes Ansehen, den Schutz der friedlichen Börger und die Staatsordnung retten. Anders als mit drakonischen Maßnahmen könne jetzt nicht mehr durchgegriffen werden.
„Germania" und „Tageblatt" drücken ihre Verwunderung über die zögernde Haltung des Reichskabinetts aus. Die große Oeffentlichkeit, so meint das letztgenannte Blatt, sei der Meinung, daß die Geschehnisse dieser Woche der Regierung soforttges Handeln zur Pflicht mache.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" bekennt, kein Freund von Sondergerichten und Ausnahmeregeln zu sein, glaubt aber, die
Feststellung nicht unterdrücken zu können, daß die Reichsregierung sich selbst gegenüber erheblich geduldiger sei als gegenüber der früheren preußischen Regierung.
Der „Vorwärts" warnt davor, Bestimmungen zu schaffen, die sich lediglich gegen links auswirkten und betont, daß es sich nicht um ein kriminalistisches, sondern um ein politisches Problem handele. Könne die Regierung der NSDAP, keine sofortige grundlegende Aenderung ihres Verhaltens erzwingen, so müße sie im Staatsinteresse den Kampf gegen sie aufnehmen.
Die Politik der Regierung von Papen werde durch die Errichtung von Standgerichten nicht bester.
Der „Börsen-Touri er" weist auf die Notwendigkeit hin, daß das geplante „äußerste Mittel" nur dann gerechtfertigt sei, wenn es von einer Macht angewendet werde, die versichert, daß sie keine Parteien kenne und vor der die polittsche Farbe des Gewalttäters vollkommen gleichgülttg fei.
Im Zusammenhang mit ihrem Bericht über die geplante Notverordnung wisten „Berliner Lokal-Anzeiger" und „Tag" von neuen Erklärungen der Parteileitung der NSDAP, zu berichten, in denen die politischen Ausschreitungen aufs schärfste mißbilligt werden. Auch solle die Parteileitung sich bemühen, die Angehörigen der SA.-Formationen von solchen Ereueltaten unbedingt abzuhalten. Auf
Trotz des Burgfriedens
Täglich neue Anschläge
Mehlauke« (KreisLabiau), 4. Aug. I« der vergangene« Nacht wurde von uwbekannten Täter« eine Brandbombe durch ein offenes Fenster des Ernndbuch- amtes des Amtsgerichts Mehlauke« geschleudert Verletzt wnrde durch den Anschlag niemand, doch ist Sachschaden an der Einrichtung nad de« Akte« entstanden.
In der Nacht znm Donnerstag wurde in Ortelsberg in das K a u f h a u s R o b e r t Renman« aus einem vorüberfahrenden Kraftwagen eine Brandbombe geworfen. Die Auslagen fingen zu brennen an. Durch Splitter wurde auch eine Fensterscheibe des gegenüberliegenden Kauf- Hanses Mendel zertrümmert Bisher ist ermittelt daß der Kraftwagen von Allen- st-t« kam.
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Wie die Königsberger Mittagsblätter melden, haben sich gestern im Kreise Rastenburg mehrere polittsche lleber- fälle ereignet Auf den Besitzer Maecken- burg aus Marienthal wurden vier scharfe Sch ü s s e abgegeben. Auch auf de« SS.- Führer Mattern aus Drengfurt, der mit seinem Motorrad nach Hause fuhr, wurde geschoßen. In beiden Fällen gingen die Schüsse fehl. Don einem Kommunisten wurden auf bet Straße in Drengfurt die der NSDAP, angehörende Frau Bastigkeit und der Schachtmeister Wister durch Schüste aus einem Tesching. schwer verletzt.
Die Königsberger Polizei hat heute das Material über die Vorfälle vorn 1. August und zwar die B r a n d st i f t u n g e n der Staatsanwaltschaft übergeben. Zu den übrigen Vorfällen erfolgen immer neue Festnahmen und Vernehmungen.
Unruhige Rächt in München.
München, 4. Aug. Die br ’ Nacht brachte eine Reihe politischer <>;. ..„stoße
und Zwischenfälle, die allem an tt -.-r Stelle der Stadt ein dreimaliges Ausrücken des Ueberfallkommandos notwendig machten. Hier waren Nationalsozialisten mit Kommunisten heftig aneinander geraten. Ein 25jShriger Bäcker ist bei dieser Gelegenheit durch einen Brustschuß schwer verletzt worden. Der Täter soll ein Kommunist sein.
Noch unbekannte Täter fuhren gegen 3 Uhr früh bei zwei Kaufhäusern, Uhlfelder und Epa, vor. und warfen durch ein großes Schaufenster Brandbomben in das Innere. Glücklicherweise entzündeten sich die Bomben
nicht, wodurch unabsehbare Folgen oermkeden - wurden. Die Täter sind unerkannt entkommen. An einer anderen Stelle der Stadt, im Dante-Stadion geriet das Bierzelt der Löwenbrauerei in Brand. Man vermutet auch hier politische Hintergründe.
In einem unweit des Dante-Stadions gelegenen Jugendheim der sozialdemokratischen Partei gerieten. .rote es Tseißt, nach einer heMgen Detonation Einrichtungsgegei islände m Brand. Tische, Stühle und Holzbänke wurden vom treuer ergrtTTen, vas von Der Wehr bald gelöscht werden konnte.
Handgranatenan schlag in Schlesien.
, 4. Aug. Wie die nationak-
sozialistische „Deutsche Ostfront" meldet, wurde m die Wohnung des Ortsgruppen- lerters der NSDAP, m Guttentag eine &anbgranate geworfen, die Sachschaden an- "chtete. Von den Tätern fehtt bisher jede Spur.
Die poNttfche Bluttat in Berlin. - Geständnis eines Täters.
Berlin. 4. Aug. Durch die positifche Polizei konnten im Laufe des gefangen Tages me beiden Schützen und Messerstecher festge- nommen werden, die an der Ermordung des SA -Mannes Fritz Schulz in der Trift- straße führend beteiligt waren. Inzwischen wt emer von ihnen, der 37jährige Händler Hartmann, ein Geständnis abgelegt Er sab zu, geschossen zu haben. Hartmann wird noch im Laufe des Tages dem Vernehmungs- nchter vorgeführt
Ssifspoltzei hn Lande Braunschweig.
Braunschweig, 5. Aug. In einer Mitgliederversammlung der Deutschnationalen Bolkspartei der Stadt Braunschweig machte gestern der Vorsitzende Dr. Lange-Bartel s bemerkenswerte Mitteilungen, nach denen die Errichtung einer Hilfspolizei im Lande Braunschweig bevorstehe. Aus dem Sanbe werde im Hinblick aus'die letzten Zwi- jchenfälle diese Forderung erhoben. Die Deutschnationale Volkspariei habe dem Mi- nister'Klagaes ihre Zustimmung gegeben unter der Bedingung, daß diese Hilfspolizer paritätisch errichtet und nicht nur von der SA. gestellt werde, sondern auch vom Stahlhelm Was das Staatsministerium mit dieser Polizei machen werde, würden die nächsten, Tage zeigen. Begründet wurde diese Maßnahme vom Redner mtt der Kost- pteligkeit der Entsendung von Polizeiver- tarkungen aus das Land, die auch nicht schnell genug zur Stelle sein könnten. Im Zu- ammenhang mit den jüngsten Vorkommnis- en, namentlich im Kreise Blankenburg, sprach ich der Redner weiter für ein Verbot der Kommunistischen Partei aus. Der deutsch- nationale Kreisverein der Stadt Braunichrocig habe bei der Staatsregicrung das Verbot der Kommunistischen Partei gefordert.
dieser Linke hätten sich Besprechungen 50- wegt, die der Beauftragte der NSDAP., Hauptmann Göring, mit Mitgliedern der Reichsregierung gestern hatte, und in denen et, wie die genannten Scherl- Blätter berichten, entsprechende Zusagen der Parteileitung überbracht habe.
Der „Angriff" gegen die Reichsregierung
Der „Angriff" bringt in großer Aufmachung aus der ersten Seite eine scharfe Polemik gegen die Reichsregierung und insbesondere gegen den Reichsinnenminister Freiherrn von (Sagt Das Blatt macht der Regierung den Vorwurf, daß sie nicht mit der notwendigen Schärfe gegen die Kommunisten vorgehe und daß bei ihr immer wieder „jene unselige Gleichstellung vertierter Bluthunde und nattonaler Deutscher" zu finden sei, die „so bezeichnend für das Shstem" gewesen sei. Erst möge man gefälligst mit dem „roten Mordgesindel" restlos aufräumen und dafür sorgen, daß nicht jeder Nationalsozialist stündlich darauf gefaßt sein müsse, plötzlich aus dem Hinterhalt eine Kugel durch den Kopf gejagt zu bekommen, dann werde di" SA. selbst bereit sein können, auf die Mittel zur Notwehr zu verzichten. Os verlautet sogar gerüchtweise, daß Herr von Gayl sich mit dem Gedanken trage, örtliche 621.« Verbote durchzuführen. Ein solches Vorgehen wäre geradezu ein Spiel mit dem Feuer und würde der NSDAP, das Aufrechterhalten der Disziplin, das durch das unverständliche Verhalten der Negierung ohnedies schwer genug ist, einfach unmöglich machen. Ein Vorgehen gegen die NSDAP, oder gegen die SA. würde eine Verschärfung der Krise bedeuten, vor der wir nicht eindringlich genug warnen können.
ZentrumsLesprechungen in Köln
Berlin, 4. Aug. In Köln fand Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers a. D. Dr. Brüning eine Sitzung von führenden Persönlichkeiten des Zentrums statt, in der, zu der polittschen Lage Stellung genommen wurde. Der offizielle Vorstand 'b?r Zen- tramspartei wird wahrscheinlich in den nächsten Wochen zufammentreten.
Gs verlautet, daß die maßgebenden Instanzen und die Führer des Zentrums irgendwelche Beschlüsse oder Entschließungen noch nicht gefaßt haben. Alle Meldungen über irgendwelche Vereinbarungen in Preußen und die Rachrichten bezüglich der Stellungnahme des Zentrums zür Umbildung des Reichskabinetts sind Kombinationen, denen, soweit das Zentrum in Frage kommt, jede Grundlage fehlt. Daß Prälat Kaas seit längerer Zett krank ist und im Süden weilt, ist allgemein bekannt. Soweit wir hören, geht jedoch die Ansicht des Zentrums dahin, daß die Folgerungen aus demWahlkampf gezogen und die Nationalsozialisten an die Verantwo rtung. herangezogen toer* den müßten. - 1
Rosenberg fordert di« unbestrittene Führung.
Im „Völkischen Beobachter" schreibt Alfred R o se n b e r g zur Lage u. a*
Es ist doch Har, daß wir garnkcht daran denken, irgendwo „teilzuneh- m e n", sondern wir werden uns frei halten wie bisher oder die unbestrittene Fü h- rung übernehmen und es anderen überlas-