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Nr. 166

Ottmie Stitens. vdrrvucg a. g, MMktl«. dm 18. IM TS32

S.A.-Aufmarsch in Marburg

Eine eindrucksvolle und wuchtige 'Kund­gebung veranstaltete gestern die NSDAP, hier in Marburg, einmal durch die verschie­denen Vorträge, die gehalten wurden, und nach außen hin vor allem durch den Aufmarsch der SA. auf der Bürgerwiese und den Propa­gandamarsch durch die Stadt.

Schon am Sonntag früh stellte sich das Stadlbild immer mehr auf diese Kundgebung um lieber all sah man die Braunhemden oder die SS.-Leute in ihrer neuen schwarzen Uni­form mit dem Totenkopf auf der Mütze. Autos und Motorräder mit dem Hakenkreuz-Wimpel fuhren durch die Straßen, von auswärts zogen die verschiedenen Abteilungen mit Ge­sang und Musik in die Stadt ein und gegen Mittag setzten sich die Kolonnen alle in Be­wegung mit dem Ziele ^Bürgerwiese", wo Hitler einmal Menschenmassen zusammenge­bracht hatte, wie sie Marburg vielleicht nui von dem Universitätsjubiläum her kennt.

Die Weihe der Sturmfahueu.

Pünktlich um 13.30 Uhr beginnt die Weihe der Sturmsahnen. Die Braunhemden stehen in einem großen Karree, gut ein kriegsstarkes Bataillon, das hier auf der Bürgerwiese auf­marschiert ist. Stramme SA.-Leute haben den Platz abgesperrt, während der Polizei die Re­gelung des Verkehrs auf der Straße über­laßen bleibt. Tausende von Bürgern um­säumen den Platz. Nicht anders wie bei dem Militär erfolgen die Meldungen an Sturm­bannführer Schmidt- Marburg, der die einzelnen Sturmbanne mit einem „Heil Hit­ler!" begrüßt.

Darauf geht der Gruppenführer der Gruppe West, Schneidhuber-Koblenz, die Front ab und nimmt dann das Wort: 13 Jahre wehten nun die schwarz-weiß-roten Fahnen mit dem Hakenkreuz dem Kampf der NSDAP, voran. Tausende ihrer Anhänger seien in dieser Zeit verwundet, hunderte gefallen. Jetzt, dicht vor dem Siege, fordere er den Ein­satz Aller ohne Rücksicht auf das persönliche Wohlergehen. Das Ziel — ein freies natio­nales Deutschland auf sozialer Grundlage,— sei so hoch gesteckt, daß das Interesse des Ein­zelnen zurücktretn muß. Unaufhaltsam wachst die nationalsozialistische Bewegung, so auch hier, wo früher noch nicht 50 Mann zusam­men waren, ständen jetzt 1000 und mehr. Die 'zcbn neuen Sturmfahnen weihe er in dem Glauben an die Ideale der nationasozralistt- schen Bewegung und mit dem Gelöbnis der Treue an den Führer, mit dem Gelöbnis der Treue an die Fahne, die niemand verlassen dürfe, selbst wenn sie diesen oder jenen im Tode deckt. Mit einem Hoch auf Hitler und dem Horst-Wessel-Lied, von der Kapelle der SA.-Kasiel gespielt, wurden dann die Fahnen den Sturmbannen übergeben.

Standartenführer Dippel-Corbach nahm dann anschließend die SA. unter den Fahnen­eid Unter Berühren des Fahnentuches spra­chen die SA.-Leute den Fahneneid nach, mit dem sie ihren Führern Gehorsam und Treue schworen bis in den Tod. Mit einem Hoch auf das Vaterland und Hitler schloß die Kund­gebung.

Dann formierte sich der Zug zum

Propaganda-Marsch durch die Stadt, an dem sich auch die SS. beteiligte, die erst später durch Weidenhaustn angerückt war. Unter dem Spiel der drei Kapellen bewegte sich der Zug, den eine Motorradstaffel be­schloß, in musterhafter Ordnung durch die ganze Stadt, bis er schließlich an der Frank- furterstraße mit einem flotten Vorbeimarsch vor den Führern endete.

Am Sonnabend abend sprach in der in den Stadtsälen stattfindenden Kundgebung der NSDAP, der

Reichstagsabgeordnete W. Dreher-Ulm zur gegenwärtigen Lage und zur Reichstags­wahl.

Der Redner, von den Anwesenden, bereits bei seinem Eintritt mit starkem Beifall be­grüßt, führte u. a. folgendes aus: Mit der Reichstagswahl sei das deutsche Volk vor eine Entscheidung gestellt, die sich wesent­lich unterscheide von den übrigen Wahlen. Es gehe um die deutsche Revolution, die voraus- sttze, daß der deutsche Mensch auch geistig ein anderer geworden ist. Fronten gebe es bei dieser Wahl nur zwei, auf der einen Seite die Nationasozialisten und auf der anderen alle diejenigen, die sich einig seien im Kampf gegen sie. Schon auf dem rechten Flügel beginnen die Gegensätze. Die Versuche der Deutschnationalen seit 1918, wie­der ein starkes nationales Deutschland zu schaffen, seien gescheitert. Frage man nach der Ursache, so sei sie darin zu suchen, daß diese Partei einen Sozialismus in jeder Art ab­lehne. 'Sozialismus aber fei Kameradschaft, sei Dienst am Volke, sei Opferbereitschaft. Der Geringste des eigenen Volkes musst mehr wert sein als der reichste Börsenfurst des andern Volkes. Wenn man nach diesen Grund­sätzen gehandelt hätte, _ habe der Marxismus auch nicht Fuß fassen können, sei auch der Ar­beiter national geblieben. Und wenn man tage, der Nationalsozialismus sti feine 6taatsibee, so müße man dem gegenüber hal­ten, daß — gleich, ob Monarchier, Republik oder etwas anderes — nur immer die Fak­toren maßgebend sein werdem auf denen der Staat aufgebaut ist. — Die Deutsche Volkspartei nenne das Wirtschaftspro- jtramm der NSDAP, unklar und phantastisch, sie selbst habe aber 10 Jahre an der Macht gelegen und als Resultat ihrer Arbeit eine Zerschlagene Wirtschaft hinterlassen. Und frage in dieser Partei nach den Dividenden

und Profiten der Zukunft, so müsse man ihr antworten, daß unter einer Regierung der NSDAP, es diese nicht gibt, solange noch ein Deutscher zum Stempeln geht. Don den übri­gen bürgerlichen Parteien könne man nur mit Wilhlm Busch sagen: „Hier sieht man ihre Trümmer rauchn, der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen." Die S. P. D. habe nun 13 Jahre lang ihre Mitglieder mit Versprechungen ge­füttert, an die jetzt niemand mehr glaubt. Versailles, Daves- unb Young-Plan seien die Erzeugnisse der sogenannten internationalen Solidarität. Selbst die sozialen Einrichtun- 6, die für sie einmal ein Bismarck geschaffen

, seien zusammengebrochen. Auch die Eiserne Front rette diese Partei nicht mehr, denn aus Pazifisten könne man nun einmal keine Soldaten machen. Und wenn man in diesen Kreisen mit der Wahlparole arbeite, daß es mit einer Machtübernahme Hitlers zum Bürgerkrieg kommen müsse, so sei dem- akaenüber festzustellen, daß die Führer der SPD. höchstens deshalb das Proletariat noch einmal auf die Straße schicken, um sich die Ministersesiel zu erhalten. Deshalb müsie man immer wieder an den preußischen Minister­präsidenten Severing die Frage richten, was er zu tun gedenke, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. — Die gefährlichste Partei in diesem Wahlkampf sei aber d«s Zentrum. Er, als Katholik, behaupte, daß die Regierung Pechen ein von dem Zentrum gewolltes Ka­binett ist, ein Scheinmanöver geschicktester Zentrumspolitik, nur um die Notverordnun­gen Brünings bester durchsetzen zu können. Während das Zentrum es fertig gebracht habe, in den katholischen Staaten Oesterreich, Württemberg, Baden und Bayern die Ruhe und selbst die Wirtschaft bis zu einem ge­wissen Grade aufrecht zu erhalten, laste man im Osten dem Bolschewismus ungehinderten Lauf, nur um die Macht der NSDAP, zu brechen. Der Bolschewismus könne aber nie­mals die Schicksalsfrage des deutschen Volkes sein.

And frage man was die NSDAP, nach der llebernahme der Regierung zu tun gedenke, so müsse man sagen, daß es drei Faktoren gibt, auf denen der Staat beruht: Kraft, Arbeit und Schwert. Unfinnig sei es, mit dem Gedanken eines neuen Krieges zu spielen, das wüßten gerade sie als alte Front­soldaten zu genau. So sei es erste Aufgabe, die Kraft im Volke wieder zu mobilisieren, nur der soll Rechte im Staate Haben, der auch Pflichten kennt. Vor allem müste die Jugend von der Straße. Hier helfe nicht der freiwil­lige Arbeitsdienst, sondern nur die Arbeits-

dienstpfticht. Sie soll Ehrenarbeit sein an der Nation, neben dem einfachen Mann aus dem Volke soll der Kommerzienratssohn stehm, damit sich alle die wieder zusammenfinden, die sich bisher als feindliche Prüder gegenüber» standen. Und es sei weniger wichtig, daß sog. 70 000 Sportler einem Fußballspiel zuschmlen, in dem sich 22 Mann um den Sieg streiten, als daß eben diese 70 000 Zuschauer ^0 Kilo­meter mit vollem Gepäck marschieren Binnen. Nicht die Sanierung der Arbeitslosenfürsorge sei das Problem des Tages, sondern die Frage, wie Arbeit beschafft werden kann. Die Frage fei bei gutem Willen zu lHen, nur müsse mancher lernen, den Pflug zu führen, der früher an der Maschine gestanden hat.

Der Redner schloß seine mit starkem Beifall auf genommenen Ausführungen mit dem ^Hin­weis auf den Krieg, der die deutsche Seele wieder zum Erwachst gebracht hat Eine Be­wegung wie die der NSDAP., die soviel Mut geifert hat, um der Freiheit eine Gaste zu bahnen, könne niemals untergehen, sie stehe treu hinter ihrem Führer Hitler um Deutsch­lands willen. , u .

Mit einem Hoch auf das Vaterland und auf Adolf Hitler und dem Gesang des Horst- Westel-Liedes fand die Kundgebung ihren Abschluß. f—t-

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Die Freiheitskundgebung im Stadtgarten.

Nach entern Marsch des Spielmannzuges nahm Landtagspräsident Z ö r n e r - Braun­schweig das Wort. Die Not des deutschen Volkes werde immer größer, sie habe aber das Erwachen des deutschen Volkes beschleunigt. Je größer die Not, desto mehr breche sich die Erkenntnis Bahn, daß das Schicffal des Ein­zelnen heute nicht mehr von Fleiß und Tuch- ttgkeit abhängig ist. Das Schicksal des Ein­zelnen und das des Volkes werde von der Po- litif der Länder, insbesondere aber vom Reich bestimmt. Die Wirtschaft sei' nicht unser Schicksal, sondern die Polittk. In der größten Notzeit sei dem deutschen Volke ein Rettet er­standen. Wenn ein Volk in normalen Zetten mit Durchschnittsführern ausgekommen fei, so gehe dies in der heutigen Zett der Not nicht. Wo die Not am größten ist, da sei der Retter auch da. Diele Deutsche seien nicht zu über­zeugen, in welch schicksalsschwerer Zeit wir leben, eine geschichtlich bedeutsame Zett,_ die die Jugend durchzumachen hat. Von ihr hänge es ab, ob alle Opfer der Generattonen vor uns umsonst gewesen sind, ob Deutschland weiter den Weg des Abgrundes geht oder den Weg zum Wiederaufstieg findet. Unabhängig» leit und Freiheit allein tonnen die Not be-

settmen. Ein Do«, das die Freihettveämen habe verliere auch sein Brot. Die National- foääiften wollten die Freihett wieder er» fampfen; sie falle nicht als Geschenk in, den Schoß, sie mäste erkämpft werden. Adolf Htt- ler sei der Mann, der ans sieben Mann etne MMonenbewegung schaffte. Die größte Be­wegung, die je eine Welt gesehen hat. Heute folgten Hitler Männer und Frauen aus allen Schichten des deutschen Volkes, weil sie,er- kannt hätten, bag er es gut mit ihnen meint.

Nunmehr nahm der Reichstagsabgeordnete Sprenger-Frankfurt, Spitzenkandidat für Hessen-Nassau, das Wort: Der Kampf am 3L~3Uli müsse entscheidend sein. Die Frage, die dem deutschen Volke jetzt vor liege, sei ein­deutig und klar. Es fei kein Kampf um Par­teien, WÄtiMschauungen oder Programm­belange. Die Schicksalsfrage des deutschen Volkes am 31. Juli heiße: „Durch Not und arbeit aufwärts." Das deutsche Volk wolle keine Demokratie mehr, die dem Untergang gmveiht ist. Das deutsche Volk habe enbgültig mtt diesem System gebrochen, mit den Leuten, die Versailles und den Young-Plan unter­schrieben haben. Wie immer, so mache sich hinter den Kulisten eine Propaganda geltend, die die NSDAP, für die Taten der heutigen Regierung verantwortlich machen will. Seine Partei habe mit der Regierung v. Papen nichts gemein. Das eine habe sie getan: sie habe, dem Volkswillen entsprechend, den Reichstag anfgelöft, das Demonstrationsrecht nriebergegeben und das braune Hemd wieder zu Ehren gebracht. Mit der Herausgabe der Notverordnungen habe sie bewiesen, daß man mit alten Mannern das Schicksal Deutschlands nicht meistern kann. Am neue Ziele zu er­reichen, brauche man auch neue Männer. 2n Lausanne habe man wieder 3J4 Milliarden versprochen. Eine Regierung dürfe einem Volke keine neuen Lasten auferlegen, wo Mil­lionen am hungern sind. Darum muffe diese Regierung die letzte des parlamentarischen Systems sein. Die SA. und die SS. seien die Garanten für Deutschlands Zukunft. Die NSDAP, sei zu jeder Stunde in der Lage, die Macht zu übernehmen. Das werde bet 31. Juli beweisen. Aber nicht der Sttmmzettel am 31 Juli allein tue es, sondern jeder müste in die Kampfarmee Hitlers eintreten, noch vor dem 31. Juli. Jeder müste bis zu diesem Tage in dem Dienst der Braunhemden stehen. Ein Heer, ein Volk, bann seien wir in der Lage, allen Stürmen zu trotzen.

Mit dem Absingen des Kampfliedes hatte die Kundgebung der NSDAP, ihr Ende er­reicht. —n.

Der Fleischverbrauch von Marburg

Im hiesigen Stadtbezirk wurden ge­schlachtet:

Im Monat April: Ochsen 24, Bullen 17, Kühe 11, Rinder 86, Kälber 320, Schweine 636, Schafe 6 und Ziegen 3.

3m Monat Mai: Ochsen 25, Bullen 17, Kühe 11, Rinder 90, Kälber 383, Schweine 644, Schafe 3 und Ziegen 2.

Im Monat Juni: Ochsen 19, Bullen 45, Kühe 22, Rinder 138, Kälber 474, Schweine 961, Schafe 11.

Das sind zusammen: Ochsen 68, Bullen 79, Kühe 44, Rinder 314. Kälber 1177, Schweine 2241, Schafe 20, Ziegen 5. Hier* von waren untauglich: 9 Kühe, 1 Bulle, 1 Kalb, 1 Schwein,' bedingt tauglich: 2 Rinder; minderwertig: 1 Ochs, 2 Kühe, 3 Rinder. 3 Kälber. 3 Schweine. Bon aus­wärts eingeführtes Fleisch — 15016 Kilo­gramm. Auf der Freibank wurden ver­kauft: 1443 Kilogramm. ______

Schwarzarbeit ohne Ende.

Seit Jahren kämpft das Handwerk gegen einen unlauteren Konkurrenten, den Schwarz- arbeiter an. In Wort und Schrift hoben die Berufsstandsorganifationen des Hand­werks aufklärend zu rorrlen versucht. Sie ha­ben die Oeffentlichkeü auf das Treiben der Schwarzarbetter aufmerksam gemacht und ge­zeigt, daß es sich bei Schwarzarbertern um Personen handelt, die ohne Begründung eines selbständigen Gewerbes und ohne Steuer«, Sozialabgaben und sonstige Auflagen zu zah­len dem ortseingesessenen Handwerk Arbeft und Brot wegnehmen. Meister, GeseKen und Lehrlinge müssen unter dem xanchmeu- den Konkurrenzdruck der Schwamarbetter un­tätig feiern, während diese im Dunkeln ihre ooSswtttschaftsfeindliche Tättgkett tntsüben. Daß sich gegen eine derartige Ausschaltung das selbständige Handwerk nut allen Mitteln wehrt, ja im eigensten Lebensintereffe toefr ren muß, ist selbstverstäudfich. Der Kur- hessflch-Waldeckpche Handwerkerbund e. D. zu Kastel unternimmt es im Augenblick, die Oeffenüichkeft durch ein zugkräftiges Werbeplakat vor der Beschäftigung von Schwarrarbeitern zu warnen. Möchte dieses Plakat, das überall aus den Lade« der Handwerker dem Publikum entgegenieuchten wftd, seine Wirkung nicht verfehlen und für das selbständige einheimische Handwerk werben.

* Bon der Uniuet^t«! Zar Wederbesetzung des durch das Ableben des Geheimen Rats Professor Ernst v. B e l i n g an der Universität München er­ledigten Ordinariats für Strafrecht ist ein Rus an den Ordinarius Dr. Edmund Mezger in M a rLm r- ergangen

Entschließung des Evangelischen Bund«.

Man schreibt uns: Am 11. Juli fand im Hotel Freidhof eine Tagung bes Evangelischen Bundes statt, bei der fol­gende Resolutton gefaßt wurde:

Die am Montag, dem U. Juli in Mar­burg a. L. tagende Versammlung der Gruppe Marburg des Evangelischen Bun­des erhebt entschiedenen Einspruch gegen die Verordnung des Reichswehrministe- riums vom 12. Dezember 1929, wonach evangelische Reichswehr-An­gehörige auch in diesem Jahre gezwun­gen worden find, aktiv an der Fron­leichnams-Prozession mitzu­wirken. Denn die Fronleichnams-Pro­zession bedeutet nach amtlicher katholischer Feststellung eine bewußte Kundgebung ge­gen den Protestantismus mtt der Ziel­setzung, die „Ketzer" zu beschämen und kn den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückzuführen. Wir erbttcken darin eins unerträgliche Gewissens-Vergewaltigung, die in schroffem Gegensatz zu Artikel 13a der Reichsverfassung steht.

Wir fordern ttn Jntereffe des konfessio­nellen Friedens alsbaldige Aufhebung die­ser Verordnung.

Lehrvertrage über Schuttkmuster «S Unterweisung iw Zuschneiden von Daweu- kleidung.

Es wehren sich Irie Fälle, in denen An­gehörige des Schveiderinnenge- werbes oder deren Angestellte Schnitt­muster vertreiben, die dann in auschließen- den Unterrichtsstunden erläutert werden. Die Schnittmuster find sonst als Maffen- artikel im Verkauf zu 3 bis 3,50 Mark erhLlllich, während die Abnehmerinnen bet der vorerwähnten Form des Vertrie­bes durchschnittlich 20 bis 22 Mark zahlen müssen. Damit ist einwandfrei klargestellt, daß es sich bei dem Vertrieb dieser Schnitt­muster nicht lediglich um ein Handelsge­schäft, sondern am gewerblichen Privat­unterricht im Sinne der allgemeinen Be­stimmungen des Herrn Preuß. Mimsters für Handel und Gewerbe vom 1. Mai 1917 — IV 2657 — (Ministettalblatt S.159) und der Verordnung über den privaten gewerblichen Fachunterricht vom 2. August 1917 (R. E. Bl. S. 683) handelt. Hierzu genügt aber nicht ein Wandergewerbe- schein, sondern dieser Unterttcht bedarf, da es sich um Lehrkurse handelt, der vor- hettgen Genehmigung des Herrn Regie­rungspräsidenten.

Derartige Unterweisungen wie oben an- gegeben sind durch die Polizeioerwaldm>

gen fofort zu schließen, wenn die Träger bes Unternehmens eine Unterttchtserlaub- nis nicht vorlegen können.

* D>er 9R<rrfrttrger Konzertverein nrirb im nächsten Winter sechs Abonnements^ konzerte im Capitol veranstalten und zw<W zwei Sonntags-Vormittags-Konzerte am 6. So» vember 1931 und 15. Januar 1932. Hierfür ftnb bereits verpflichtet das Rose-Quar- te-ti ans Men, sowie das Lenzewski- Quartett ans Frankfurt mit dem Klarinettisten Wilhelm Schütze. 3njioen Abend-Konzerten Horen wir bas Dresd« er Streichgartett und wahrscheinlich bas Guarneri^Quartett. Der schon im vorigen Jahr geplante Sonaten-Abend Wag­ner-Gebhard soll dies Jahr stattfinden, ferner ein Klavier, und Lieber-Abend mit L. Kaiser-Kassel und einer unserer be­kanntesten Sängeminen. Es war von jeher das Bestreben des Vereins, die Konzerte zu möglichst niedrigen Preisen zu bieten. Große unb künstlerisch wertvolle VeranstaIttmgen find aber zu billigen Preisen nur dann möglich, wenn von vornherein eine möglichst zahlreiche Besucherzahl gesichert ist. So war tm vorigen Lahr die Aufführung der Miffa Solemnis nur dadurch durchführbar, daß eine sehr gvo^ Besucherzahl von den sehr niedttg angesetzten Eintttttspreifen durch Voraus- 6ejte£Urng Gebrauch machte. Ebenso verhält es sich bei den für die nächste Saison geplanten sechs Abomtemeutskonzetten. Es ist verfuchs- roeife zunächst ein Abonnementspreis von 12 JC für alle Plätze angesetzt, und es ergeht schon heute an alle Musikfreunde Marburgs ine Bitte, sich in möglichst großer Zahl zum Abonnement für die nächsten Winterkonzerte anzumeldeu. Eine rege Beteiligung an den Abonnementskonzerten wird wiederum von Einfluß sein auf die für den Totensonntag und die nächste Osterzeit geplanten Oratorien, aufführungen. Voranmeldungen nimmt schon jetzt die N. E. Elwerttsche Universitäts-Buch­handlung entgegen. Zahlung braucht erst bei Beginn der Konzerte, auf Wunsch in zwei Raten, zu erfolgen.

• Wieder in den Anklagezu- stand versetzt wurden einige Leute ans Gelsenkirchen, die in den Wilderer- ; Prozeß von Ernsthausen, Kreis Franken­berg, verwickelt waren und von dem , Schöffengettcht in Marburg im oottgen , Jahre sreigesprochen wurden. Die übrigen Angeklagten waren zu erheb- liehen Freiheitsstrafen verurteilt worden. , Einer der Verurtettten hat nun die Frei- - gesprochenen schwer belastet, so daß sie in j Untersuchungshaft genommen wurden. >

Die Verhandlung vor dem Großen Schös- |

fengerrcht rnMarburg findet am 21. Auü

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