Nr. 163
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Die deutschen Gemeinden in der Krise
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BRILLEN-BÖHLER
Gemeinschaft und Solidarität zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, dann können die nötigen Reformmaßnahmen schon durchgeführt werden. Die ersten Aufgaben werden immer wieder sein
I unorganisch, cht ist.
Politik zu schwer gesündigt worden, als daß wir uns erlauben dürften, im Höh« punkt der Krise nebeneinander untt gegeneinander zu arbeiten.“
scheidende Augenblick in der Entwicklung der Kommunalfinanzen sei yinausgescho- den. Spätestens in den letzten Herbstmonaten wird das Problem in unverminderter Härte wieder vor uns stehen.
Wetterbericht.
Die über Mitteleuropa befindliche Tief-, dmckzone hat sich bei anhaltendem Luft-, dMckfall werter verstärkt. Feuchtwarme Luftmassen strömen auf einem großen Am-, weg« von Südvsten in unser Gebiet, wäh-, «rend von Westen kühlere Luft auf den Kontinent einbringt. Durch das Zusammen-- sammerrtreffen dieser verschiedenen Luft-- massen kommt es vielfach zu Gewittern, Sie wahrscheinlich sich auch bei uns auSwirken werden.
Witterungsaussichten für Freitag: Lang-- sam fortschveitende Besserung des Wetters wahrscheinlich
Anläßlich der Tagung des Hauptaus- schuffes des badischen Städteverbandes in Mannheim sprach als Vertreter des Deutschen Städtetages, Beigeordneter Dr. Benecke, Berlin, bei einem Prefse- empfang über das obige Thema. Er betonte vor allem die Wichtigkeit der gemeinsamen fragen. Die Dinge müßten mehr in ihrer Gesamtheit ge-
"n werden, Reich, Länder und Gemeinden müssen eine Einheit fein, und wenn sie nicht besteht, muß sie geschaffen werden. Es gibt eine Lokalpolitik, die das Grundsätzliche betrachtet und über den eigenen Etat, über die Stabtgrenjen hinausschaut. Das i ft heute die eigentlich wichtige Lokalpolitik.
Der Redner ging dann auf die schwierige finanzielle Lage der Städte, auf die riesige Belastung durch die Wohlfahrtserwerbslosen ein. Es wäre sicher besser, wenn statt der Milliarden kommunaler Unterstützung, Milliarden für produktive Arbeit ausgegeben würden.
Aber es geht nicht, weil die Gemeinden nicht selbständig gesetzgeberisch handeln können, well fie nur Objekte und Ausführende der Gesetzgebung find.
Man hat inzwischen eingesehen, daß die
In wenigen Monaten wird mau zu einschneidenden Maßnahmen gezwungen sein, der freiwillige Abeltsdienst wird kommen, und er hat sich bereits bewahrt.
Staatsrechtlich bedeutsam ist es, daß in der neuen Notverordnung die Länder vom Reich übergangen wurden, es wurde ihnen ausdrücklich verboten, ihre Finanz- chroierigketten auf Kosten der Städte zu :»fettigen. Es gibt jetzt endlich einen direkten Kantakt zroi- chen Seid) und Gemeinden. Aber wir brauchen mehr. Es ist kein Argument, die Zetten wären zu
5as Mutter UM-Immin
Freitag, dm 15. Just.
-»Leutnant SchragmMer."
Später wurde dann Frl. SchragmiMer m die KriegsnachrrchtenstelVe versetzt, wo ihre erste Aufgabe war, Briefe bei» gikher Soldaten, die Schmugglern abgenom- nten wurden, auf ihren Inhalt zu prüfen und d« für die Seereslettung wichtigen Angaben herauszuziehen und zu verarbeiten. Leutnant Schragmüller erhielt bald von „oben" em Lob für die ausgezeichnete Arbeft, denn man wüßte dort noch nicht, daß der Verfasser eine Frau war.
Der Chef der betrieben Spionage- abteilrmg kommt.
Marburg/Lahn Wettergasse 30 Bahnhofstr. t
Fernruf 248
jetzige R< teuer und
Arbeitsbeschaffung, Organisation und
dieser Sttecke sieht an Geschützen, Unterständen, Munftionslagern usw. Auf dem Tische liegt eine Generalstabskarte, in die alles ver- zeichnet wird....
Die Rednerin schloß mit dem Hinweis, der Vorwurf, daß die deutsche Spionage und die deutsche Spionageabwehr während des Krieges versagt hätten, treffe nicht zu. Im Gegenteil: Der deutsche Aufmarsch im Westen und im Osten konnte ohne jede Störung durchgefühtt werden, ebenso war man genauestens über die Pläne des Gegners unterrichtet. Selbst als die „Dicke Berta" Paris beschoß, konnte man der Heeresleitung innerhalb weniger Tage ftanzösische Photos auf den Tisch legen, aus denen genau die Geschoßwftkung zu ersehen war. Fieberhaft wurde in der Settion F. gearbeitet, 73- stündige Arbeftszeit ohne Schlaf — zuletzt allerdings nur möglich bei starkem Bohnenkaffee und der Zigarette — war kerne Seltenheit.
Die deutsche Propaganda versagt.
Uneingeschränkt gab Frl. Schragmüller allerdings zu. daß die deutsche Propaganda während des Welttrieges versagt hat. Einzig und allein durch die lleberle- genheit der feindlichen Propaganda, die auch Amerika zu unserem Gegner machte, sei der Krieg für uns verloren gegangen, sei die Revolution ins Rollen gekommen, die der französische Generalstab dem ftiegsmü- ben Engländer im Frühjahr 1918 für den Winter in Aussicht stellte. Den deutschen Eenerasitab tteffe hier aber ■ keine Schuld, denn zuguterletzt habe man dieser Stelle alles aufhalsm wollen.
Die Rednerin schloß ihren mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrag mit dem Hinweis, daß die Atten über den Krieg noch lange nicht geschlossen seien. Deutschland sei heute Tummelplatz ausländischer Spionage. Nur durch em starkes Heer mit einer gut organisierten Spionageabtellmrg sei es möglich, Deutschland den Frieden $u erhalten. s—r.
Die Reichsregierung wird die Probleme nur meistern können, wenn sie mit Ländern und Gemeinden zusammenarbeitet, und wenn jede dieser drei Gruppen der deutschen Gebietskörperschaften bei allen Handlungen die Einheit der öffentlichen Wirtschaft voraussetzt und zugrundegeht. Notverordnungen und Maßnahmen eines Teils der Gebtetskör- perfchasten sind meistens eine Halbheit, in den meisten Fällen aber unmittelbar schädlich, wenn sie diese selbstverständliche Voraussetzung staatspolittschen Handelns vernachlässigen. Es ist in den letzten Jahren gegen dieses dringendste Gebot deutscher Finanz- und Wirtschaft»-
fame Finanzierung der Arbeitslosenhilfe.
Bald tonte Frl. Schragmüller auch erfahren, was es bei den Soldaten heißt, wenn der Chef erscheint, denn Major Nikolai, Generalstabschef der deutschen Spionage- abteilung erschien in Brüssel, ließ sich die einzige Dame des Nachrichtendienstes oorstellen — und empfahl ihr nach kurzer Unterredung, nach Hause zu fahren. Schließlich mußte sich aber Major Nikolai doch von den Fähigkeiten der „Mademoiselle Dotteur" überzeugen lasten und nach einer Sorgfältigen Lehrzeit, die Frl. Schragmüller auch in die deutschen Schützengräben fühtte, wurde sie schließlich zum Senionschef der Settion F. m Antwerpen ernannt.
Sektionschef bet SektKm F.
Sier in Antwerpen diente Frl. Schragmüller ihrem Vaterlande bis zum Ende des Krieges. Ihre Aufgabe war es, Spionage gegen Frankreich anzusetzen, um vor allem über die Truppenbewegungen hinter der feindlichen Linie unterrichtet zu sein. Die Spione waren Franzosen oder Belgier, die ihr Vaterland meist des Mammons willen verrieten — wie überhaupt wirkliche Spione, die Erfolg haben wollen, nach Ansicht der Rednerin mir Landesansässige sein können.
Wie hier gearbeitet wurde? Nur ein Beispiel: Dor der „Mademoiselle Docteur" sitzt ein belgischer Spitzel, der als Chauffeur fast täglich mit höheren Offizieren eine be- stimmte Sttecke fahren muß. Er muß die Augen schließen und erzählen, was er auf
für die Derwaltungs- und Finanzreform, für die Reform der Arbeitslosenhilfe und für eine umfassende Behebung der Wttt- fchastsnot fei nach rote vor unbedingt erforderlich.
Som teutWn SümerW
Der offizielle Festmarsch.
Für die großen Bundesfeste des Deutschen Sängerbundes werden jeweils besondere Marschlieder gedichtet und vertont, die bei den offiziellen Veranstaltungen insbesondere bei den großen Festzügen gesungen und gespielt werden. Für das vom 16. bis ?5. Juli in Frankfurt stattfindende 11. Deutsche Sängerbundesfest haben sich zwei Frankfutter, der Schriftsteller Franz F. Gers und der Komponist Max Dillinger zusammengeschlossen, um als offiziellen Festmarsch ein „Deutsches Sängermarsch- Lied" zu schaffen. Das Lied hat folgenden Wortlaut:
Deutsche Sänge tönen
Durch die Stadt am Main; Laßt dem Wahren, Schönen Stolz das Herz uns weih'n. Heil dem Klang der Lieder, Heil dem großen Bund!
Oeierlich schall's wieder n der weiten Rund:
Refr. Reicht Ihr Sangesbrüder Treulich euch die Hand;
Mit uns ziehn die deutschen Liederi Mit uns singt das Deutsche Land!
Deutsche Weisen Hingen Schon beim Frührotschein, Und ein ernstes Singen Braust vom Main zum Rhein. Heil bewährter Treue, Heil dem mächt'gen Chor, Der allzeit aufs neue Führt zum Glanz empor:
Refr. Reicht Ihr Sangesbrüder
Treulich euch die Hand;
Mit uns ziehn die deutschen Lieber^.
Mit uns singt das Deutsche Land!
Dies Lied wird im Festzuge von sämtlichen Kapellen gespielt werden.
Es gibt sa wohl kein Gebiet, um das sich mehr Geheimnisse knüpfen, als das der Spionage. Und so war es eigentlich kaum verwunderlich, daß sich auch um die Person des Sektionschefs der Settion F des geheimen deutschen Nachrichtendienstes ein Kranz von Legenden knüpfte, umsomehr als dieser Ches eine Frau war.
Außerordentlich begrüßenswert ist es mm, dag^Frl. Dr. rer poi. Elsbeth Schragmüller — sie ist nämlich „Mademoiselle Docteur" — gestern im Landgrafenhaus im Auftrag der Juristischen Fachschaft das Wott nahm, um Auskunft über sich selbst und gleichzeitig einen Einblick in die moderne Spionage zu geben.
„Mademoiselle Dottenr."
Am 1. Januar 1915 — so führte Frl. Schragmüller aus — erschienen in Pariser Blättern die ersten Nachrichten von einer „Mademoiselle Docteur", von einer „blonden Sirene", die bald in Brüssel, bald in Antwerpen auftaucht, um ihre Opfer zu betören. Selbstverständlich war diese Frau schön, kokett, gerieben und herzlos, einmal war sie die Tochter eines deutschen Generals, einmal die eines Kunsthändlers. Immer aber verstand sie ihre „Opfer" einzuwickeln und zu fangen. So ging das große Rätselraten um „Mademoiselle Docteur" in der französischen Presse bis ans Kriegsende, dann, nachdem die Presse- zensur gefallen war, nahm sich auch die deutsche Presse dieses Falles an, um im wesentlichen aber den Kranz dieser Legenden nun noch dichter zu siechten. Die „Vossische Zeitung" brachte es sogar fertig, zu berichten, „daß Mademoiselle Docteur nun ihre Laufbahn beendet habe. Durch den Genuß von Morphium und Kokain sei sie glücklich in der Irrenanstalt gelandet." In einem „authentischen" Buch von Berndorf wurde das Leben dieser „Spionin" ausführlich geschildert. bald erschien sie im Kleid der Schwester, der Soldaten, eines Dienstmädchens oder einer Malstudentin. Perücke und Schminttopf waren ihre ständigen Begleiter, sie wechselte also dauernd Farbe und Gestalt.
Frl. Schragmüller wandte sich mit größter Entschiedenheit gegen diese Hintertreppenromantik, gegen diesen Kitsch, der nur dazu beitragen könne, die Gegensätze zwischen den ehemaligen Feind- bundstaaten und uns zu verschärfen und jeden Deutschen, der ins Ausland reist, in den Verruf zu bringen, ein Spion zu Jein. In einem Buch des ehemaligen Chefs des deutschen Nachrichtendienstes, Oberst Nikolai, „Was wir vom Weltkrieg nicht wissen", hat Frl. Schragmüller ihren Standpuntt in dieser Frage niedergelegt.
'Wer fie m Wirklichkeit war.
Als der Krieg ausgebrochen war und die Züge mit unseren Feldgrauen nach Westen und Osten rollten, stand auf einem Berliner Bahnhoz Frl. Dr. rer. pol. Elsbeth Schragmüller aus Westfalen. Sie schleppte wie die vielen anderen Eimer mit Kaffee, um die Soldaten zu stärken. Dabei überlegte sie schon, was sie unternehmen könne, wenn der Aufmarsch der Truppen beendet sei. Sie konnte siießend Englisch und Französisch sprechen dank einer rührigen Großmutter, die auf dem Standpuntt stand, daß ein junges Mädchen nicht genug lernen könne, sie hatte in Freiburg i. B. für die Staatswissenschaft promoviert, arbeitete s. 3t in Berlin in einer wissenschaftlichen Zentralstelle für Dolkswohlsahrt — jetzt aber, wo die Züge unserer Truppen rollten, wollte diese deutsche Frau mit dabei sein bei dem großen Ringen, lieber das „Wie" war sich Frl. Schragmüller noch nicht klar, zunächst stellte fie sich brieflich dem Oberkommando als Meldereiter (!) jur Verfügung. Als die Antwott ausblieb, brachte es Frl. Schragmüller durch zähe Energie sowett, daß fie schließlich vom Oberkommando einen Passierschein für beide Fronten erhielt. Kurz entschlossen dampfte sie, von dem Vater „belächelt' und der Mutter „für verrückt erklärt" an die Westfront ab und kam glücklich nach den größten Schwierigkeften zu dem deutschen Gouverneur von Belgien, Erzellenz von der Eolz-Pafcha.
„Linker Flügelmann."
Hier in Brüssel wurde die junge Dame von dem Adjutanten zunächst an die Schreibmaschine kommandiert, die merkwürdiger Wesse aber nie funftionieren wollte, fie mußte täglich Znm Appell, fiel aber bald unangenehm auf, da die alten Landwehrleute fortgesetzt den Kopf nach ihrem sinken Flügelmann ver- drehten. . Später konnte sie dann im Auftrag der Settion 7 auf dem Place ä la Bourfe bummeln gehen, um zu hören, was hier gesprochen wurde, sie Haff bei Haussuchungen und es gelang ihr schließlich einen belgischen General, der m ihr bte Engländerin sah, der Per Haftung entg egenzuführen.
In diesem Zusammenhang fei auf die
Ausführungen hingewiefen, die Präsident Wetterbeobachtungen aml3.14.iuli Dr- Mülert Jn der neuesten Ausgabe Höchste Temperatur am 13. Juli 25,2 Celsius des „Stadtetag" macht. Er behandelt die | Niedrigste Temperatur letzte Nacht 16.8 Celsius Reichsnotverordnung vom 14. Juni in ihrer Auswirkung auf die Gemeinden: „Der Anfang fei gemacht, die Gemeinden erwarten aber endgültige Lösungen imb solidarisches Handeln. Der ent-
Mademoiselle Docieur
(Eine deutsche Frau tm Weltkrieg
schwer sür Reformexperimente. Die ge5^nchttt!"-^7.05: Kur-
große preußische Verwaltungsreform vor orchesters Bad Orb. — 12 00- Unterbal-
über 100 Jahren wuchs aus der Krisen- tungs-Konzert des Frankfurter Rundfunkzeit heraus und war nur durch sie denk- orchesters. — 13.00: Konzert. — 17.00: Un
bar. Stärken wir das Bewußtsein für I terhalttlngs-Konzett. — 18.25: „Ludwig ■ -- - • -........ 1 Fulda", Vortrag. — 19.10: „Kannst du
Goethe lesen?", Versuch zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Funk und Hörer. — 19.30: Bilder vom Rheingau. — 20.00: „Die Durchgängerm", Lustspiel in . ,, , drei Auszügen. — 21.30: Unterhattungs-
bessere Knozett. — 22.20: Zeitangabe. Wetterbegemein- richt, Tagesnachrichten, Spottbericht. —22.45:
Nacht-Konzert.
Barometerst. reduziert auf N. N.
Temperatur
Relative Luft- w
13. 7.2 Uhr nachm.
13. 7. 9Ubr nachm.
14. 7. 7 Uhr norm.
755.2 mm 75*1 mm
754,7 mm
23.» Teil.
IS,5 Teil.
IS.STesi.
681.
88'/.
99*1»
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