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Anzeiger Mr (das frühere kurhessische) vverhesfen
der amtNchen Bekamrtnrachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Doch wieder ein Kompromiß
Der Vertrag von Lausanne wird heute unterzeichnet - Eine 3 Milliarden-Schlutzzahlung - Die politischen Fragen bleiben offen
2Bon hat <ntf die Lausanner Konferenz, fite Mnmehr nach mehr als drei Wochen span» muigSreicher Derhandwngen zu Ende gegangen ist, schon von vornherein kerne allzu großen Hoffnungen gesetzt. Man glaubte nicht einmal, daß es zu einem positiven Abschluß sondern allenfalls M einer Vertagung der ganzen Tributsrage kommen würde. Wenn nun doch noch ein Ergebnis erzielt worden ist, so wird man in Deutschland alles andere als erfreut darüber sein, da leider auch diesmal eine klare Entscheidung, die völlige Streichung der Tribiate und die Wiederherstellung des Vertrauen, nicht erzielt worden ist, sondern lediglich ein Kompromiß, das noch Anlaß zu heftigen ' Auseinandersetzungen in Deutschland geben wird. Die Konferenz begann mit einem Trommelfeuer politischer Forde
rungen.
Mackem aber der Reichskanzler nicht SchlußfoLgerxiog aus der unversöhnlichen Haltung der Franzosen gezogen hatte, war ein Kompromiß unausbleiblich. Man einigte sich schließlich dahin, daß »beide Seiten- auf ihre politischen Forderungen verachteten, ließ aber die Forderung auf eine Schlußzahlung bestehen. Damit hatte die Grundlage dieser Konferenz eine völlige Verschiebung zu llngunsten Deutschlands erfahren. Die Folge davon ist, daß Deutschland wieder eine Zahlung auf sich nehmen soll, von der heute noch niemand weiß, ob sie jemals wird geleistet werden können, einen neuen Tributplan, der wieder lange Jahre auf uns lasten soll, und der, wenn auch nicht die Phantastischen Mrlliardenziffern des Boung- planes <mfweist, uns auf das schwerste bedrücken und den wirtschaftlichen Wiederaufstieg hemmen wird, umsomehr, da wir sonst an den Lasten unserer bestehenden Ansbindsverschullmng übergenug zu tragen haben.
Die deutsche Abordnung hat während der entscheidenden Verhandlungen in dauernder Verbindung mit Dersin gestanden. Wie es heißt, hat das Berliner Rumpfkabinett der Abordnung in Lausanne völlig freie Hand gegeben. Dennoch aber sollte man sich nicht darüber täuschen, daß das neue Tributkompronriß inner- politisch völlig untragbar ist. Das nationale Deutschland wird es niemals verstehen, daß der Reichskanzler sich m der entscheidenden Stunde dem Dank Frankreichs fügte, auf die Revision der in Frage stehenden Punkte des Versailler Diftats verzichtete und sich trotzdem zur Zahlung eines »Löseaelfis" bereit- erllärte. Diese Haltung muß umso mehr ins Gewicht fallen, als auch von den anderen Abordnungen mit Ausnahme Frankreichs weitgehendft anerkannt worden ist, daß eine Wiederherstellung des Vertrauens und damit eine neue Wirtschaftsbelebung rchne die 'Bereinigung fier politischen Fragen nicht möglich ist. Unfi aus diesem Grunde dürfte auch die Rechte diesem Kompromiß ihre Zustimmung versagen, umsomehr, als es nicht auf eine Augenblickslösung, sondern auf eine Regelung ankommt, die den deutschen Wiederaufbau einleiten soll.
Die Einigung in Lausanne. — Deutschland nimmt nnter Vorbehalt an.
ff. Lausanne, 9. Juli. Das umfangreiche Bertragswerk von Lausanne, das am heutigen Sonnabend früh unterzeichnet werden soll, besteht aus fünf Teilen und zwar dem Reparationsabkommen, iriit Deutschland, den llebergangsmatznah- men. den osteuropäischen Reparationen,
oer iDrrrf epa jn «pen Vnistyneymrg trotu Ost- und Mitteleuropa und der Entschließung über die Vorbereitung der Weltwirt- schafkskonferenz. ,
In einer öffentlichen Vollsitzung hielten Reichskanzler Papen, Herr rot und Chamberlain Reden, in denen die endgültige Lösung der Reparationsfrage und di« Beseitigung des Reparationsproblems gefeiert wurde.
In einer amtlichen deutschen Mitteilung zu dem Ergebnis von Lausanne wird her»
vorgehoben, daß die Begebung der im Abkommen von Lausanne vorgesehene Reichs- aaleihe davon abhängen wich, ob Deutschland im Zeitraum von zwölf Jahren seine »olle Leiftuags. und Tributfähigkeit wie» der erlangt.
Von maßgebender deutscher Seite wird mitgeteilt, daß die deutsche Abordnung sich zur Annahme des Abkommens entschlossen hat, um dem drohenden Moratorium für die privaten Schulden zu entgehen.
Das Ergebnis
Die Auffassung der deutschen Delegation
Lausanne, 8. Juli. In dem deutschen Standpunkt, wie ihn die deutsche Delegation steht, heißt es u.a.:
„Rach wochenlangem harten Ringe« hat Deutschland auf der Lausanner Konferenz sein Ziel, die restlose Beseitigung der Re, parationen, erreicht. Mit dem Abkommen ist mit Wirkung vom 1. Juli 1932 ab die Regierungsschuld au» dem Young-Plan in Höhe von etwa T5 Milliarden Mark gefallen. Das bedeutet die Beseitigung einer auf 57 Jahre sich erstreckenden jährlichen Zahlung, wovon auf di« erst«« 35 Jahr« jährlich rd. zwei Milliarde« entfalle«. Keinerlei Reparationszahlung irgendwelcher Art «ad Form ist ia Zukunft mehr zu leiste».
Deutschland hat die entsprechend dem Hoover-Moratorium übernommene Nachzahlungsverpflichtung bei der Gesamtregelung mit in Ansatz bringen müssen. Diese Verpflichtung wird aber nicht etwa in festen Jahresraten gezahlt, sondern durch besondere Reichsschuldverschreibungen dargestellt, di« nur dann auf ben Markt gebracht werden dürfen, wenn das wirtschaftliche Gleichgewicht
Deutschlands wiederhergestellt ist. Vorerst beginnt weder Zinslauf noch Tilgung auf diese Reichsschuldoerschreibungen. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß, soweit innerhalb einer Frist von 12 Jahren die Begebung auf den ausländischen Märkten nicht gelingt., bet nicht begebene Restbetrag verfällt. '
Der entscheidende Unterschied m»d Fortschritt gegenüber den vorgesehene» Hoover-Zahlungen mit ihrer Ge* fährdung durch den Transfer liegt darin, daß jede Zahlung nur dann in Frage kommt, wenn die deutsche
Kreditlage es gestattet.
Mft der endgültigen Beseitigung der Reparationen ist unsere Unabhängigkeit in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht vollkommen wiederhergestellt.
Kreditpolitisch schafft die Streichung der Reparationen eine neue Grundlage für den deutschen Kredit. Damit ist die wesentlichste Voraussetzung für den Aufschwung der gesamten Wirtschaft gegeben. Politisch bedeutet das Ergebnis der Lausanner Konferenz die Befreiung aus den Fesieln der Reparationen und den Beginn einer neuen Aera zwischen den
Rundfunkrede des Kanzlers
Berlin, 8. Juli. Am Freitag 19 Uhr sprach Reichskanzler von Papen von Lausanne aus im Rundfunk über das Ergebnis der Lausanner Konferenz. Di« Rede wurde über alle deutschen Sender verbreitet. Der Kanzler führte u. a. aus:
Das deutsche Volk hat das Recht, von den verantwortlichen Regierungschefs auf dem schnellsten Wege über das Ergebnis der Lausanner Konferenz unterrichtet zu werden. In dieser historischen Stunde ist für Parieipolitik kein Raum, denn je größer das zu behandelnde Problem ist, umso freier und umso höher muß der Standpunkt sein, von dem aus man an die Lösung einer schweren Aufgabe herantritt.
I« Lausanne geht es um nicht mehr und nicht weniger als »m das Schicksal des deutschen Volkes und mit ihm »« das Schicksal der abendlichen Welt.
Ich habe gearbeitet im besten Bewußtsein eines geschloffenen und starken Willens der deutschen Einheit, in dem Bewußtsein Führer meines Volkes zu fein, das um seine wirtschaftliche und nationale Freiheit einen siegreiche» Kampf zu führen hatte. Ist dieser Kampf erfolgreich gewesen?.
Sie, meine deutschen Landsleute sollen das Urteil fällen, wenn Sie meine Ausführungen gehört haben. Sie sollen ein Urteil fällen, nachdem Sie gehört haben, was wir wollten und was wir erreicht haben.
Der Reichskanzler fkiziierte dann hn einzelnen die Aufgabe, die es zu lösen galt. Die Wiederherstellung des Vertrauens der Welt erforderte die
restlose Beseitigung der Reparationszahlungen.
Darüber hinaus galt es aber auch, einen Weg zu suchen, der das Vertrauen der Völker auch von den Schlacken befreite, die in feinen Folgen sehr schwere und unerträgliche wirtschaftliche Lasten für Deutschland bedeuteten. Schwerste Krisen waren zu bestehen. Oft schien kaum ein Ausweg möglich. Die Folgen eines Scheiterns waren aber so groß und so unübersehbar, daß immer wieder zerriffene Fäden neu geknüpft werden mußten. Die Nichtbereinigung der Reparattonsfrage hätte die Abhängigkeit vom Ausland fortbestehen lassen, die Möglichkeit von Sanktionen offen gelassen und schließlich politische Be
friedung besonders zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich gemacht' Die sich ergebenden inner- und außenpolitischen Schwierigkeiten würden Deutschland in den Abgrund gestoßen, die Schuld des Scheiterns den Ring der Siegermächte wieder um uns geschloffen haben.
Der youngplan ist gefallen. Zahlun- ge« vo» über 33 Milliarden 9MC mit Jahresleistungen mit rund 2 Milliarden beseitigt.
Diese letzte Kraftanstrengung konnte nur dann ihren Sinn und Wert habe», wenn die weiteren Auswirkungen der hier getroffenen Vereinbarungen zu einer Klärung derjenigen politischen Fragen führen, die die Rechte des deutschen Volkes heute noch einengen.
Im Namen Deutschlands melde ich scho« heute erneut den Anspruch vor der ganzen Welt an, als Volk mit gleichen Rechten und mit gleiche« Pflichten in der ganzen Welt behandelt zu werden.
Diese Frage, insbesondere die der Kriegsschuld und die der Wehrfreiheit sind zwischen den Staatsmännern eingehend er. örtert worden. Wenn heute auch noch nicht alle Nationen zg einer Anerkennung unserer Rechte bereit sind, so sind diese die deutsche Ehre betreffenden Fragen nun vor dem Weltforum aufgeworfen. Der neue Zeitabschnitt, der heute für das deutsche Volk beginnt, die nun wieder her- gestellte wirtschaftliche Freiheit und Unabhängigkeit von den anderen Ländern werden es der deutschen Regierung ermöglichen, nun auch d i e politische Freiheit zu erkämpfen. Unser Weg von der heute erreichten wirischafd lichen Liguidierung des Krieges wird und muß zu dem Frieden in Ehren fuhren. Darin weiß sich heute di« deutsche Regierung mit dem gesamten deutsche» Volke einig.
Der neue Vertrag
Lausanne, 8. Juli. Das umfangreiche Bertragswerk von Lausanne besteht -Zunächst aus einer allgemeiueu geschichtlichen Darstellvug der Borgänge, die z«r Einberufung der Konferenz geführt haben. Es gibt sodann die Moratoriumoerklärung der Släubiger- mächte vom 16. Juni wieder.
Das Reparations-Abkommen mit Deutschland beginnt mit einer Präambel, in der die Regierungen von England, Belgien, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Indien, Frankreich, Griechenland, Japan, Portugal, Pole«, Rumänien, Tschechoslowakei, Südslawien und Deutschland feststellen, daß die Rechtsgültigkeit der Haager Abkommen vom 2t. Januar 1930 nicht zur Berhaadlnng stehen, jedoch im Hinblick auf die großen wirtschaftlichen Krise« ««d Schwierigkeiten und vo« de« Wunsche geleitet, da« notwendige Bertranen für die normalen wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen zu sichern, di« uuterzeichneten Mächte folgendes llrbereinkom- men getroffen haben:
Das Tributabkommen mit Deutschland erklärt den vollständigen Abschluß des Reparationssystews.
Die bisherige» Abmachungen und Lerträge über Reparationszahlungen Deutschlands kam. men damit ia Fortfall. Aus diese« Grunde wird da» Solddepot der Reichs-