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1 Ubr.

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Schwere Zusammenstöße im Reich

In Mona 12 Tote und 54 Verletzte - Demonstrationsverbot der Reichsregiemng!

ft. Altona, 18. Juli. S« Altona kam es am Sonntag nachmittag za blvti- ge» Zusammenstößen zwischen Station* sozialistea und Kommunisten, die schon zwei Tage zuvor zu einer planmäßige« Störung des Aufmarsches aufgefordert hatten.

Boa Mitgliedern der sogenannte« A«ti- faschistische« Aktion wurde der Aufmarsch der SA.-Leute u«d die ihn begleitenden Polizeibeamten von Dächern, ans Fenster« »ad Ballonen beschossen. Die Polizei er­widerte das Feuer und es wurde« i«sge- famt etwa 50 Schüsse abgegeben.

Die Kommunisten errichtete« Barrila- de«. Es mußten Panzerwagen eingesetzt werden, woran? es zu einer regelrechten Straßenschlacht kam. Sie zum späten Abend wnrden 12 Tote gezählt. 54 zum Teil schwer Verletzte find in die Kranken­häuser eingeliefert worden. Die Ruhe konnte erst am späten Abend wieder her­gestellt werde«.

ft. B e r l i n, 18. Sufi. Am Sonntag ist es auch in Berlin bei Fürsten- walde und in mehreren anderen Gegen­den Deutschlands zu blutigen Zusammen­stößen gekommen. In Ketscherdorf bei Für­stenwalde mußte erneut die Reichs­wehr eingesetzt werden. In Berlin wurde in der Nacht zum Sonntag ein SA. - Mann erschossen. Auch sonst kam es in der Reichshauptstadt wiederholt zu Zusammenstößen. Zwischenfälle und Zusammenstöße ereigneten sich auch in Bochum, Remscheid, Barmen, Gladbach-Rheydt, bei Detmold und Wißmar.

*

Drei Tote. 25 Verletzte in Greifswald.

Greifswald. 17. Juli. Nach einer nationalsozialistischen Ku«dgebu«g kam es zu schwere« Zusammenstößen zwischen Na­tionalsozialisten und Kommunisten, bei de­nen sieben Nationalsozialisten »ad ei« Kommunist mit schweren Berletzunge« ins Krankenhaus gebracht werde« mußte«. Kurze Zeit später wurde« heimkehrende Nationalsozialisten auf der Loitzer Land­straße, die an der Greifswalder Kundge­bung teilgenommen hatten, vo« Kommu­nisten befchofien. 17 SA.-Leute muß­ten mit Schußverletzunge« ins Krankenhaus gebracht werden, zwei davon, der Greifswalder Student Reinhardt nnd der Landwirt Mafiow. find bereits ihren schwere» Verletzungen erle­gen.

fk. Greifswald. 28. Juli. Wie vo« der 9L S. D. A. P. ergänzend zu dem Feuerüberfall der Kommunisten gemeldet wird, hat die SA. drei Tote zu beklagen. 25 SA - und SS.-Leute wurden zum Teil schwer verletzt.

17 Verletzte bei Leipzig.

Leipzig, 18. Juli. In Naunhof ver­suchten wie die Polizei meldet, Natio­nalsozialisten einen Reichsbannerzug zu filmen. Die Reichsbannerleute stürmten darauf das SA.-Heim, worauf die Natio­nalsozialisten schossen. Drei Reichsban- «erleute wurden leicht verletzt. Bei einem späteren Zusammenstoß wurde ebenfalls geschossen. Bier Beteiligte wurden schwer, zehn leicht Derlei

Ueberfall der Kommunisten im Kreise Alsfeld.

Oberofleiden (Kreis Alsfeld). 18. Juli. Am Sonnabend durchzogen SA.- Leute den Ort. Sie wurde« vo« den aus der ganzen Umgebung herbeigeeilte« Kom­munisten überfallen und beschossen. Etwa 40 Schüsse wurden abgegeben. Als die SA.- Leute zum Gegenstoß übergingen, flüchteten Mc Kommunisten. Einer von ihnen flüch­tete in ein Hans und verstecktesichin einen Kleiderschrank. Die National­sozialisten folgten. Der Kommunist schoß

aus dem Kleiderschrank und verletzte de« Sohn des Gärtners Weber aus Alsfeld so schwer, daß mit seinem Ableben gerechnet werden muß. Der Täter wurde durch Messerstiche verletzt und mußte in die Klinik nach Marburg gebracht werden. Bon den National- s o z i a l i st e n sind achtMannschwer verletzt. Der Landjägerei gelang es, die Täter zu verhafte«. Wie weiter z« dem Ueberfall gemeldet wird, war der ver­letzte Kommunist anch a« dem Ueberfall in dieser Woche in Schweinsberg beteiligt.

Reichswehr greift ein

Fürstenwalde a.d.Spree 17. Juli. In der Nacht zum Sonntag wurde auf der Chaussee von Langewahl nach Ketschendorf bei Fürstenwalde ein Lastauto mit Rattonalsozialist en von einer großen Menge Kommuni st en

beschossen. Die Nationalsozialisten sprangen ab, und es entwickelte sich ein Handgemenge,bei dem vierNatiOnal- sozialisten durch Dolchstiche und Schläge verletzt wurden. Ein Kom­munist wurde durch den Schuß eines Schupobeamten verletzt. Die National­sozialisten befanden sich auf dem Wege zu einer großen Kundgebung in Fürstenwalde, aus der der Abgeordnete Gregor Straffer sprechen wird. Die Kommunisten zogen sich nach dem Ueberfall in das Lokal von Tininus in Ketschendorf zurück. Da sich außer dem Landjäger nur wenige kom­mandierte Schupobeamte in Ketschendon befinden und anzunehmen war, daß die Kommunisten, die schwer bewaffnet schie­nen weitere Ueberfälle auf die nach Fürstenwalde fahrenden Nationalsozialisten unternahmen würden, erbat Landrat Dr. Wiskott in Beeskow vom Regierungs­präsidenten in Potsdam den Einsatz eines . Schupokommandos. *

Da jedoch ein rechtzeitiges Eintreffen der Beamten infolge der weiten Ent­fernungen der in Frage kommenden Kommandostellen unmöglich war, wurde im Einvernehmen mit de« Regierungspräfidenten in Potsdam ein Zug der 1. Eskadron des Setter» regiments 9 in Fürstenwalde mit Ma- schinengewehren eingesetzt, de, dvs Lokal in Ketschendorf umstellte »nd bewachte.

Die Landjäger und das Schupokommando durchsuchten dann das Lokal und die sich dort aufhaltenden 140 Kommunisten. Sie fanden bei diesen selbst keine Waffen mehr dagegen wurden im Lokal eine Reihe von Revolvern, Brownings, Ter- zerolen, zahlreiche Dolche, eine große Menge von Gummiknüp­peln, Schlagringen und Stöcken und außerdem ein großer Posten Munition beschlagnahmt. Die Waffen sind von den Kommunisten offen­bar fortgeworfen worden.

Protesttelegramm Hitlers

Königsberg, 17. Juli. Wie hier von der Rationalsoziafiftifchen Partei mtt» geteilt wird, hat Adolf Hitler an den Reichspräsidenten. Reichskanzler. Reichs, innenminister und Reichswehrminister gleichlautende Telegramme gerichtet, in de­nen er behauptet, die Königsberger Poli­zei habe unter Führung eines Polizei­majors den ordnungsmäßigen Vorbei­marsch von SA.- »nd SS.-Kolonnen vor seinem (Hitlers) Wagen wiederholt gestört. Außerktzm seien plötzlich sechs lleberfall- wagen in die Marschkolonnen hineinge- fahren. Hitler bezeichnet diese Vorgänge alsunwiderlegliches Dokument für die unhaltbaren Zustände, in die die öffent­liche Ordnung unter der derzeitigen preu­ßischen Regierung gebracht«' werde und verlangt, daß seitens der Reicksregierung solcher Polizeitaktik ein Ende bereitet werde.

Demonstrationsverbot der Reichsregierung!

Kurz vor Redaktionsschluß geht uns fol­gende Meldung zu:

Berlin, 18. Infi. Wie wir erfahren, hat die Reichsregjernng soeben eine Ber» ordnung erlassen, durch die Sem»«« strationen unter freien Him­mel untersagt werden.

Prinz Isenburg aus der Hast entlaffe«.

Berlin, 16. Juli. Der vor einigen Tagen wegen des Verdachts, sich gegen die Devisennotverordnung vergangen zu haben, verhaftete Prinz Viktor Salvator von Isenburg wurde Samstag nachmittag gegen Kautionshinterlegung tn Höhe von 10 000 auf freien Fuß gesetzt.

Herriot reist heute abend nach Genf.

Paris, 17. Juli. Ministerpräsident Herriot verläßt heute abend um 10 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge Paris, um sich nach Genf zu begeben. Kriegs­minister Paul Boncour und Marinemini­ster Leygues begleiten den Ministerpräsi­denten. Luftschtffahrtsminister Painleve begibt sich im Automobil nach Gens.

Warum das Zaudem?

Die vorletzte Woche des Wahlkampfes, hat begonnen. Wenn man die Todes­opfer aufzählt, die die verflossenen zwet Wochen gefordert haben, so kann man sich einer Beklemmung nicht erwehren: Noch 14 Tage sollen die Straßenkämpfe der letzten Wochen, der Krieg Aller gegen Alle, die planmäßigen Provokationen, die Schüsse aus dem Hinterhalt und die ganze systematisch betriebene Mordhetze anhalten? Dem deutschen Volk ist tn ber Verfassung das Recht gewährleistet, in Ruhe und Ordnung zu leben. Kann dte Staatsgewalt die Leidenschaften der Straße nicht mehr meistern? Dian braucht kein Prophet zu fein, um mit aller Bestimmtheit vorauszusagen, daff die täglichen Schlägereien und, Schieße­reien sich nicht nur in dem bisherigen Matz fortsetzen, sondern womöglich noch eine Steigerung erfahren werden. Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um diesem Guerilla-Krieg ein Ende zu be­reiten, der nicht nur die politischen Let- denschaften bis zur Siedehitze steigert und die ständige Gefahr gewaltsamer Explo­sionen in sich birgt, sondern Deutschland auch in den Augen des Auslandes auf die Stufe eines balkanisierten Staates herabsetzt?

Am Sonnabend haben Reichskanzler und Reichsinnenminister nach ihrer Rück­kehr aus N e u d e ck in einer Sitzung Des Reichskabinetts über die Ergebnisse ihrer Unterredungen mit dem Reichspräsiden­ten berichtet. Die Kabinettsbera­tungen haben über fünf Stun- den gedauert und schon allein dte lange Dauer dieser Sitzung zeigt, daß dte im Vordergrund stehenden politifchen Fragen eingehend behandelt worden sind. Man hat als Ergebnis der Kabinetts­sitzung die beschlossene Osthilse für Bayern, die Arbeitsdienstver- ordnung und die Richtlinien für die deutsche Abrüstungsabord- n u n g bekanntgegeben. Man hat aber nicht erfahren, ob auch entscheidende Be­schlüsse und endgültige Maßnahmen hm- sichtlich der inneren Befriedung erwartet werden können. Dabei steht es eigent­lich schon ziemlich fest, daß in Neudeck dem Reichskabinett sehr weitgehen de Vollmachten erteilt worden sind, die sich in erster Linie auf diese innerpohtt» schen Verhältnisse beziehen und hier wie­derum insbesondere Preußen betreffen dürften. Warum zaudert also die Reichsregierung?

Wenn Severing, der geschästssüh- rende preußische Innenminister, ferne Wähler auffordert, das Kabinett Papen am 31. Juli davonzujagen, so ist das eine Entgleisung, die sich durch keine wähl- taktische Haltung und durch keine inner­politische Gegnerschaft rechtfertigen laßt. Es ist aber auch eine Demagogie, wenn der stellvertretende geschäftsführende Ministerpräsident, der Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, sich hinstellt und breit­spurig erklärt, er werde die Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen nicht zulassen. Vermutlich dürste der Reichs­präsident nicht zuvor die Genehmigung Hirtsiesers einholen, wenn er diese Maß­nahme für notwendig halten wird.

Die Verhältnisie in Preußen drängen aber zur Entscheidung. Es sollte kein Tag mehr gezögert werden.