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Wie die Niobe unterging

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Ser «ttielget»!*« beträgt f6t bett 11 gespalt. SettentniUtittefet 0.08 «SOU FamMenanzeigen bei SBorytbl. 0.07 SM., amtl. u. an* värtigeAn^ 0.100®. 6og. Heine «njeigen nach Spezialtarif.Grmtd- phüst: §»Ionel. Bei schwierig.Satz, sowie bei Pla-twrschrtstSO*/. Auf­schlag. Sammelan,eigen 100*/« Aufschlag SleHam.-Millitu. 0.40 «M. «rundschrist t Petit. Jeder Rcchatt gilt al« Darrabatt. Ziel S Lage. Sfferten-GebLhr: 25 Pfg.. bei Zustellung der Angebote einschl. Porto SO SM. Belege werden berechnet. EMluugSort Marburg.

aRltlÖOw« den 27. Süll IM

die »Oberbesfische Zeitung' tf scheint sechswal wöchentlich. De- zugsprei« tnvnatl. I Marburg 2.02 S®. aueschl. Zustellungegebtlhr, bei unsren Agenturen 1.93 «9t znzügl. Zustellungegebübr. durch bk Post 2.25 DM Für etwa bet» Streik. Maschiueudefektoder elementare Ereignisse au «lallende Ruunnern wird kein «rsad ge­leistet. Verlag, Dr. 5. Hidervth. Druck der Unib-Bnchdru«kerei Job. Ang. Koch, Markt 21/23. AernsHrecher: Rr. 2054n. Skr. 2055 Postscheckkonto: Arnt Frankfurt

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Der DreimastseglerNiob e ist das Segelschulschiff der Reichsmarine, auf dem die Kadetten und Unteroffizieranwärler seemännisch ausgebildet werden. Die Niobe" kreuzte gewöhnlich in den Ge­wässern der Ostsee: sie hat wiederholt skandinavische Häfen, einmal auch den spanischen Hafen Santander besucht.

DieNiobe" war eine Dreimastschoner­bark von 600 Tonnen Wasserverdrängung. Sie hatte einen Motor von 240 PS, die Besatzung bestand aus sechs Offizieren. 50

öbevtMsche Zeitung

Stiel, 26. Juli. Die Nachrichtenstelle der Reichsmarine teilt mit:

Heute «achmittag 14.30 Uhr ist das SegelschulschtffNiobe- der Reichs, marine in einer Eewitterböe bei Fehmarn-Belt-Feuerschiff gekentert. Die Boote des Feuerschiffs habe« sich sofort au die llnfallstelle begebeu. Auch der Dampfer Therese Rust- meldet seine Ankunft e« der Unfallstelle und ferner, datz er 40 Ge­rettete an Bord habe. Die Rettungsarbei- ten der Reichsmarine find im Gange.

Amtlich wird mitgeteilt: An Bord 6c fanden sich etwa 100 Mann, von d:nen 40 hi- jetzt von einem Dampfer gerettet sind. Weitere Rettungsboote find an der Ar­beit. Eine Anzahl Schnellboote und die Kreuzer Königsberg- und ,^öla" find an die Unglücksstelle beordert. Der Untergang vollzog sich sehr rasch in etwa d r e i b t s d Fe r ull k ü fl 11 tt.

De« Hergang des Unglücks kann man fich in Marinekreisen kaum erUären. Es besteht nur die eine Möglichkeit, daß eine plötzlich vom Lande heranrollent« Ge­witterbö dieNiobe" erfatzt und nieder­gedrückt hat. ehe es gelungen war. d»e voll aufgebrachte Leinwand z» bergen. Nur fo ist da» Unglück des Schulschiffes denk-

69 Vermißte.

Kiel, 26. Juli. Der KreuzerK ö l n bat fetzt die von dem DampferTherese Rust" geretteten Ueberlebenden des unter­gegangenen SchulschiffesNiobe" an Bord genommen. Nutzer dem Kommandanten ist ein weiterer Offizier. Oberleutnant zur See L o t t. gerettet. 69 Schrffsangehorrge werden vermißt, mit ihrem Tode mutz gc rechnet werden.

Die von der Seeflugstatton Holtenau an die llnfallstelle entsandten Flugzeuge, die von den Fliegern Osterkamp und Hubrich geführt wurden, haben die llnfallstelle und ihre Umgebung bis zur dänischen Küste mehrere Stunden lang abgesucht, ohne eine Spur der Vermißten zu finden. Don der Niobe" selbst ist nichts mehr zu sehen. Es besteht keine Hoffnung mehr auf Rettung der 69 Vermißten. Bisher find auch keine Leichen geborgen worden.

Eiu Beileidstelegramm des Chefs der Marineleitung.

Berlin. 26. Juli. Der Chef der Marineleitung. Admiral Dr. h. c. Raeder hat anläßlich des Unterganges des Segel­schulschiffesNiobe" folgendes Telegramm an den Inspektor des Bildungswesens der Marine gerichtet:

kameradschaftlichem Gedenken bin ich in diesen traurigen Stunden bei Ihnen uüb der bravenRiobe" - Be. s a tz u n g. Ich trauere mit Ihnen und den Angehörigen der Verunglückten um die vielen jungen Kameraden, die die unerbittliche See uns entrissen hat. Ich bin aber auch gewrtz, datz dieser schwere Schlag der Reichsmarine zu weite­rer treuester Pflichterfüllung anspornen und uns allen erneut unser Ge­löbnis ins Herz einmeißeln wird, datz da heißt: J}üt Vaterland vorwärts und auf-

MarineschulschiffNiobe" gesunken

Nur 40 Mann der etwa 105 Mann starken Besatzung gerettet

Kiel, 27. Juli. Kapitän Mül­ler von dem Hamburger DampferThe­resia Rust", der. wie gemeldet, die 40 Ueberlebenden derNiobe" gerettet hat, machte dem Vertreter des WTB. über den Untergang des Schulschiffes folgende Mitteilung:

Ich befand mich auf der Reife von Trangfund in Finnland nach Holtenau. In der Nähe des Fehmarn-Belt-Feuer- fchiffs sichteten wir dieNiobe", die uns nach unserem Reiseziel befragte. Ich gab Auskunft und beschäftigte mich sodann, da ich eine Gewitterbö herannahen sah, mit meinem Schiff. Als ich mich noch etwa eine Meile von derNiobe" ent­fernt befand,

traf die Boe dieNiobe" mit voller Wucht. Das Schiff kenterte nach Backbord um und war innerhalb von

zwei Minuten gesunken.

Die Stärke der Boe schätze ich auf etwa 89 Sekundenmeter. Zur Zeit des Un­falls regnete es nicht. Die Sicht war aber getrübt. Wir machten sofort beide Rettungsboote klar, wurden jedoch bet unserem Rettungswerk durch die auf- kommende Dünung behindert. Mit Hilfe des Motorboots des Feuerschiffs Feh­marn-Belt, von wo aus der Unfall eben­falls sofort bemerkt worden war, gelang es uns, 40 der im Wasser Treibenden, darunter den Kommandanten, zu retten. Alle waren schwer erschöpft, und es ist wohl möglich, datz noch einige der tm Wasser Treibenden, ehe chnen Hilfe ge- I bracht werden konnte, aus Erschöpfung ertranken. Einer der Geretteten, der 1 sich im Augenblick der Katasttophe ut der

gen der oberen Segel setzte plötzlich mn 14,25 Uhr eine sehr starke, mehr und mehr zunehmende Boe ein, in der sich das Schiff hart über-, in der kürzesten Zeit ganz aus die Seite legte und in wenigen Minuten sank, Bei den plötzlich so stark überliegenden Schiss war es für die unter Deck befindlichen Teile der Besatzung nicht mehr möglich, an Deck zu kommen. Sie müssen mit dem Schiff in die Tiefe gegangen sein. Die Unfallstelle liegt eine Seemeile östlich vom Feuerschiff Fehmarn-Belt. Der ^ Un­fall wurde zum Glück vom Feuerschiff und von dem gerade passierenden deut­schen DampferTheresia Ruß" aus Hamburg beobachtet. Von beiden Stel­len wurde in vorbildlicher Weise das Rettungswerk durchgeführt.

KreuzerKöln" und Minensuchboots bewachen und beobachten die Unfallstelle und die umliegenden Gewässer.

Gerettet.

Berlin, 26. Juli. Unter den bisher Geretteten des SegelschulschiffsNiobe" befinden sich folgende Kadetten: Mittel- stett, Elümper, Lohse. Frahm, Jürs. Hoff­mann. Eirladone, Jürgens, von Reicher, Korth, Pfannenberg, Wieling, Nasenak, Eichel, Vogel, Matz, Steinbrück, Schrott. Unter den Geretteten befinden sich ferner siebzehn Mannschaften, deren Namen nach festgestellt werden.

Unter den Geretteten befinden sich auch 17 Mann der Stammbesatzung. Daraus muß man schließen, daß diese erfahrenen Leute sich bei dem letzten Manöverieren an Oberdeck befunden haben, d. h. also, datz die Bedienung der Takelage nicht allein den Kadetten überlasten worden ist, sondern datz vielmehr das geübte Per­sonal der Stammbesatzung dabei mitge- wirkt hat.

Die Geretteten an Bord des Kreuzers «Köln".

Berlin, 26. Juli. Die von dem KreuzerKöln" übermittelte Liste der Geretteten des SegelfchulschiffesNiobe" verzeichnet folgende Namen:

Kapitänleutnant Ruhfutz, Oberleutnant Lott, Oberbootsmaat Kühn, Bernadelli, Behn, Birr, Obermatrosengefreiter Hilde­brand, Twardowski, Jakob, Obersteiger Gefreiter Fischer, Obermatrose Roß, Sig- nalgefteiter Klein, Oberschelp, Frenzel, Obersignalgast Guillaume, Matrose Rer>- her, Fürst, Tantzen, Möller, Klimmer, Franzke, Busch I, Busch H, Steinbrück, Matz, Vogel, Eichel, Ravenack, Wietiyg, Pannenborg, Korth, Jürgens, Eirladone, Hofsmann (Dietrich), Frahm, Losse, von Mittelstedt und Steward Reich.

Der Eindruck derNiobe"-Katastrophe

Kiel, 27. Juli. Die Stadt Kiel steht ganz unter dem Eindruck der furchtbaren Katastrophe, die die deutsche Reichs- marine durch den Untergang des «egel- schulschiffesNiobe" betroffen hat. Die Kunde von dem Unglück, das 69 ]u.tge Menschenleben gefordert hat, hatte sich mit Windeseile in der ganzen Stadt ver­breitet, die durch ihre Tradition mit der Marine aufs engste verbunden ist und löste überall größte Anteilnahme aus. Auf den Straßen bildeten sich Gruppen, die das Ereignis bewegt besprachen. Die Stimmung ist sehr gedrückt. Umso mehr, als die stolzeNiobe", die ein charakte- ristisches Merkmal des Kieler Hafens war, den Kielern besonders an das Herz gewachsen war.

Offiziersanwärtern, 18 Unteroffiziersan­wärtern und 25 Stammunteroffizieren und Mannschaften, zusammen also rund 100 Mann. DieNiobe" befand sich auf einer Ausbildungsreise und war gestern in See gegangen mit dem Ziel Warnemünde. Sie sollte Mitte September in ihren Heimat­hafen Kiel zurückkehren. Kommandant war Kapitänleutnant Ruhfutz. Die Niobe", die erst nach dem Kriege in Dienst gestellt worden war, hatte als ersten Kommandanten den bekannten Grafen Luckner.

Anzeiger für (das frühere kurhesfische) Overheffen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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Kombüse befand, hatte schwere Brand­wunden davongetragen, einem anderen war ein Arm ausgekugelt. Die Gerette­ten, die zum Teil nur wenig bekleidet waren, wurden von uns zunächst mit den nötigen Kleidungsstücken versehen, und wir reichten ihnen bann Erfrischungen. Die Verletzten wurden von uns ärztlich behandelt.

Wir haben dann mehrere Stunden an der Unfallstelle gekreuzt, ohne daß es uns gelungen wäre, weitere Schiffbrü­chige zu bergen. Später trafen dann KreuzerKönigsberg" und mehrere Schnellboote ein, ebenso zwei Flugzeuge, die die Suche fortsetzten. Wir selbst mach­ten uns auf den Weg nach Holtenau, gaben jedoch unterwegs die Geretteten an den KreuzerKöln" ab.

Im Augenblick der Katastrophe müssen nach Ansicht des Kapitäns auf der Niobe" sämtliche Luken geöffnet ge­öffnet gewesen sein, sodaß das Schiss im Augenblick voll Wasser lief und den zum großen Teil unter Deck "oefindlichen Be­satzungsmitgliedern der Weg in die Frei­heit abgeschnitten wurde.

Mitten««« der Ostseestation.

K i e l, 27. Juli. Die Ostseestation Kiel teilt mit: SegelschulschissNiobe" pas­sierte um 14 Uhr am 26. Juli Fehmarn- Belt-Feuerschiff mit südöstlichem Kurs in einem Abstand von einer halben See­meile: Windstärke 23. Da im Süden über Fehmarn Gewitterwolken hoch­zogen, ließ der Kommandant die oberen Segel mit einer Wache bergen, während die anderen Wachen unter Deck Unterricht hatten. Nach dem Ber­

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