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Deutschlands Erklärung in Eens
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ohne wirkliche Gleichberechtigung — Deutschland lehnt die Genfer Entschließung ab
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.
In einigen Zeitungen werden Eerüchte wiedergegeben, daß die preußischen Ministerialdirektoren gegen die Maßnahmen der Reichsregierung sich auflehnen; es ist sogar von einer „Revolution" der Ministerialdirektoren gesprochen. Bon zuständiger Stelle werden diese Eerüchte und Behauptungen als haltlose Kombinationen bezeichnet.
Die Mehrzahl der abgesetzten politischen Beamten, darunter auch Oberpräfident Haas-Kassel hat gleichzeitig mit der Mitteilung von ihrer Amtsniederlegung eine Rechtsverwahrung eingelegt.
Milderung des Demonstrationsverbotes.
Berlin, 22. Juli. Nachdem in den letzten Tagen die Störungen der öffentlichen Ordnung wesentlich nachgelassen haben, hat der Reichsminister des Innern durch eine Verordnung vom 22. Juli 1932 Milderungen des bestehenden Demonstrationsverbotes vorgenommen. Das Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel «nd vo« Aufzügen gilt nach der neuen Verordnung, die mit Sonntag, dem 24. Juli 1932 in Kraft tritt, nicht mehr für Feiern, Trachtenfeste und sonstige Veranstaltungen, die der Förderung künstlerischer, kultureller oder heimatlicher Zwecke dienen, wenn sie von Körperschaften oder von Vereinigungen unpolitischer Art veranstaltet werden. Jedoch find auch diese Veranstaltungen 48 Stunden vorher der Ortspolizeibehörde anzumelden und können im Einzelfalle verboten werden, wenn nach den Umständen eine unmittelbare Erfahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu besorgen ist. Für Veranstaltungen die am Sonntag, 24. Juli 1932 stattfinoen sollen, und für die daher die 48stündige Anmeldefrist nicht mehr eingehalten werden kann, hat der Reichsminister des Innern den Landesregierungen empfohlen, aus der Nichteinhaltung der Anmeldefrist keinen Anlaß zu nehmen, die Veranstaltungen, die gerade für diesen Tag an verschiedenen Orten geplant find, nicht zuzulassen. In einem Rundschreiben an die Landesregierungen hat der Reichs
arbeit nur möglich ist, roemt die weiteren Arbeiten der Konferenz auf der Grundlage der zweifelsfreien Anerkennung der Gleichberechtigung der Nationen erfolgen."
Die Gleichberechtigung der Nationen ist der entscheidende Grundsatz des Völkerbundes ebenso wie der Staatengemeinschaft überhaupt. Mit dem Gefühl nationaler Ehre und internationaler Gerechtigkeit wäre es nicht vereinbar, wenn die Konferenz die Regeln und Grundsätze für die allgemeine Abrüstung der
ÄbertMsche Zeitung
Nadolnv verlas dann im Namen der Reichsregierung folgende
Entschließung:
„Die deutsche Regierung ist be reit, auch weiter an den Arbeiten der Abrüstungs- konferenz teilzunehmen, um mit aller Kraft dazu beizutragen, datz im Sinne des Artikels 8 der Völkerbundssatzung ein wirllich entscheidender Schritt in der Richtung auf di« allgemeine Abrüstung getan wird. Namens der deutschen Regierung mutz ich aber heute aussprechen, datz ihre Mit-
Berlin. 22. Juli. Auch Dr. H i r t - siefer hat fich bereit erklärt, die laufenden Geschäfte des bisher von ihm geleitete« Wohlfahrtsministeriums abzugeben. Die Geschäfte des Ministeriums hat Staatssekretär Scheidt übernommen. Damit ist die llebergabe sämtlicher preußischen Staatsministerien an die durch de« Reichskommissar Beauftragte« vollzogen.
Die .vderhefstsche Settmtg' et- scheint sechsmal wkchentlich. Be- znqspreis monatl. t. Marburg 2.02 SM ausschl. ZuskellrmgogebOhr, bei unsren Agenturen 1,93 GM zuzügl. Zustellung-! gebühr. durch bie Post 2.25 GM. Für etwa durch Streik, Maschiueudefektoder elementare Greignifle auofalleud« Kümmern wird kein Ersah geleistet. Verlag, Dr. §. Hitzerot-, Druck der Unib-Buchdruckeret Zeh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 2054n. Rr. 2055 Postscheckkonto: A«t Frankfurt «. M. Rr. 5015. — SprechM der Redaktion tew 10—M e*
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Das Ministerium vollzählig
Demonstrationsverbot gemildert
Minister des Innern ferner ausgeführt, daß gewöhnliche Leichenbegängnisse, hergebrachte Hochzeitszüge, kirchliche Prozessionen, Bittgänge, Wallfahrten und überhaupt Veranstaltungen gottesdienstlicher Art nicht unter das Demonstrationsverbot fallen, weil sie nicht als Versammlungen oder Aufzüge im Sinne der hier in Betracht kommenden Vorschriften anzusehen sind. Das Gleiche gilt von sogenanten ge- ländespottlichen Uebungen, sofern sie nicht demonstrativen Charatter tragen.
llrlaubssperre für die Berliner Polizei.
V e r l i n, 22. Juli. Der Militärbefehlshaber für Groß-Berlin und Brandenburg, Generalleutnant von Rundstedt, hat heute nachmittag den Berliner Polizeipräsidenten angewiesen, für die Berliner Schutzpolizei sofort die Urlaubssperre zu verhangen. Die Beamten, die sich unterwegs befinden, werden sofott telegraphisch zurückgerufen werden. Vorliegende Urlaubsgesuche werden vorläufig nicht berück- fichttgt. Die Sperre erstreckt sich auf die Beamten aller Grade. Auch die von der Schutzpolizei jährlich veranstalteten Gesellschaftsreisen, die zur Zeit gerade unterwegs find, werden von der Sperre betroffen und ebenfalls zurückgerufen werden.
Heimannsberg freigelaffen
Berlin, 22. Juli. Der Militärbefehlshaber für Droßberlin und Provinz Brandenburg teilt mit:
Aus Kreisen der Schutzpolizei war dem Militärbefehlshaber am 21. Juli dienstlich gemeldet worden, daß der Polizeimajor Encke im Einvernehmen mit Polizeikommandeur Heimannsberg und Herrn (Earlbergdie Wiedereinsetzung des Polizeikommandeurs Heimannsberg in fein bisheriges Amt auf gesetzwidrigem Wege betreibe.
Auf Grund dieser Anzeige wurden die drei Genannten am frühen Morgen des 22. Juli in Schutzhast genommen. Die Untersuchung, die sich über den 22. Juli hingezogen hat, hat ergeben:
Die Ermittlungen gegen den Polizeimajor Encke geben Anlaß zur Einleitung einer strafrechtlichen Verfolgung. Er verbleibt in Schutzhast. Dem Polizeikommandant Heimannsberg konnte die Teilnahme an den Bestrebungen des Polizeimajors Encke nicht nachgewiesen werden. Polizeikommandeur Heimannsberg hat betont, daß er solche Bestrebungen unter allen Umständen ad- lehnen würde. Der gegen Herrn Earl» bergh bestehende Verdacht hat sich nicht ausreichend bestätigt. Die beiden Letztgenannten wurden aus der Schutzhaft entlassen.
Staaten ststlegen wollte, aber gleiDellig Deutschland oder andere Staaten an diesen allgemeinen Regeln und Grundsätzen nicht teilnehmen liebe, sondern irgendeinen Staat einem diskriminierenden Ausnahmeregime unterwerfen würde. Das würde die vertraglichen Ansprüche verletzen, die Deutschland zustehen und auf'die es unter keinen Umständen verzichten kann. Die deutsche Regierung mutz zu ihrem tiefen Bedauern feststellen, datz die vorliegende Entschließung diesem Standpunkt kerne Rechnung trägt. Die deutsche Regierung mutz darauf bestehen, datz diese Zweifel dadurch beseitigt werden, datz die Gleichheit aller Staaten hinsichtlich der nationalen Sicherheit und hinsichtlich der Anwendung aller Bestimmungen der Uebereinkunft ohne weiteren Verzug zur Anerkennung gelangt.
So weit die Erllärung, zu der mich meine Regierung beauftragt hat. Ich gebe der Hostnung Ausdruck, datz die Voraussetzung, von der Deutschland seine weitere Haltung abhängig machen mutz, bald erfüllt sein wird, und datz wir gemeinsam mit Ihnen in die zweite Phase der Ko nferenz werden eintreten können, von der ich hoffe, dotz sie ergebnisreicher sein wird als die erste, und datz sie uns ans Ziel bringen wird.
Mit Nachdruck oertrat auch Graf Ap- ponyi die Frage der Gleichberechtigung. Er sprach sich sehr schaff'dagegen aus, datz die Konferenz nicht schon jetzt zu einer einmütigen Anerkennung der Gleichberechtigung aller Staaten gekommen sei und schlotz sich in diesem Punkte vorbehaltlos den Ausführungen des deutschen Vertreters an.
Der englische Außenminister Sir John Simon erhob sich spontan und beglückwünschte ihn zu seinen Ausführungen. Die französische Delegation verhartte in eisi- gem'Schweigen.
Sir John Simon «rllärte, die Resolution stelle keineswegs ein endgültiges Ergebnis der Abrüstungsverhandlungen dar. Er habe Verständnis für die von einigen Staaten geäußerte Besorgnis, datz sie sich am Ende der Konferenz ht einem Sonderzustand befinden würden. Wenn man diese Frage aber jetzt aufwerfe, so könne mit gleichem Recht die französische Delegation verlangen, daß ihre Forderungen bezüglich der Sicherheit behandelt würden.
Der französische Ministerpräsident
Herriot
legte den Standpunkt der ftanzösischen Regierung zu der Resolution dar. Er erkläffe, datz die Resolution niemanden voll'be- irl'edige. Besonders starke Vorbehalte brachte der französische Vertreter zu den aut amerikanischen Wunsch in die Resolution aufgenommenen Richtlinien für die Herabsetzung der Effektivstärken vor. Er er- kläffe u. a„ daß man vor endgültigen Be- schlüsien in dieser Frage auch die „geheimen Organisationen' berücksichtigen müsie, und datz man bei der Festsetzung der Effektivstärken fich nicht aut die Bevölkerungszahl allein beschränken würde. Zum Schluß legte Herriot nochmals den bekannten Standpuntt der französischen Regierung zu den Beziehungen zwischen Sicherheit und A b - rüstung dar.
Der Schluß der Aussprache ist für morgen vormittag 10 Uhr angesetzt worden.
Haftbefehle
ff. Berlin, 23. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Der Militärbevollmächtigte von Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg hat am 22. Juli gegen die Reichsbannerführer Major a. D. Anker und Robert Breuer Schutzhaftbefehl erlafien. Die beiden Genannten find, wir sich aus einem Artikel der Börfen-Zeitung vom 22. Juli und einer Vernehmung des Berichterstatters der genannten Zeitung ergeben hat, dringend verdächtig, in einer Versammlung der Eisernen Front am 20. Juli die Reichsregierung und die Trä-
Eenf, 22. Juli.
Die Einzelberatungen über den Resolutionsentwurf der Abrüstungskonferenz find heute vormittag abgeschlosien worden. Unverändert angenommen wurde die Bestimmung, daß die gegenwärtige Resolution in keiner Weise die Haltung der Konferenz bezüglich späterer Abrüstungsmatznahmen und beäügltd) der Vorschläge politischer Aff, die von einigen Delegationen eingebracht worden find, beeinträchtigt. Damit hat der Hauptausschuß auch die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung beiseite geschoben.
3m der Nachmittagssitzung des Hauptaus- fihufles der Abrüstungskonferenz ergriff als erster Botschafter Nadolny das Wort, um am Schluß seiner Rede eine formulierte Erklärung der Reichsregiarung zu verlesen. Radolny führte aus:
Die Verallgemeinerung der «ns auferlegren Abrüstung sollte eine der ersten Aufgaben des Völkerbundes sein. So ist es uns im Jahre 1919 versprochen worden. Heute schreiben wir 1932! Ich will mich nicht lange bei der Vergangenheit aufhalten, aber niemand wird bestreiten können, daß das deutsche Volk während dieser ganzen Zett die größte Geduld und die größte Mäßigung an den Tag gelegt hat, und Sie werden, glaube ich, alle mit mir darüber einig sein, daß wir im Verlaufe dieser Konferenz eine gleiche Haltung gezeigt haben.
Auch diese Konferenz ist eine Konferenz für die Liquidation der Vergangenheit. Sie hat die Aufgabe, einen weiteren Abschnitt der Nachkriegsgeschichte zu beendigen, der schon längst hätte abgeschlosien werden müsien. Die Konferenz ist an einem wesentlichen Wendepunkt angelangt. Monatelang haben die Völker der ganzen Welt voll Staunen das merkwürdige Schauspiel unserer Arbfft verfolgt, ohne das geringste greifbare Ergebnis wahrnehmen zu können. Unter den zahlreichen Vorschlägen und Anregungen, die der Konferenz vorgelegt worden sind, gibt es zweifellos solche, die sehr wertvoll sind, wie den großen Plan des Präsidenten Hoover und die italienischen Vorschläge hinsichtlich der gualita- itoen Abrüstung. Alle diese verschiedenen Vorschläge haben in der ganzen Welt große Hoffnungen erweckt. Aber gegen allen guten Willen haben sich bedauerlicherweise Kräfte der Verneinung erhoben und durch Gegenwirkungen int einzelnen die Arbeiten gehemmt? Die öffentliche Meinung kann die Ziellosigkeit, in der sich die Konterenz so ost verloren hat, nicht verstehen.
Radolny kritisierte dann die vorgelegte völlig inhaltlose Entschließung im einzelnen.
Die deutsche Abordnung, so fuhr Nadolny fort, ist demnach nicht in der Lage, die Entschließung vom Gesichtspunkt der in ihr vorgesehenen Abrüstungsmaßnahmn als befffedi-- gend anzusehen. Trotz dieser schwerwie^nden Einwände hätte sich die deutsche Abordnung vielleicht in der Hoffnung, daß andere energische Anstrengungen im zweiten Teil der Konferenz folgen würden, mit einer einfachen Stimmenthaltung begnügt oder die Entschließung möglicherweise unter gewißen Vorbehalten annehmen können, wenn sie jenen Grundsatz anerkennen würde, ohne den kein Ergebnis dieser Konferenz für Deutschland annehmbar ist: nämlich
den Grundsatz der Gleichberechtigung
Wir haben bisher an den Arbeiten der Konferenz unter der Voraussetzung teilgenom- tnen, daß diese Gleichberechtigung anerkannt würde. Jetzt ist jedoch der Zeitpunkt gekommen, wo sich die Konferenz über diesen Grundsatz und seine praktische Anwendung aussprechen mutz, und zwar aus folgenden Gründen: Die Entschließung enthält gewisie Bestimmungen, die uns neue Verpflichtungen auferlegen würden, die wir bisher nicht zu tragen haben. Sie wissen alle, daß Deutschland niemals eine Unterschrift unter ein Abkommen wird setzen können, das nicht auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung beruht. Auf diesen Grundsatz können wir nicht verzichten. Unter diesen Umständen ist es uns ttotz unseres besten Willens leider nicht möglich, die Entschließung anzunehme-
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