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©te .vtartaMsch« 3dttm<!* «. scheint sechsmal MSchentltch. Be- saqsvrei« ntenatL L Marburg 2.02 GM ansschl. ZnstelkmgsaebÄbr, bei unsren Agenturen 1.93 GM. znzügl. ZustellungsgebLbr. durch bi« Post 2.25 GM. Fik etwa durch Streik, Maschinendefrktode, elementar« Ereignis!« austallrnd« Ruunnern wird kein Ersatz geleistet. Verlag, Dr. S. Kitzeroth. Druck der Unib-Buchdruckerri geb. Aug. «och, Markt 21/23. Aernsprrcher: Rr. 2054». Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — SprechM b«t RedaNivn von 10—11 «*b W—1 »dr.
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Ruhigere Beurteilung der Lage
Der gestrige Sonntag mhig verlaufen — Befriedigender Verlauf der Ländeikonferenz - Heute Entscheidung in Leipzig
Der Reichskanzler in Stuttgart.
Stuttgart, 23. Juli. Die württem- oergische Landeshauptstadt steht heute im Mittelpunkt der Reichspolitik. Obwohl die Zeit der Ankunft des Reichskanzlers in der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden war, hatte sich doch im Haupt- bahnhof eine größere Anzahl von Menschen angesammelt, um den Reichskanzler zu begrüßen. Am Bahnsteig selbst hatten sich zum Empfang u. a. der württember- gifche Staatspräsident Dr. Bolz, der Präsident des württembergifchen Landesfinanzamtes Dr. Pfeiffer und Reichsinnenminister Freiherr von Garst, der gestern abend schon von Frankfurt a. M. hier eingetroffen war, eingefunden. Pünktlich um 9.32 Uhr fuhr der Berliner Schnellzug in den Bahnhof ein. Als der Reichskanzler, in dessen Begleitung sich Reichsarbeitsminister Dr. Schäffer, der persönliche Referent des Reichskanzlers Ministerialrat Puckas, der württem- bergifche Gesandte in Berlin Staatsrat Dr. B o s l e r und Baron v o n L e r s - ner befanden, dem Wagen entstieg, begrüßte ihn Staatspräsident Dr. B o I Z mit freundlichem Händedruck. Gleichzeitig ertönten aus nächster Nähe, wo sich zahlreiches Publikum angesammelt hatte, njirmlsche Hoch- und Heilrufe, die sich, als der Reichskanzler in Begleitung des Staatspräsidenten sich in das Reichsbahnhotel begab, mehrfach wiederholten.
Der Verlauf der Konferenz.
Stuttgart, 23. Juli. Die Länderkonferenz der Ministerpräsidenten m Stuttgart befaßte sich vorwiegend mit der Frage der Einsetzung des Reichskommissars in Preußen. In dem Bericht des Reichskanzlers fei besonders die bündige und vorbehaltlose Erklärung bemerkenswert gewesen, daß gegen irgendein anderes Land ein derartiger Schritt nicht geplant sei. Die Voraussetzungen dafür lägen nirgends vor, weil in den anderen Ländern die Organe, die für Ordnung und Sicherheit zu forgen hätten, m den besten Händen feien. Die Tatsache, daß die Länderregierungen in Süddeutschland nur geschäftsführende Regierungen seien, biete keinen ®rur\ zur Einsetzung eines Reichskommissars. Die Verhandlungen, die sich an den Bericht des Reichskanzlers anschlossen, seien in der Sache scharf gewesen, aber in ruhigem Tone geführt worden. Vor allem hätten die größeren Länder schwere Bedenken und Einwendungen vorgebracht, die sich in erster Linie aus dem Gebiete der Reichspolitik bewegten. Auch die Vorgänge und Ergebnisse in Lausanne seien in die Aussprache mit einbezogen worden.
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Der Eindruck, der in Berliner politischen Kreisen nach der Rückkehr aus Stuttgart besteht, ist der eines unverkennbaren größeren Fortschritts zu weiterer Beruhigung und Entspannung der' innerpolitischen Situation. Die Ländervertreter haben ihre Bedenken offenbar nicht so sehr gegen die Tatsache eines Reichskommissars an D gerichtet, sondern vor allem gegen die Absetzung aller preußischen Minister. Der Kanzler und der Reichsinnenminister dürften den Ländervertretern aber überzeugend dargelegt haben, daß nach der Art, wie die Mitglieder der früheren preußischen Regierung aus die ersten Maßnahmen des Reichskanzlers reagierten, ein anderer Weg gar nicht möglich war. Auch die übrigen Aufklärungen, die die Vertreter der Reichs- rrgieruna de« Ländern gegeben haben.
dürften ganz zweifellos die Wirkung haben, daß die durch die preußfchen Ereignisse ausgelösten Spannungen zwischen Reich und Ländern schon am Ende derselben Woche, in der sich diese Vorgänge abspielten, einer ruhigen Beurteilung der Situation von allen Seiten gewichen ist. . v
Am Montag nachmittag wird der
Kanzler nun auch dem Ueberwach- ungsausschutz des Reichstages Antwort stehen. Es ist anzunehmen, daß die formulierten Fragen, die der Staatssekretär der Reichskanzlei in seinem Auftrag erbeten hat, inzwischen einge- 1 troffen sind, sodaß auch die Sitzung in diesem Ausschuß verhältnismäßig schnell abgewickelt werden kann. Wesentliche
Frankreich ist gerüstet
Darum heuchelt es Abrüstungsbereitschaft
Paris, 24. Juli. Auf dem Bankett des Kongresses der französischen Reserveoffiziere in Dij-n hat heute Kriegs- min'ster Paul B o n c o « r eine Rede gehalten, in der er erklärte, Frankreich habe, abgesehen von seiner Verteidigung, auf de« Krieg verzichtet und zwar in anderer Weise' wie bloß durch Worte. Unter Hinweis auf das Sparprogramm erklärte der Kriegsminister, man müsse dem Wettrüsten ein Ende bereite«. Man müsie h?s Sicherheit«!- und das Ab- rüstvngsproblem verbinden. H e r r i o t würde in Genf und Lausanne «ne gemeinsame Front zwischen Frankreich, England und Amerika nicht verwirklicht haben, wenn die Verteidigungsminister dieser Länder «ich:, ohne ihre nationale Verteidigung aufzuopfern, die notwendigen Elemente für eine internationale Verhandlung geliefert hätten.
Frankreichs gewaltige Grenzbefestigungen fk. Paris, 25. Juli. Der Eeneral- Berichterstatter des Haushalts in der Kammer, Lamoureux, stattete den französischen Grenzbefestigungen an der Ostgrenze einen Besuch ab und äußerte sich über seine Eindrücke, die er dabei gewonnen hatte. Lamoureux erklärte, daß der erste Eindruck der sei, daß Frankreich an der Ostgrenze eine Verteidigungswerk geschaffen habe, wie es in der Geschichte der Völker nicht aufzuweisen sei. Der zweite Eindruck sei der. daß diese Linie der Befestigungswerke unüberwindlich sei. Die deutsche Armee, mag sie noch so mächtig, noch so tapfer und noch so hartnäckig sein, würde an den Befestigungswerken zerschellen, die selbst der schwersten Artillerie standhalten könnten. Die Art und Weise, wie die Zusammenarbeit Iber Maschinengewehre und Geschütze im Falle eines Angriffes vorgesehen fei, sei so vorzüglich, daß jeder Angriff in sich zu- sammenbrechen müsse.
Sensation um Borah
Völlig neue Einstellung zum Schuldenproblem
Washington, 24. Sali. Senator Borah verteidigte in einer Rundfunkrede das Lausanner Reparattonsüberein- kommen gegen die in Amerika laut gewordenen Kritiken «nd Zweifel. Gr betonte, daß Lausanne den Weg zu einer besseren Zuknnft eröffne «nd. falls Amerika Me Bedeutung der erfolgten Regelung großzügig und klar erfasse, der ganze« Welt aus der gegenwärttgen Periode des Mißtrauens ««d Elends herasshelse« könne. Die Reparationen feien tot, und insofern sei der Versailler Vertrag beendet. Bald würden sicher auch die Erwähnung der Kriegsschuld n«d andere Artikel fallen. Der Versailler Vertrag müsse den Geboten des Gewissens «nd der Gerechtigkeit Ran« geben.
Was Amerikas Forderaage« an die Alliierte« ««lange, so sei er nicht n«r fü, ihre Herabsetzung, sonder« sei nicht einmal gegen ihre völlige Streichsng, sofern beide Teile einem Plan zvstimmen. der eine wirklich reale Aendernng de, gegenwärttgen ««haltbaren «nd für *e Zukunft der Zivilisa- tton gefährlichen Weltlage bringe. Amerika werde sich nicht erholen,
weder die Farmer «och die Stadtbevölke- rung würden wieder anfleben, wenn nicht die internationalen Fragen endlich bereinigt würden. Borah schlägt hierfür eine Weltkonferenz vor. die sowohl Schnlden wie Zolltarife und Währungsfrage« behavdel« solle. Sachverständige jeder Art müßte« dieser Konferenz aber fernblerben, da diese Fragen bereits über das Stadium der Lösbarkeit durch spitzfindige Methoden von Sachverständigen hinaus feien.
Der Eindruck der Borah-ErNärung in Washington.
Der Aufsehen erregende Stellungwechsel Senator Borahs in der Kriegsschuldenfrage wird als eines der bedeutendsten politischen Ereignisse angesehen Bomhs Meinungsänderung dürfte die hartnäckigsten Revisionsgegner entmutigen. Man glaubt, daß Borahs Gesinnungswandel durch die wachsende Einsicht der Amerikaner in die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge beeinflußt wurde. Man sieht in den Vereinigten Staaten ein, daß es vorteilhaft märe, sit zugunsten einer allgemeinen Regelung zu opfern. Eine starke Opposition besteht noch in den Kreisen der Revisionsgegner im Kongreß, vor allem auch in der Hearstpresse.
praktische Ergebnisse oder Entscheidungen sind natürlich von ihr nidjte. zu erwarten.
Am Dienstag wird das Reichskabinett seine Beratungen über die wirtschaftlichen Fragen, namentlich über das Problem der Arbeitsbeschaffung wieder aufnehmen. Es ist ja bereits bekannt geworden, daß sich die Fertigstellung des Programms durch die preußischen Dings so verzögert hat, daß seine Veröffentlichung vor den Wahlen kaum möglich sein dürste. Das Reichskabinett will aber auch in dieser letzten Woche vor dem Wahltermin alle verfügbare Zeit ausnutzen, um so bald als möglich auch auf diesem Gebiet zu praktischen Ergebnissen zu gelangen.
So ist denn entgegen den Unkenrufen der Linkspresse die Stuttgarter Länderkonferenz ganz anders verlaufen, als jene Kreise es erhofften. Schon der Auftakt und das Nachspiel waren bemerkenswert. Gerade in der Hauptstadt jenes deutschen Landes, dessen Präsident sich noch kürzlich den demagogischen Schlachtruf gegen die „Revolution von oben" gestattete, ist es bei der Ankunft und bet der Abreise des Reichskanzlers zu Kundgebungen für ihn gekommen, die sprechender als alles andere beweisen, daß die Reichsregierung mit ihrem Kampf um die Stärkung des Staatsgedankens auf dem richtigen Wege ist. Im Verlauf der Besprechungen konnte sodann der Reichskanzler den süddeutschen Ministern diejenigen Zusicherungen geben, die sie gegen „etwaige Uebergriffe des Reichs" verlangten. Der Bericht hebt hervor, daß der Kanzler die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen nur als eine vorübergehende Maßnahme bezeichnet und ihre Ausdehnung auf die anderen Länder als nicht in Frage kommend erklärt hat, daß er weiterhin ver- sichert hat, die Reichstagswahlen würden programmäßig am 31. Juli stattfinden, und daß er schließlich die baldige Aushebung des Ausnahmezustandes in Berlin und Brandenburg angekündigt hat. Wenn der Bericht dann hervorhebt, daß beiderseits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Reich und Ländern als Notwendigkeit anerkannt wurde, so darf man diesen Satz auch in dem Sinne auffassen, wie es erst am Vortag der kommisiarische preußische Innenminister brachte, indem er sagte, daß es nicht anbrachte, ndem er sagte, daß es nicht angehe, die Selbständigkeit eines Landes unter dem Gesichtspunkt zu prüfen, wieweit die Landesregierungen die Möglichkeit besitzt, die Reichsregierung parteipolitisch zu bekämpfen.
Es wird demnach anzunehmen fein, daß das auf der Länderkonferenz erzielte Einvernehmen auch im Sinne eines weiter- gehenden Verständnisses der Länderregierungen — mögen sie auch gefchäftsfüh- renb sein — für die Notwendigkeiten der Reichspolitik aufzufasfen fein wird. Es muß erreicht werden, daß die Reichsregierung nicht die ständige Zielscheibe gehässiger und demagogischer Angriffe durch einseitig parteipolitisch orientierte Landerregierungen ist, — und dieses wird hoffentlich am 31. Juli erzielt werden.
Die Berliner Bolks^ittmg auf fünf Tage verboten.
Berlin. 24. 3uli. Der Militärbefebls- baber für Berlin und die Provinz Brandenburg hat das Erscheinen der Berliner Volkszeitung wegen des Artikels „Herren und Lakaien" in der Nummer vom 24. Juli aut xu Dauer von fünf Tagen verboten.