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Der letzte Brief.

Siebe Mutier, es bat Teilten Zweck mehr, sich voreinander $n verstecken. Was Tommi mutz getragen werden. Wir sind ganz ohne öofframg, und das ist das allerschlimmste. Der Waffenstillstand soll nahe bevorstehen, es gehen böse Gerüchte um. Wir machen weiter, Tag um Tag und Nacht um Nacht. In unsern Schädeln ist die Dumpfheit des Nichtbegreifenkönnens. Wenn ietzt eine Kugel käme und Schlutz machte, das wäre fast wie eine Befreiung. Verzeihe, ^aber es ist nichts mehr zu verschweigen . . .'

Aks der Brief nach Irrfahrten daheim an­kam, fand er mich dort schon vor. Es gab keine Befreiung. Es mutzte weitergemacht werden. Es mutzte ganz hindurchgegangen werden.

Da ist ein Brief, dessen Handschrift mich verwundert. Wo las ich sie doch?

Sieber Freund! Du bist nun daheim bet Muttern wie gönne ich Dir das. Ich komme über meinen letzten Urlaub und die Eindrücke daheim noch nicht herüber. Hier ist Mr Zeit nichts los. Du versäumst nicht das geringste. Seit der Franzmann die verdammte Ecke bei F. wieder hat, hat er nch offenbar aufs Ohr gelegt. Die Nächte sind warm und mild. Es ist unglaublich schön, wenn man nachts muh vorn geht. Es ist, als gehe man mitten durch den Sternenhimmel hindurch. Geschossen wird eigentlich überhaupt nicht. Man denkt manchmal, der Krieg ist aus, und sie haben vergessen, es entern zu sagen . . .

Ja, ja, ich weiß.

Datum: 15. Mai 1918. Ort: Faverölles bei Montdidier. S-, der den Brief geschrie­ben, toar ment Kompaniekamerad.

Auf ber Rückseite des Briefes steht: Möchte Herrn Leutnant mitteilen, datz der Herr Leutnant S. heute nacht durch Granat­splitter bei F. gefallen ist. A., llnterofftiter."

Es sind Ackels ruhige und kräftige Schrift­rüge. S. istsofort tot gewesen, er hat kaum etwas gemerkt.

Es ist, als gehe man mitten durch den Sternenhimmel hindurch . . .

Dies ist die Schrift meines Vaters. Er ist seit vier Sagten tot und liegt dort drüben, wenn ich jetzt durchs Fenster in die Dunkelheit sehen könnte, auf dem Kirchhof unter einem grotzen Erlenbaum. Der Vater kam seit dem Kriege nicht mehr zur Gesundbeit. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, niemand dürfe mehr essen, als ihm nach den Karten zustehe.

»Sieber ^ohu!" schreibt mein Vater.Es

Da liegt ein Kartenbrief, verschmutzt, grau, am Rand schon vergilbt. Sind es mente Fingerabdrücke ober die von Ackels oder von sonst wem er ist ja durch so viele Hände gegangen.

Siebe Mutter, Ibr braucht Euch nun wirk­lich nicht mehr zu beunruhigen. Wenn bet 'Euch daheim die Fensterscheiben zittern und wenn bas gräßliche Rumpeln kein Ende Ttirami, so mutzt Du doch vernünftig sein und bedenken, datz Ihr die Summe des Geschütz­feuers von einem breiten Frontabschnitt hört. Der einzelne Heine Ausschnitt, auf "bent jmr uns befinden, braucht deshalb noch gar nicht so unruhig zu sein . . ."

Datum: 23. Oktober 1916. Ott: Gap­lager vor Verdun.

Ietzt weitz ich es wieder deutlich.

Am gleichen Abend rückten wir zum «fort Douaumont. In der Nacht noch erfolgte der grobe französische Angriff. Am nächsten Morgen waren die Franzmänner oben, und wir hatten furchtbare Verluste.

Der Kartenbrief hat noch nichts davon ge­wußt und wenn er es geahnt hat, so hat er es doch verschwiegen. Ackels hat es Aon gewußt, als er den Brief am nächsten Tage nach montagne brachte. Wie mag der Brief meine Mutter beruhigt haben da war alles schon vorüber-

Zum Kriegsjahrestag.

Da liegt ein StartenbM verschmutzt, grau!

von Werner Beumelburg.

Wenn ich gelegentlich in meine Heimat ramme, und wenn es einmal gelingt, einen ruhigen Abend zu erobern, bann ziehe ich die linke unterste Schublade meines Schreib­tisches auf und schon macht das Leben lautlos einen großen Schritt rückwärts. Schon fängt es wieder an, lebendig zu werden bas Wohnen in den Holzbaracken, die Satten­roste auf den verschlammten Lagerstratzen, die dampfende Fädküche, der leise Regen ab­seits im Wald, drüben die Kompanieschreib- ftube, aus deren Schornstein behaglich der weiße Dampf quirlt.

Vor der Schreibstubentür steht Ackels, Un­teroffizier Ackels mit dem Apostelbart. Neben­an schirrt der (befreite Gimpel die Pferde ans, den dicken Grauschimmel namens Lisa und die sanfte Betty mit dem wiegenden Gang einer Kuh. Ackels aber putzt sich sorgsam die Füße vor der Schreibstube, fährt sich über den schönen zweigeteilten Apostelbart, Hopft an und tritt ein..

Nun weiß ich, was drinnen geschieht. Ackels steht drinnen vor Braschke, dem Spieß, und sagt seinen Vers:Ich habe empfangen zwei- ijunberfbreiunbmerjtg Portionen Brot, frisches Öfür drei Tage, arten halben Zentner

ff ein, zehn Liter Schnaps, dreihundert Portionen Brot, fnsches Fleisch f5r drei Sage, einen halben Zentner Kartoffeln, zehn Siter Schnaps, dreihundert Portionen Schmalzersatz und Marmelade, für jeden Mann sechs Zigaretten und zwa Zigarren, und die Feldpost befindet sich von morgen an in Romagne . . /'

geht mir immer noch durch den Kopf, was unr während Deines Urlaubs besprachen. Was soll aus uns werden, wenn Ihr Jungen den Glauben verliert? Ihr müßt glauben wie wollt Ihr es denn sonst tragen? Viel­leicht warst Du auf Deinem Urlaub in ge­drückter Stimmung, Du hattest vorher viel durchzumachen. Ietzt ist es gewiß anders, wo Du den Ereignissen wieder selbst gegenüber­stehst. Ich kenne dieses Verzagen auch in mei­nem Sehen. Aber tue mir den Gefallen und schreibe mir. daß Du wieder glaubst. Schreibe es mir bald, Du weißt, wie nötig ich es wis­sen muß ..."

Datum: 13. August 1918.

Als der Brief mich erreichte, war es schon geschehen. Die Engländer hatten die Front an der Avre nördlich Montdidier bis zu vierzehn Kilometer Tiefe durchbrochen. Es

Was dies mit der linken untersten Schub­lade meines Schreibtisches daheim zu tun hat? Dort liegen fein gebündelt und nach dem Datum geordnet alle meine Briefe aus dem Feld und jeder einzelne von ihnen m durch die Hand von Ackels gegangen, oder er hat doch wenigstens im Postsack, hinter Ackels, dem (befreiten Gimpel, hinter Sisa und Betty auf dem Wagen gelegen.

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OderheMche Zeitung. Marburg «. L. So«»»»», den 30. IM 1932

Nr. 177

Frontgeist

3um Jahrestag des Welttriegsbegirrrrs Haas Friedrich, Hnaptnuum aJSl

Wie war das doch an jenem 1. August vor achtzehn Jahren? Da ritten überall in den Standorten Deutschen Reiches, junge Offiziere, begleitet von einem Tambour und einem Hornisten, durch die Straßen, hielten an belebten Ecken und Platzen ein abgehackter Trommelwir­bel, ein herrisches Hornsignal geboten der sich schnell sammelnden Menge Ruhe, und nun verlas der Leutnant mit be­fehlsgewohnter Stimme eine Verord­nung des Kaisers, darin es hieß: Mobil­machung! Der erste Mobilmachungstag ist der 2. August.

Es stand noch mehr in der Verordnung. Aber das WortMobilmachung", das war es, was sie alle erwartet hatten und das sie nun doch traf mit einer eigen­tümlichen Wucht. Nicht mit niederdrük- kender Schwere lastete es auf den Maf- fen. Denn wer von den Hunderttaufen- den, Millionen, Zehntmillionen, die das Wort so hörten oder ablasen von den Plakaten und Anschlägen, wußte recht eigentlich, was das Wort in Ihm erregte? Hochgefühl? Befriedigung? Sorge oder gar Angst? Eins nur empfanden sie alle, alle ohne Ausnahme: die Befreiung aus einer schier unerträglich, wenngleich nach außen kaum gezeigten Spannung. Der Blitz hatte die in dunkler Wolke geball­ten Kräfte ausgelöst. Ob sie als Segen bringender Regen euer als verheerendes Unwetter die Fluren überziehen würden, das lag in der Hand eines Höheren. Man konnte jetzt doch wenigstens handeln.

Und ein Zweites gebar diese Stunde in allen: das Wissen um eine eifern zwingende Pflicht. Das Vaterland war in Gefahr. So ergriff das ganze Volk ein einziger Wille, der Wille, den heiligen Boden der Heimat zu schützen. Und weil dieser Wille alle er­griff, ohne Unterschied de^-Standes oder Alters, so erwuchs aus ujm die Volks­gemeinschaft. Das Volk, bis dahin un­selig zerfallen nach Ständen und Klassen, nach Berufen und Bildungsgraden, nach arm und reich, es wurde» was es immer hätte fein fallen,ein einzig Volk von Brüdern". Die Nation brach auf, nicht nur geistig, indem sie sich wiederfand, sich erkannte, alle Schlacken undeutschen Wesens abstreifte und sich zu reinem Deutfchtrun läuterte, sondern auch in der Wortes ursprünglichster Bedeutung: Eine Wanderung begann, wie sie auf deutschem Boden noch nie gesehen. Wer erinnert sich nicht jener ersten Tage des Augusts 1914, als die Masten der Ferien­reisenden, jäh aus der Ruhe ihrer Er- holxmgsstätten aufgescheucht, in zum Brechen voll gestopften Zügen den Hei­matorten zustrebten? &te dann das Uhrwerk der Militärtransporte ablief, die Reservisten den Standorten zuge­führt und int großen Aufmarsch die Mil­lionen deuffcher Streiter an den Grenzen als Schutzmauer auf gebaut wurden? Wie an ihrer Stelle andere Millionen» Kriegsfteiwillige, in die leer gewordenen Kasernen einzogen?

Eine helle» freubige Begeisterung durchlohte diesen Aufbruch der Nation. Sie drängte Sorgen zurück» zauberte ein Lächeln in die von Abschiedstränen feuchten Augemritz die Streiter durch die Geschoßgarven vorwärts in die Stel­

lungen des Gegners und begleitete sie wett hinein in Feindesland. Aber Be­geisterung erlischt. An ihre Stelle trat, entstanden aus dem Bewußtsein der Volksgemeinschaft, aus der Kamerad­schaft der ersten Märsche und Gefechte, gehärtet vom Wissen um eherne Pflicht, gehoben von dem berechtigten Stolz auf schon Geleistetes der Frontgei st. Er vollbrachte, was als Heldentaten der deutschen Wehr in den Geschichtsbüchern der drei letzten Kriegsjahre verzeichnet steht. Er hielt aus in Frost und ©lut, in Schlamm und Staub. Er überlebte das längste Trommelfeuer, er ertrug

Das war der Frontgeist. Er über­dauerte die Front. Als diese schließlich dem Ungeist, der sich in der Heimat ver­breitete» zum Opfer fiel, da nahmen ihn viele mit nach Hause. Er barg sich in den Herzen und trat wenig in Erschei­nung. Denn dazu bedurfte er der Ge­schlossenheit vieler, er aber lebte ja nur noch in Vereinzelten, denn die Volksge­meinschaft war verloren.

, Jedoch er lebte, und darauf kam es an. Er lebte und wirkte. Und überwand feine Feinde» die glaubten, ihn 1918 ver­nichtet zu haben. Er überwand Falsch­heit und Niedertracht, Dünkel und Klas- senha^ Neid und Eigennutz. Er baute wieder Gemeinschaften auf, wirkte in ihnen und steigerte feine Wirkung durch sie. Und fo schwoll, was er schuf, zur Lawine an. Entsprossen 1914 und 1915 aus dem zur Volksgemeinschaft führen­

Hunger und Durst, er widerstand dem Gift der Verhetzung, das die morsch und krank gewordene Heimat von hinten an die Batteriestellungen und Schützengra­ben heranführte. Der Frontgeist kannte kein Fragen nach der Person, nach dem Woher", ob reich oder arm, hoch oder niedrig. Und er nerlernte auch das Fra- gen nach der Sache, nach demWarmn?" undWieso?" und zu allerletzt, denn das roar am schwersten nach dem Wie lange noch?" Er Kannte nur noch dasIch mutz", das sich läuterte zu einem Kristall von überirdischer Härte, zum5d) w i l l".

den Aufbruch der Nation, fchuf er die Volksgemeinschaft wieder und leitete den neuen Aufbruch ein, in dem jetzt das deutsche Volk steht. Tiefer denn je durchzieht, durch Hitlers Gedanken­gut ausgebreitet, die Sehnsucht nach Einheit unser Vock, durchdringt Mil­lionen der Wille nach Abkehr von dem zersetzenden, undeutschen Wesen, das jahrelang sein Bestes überwucherte und zu ersticken drohte. Der 1. August 1914 war, der 31. Juli 1932 wird Schickfalstag Deutschlands. An jenem wurde der Sa­men gelegt, aus dem der Frontgeist keimte; möge er, nach Wuchs und Nie­dergang wieder erblüht, diesen, den 31. Juli 1932, bestimmen! Denn noch steht Deutschland im Kampf mit sich selbst. Aber der Frontgeist wird und er Kann es den Dra­chen b-er Zwretracht besiegen.

Abfahrt der ersten Truppen an die Front.

Vor 18 Jahren, am 2. August 1914, rückten die ersten deutschen Truppen ins Feld. Der Welt­krieg begann, und vier Jahre lang dauerte das mörderische Ringen. Inzwischen sind die Taten unserer Krieger in Ost und West und Sud in die Geschichte eingegangen, aber ewig unvergessen wird die Begeisterung jener Augusttage von 1914 bleiben, als das Volk alle inneren Streitig­keiten vergaß und sich zur Verteidigung der Heimat zusammenfand.

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Eine sevsattomlle Erfin-mg gegen SaAmMmv

Ute neue Apparatur, Re von dem Münchener Kvnstrnkkionsbüro Kiesel heransgebracht wird, und die Selbstmorde und klnglücksfälle durch Ausströmen, von Gas unmöglich machen dürste.

Der Easficherhestsautomat sperrt selbsttätig die Zuführung ab, wenn das Gas beim Aus­tritt nicht verbrannt wird.

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Hamburg, 28. Juli. Heute vollendete der neue Motor-TankerFranz Klafen" der Deutsch-Amerikanischen Petroleum (Standards-Gesellschaft von Hamburg aus seine Uebernahme-Probefahrt. Das neue Schiff das erste einer Serie von sechs in Deutschland zu bauenden Grotztankern ist am 30. April bei der Deutschen Werft in Hamburg von Stapel gelaufen. Das neue Standard-Tankschiff hat eine Trag­fähigkeit von 17 800 Tons; es besitzt zwei vier Zylinder doppelwirkende Zwei-Takt- Dieselmafchinen M. A. N. von 4500 PS., die dem Schiff eine Geschwindigkeit von 12,5 Knoten verleihen.

Der Erotztanker rst 165 Meter lang und 21 Meter hoch. Er hat in beladenem Zu­stand einen Tiefgang von 9 Metern und zählt zu den größten Tankschiffen der Welt, schiffahrt.

237 Filme in der vergangenen Saison.

Einen Ueberblick über die Filmsaison 1931/32 gibt das Zensur-Ergebnis für die abgelaufene Spielzeit, das jetzt veröffent- licht wird. 3m ganzen haben die deutschen Film-Prüfstellen 237 abendfüllende Spiel- filme geprüft, von denen 139 aus der deut­schen Produktion stammten. Es folgt die amerikanische Produktion mit 62 Filmen. An deutschen Filmen wurden zufällig ge­nau so viel Filme zugelassen wie in der vorangegangenen Saison. Dagegen ist der Import ausländischer Filme beträchtlich zurückgegangen, wurden doch in der vor­angegangenen Saison noch 101 amerika­nische und 60 andere ausländische Filme freigegeben.