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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fiir Stadt und Kreis Marburg.

Geheimnisse um ein Geheimabkommen

Lausanner Vertrag mit Vorbehalt? - Amerika gegen Europas Front

Deutschland unbeteiligt

Das Aufbauprogramm

ff. Berlin. 12. Juli. Reichskanzler ». Pape« wird am morgigen Mittwoch nachmittag nach Neudeck fahre«, um dem Reichspräsident über das Ergebnis der Lausanner Konferenz Vortrag zu halte«.

Gegenüber de« in ausländischen Berich­te« ««fgestellten Behauptangen, daß die deutsche Abordnung in Lausanne angeblich an de« Zustandekommen eines Geheimabkommens betei­ligt gewesen sei, und daß dem Reichskanz­ler eine Abschrift dieses Abkommens vor­gelegen habe, wird von zuständiger deut­scher Stelle darauf hingewiesen, daß diese Behauptungen jeder Begründung entbehren. Deutschland hat im Gegen­teil in Lausanne stets a« seine« Stand­punkt festgehalten, sich nicht in eine euro­päische Front gegen Amerika zu drängen lasse«.

Washington und das angebliche Gentlemen Agreement.

Washington, 11. Juli. Die Lau­sanner und Pariser Meldungen, dass trotz aller bisherigen Dementis ein Eentle- men Agreement doch bestehe, erreg­ten hier sehr lebhaften Unwillen und wur­den von einigen Parlamentariern als Be­weis dafür bezeichnet, daß

Europa sich zu einem gigantischen Schwindel auf Kosten Amerikas ge­einigt habe".

Das Newqorker BlattHerald Tri­büne" brachte den vollen Text des gehei­men Agreements und meldet, daß Reichs­kanzler o. P a p e n eine Abschrift erhalten habe, sowie daß er offenbar damit einver­standen sei, daß das Lausanner Abkommen nicht in Kraft trete, ehe sich die amerika­nische Regierung zu entsprechenden Kür­zungen der alliierten Schulden bereit er­klärt habe. Dies rief Bestürzung auch in amtlichen Kreisen hervor, einmal, weil die bisherigen Nachrichten stets betonten, daß die Reichsregierung eine Verbindung von Kriegsschulden und Reparationen strikt ab­lehne. zweitens weil der durch diese Mel­dungen hier hervorgerufene sehr schlechte Eindruck die Möglichkeiten einer wirklichen Zusammenarbeit mit Europa gerade in dem Augenblick gefährdet, in dem man glaubte, durch die Lösung der Reparations­frage endlich freie Bahn für eine Beruhi­gung der Welt zu schaffen und die Revision der Kriegsschulden begonnen zu haben.

Außenminister S t l m s o n beschränkte sich in seinem offiziellen Kommentar auf drei Feststellungen:

1. Die Regierung hat keiue offizielle Kenntnis von dem Gentlemen Agreement.

2. Kein fremder Diplomat hat die Re­gierung diesbezüglich sondiert.

3. Kein Vertreter der amerikanische» Regierung hat an de« Beratungen über das Gentleme« Agreement teilgenommen.

Vom W. T. B. wird hierzu bemerkt: Deutschland hat mit irgendwelchen, etwai­gen Abmachungen zwischen England, Frankreich oder anderen Mächten nicht das Geringste zu tun, es hat vielmehr von vornherein und während der ganzen Dauer der Konferenz aufs entschiedenste abge­

lehnt irgendeine Beziehung zwischen dem Pakt von Lausanne und den interalliier­ten Schulden gegenüber Amerika herzustel­len oder sich in eine Frontbildung irgend­einer Art gegen die Vereinigten Staaten hineinziehen zu lassen. Selbstverständlich hat ein solches Abkommen deshalb auch der deutschen Regierung nicht vorgelegen.

-Berlin, 11. Safi. Wie wir erfahren, ist nun auch Reichsaußenminister Frei­herr von Reurath wieder in Beilin eingetroffen. Er war bekanntlich von Lau­sanne zunächst nach Genf gefahren. Um an der Tagung des Völkerbundsrates teilzu­nehmen. Sie hatte im wesentlichen den 3toecf, daß der Reichsinnenminister den

Reichskanzler und die übrigen Mitglieder des Kabinetts, ine in den letzten Wochen nicht in Berlin waren, über die letzte innenpolitische Entwicklung orientierte.

Die nächste Kabinettssitzung findet mor­gen nachmittag statt, und zwar beginnt damit die Beratung des Aufbau­programms, die hier schon, am Sams­tag angekündigt wurde. Sie wird auch am Mittwoch bis zur Abreise des Kanzlers nach Neudeck fortgeführt und sogleich nach seiner Rückkehr wieder ausgenommen wer­den. ES ist selbstverständlich, dah der Kanzler den Reichspräsidenten neben der Berichterstattung über Lausanne auch be­reits in großen Zügen über diese Pläne der Reichsregierung unterrichten wird. Zn unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß die Arbeiten des Reichskabinetts so gefördert werden können, dah noch im Lause dieses Monats also vor den Wahle« die neue Notverordnung mit dem Aufbauprogramm erlassen wird. Die Hauptvvrlagen sind bereits ausgearbeitet, so daß das Kabinett am morgigen'Diens­tag sofort in die praktische Beratung ein­treten kann. Kommen die Dinge in dieser Art vorwärts, dann werden die Mini­sterien bereits im August an die Durch­führung der neuen Maßnahmen gehen können. Dabei handelt es sich vor allem um drei große Fragenkomplexe:

1. Eine Arbeitsdienstpflicht, die wie sich schon aus dieser Bezeichnung er­gibt, über den Charakter des Freiwilligen Arbeitsdienstes hinausgeht und die sich damit den Auffassungen und Wünschen der Rechten zu diesem Problem stärker nähert.

2. Die Heranziehung und Be­schäftigung der jugendlichen Ar­beitslosen in dem vor einigen Tagen angedeuteten sportlichen Sinne und

3. die Siedlung, für die jetzt das Reichsernährungsministerium federfüh­rend ist.

Aus dem ganzen ergibt sich, daß auch der Rest des Monats für die Reichsregie­rung überaus arbeitsreich werden wird. Im August werden der Kanzler und ein Teil der Minister dann vielleicht für kurze Zeit in Urlaub gehen können, um sich für die Aufgaben vorzubereiten, die nach dem Zusammentritt des neuen Reichstages von August ab an sie herantraten.

Gegen die Schuldenstreichung

fk. Washington, 12. Sufi. Eine im Senat vorgenommene zuverlässige pri­vate Umfrage ergab, dah von den 96 Mit­gliedern des Senats 39 Republikaner und 39 Demokraten gegen eine Strei­chung derKriegsschulden der Al­liierten sind. Bier Senatoren lehnten eine Erklärung ab und 14 waren ab­wesend. Don 282 Repräsentantenhausmit- gliedern erklärten sich 255 gegen eine Äreichung, 149 Mitglieder waren abwe­send. Die Umfrage gibt in klarer Weise die allgemeine Stimmung im Kongreß wie­der, die wegen des Lausanner Ge­heimabkommens um so mehr er­bittert ist. .

Der Führer der Republikaner nn Senat gab folgende bezeichnende Erklärung ab: Sch werde die Kriegsschulden weder strei­chen noch revidieren, gleichgültig welche Versprechungen in Lausanne gemacht oder welches Abkommen getroffen wvrdcn ist. Sch glaube nicht, daß jemals der ameri­kanische Kongreß die alliierten Schulden revidiert oder herabsetzt."

Wo bleibt die Abrüstung?

Deutschlands Abrüstungspolitik am Scheideweg

E e n f, 11. Juli. Der Führer der deut­schen Abordnung, Botschafter Nadolny, hatte am Sonntag eine längere Unterre­dung mit dem englischen Außenminister, Sir John Simon, und anderen Mitglie­dern der englischen Abordnung über die. geplante V e r t a g u n g s e n t s ch 1 i e -> ß u n g, nachdem er den Engländern vor­her eine schriftliche Aufzeichnung über einige Punkte der deutschen Stellungnahme übermittelt hatte.

Man hat nicht, den Eindruck, daß in die­ser Besprechung die Anschauungen einander wesentlich nähergekommen sind. Sir John Simon hat Genf inzwischen verlassen, um nach London zu fahren, und wird erst am Mittwoch oder Donnerstag in Genf zurückerwartet. Paul-Boncour weilt in Paris und wird auch nicht vor Donners­tag zurückkommen. Inzwischen übernimmt der tschechische Außenminister Benes» die Führung der Verhandlungen über den Simonsschen Entschließungsentwurf.

In französischen Kreisen ver­hält man sich zunächst abwartend. Man wünscht eine ähnliche Haltung einzuneh­men wie am Ende der Arbeiten des Dor­bereitungsausschusses. als die Franzosen den scheußlichen Artikel 53 des Abkommen­entwurfs, der Deutschlands Gleichberechti­gung ausschaltet, vorwiegend durch den englischen Vertrkier damals Lord Robert Cecil, durchsetzen ließ. Man ist jeden­falls in denfranzösischenKrei- sen in keiner Weise geneigt, Deutschland in der Frage der Entschließung entgegenzukom- m e n und längere Verhandlungen zu fuh­ren und läßt immer mehr durchblicken, daß man sofort nach der Rückkehr des englischen

Das Wort hat Macdonald

London, 11. Juli. Der ..Daily He- rald" hatte gemeldet, daß außer dem Lau­sanner Abkommen vier Eeheimver- träge abgeschlossen worden seien. Zu den einzelnen vomDaily Herald" erwähnten Geheimabkommen nehmen nunmehr die amtlichen Stellen wie folgt Stellung:

1. Zu dem sogen. Gentleman-Abkommen, demzufolge England. Frankreich und Ita­lien das Lausanner Abkommen erst ratifi­zieren sollen, nachdem eine zufrieden­stellende Einigung mit Amerika über die Kriegsschuldenfrage zustande gekommen ist, wird erklärt, daß Ministerpräsident Mac­donald am Dienstag im Unterhaus hierüber nähere Mitteilungen machen werde. Die Einzelheiten seien etwas ver­wickelt. sodaß der Darlegung Macdonalds nicht vorgegriffen werden könne.

2.Daily Herald" hatte behauptet, daß ein Abkommen zwischen England, Frank-

Außenministers und des französischen Kriegsministers den Entschließungs­entwurf in aller Eile annehmen und noch in dieser Woche die Arbeiten abschlie­ßen wolle.

Hierzu meldet der Sonderberichterstatter der D. A. Z., Dr. Klein:

Fünf Monate Konferenzarbeit die mit einer Vertagung auf viele Monate und mit einer den Mißerfolg verschleiernden Entschließung enden sollen, sowie die Wei­gerung Frankreichs in Lausanne, unsere militärische Gleichberechtigung anzuerken- nen, haben inzwischen den Beweis erbracht, daß wir in Genf nicht einen Schritt weiter­gekommen sind als in den fünf Jahren der Vorbereitungszeit. Es ist kein ZweifeN Wichtige und entscheidende Entschlüsse sind von der deutschen Abordnung zn treffen. Wir befind:« uns an de« kritischen Wendepunkt der gesamte« dnrch Wilson, die deutsche Zustimmung z« dem vierten Punkt und das Versailler Diktat eingelei- teten Abrüstungs- und Bölkerbundspolitik und gleichzeitig an dem kritischen Wende­punkt der deutschen Abrüstungspolitik und damit des Versuchs einer souveränen na­tionalen deutschen Politik überhaupt.

Das ist die Sachlage am Vorabend der Vertagung der Abrüstungskonferenz. Die deutsche Abordnung steht vor einer unge- heuren Verantwortung. Viel kann gut ge­macht, alles kann verdorben werden die Stunde der Entscheidung ist gekommen.

reich und Italien zustande gekommen sei, wonach sich jeder Staat verpflichtete, mit Amerika kein Abkommen abzuschließen, das den Interessen der beiden anderen zuwider­laufe. Die amtlichen Stellen erklären, daß hieran kein wahres Wort sei.

Chamberlain lehnt eine Antwort über das Eeheimabkomme« ab.

fk. London, 12. Su-li. Sm Unterhaus ist es am Montag zu einer Anfrage Churchills über die von einem großen Londoner Blatt gemeldeten Geheimabma­chungen, die zwifchen den Alliierten in Lausanne getroffen sein sollen, gekommen. Schatzkanzler Chamberlain hat fichscharfgegeneine Ausfprache über diesen Plan gewandt, die der englischen Außenpolitik einen schlech­ten Dienst erweilen kann und eine Unter® Haus-Erklärung Macdonalds dazu in Aus­sicht gestellt.