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Nach FeierabenL

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitung

Der Elefant im Leben -er Nn-er

Interessantes von den langlebigen Dickhäutern

Indien und der Elefant sind zwei unnenn­bare Begriffe. Die bedeutende Rolle, die der Elefant im Leben der Inder spielt, wird nur dem, der Indien selbst sieht, ganz klar. 3m Straßenbild der großen Hafenstädte Bom- boy, Kalkutta oder Madras ist der Elefant allerdings eine ebenso große Seltenheit wie im Straßen bild von Berlin oder Leipzig Doch in den vielen kleinen Staaten der in­dischen Fürsten, die sie, wenn auch mit von England stark beschnittener Macht, nach den Bräuchen ihrer Vorfahren weiterregieren, lebt auch der Elefant wie in alter Zeit mit ihnen, für sie und für das Volk.

Den Hindus ist der Elefant heilig. In der Anbetung desGanesha" bezeigen sie dem Elefanten göttliche Verehrung. Dieser Elefan­tengott, ein Sohn Sivas, erfüllt vielseitige Aufgaben. Er gilt als Gott der Gelehrsam­keit und der Weisheit, aber er ist auch der Gott des Handels. Zu Beginn aller Han- delsäbmachungen steht der Name"Ganeshas". In fast allen Läden und Bureaus der Hindus ist sein Bild vorhanden, ja sogar auf die in­nere Tür der Geldschränke ist er zuweilen auf- gemalt.

Es gibt kaum einen Tempel, eine Höhle, eine Kultstätte der Hindus, in der nicht Eanfeha" in irgendeiner Form angebracht ist.

Dargestellt ist der Elefantengott als ein grotesk aussehender, dickbäuchiger Mann mit Elefantenkopf. Meist sieht man ihn mit an- gezogenen Beinen auf einer Lotosblume sitzen, oft auch auf einer Ratte reitend oder eine Rgtte zu seinen Füßen angebracht. Eine der heiligstenGanesha"-Statuen aber, bie in dem berühmten Tempel von Madura in Süd- indien, stellt ihn stehend mit einer mitra- förmigen Kopfbedeckung dar. Zu dieser Sta­tue kommen jährlich Hunderttausende von Pil­gern und verrichten ihre Andacht.

Die Heiligsprechung des Elefanten stammt erst aus der Zeit der Einführung des Hinduis­mus. In den meisten, besonders südindischen Tempeln werden lebende' Elefanten gehalten und angebetet. Die Kostspieligkeit ihrer Er­nährung wird reichlich ausgewogen durch die Opfergaben der Pilger und Besucher, denn diese Elefanten sind zu geschickten Bettlern abgerichtet. Niemand kann ihnen widerstehen, wenn sie ihre kleinen Kunststücke zeigen, und niemand geht weiter, ohne seine Münze in die Oeffnung am Ende des verlangend ausge­streckten Rüssels versenkt zu haben.

Das Halten von Elefanten war früher ein Vorrecht der Fürsten. 3n Hinterindien hatte im alten Königreich Birma der König das alleinige Jagdrecht auf Elefanten, von denen er damals 6000 gezähmte besessen haben soll, mit deren Hilfe er wilde Elefanten fangen ließ Der hochtönende Titel des birmanischen Königs noch um 1800, der mitHerr der Erde und der Luft, Bruder der Sonne'' usw. begann, lautete weiterHerr aller weißen Elefanten und aller Elefanten des Ero- bodens".

Das birmanische Königreich ist längst da­hin, und niemals wird sich wohl jemals wieder erkühnen, sich alsHerr aller Elefanten des Erdbodens'' zu bezeichnen. Aber tn Vorder­indien gehört der Elefant noch heute genau so zum höfischen Fürstenprunk wie in alten Zeiten. Ieder Maharadscha hat seine Elefan­tenställe und Elefantengärten. Bei allen Fest­lichkeiten religiöser und privater Art, bei Prozessionen und Schaustellungen erscheint der modernste Maharadscha, der schon einen gro­ßen Autopark sein eigen nennt, immer noch hoch zu Elefant. Bei solchen Anlässen wer­den die Elefanten mit einer Pracht und einer Kostbarkeit geschmückt, von der der Wend­länder sich kaum eine Vorstellung machen kann. Eine Fülle von Gold und Edelsteinen, schwere, mit echtem Gold gestickte Decken, prächtige Thronsessel aus Gold, aus Silber und ge­schwitztem Elfenbein zieren die Parade-Elefan­ten. Erstaunlich ist es, mit welcher Geduld und Langnrut die grauen Ungeheuer sich das Schmücken und Bemalen gefallen lassen. Sie schreiten mit einer Würde und Ruhe in der von Hunderttausenden umdrängten und um­jubelten Prozession, als wüßten Re genau, welche Rolle sie dabei zu spielen haben.

Elefanten zum Privatvergnügen zu halten, ist wegen der enormen Futtermengen, die jedes dieser riesenhaften Tiere tägllch konsumiert, eine sehr kostspielige Angelegenheit. Außerdem ist mindestens einMahoun' für jeden Elefan­ten nötig, der ihn leitet und ihm die in der Gefangenschaft notwendige sorgfältige Kör­perpflege angedeihen läßt.

So sehr nun auch der Inder in dem Elefan­ten eine Gottheit anbetet und sich seiner zur Schaustellung von Prunk und Würde bedient, so steht er doch nicht an, sich seine gewaWge Kraft dienstbar zu machen. Als Träger von schweren Lasten, als Nettster durch bie Dschungel, als Heiser beim Holzfällen und in den Wäldern, Ä portieren und Stapeln von schweren HatzbÄ- ken in den Sagemühlen wird seine Kraft <ms-

genutzt. Seine Eeschicllichkeit und sein schnel­les Begreifen, um was es sich handelt, und was er zu hm hat, sind so groß, daß man fast mit Ehrfurcht seiner Arbeit zusieht. Man­chen in den Sägemühlen arbeitenden Elefan­ten wird ein Haken auf den Rest eines Stoß­zahnes aufmontiert. Ist der Balken, den das Tier $u transportieren hat, zu schwer, um vom Rüssel getragen zu werden, oder kann es ihn wegen seiner Länge nicht durch die Gänge zwischen den Holzstapeln bugsieren, dann legt der Elefant mit Hilfe seines Rüssels eine Ersenkette um den Balken, hängt die

Schlinge über den Haken alt seinem Zahn und schleift auf diese Art die riesige, unhand­liche Last davon. , .,

Einer besonders liebevollen Pflege bedür­fen die Elefanten, die den Holzfällem in den Dschungeln Trägerdienste leisten und die Wurzeln herauszureiben haben. Wenn irgend möglich, werden sie jeden Tag ins Bad ge­führt. Wie übermütige Knaben kommen diese Kolosse dann zum Fluß getollt. Tapsig, sprin­gen sie im Wasser umher, schlagen Mit den unförmigen Beinsäulen auf die Wasserfläche, bespritzen sich gegenseitig, legen sich dann still

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Hufteflunde am Strand.

nieder und lassen die Strömung über sich wegrieseln. Die Wärter gehen mit ins seichte Wasser, schrubben und waschen die mächtigen Tiere, heben ihre Füße, untersruhen sie nach Dornen, reiben ihnen Rüssel und Ohren und säubern sie unter dem Schwanz. Wie Babys lassen sich die Riesentiere verwöhnen. Sie blinzeln vor Behagen, denn in die rissige Haut der Dickhäuter setzt sich allerhand Un- geziefer, das ihnen Jucken und Unbehagen verursacht. Deshalb sind sie ihrem Wärter dankbar für die Pflege. Andererseits aber sind sie auch sehr empfindlich gegen Quälerei und Hänselei. Wehe dem, der Re mißhandelt! Elefanten sind nachtragend in ihrem Haß. Sie haben ein gutes Gedächtnis und rächen sich oft noch nach langer Seit, wenn es ihnen nicht gelungen war, sich bei Verübung der Quälerei sogleich zu wehren.

Dagegen bewahrt der Elefant seinem Wär­ter und dessen Famüienmitgliedern, die ihn gut behandeln, besonders aber den Kindern, die neben ihm aufwachsen, rührende Liebe und Zuneigung, für die zahlreiche Geschicks ten Zeugnis ablegen. So wird erzähll, daß eines Tages einer der gewaltigsten Elefanten eines Maharadschas in Zentralindien auf dem Wege durch die Stadt plötzlich wild wurde und seinem Wärter, ehe dieser ihn zurückhalten konnte, entlief. Mit lautem Trompetengetön raste er durch die schmalen Straßen der alten Stadt und zerstörte, was ihm in den Weg kam. Kreischend flohen die Menschen. Erne Gruppe auf "ber Straße spielender Kinder baWe sich schreiend in Sicherheit. Doch eins davon, ein zierliches Heines fünfjähriges Mäd­chen erkannte in dem daherkommenden Tiere den Elefanten seines Vaters, den es über alles liebte, und der auch ihm fchr zugetan war. Das Kind rief'den Elefanten an, als er in ihre Nähe kam. Er stutzte, blieb stechen und sah stch mn. Das Kind sprach zu ihm, schott ihn wegen seiner Wildheit um> redete ihm gut zu. wieder verständig zu sein. 'Der Elefant hatte mit gesenktem Kopf zugehort

und ließ sich von dem winzigen braunen Kinde gehorsam zurückführen.

In manchen Familien, die einen Elefanten halten, sieht dieses langlebige Tier oft Ge­nerationen kommen und gehen und vererbt sich vom Vater auf den Sohn.

Sannah Asch.

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Arbeitsteilung im Menenstaat

Interessante Versuche über den Gemeinschafts­sinn bet Bienen. Kein größerer Kraft- einsatz als nötig.

An schönen Sommertagen schwärmt das fleißige Volk der Bienen eifrig durch Gärten und Felder, um aus Blüten und von Blät­tern den begehrten Neftar in die Scheuem zu tragen. Wenigen Menschen, die Gelegenheft haben, die Jnseften bei ihrer Arbeft zu be­obachten, kommt es wohl zum Bewußtsein, daß er in ihnen äußerst interessante Tiere vor sich hat.

Die Honigbiene unterscheidet sich als ein­zige von anderen Jnseften verwandter Art nn sehr auffallender Weise. Setzt man z. B. eine gefangene Wespe oder Hummel unter eine Glaskuppel mft etwas Honig, so wird Re wohl zunächst unruhig umherfliegen, schließ- Kch aber sich doch über die süße Leckerer hermachen. Eine Fliege macht sich aus ihrer unfreiwilligen Haft überhaupt nichts. Eine Biene in gleicher Lage wird dagegen unauf- hörlich bestrebst jein, wieder ins Freie zu gelangen, um in ihren Stock zurückkchten zu können. Sie beachtet den Honig nicht im geringsten und stirbt vethäktnismäßig bald an Erschöpfung. Der Beobachter gewinnt geradezu de» Eindruck, als ob eine geheimnis­volle Stimme ihres Volkes sie Tief'

Diese geheimnisvolle Gemeinschaft der Bienen eines Stockes, ja eines ganzen Bie- Anstandes macht sich bei zahlreichen Gele­genheften bemerkbar. Stößt solch Insekt im Freien auf etwas Neues oder Unerwartetes, so fliegt es in den messten Fällen alsbald zum Stock zurück, als ob es dort mit Seines­gleichen erst beratschlagen müsse, wie das plötzlich aufgetauchte Problem am zweckmä­ßigsten für die Allgemeinheft zu lösen sei. Schwärmen die Angehörigen eines Volkes zur Honig suche aus, so wird die Arbeit nach festbestimmten Grundsätzen geregelt, derart, daß die Honigausbeute in der kleinsten Zeft einen möglichst großen (Ertrag liefert. Man sollte annehmen, daß die Tierchen m ihrer Gier nach dem süßen Stoff sich nach Ver­lassen des Stocks schleunigst auf die nächstge- legenen Blüten stürzen. Dem ist jedoch kei­neswegs so. Auch ein ungeübter Beobachter wird feststellen können, daß die Bimen sich bei der Honigsuche nicht im geringsten gegen- fettig stören oder behindem.

Man fragt sich natürlich, auf welche Weise die klugen Insetten die Frage der zweck­mäßigsten Arbettsteilung mft solchem Erfolge gelöst haben. Don besonderem Interesse sind dabei die Versuche des als ausgezeichneten Bienenkenners bekannten Forschers Bonnier, die, wenn sie auch die Frage nicht zu lösen vermögen, doch sehr wichtiges Material für eine solche Lösung beschafft haben.

Den ersten Versuch legte Bonnier m bett Sommer, in eine Zett, als die Honigausbeute noch gering war. Der Forscher schnitt zehn blühende Zweige einer bestimmten Jasmin- art ab und stellte jeden für sich in einem Gefäß mtt Wasser naße einem Bienenstände auf. Sonstige blühende Pflanzen befanden sich nicht in der Nähe. Die Iasminblüten schieden, da man das Wasser regelmäßig erneuerte und die Enden der Zweige ab- schnitt, mehrere Tage hindurch den begehrten Nettar ab.

Am zweiten Tage entdeckte eine Biene die Blütm, ftoch in eine hinein, besuchte noch zwei weitere und flog dann fort. Zuvor abci war sie gefangen und gezeichnet: man wollte sie gegebenenfalls wiedererkennm. Nach 20 Minuten befanden sich schon fünf Bienen bei dem Jasmin, die gleichfalls verschieden ge­zeichnet wurden. Weitere Bienen stellten sich nicht ein. Eine genaue lleberwachung der fünf ergab, daß vier von ihnen Nettar sogen, die letzte hingegen Blütenstaub holte. Auch am nächsten Tage kamen diese fünf Tiere, aber auch nur diese, regelmäßig zu dem Jas­min. Die Arbettsteilung blieb die gleiche.

Auffallend war das Benehmen anderer Bienen, welche die Blüten bemerften. Sie flogen kurze Zett um die Zweige herum, entfernten sich wieder, kehrten vielleicht noch flüchtig kurz zurück und verschwanden dann endgültig, als wüßten sie, daß bereits ge­nügend Arbeiter mft der Einholung des Nek­tars beschäftigt seien und sie ihre Kräfte an­deren Aufgaben zuwenden könnten.

Nun wurden am Abend 20 frische blühende Iasminzweige aufgestellt. Bereits am an­deren Morgen um 10 Ahr war die Arbeit der fleißigen Jnseften neu geregelt. Denn jetzt erschienen elf Bienen, und zwar immer dieselben. Neun holten Nettar, zwei Staub- mehl. Mtt der Verdoppelung der Blüten- zahk hatte man auch annähernd die doppelte Zahl Arbetter eingesetzt!

Daß Bienen gemeinsam überlegen und nach gemeinsamem Plane handeln, beweist auch folgender Versuch Bonniers. Er llebte Heine Stückchen Draht in einem Bienenkorb fest. Die Tiere wurden bei dem Ausbau ihrer Behausung durch die Fremdkörper behindett, mittjin mußten diese beseitigt werden. Um die Drahtstückchen aus dem Wachs herauszu- ziehen, fehlte den Tierchen die Kraft. Also nagten sie das Wachs ab. bis die Drähte sich lösten und auf den Boden des Korbes fielen. Aber auch dort stötten diese Fremd­körper noch. Man schleppte sie daher vor das Flugloch, dann stellten sich fünf bis sechs Bienen längs des Drahtes in gleichen Ab­ständen auf, packten ihn und ohne das der Beobachter festzustellen vermochte, wer den Befehl gab erhoben sich alle gleichzeftig in die Lust, um das störende Stück Metall draußen fallen zu lassen!

Die geschildetten Beobachtungen eines ernsten Forschers liefern den unwiderleglichen Beweis, daß die Bienen nach gemeinsamem Plane zu handeln wissen. Kann man ihr Verhalten noch mit bloßem Instinkt erklä­ren? Oder gehören sie in der Tat zu den überlegenden, also benfenben Geschöpfen? Beinahe sollte man es annehmen.

Hans Ernst Gehrke.