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DI« .OberhkMch« Zeitung' er- scheint sechsmal wöchentlich. ®e- inqsprei« mon all. «.Marburg 2.02 GM. auSschl. ZuskellimgSgebabr, hei unsren Agenturen 1,93 SM. zuzügl. ZustellrmgSgebühr. durch die Post 2.25 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefektoder elementar« Ereignisse au «fallend« «Summern wird kein Lrsat, geleistet. Verlag, Dr. E. Higervch. Druck der Unid-Buchdruckerek Job. Ang. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: <Rt- 2054u. Wt. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. 92?. Rr. 5015. — Sprechzeit »er Redaktion von 10—11 und *M—1 »dr.
Äberhessische
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Das allgemeine Demonstrationsverbot
Die Reichsregierung kündet schärfste Maßnahmen an — Todesstrafe für Maffenmißbrauch und Sprengvergehen?
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Amülch wird mitgeteilt:
Am vergangenen Sonntag ist es wiederum an vielen Orten zu blutigen Zusammenstößen gekommen. In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle beruhen die Zusammenstöße auf Provokationen und hinterhältigen Ueberfüllen von kommunistischer Seite.
Um die unmittelbare Gefahr neuer Hebei« fälle auf öffentliche Umzüge zu verhindern, bat der Reichsminister des Innern mit dem heutigen Tage bis auf weiteres auf Grund der Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten über politische Ausschreitungen vom 28. Juni 1932 em allgemeines Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzügen erlassen.
Die Reichsregierung ist entchlossen, alle Maßnahmen zu treffen, um Leib und Leben der Staatsbürger gegen weitere, Angriffe zu schützen und die freie politische Betätigung zu sichern. Sie erwartet von allen Teilen des Volkes, die auf dem Boden des Rechtes stehen, Ruhe und Besonnenheit. Nur dann kann den bewußten Provokateuren blutiger Auseinandersetzungen wirksam das Handwerk gelegt werden.
Berlin, 18. Juli. Beim Erlaß der Notverordnung, durch die das Uniform- und Demonstrationsverbot aufgehoben wurde, war zum Ausdruck gekommen, daß der Wahlkampf sich in geordneten Bahnen bewegen würde. Die Erwartungen, die an den Erlaß der Notvorordnung geknüpft wurden, sind, wie die Reichsregierung feststellt, nicht eingetroffen und die Vorkommnisse der letzten Tage, b e - sonders in Altona, haben ihr Veranlassung gegeben,
noch beut« «ine Notverordnung zu erlassen, die auf § 2 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Juni datiert, und
ein Verbot aller Demonstrationen und
Versammlungen unter freiem Himmel vorsieht. Zugelassen im gesamten Reichsgebiet sind nur solche Versammlungen die in fe st umfriedigte, zum Dauerbesuch eingerichteten Anlagen, stattfinden, wobei der Besuch nur gegen Eintrittsgeld zulässig ist. (3. B. das Stadion im Grünewald).
Don unterrichteter Seite wird ausdrücklich erklärt, daß diese Verordnung der erste Schritt der Reichsregierung gegen die politischen Ausschreitungen ist, daß die Reichsregierung sich aber weitere Maßnahmen vor- behält.
Die Regierung wird nötigenfalls auch nicht davor zurückschrecken, gegen die Kreise, die mit Sprengstoffen und Schuh» Waffen arbeiten, mit aller Strenge vor» rugehen, bis zu einer Bestimmung welche lautet, wer mit Schußwaffe n. Spreng« stoffen in der Hand betroffen w«d, en die Wand zu stellen.
Solche Bestimmungen würden durchaus nötig sein, ohne Verhängung des allgemeinen Ausnahmezustandes. Die Zivilgerichtsbarkeit wird die Durchführung einer derartigen
Verordnung in besonderen Schnellverfahren, bei denen absolut die Möglichkeit bestehen kann, die Todesstrafe zu verhängen, sichern können.
Die Absicht, Sondergerichte einzurWen, besteht nicht. Nach Auffassung zuständiger Stellen würde sich diese Bestimmung vor allem gegen die Kommunisten richten, die, wie die gestrigen Vorgänge rn Altona bewiesen haben, dem Staat am meisten zu schaffen machen. In diesem Zusammenhang wird von unterrichteter Seite zu den in den letzten Tagen erfolgten Ankündigungen von politisch führenden Persönlichkeiten über eine
beabsichtigte Bewaffnung ihrer Verbände erklärt, daß die Reichsregierung in leb nem Fall gestatten wird, daß sich irgendwelche Organisationen bewaffnen werden.
Kabinettssitzung
Berlin, 18. Juli. Das Reichskabinett wird voraussichtlich noch heute zusammentreten, um sich mit den blutigen Vorgängen in Altona zu beschäftigen. Welche Folgerungen das Reichskabrnett ziehen wird, läßt sich zur Stunde noch nicht übersehen.
In politischen Kreisen werden drei Möglichkeiten erörtert:
1. Die Verhängung des Aus» nahmezuftandes, die vom Reichs» innenminister bisher als das letzte Mittel bezeichnet wurde.
2. Die Einsetzung eines Reichs- kommissars inPreutzen, um durch zweckmäßigeres Einsetzen der polizeilichen und sonstigen staatlichen Machtmittel Unruhen jeder Art von vornherein im Keime zu ersticken.
3. Ein Verbot der K.P.D. Diese Möglichkeit dürfte jedoch nach Ansicht unter
richteter Kreise am allerwenigsten ht Betracht kommen. Aber auch die Verhängung des Ausnahmezustandes oder die Einsetzung eines Reichskommissars würde nach Auffassung zuständiger Stellen nur dann Zweck haben, wenn gleichzeitig die Reichsreformfrage grundsätzlich aufgeworfen werden würde. Auf jeden Fall sieht man in Kreisen, die der Reichsregierung nahestehen, in den Vorgängen in Altona ein unmittelbares Versagen der Polizei
*
Sozialdemokratische Fraktion des Staatsrat«« fordert Uniformverbot.
Berlin, 18. Juli. Im preußischen Staatsrat hat die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag eingebracht, wonach die preußische Staatsregiernng auf die Reichsregierung erneut und mit stärkstem Nachdruck einwirken solle, damit die Aufhebung des Uniformverbotes sofort rückgängig gemacht werde.
Der Blutsonntag in Altona
Erklärungen des Polizeipräsidenten
Altona, 18. Juli. Der Altonaer Polizeipräsident gab heute nachmittag den Vertretern der Hamburg-Altonaer Presse rm Präsidium eine eingehende Darlegung der gestrigen blutigen Vorfälle.
Er erklärte, daß die Polizei die Nationalsozialisten gewarnt habe, doch hätten diese Wert darauf gelegt, überall zu demonstrieren und das Versprechen abgegeben, Ordnung und Ruhe bei der Kundgebung zu bewahren. Sobald die Demonstration und der Marschweg der SA. bekannt waren, wurden die Polizeibehörden aus dem kommunistischen Lager, vor allem von der Antifaschistischen Aktion, um em völliges Verbot des SÄ.-Marsches ersucht, da dieser eine Provokation des „Roten Altona" darstelle. Die Polizei habe, wie der Präsident betonte, in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmungen ihre Stellungnahme nicht grundsätzlich ändern können, wohl aber Maßnahmen ergriffen, um Zusammenstöße möglichst zu vermeiden.
Dar Polizeipräsidium ist bet Uederreu* gong, daß «s sich um «inen wohlvorbe» r«iteten Feuerüberfall der Antifaschistischen Aktion auf die Nationalsozialisten dzw. auf Die Polizei handelt, der auch erfolgt wäre, wenn der Zug ein« ander«
Richtung genommen hätte.
Der Polizeipräsident ist noch gemeinsam mit dem Innenminister Severrny, der zufällig m Altona anwesend war, m den Straßen unterwegs gewesen, m denen die Hauptkampfhandlungen stattgefunden haben. Alle Vernehmungen von Beamten und Führern ergaben, daß die Polizei die Feuerdistzi- plin streng gewahrt hat. An der Tätigkeit von zahlreichen Dach schützen kann schon nach Art der Verletzungen und der Einschüsse in die Uniformen der Beamten nicht gezweifelt werdem wenn man auch bei den 91 Verhafteten keine Waffen mehr gefunden hat und zur Stunde noch nicht nachweisen kann, ob Dach schützen festgenommen worden sind. An einer Stelle müssen die Dachschützen auch eine Maschinenpistole benutzt haben.
Von den 91 Verhafteten gehören sieben, wie bisher feststeht, der KPD. bzw. der
Antifaschistischen Aktion an.
Die Verhafteten sind zumeist Hamburger, die offenbar geschlossen der Parole gefolgt
sind, den SA.-Zug zu stören. Da Schüsse auf den Zug bzw. auf Polizeibeamte auch aus Häusern ht Straßen gefallen sind, die keineswegs zu einem Wohngebiet gehören, durch das den Zug zu leiten man Bedenken hätte haben müssen, steht für die Altonaer Polizei fest, daß sich die Vorfälle überall und auf jeden Fall ereignet hätten. Die Altonaer Polizei, die voll eingesetzt wurde, mußte noch ein Hamburger Kommando und einen Zug aus Wandsoeck hermyiehen.
Unter den Toten befinden sich, wie bereits gemeldet, zwei Personen, em SA.- Mamt und eine Frau, die der NSDAP, angeboren. Drei Tote sind Kommunisten, ein Schwerverletzter, mit dessen Ableben man stündlich rechnet, gehört ebenfalls der KPD. an. Ein in der Holstenstraße erschossener Momt namens Hagen war Mitglied der SPD. Da die Schußwunden bei den hn Krankenhaus liegenden Verletzten zum Teil sehr groß sind, glaubte man zunächst, daß präparierte Geschosse benutzt worden seien. Doch scheint es sich in allen Fällen um Querschläger zu handeln. Bei vier Verletzten hat man Beinamputationen vornehmen müssen. Die weitaus meisten Verletzten sind auf der Straße angeschossen worden. Die Polizei ist überzeugt, daß die Zahl der Verletzten, wenn nicht auch der Toten, noch größer ist, als bisher bekannt wurde, da wahrscheinlich von feiten der Antifaschistischen Aktion Opfer beiseitegeschafft worden sind.
*
Zwei weiter« Todesopfer der Altonaer Zusammenstöße.
Altona, 18. 3ult Von den Schwerverletzten der gestrigen blutigen Zusammenstöße sind zwei Personen im Laufe des Nachmittags ihren Verletzungen erlegen. Zwei weitere Schwerverletzte schweben ht Lebensgefahr.
*
Kommunistischer Kriegsrat über Altona.
Hamburg, 18. Juli. Am Montag wurde m Hamburg eine nicht angemeldete Versammlung kommunistischer Funktionäre, die zu den Vorgängen ht Altona Stellung nahm, von der Polizei aufgehoben. Die Versammlungsteilnehmer, unter denen sich auch der Lester des Bezirksausschusses Wasserkante der KPD., Landtagsäbgeordneter Hermann Schubert-Altona befand, wurden sistiert, später aber wieder freigelassen
Die Presse znrn Verbot'
Berlin 18. Juli. Die gestrigen blusigen Zwischenfälle in Altona und die geplanten Maßnahmen der Reichsregierung bilden natur» gemäß das Hauptthema in der Abendmesse.
Das „Berliner Tageblatt" bezeichnet das neue Demonstrationsverbot als erste Korrektur der Notverordnung vom 28. 3uni und macht der Reichsregierung den Vorwurf daß sie ihre Geduld bis zur äußersten Grenz» angespannt habe. Wäre das Demonstrationsverbot am Sonnabend ergangen, bann märe die Demonstration in Altona wahrscheinlich unterblieben, vierzehn Menschenleben hätten gerettet werden körnten. .
Der „Lokalanzeiger", der die Schuld für die dauernden Zusammenstöße bei bet preußischen Regierung sieht, weil die Leitung bei Polizei nicht bie Kraft ober ben Willen hat, bem Uebel an bie Wurzel zu greifen, bezweifelt, daß es ber Reichsregierung gelingen werbe, „im Benehmen mit ben Länderregierungen die Ordnung wieder herzu- ftellen". Es komme darauf an, wer der preußischen Polizei die sichtigen Aufträge gibt.
Die „D A Z." zweifelt, ob das Demonstrationsverbot ausreichen wird. Nicht bie Versammlungen selbst seien ja zumeist bewaffneten Ueberfällen ausgesetzt, schon weil sie zumeist geschützt zu werden pflegen. Dagegen gebe es auch nach dem Demonstrationsverbot der Reichsregierung keinen hinreichenden Schutz für den Anmarsch ber Versammlungsteilnehmer unb bas liebel werde nicht an ber Wurzel aufgedeckt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß kommunistischs Gruppen Waffen besitzen und davon auch der Polizei gegenüber Gebrauch machen, die verpflichtet sei, angemeldete Umzüge zu schützen. Hier müsse angepackt werden und zwar rücksichtslos und sofort. Das Blatt fordert in diesem Zusammenhang sofortige standrechtliche Maßnahmen gegenüber dem unerlaubten Waffenbesitz.
Die „Dossische Zeitung" fordert neben bem Demonstrationsverbot auch bas Uniformoerbot. Die drakonischen Strafmaßnahmen gegen Waffenmißbrauch könnten, wenn sie richtig angewandt würden, Nutzen stiften. Sie müßten fc eshalb unnachsichtlich gegen jedermann angewandt werden, ohne Unterschied der Parteistellung.
Die „Germania" warnt vor bem Spiel mit bem Gebauten an den allgemeinen Ausnahmezustand. Wenn die Rcichsregierung Deutschland eine verhältnismäßige Ruhe wiedergeben wolle, bie sie unter dem Diktat der Nationalsozialisten durch die von ihr erlaßenen Maßnahmen gefährdet habe, dann brauche sie nur dafür zu sorgen, daß die Uniformen wieder verschwinden und auch das gefährliche Dernvnstrationsrecht wieder in dem gebotenen Maße beschränkt werde. Alles andere stelle ein (Experiment dar.
Der „Börsenkurie r“ führt aus, die weitgehende Rücksichtnahme der Reichsregierung auf die Bedürfnisse des Wahlkampfes ist ihr vom Radikalismus schlecht gelohnt worden. Der letzte Augenblick ist gekommen, da diesem Blutrausch mit allen Mitteln Einhalt getan werden muß. Die Verordnung, bie noch heute herauskommen soll, ist ein erster Schritt, um eine Entwicklung, bie schließlich zum offenen Bürgerkrieg führen müßte, aufzuhalten. ■ Das äußerste Mittel behält sich die Regierung allerdings noch vor.
Die „Deutsche Tageszeitung" erörtert bie Notwendigkeit eines Verbotes der KPD. Das Blatt hält das Verbot politischer Parteien für eine sehr zweischneidige Waffe. Aber es sei begreiflich, daß in der Öffentlichkeit in steigendem Maße die Frage erörtert werde, wie anders der kommunistischen Bürgerkriegsschlange der Kopf zertreten werden "könne. "Mit stillem Dulden ober auch nur mit halben Maßnahmen sei ihr nicht beizukommen, denn allmählich gleiche bie Situation bereits wieder ben Zuständen nach dem November 1918.
•u bem allgemeinen Demonstrationsvckbot schreiben bie „$iünebener Neueste»