Mittwoch, denv.tMiiiW
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Anzeiger für (das frühere kurhessrsche) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrq.
Ein 2,6 Milliarden-Kompromiß?
Deutschland grundsätzlich zur Zahlung bereit — Die Franzosen wehren sich gegen die politischen Forderungen
ft. gaefenee, 6. 5eH. Al« Ergeb- Hs von Unterredungen Macdonalds sowohl mit Herriot wie mit den Führern der deutschen Abordnung wurde festgestellt, baß Deutschland und England den sogenannten Laytonbericht als eine gemeinsame Berhandlungsgrundlage ansehen. während Frankreich fich vorläufig hartnäckig zeigt.
Der Laytonbericht sieht eine Endzahlung von 2,6 Milliarden vor, die in Form von Bonds und zwar 1,6 MilliaÄ»e« zu einem Ausgabekurs von 90 vom Hundert und die restliche Milliarde zu einem Kurs von 95 vom Hundert in einem Zeitraum von 10 Jahre« auf den Markt gebracht werde« solle«. 1942 soll der Plan erlösche«. Deutschland hat außerdem eine Reihe »o« Bedingungen gestellt, so Streichung de» Teile» 8 he» Berfailler Vertrages und SondererNäruug über die Kriegsschuldfrage und über die Frage der Sleichberechtigung, das heißt über den Teil 5 bee Versailler Vertrages und schließlich endgültige Abschaffung des P-nag plane». Zur Verhandlung über diese Forderungen hat Herriot Paul Boncour nach Lausanne kommen lassen. Sie verlautet, hat Herriot Verhandlungen auf dieser Grundlage abgelehnt.
Der Layton-Plan.
Der ,Layton-Plan" sieht folgendes vor: Deutschland gibt auf ein den Reparationsgläubigermächten gehörendes Sonderkonto der BIZ.
2,6 MiMarden Reichsmark Reichsbond».
Ls handelt sich um reine Schatzanweisungen des Reiches, die keine besondere Garantie von der Reichsbahn oder anderen deutschen Wirtschastskörpern erhalten. Don diesen 2,6 Milliarden müssen 1,6 Milliarden zu einem Kurs von 90 Proz., 1 Milliarde zu einem Kurs von 95 Proz. auf dem Kapitalmarkt untergebracht sein. Die Auflegung der Anleihe soll beginnen drei Jahre nach Abschluß des Vertrages. Alle Stücke müssen untergebracht sein innerhalb einer Frist von 10 Jahren nach der ersten Auflegung der Anleihe. Was innerhalb dieser Frist nicht untergebracht werden konnte, verfällt. Die Verzinsung beträgt 5 Prozent, die Tilgung 1 Prozent.
liebet Einzelheiten des Vorschlages wird weiter verhandelt. So ist es möglich, daß die zwei Tranchen nicht 1,6 und 1 Milliarde, sondern 1,3 und 1,3 Milliarden betragen. Ferner wird erwogen die Schutzfrist von 3 Jahren ganz in Fortfall kommen zu lassen und den Ausgabekurs von 90 Proz. als ausreichenden Schutz anzusehen. In diesem Falle würde die Frist, .innerhalb deren die ganze Anleihe auf dem Kapitalmarkt untergebracht werden müßte, um drei Jahre näher gerückt, was den Nachteil der früheren Ausgabe eher ausgleichen würde. Der Layton-Plan, der zwar eine höhere Gesamtsumme als der deutsche Vorschlag vorsieht, stellt sich wegen der in der Kursfestsetzung liegenden Sicherung eher als günstiger dar als das, was Herr von Papen am Sonntag der Gegenseite anbot, das ist wohl auch die einhellige Ansicht der gesamten deutschen Delegation geworden.
Die von Deutschland geforderte« politische» Voraussetzungen find «ach wie
wt die völlige Ersetzung de» Teiles 8 des Versailler Diltates einschließlich des berüchtigte« Artikels 231 mit der Kriegsschuldlüge durch das Abkommen.
Eine natürliche Folge der neuen Abmachungen sind weiter die völlige Freistellung der Reichsbahn und Reichsbank von ihren internationalen Bindungen. Es besteht ferner noch die deutsche Forderung nach Beseitigung der einseitigen Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Diktates, obwohl über diesen Punkt seit Tagen nicht mehr verhandelt worden ist.
Eine Erklärung Herriot».
Lausanne, 5. Juli. Nach Informationen aus zuverlässiger französischer Quelle hat Herriot nach seiner Rückkehr von dem letzten Besuch bei Macdonald erklärt, die Summe, um die es fich handele, sei minder entscheidend.
Dagegen müsie er es unbedingt ableh- ne«, über die politischen Bedingungen zu verhandeln, die von deutscher Seite gestellt wnrden.
Es dürfte fich dabei im wesentlichen am Wünsche in Bezug auf die Abrüstungs-
Was geht in Lausanne vor?
Essen, 5. Juli. Unter der lieber* schrist: „WaS geht in Lausanne 6 of?“ veröffentlichen die hiesigen Zeitungen einen Aufruf der vaterländi» schen Vereine zu einem Vortrag, in dem Prof. Dr. Grimm noch einmal mit aller Deutlichkeit und Schärfe auf die Unannehmbarkeit der jetzigen Gläubiger- forderungen in Lausanne Hinweisen wird.
Prof. Dr. Grimm wird, wie ERB. auf Anfrage erfährt, noch einmal aus die Tatsache Hinweisen, die ganz vergeflen worden zu sein scheint, daß wir bereits 11,096 Milliarden RM. mit den Aoung- und Daweszahlungen entrichtet haben, daß diese ungeheure Summe aber nicht aus eigenem gezahlt wurde, sondern daß sie geborgt worden ist.
Diese Tatsache ist im Baseler Bericht vom 23. September 1931 festgestellt worden. Bei einer Verzinsung von 6 Prozent belaufen sich die von Deutschland hierfür allein zu zahlenden Zinsen auf 660 Mil lionen RM. im Jahre, hinzu kommen 85 Millionen RM. Zinsen aus der Dawesanleihe, weitere 65 Millionen RM aus der Votrnganleihe, ferner die amerikanische Schuld von 40 Millionen RM., die belgischen Markfvrderungen mit 25 Millionen RM., so daß wir aus den bisherigen Anleihen allein mit jährlich 875 Millionen RM. Zinsen belastet sind, selbst, wenn die ganze tRefb» schuld gestrichen wird. Der Vortragende wich erneut aufs schärfste unterstreichen.
daß wir unmöglich zu den bestehenden Verpflichtungen neue durch Restzahlungen hinzunehmen können, sondern, daß es unbedingt beim „deutschen Rein" bleiben muß. ,
Berlin, 4.' IM. Die Unsicherhmt und Anklarheit, die um das Angebot des Reichskanzlers Papen an die Gläubigermächte in Lausanne besteht, hat in Berliner politischen Kreisen auch den Montag über ungehalten. Rach Lausanner Berichten haben die übrigen Mitglieder der deutschen Abordnung dem Reichskanzler ihre äußersten Bedenken gegen das Zwei-Milliarden-Angebot zum Ausdruck gebracht, das be- kannllich u. a. die bedingungslose Zahlung dieser Summe vorsah. Offenbar ist Papen von der Erwägung ausgegangen, daß — wie ein Lausanner Berichterstatter hervor* hebt — „bie Ziffer 2 innenpolitisch besser tragbar sei als die Ziffer 4“. Demgegenüber wird aber hervorgehvben, daß selbst der alliierte Vier-Milliarden-Dorschlag Sicherheiten und KaUtelen vorsah, die bei der Aufnahmeunfähigkeit des Marktes den ganzen Vorschlag in feinem praktischen Wert sozusagen illusorisch gemacht hätten. Freilich wären die Belastung und die Zahl doch geblieben ... Der „ß. A.“ hebt hervor, daß das Angebot der deutschen Barzahlung ohne Garantie, die bisher völlig unvorstellbar schien, die Engländer, die immer das deutsche Prinzip gegen Frankreich vertreten haben, außer sich gebracht haben. Macdonald hätte sehr ärgerlich auf das in diesem Angebot liegende Anerkenntnis der deutschen Zahlungsfähigkeit hingewiesen.
frage handeln, da die Fratze des Teiles 8 des Versailler Vertrages einschließlich des Artikels 231 in einem direkten logischen Zusammenhang mit der Endregelung der Reparationen steht.
Der Reichskanzler hat inzwischen Gelegenheit gehabt, aus dem Munde Macdonalds die Auffassung Herriots kennenzulernen, da er mit Macdonald zu abend speist. Gegen eine bewußt scharf gehaltene Auffafiung im französischen Lager scheint allerdings die Tatsache zu sprechen, daß Herriot Paul-Boncour gebeten hat, sofort nach Lausanne zu kommen.
Die französische Prefie für Ablehnung.
fk. Paris, 6. Juli. Die Ablehnung der deutsche Vorschläge in Lausanne durch den französischen Ministerpräsidenten wird von der gesamten Pariser Presse gebilligt. Selbst diejenigen Blätter, die bisher jede scharfe Ablehnung
der deutschen Anträge mißbilligten, stellen sich diesmal geschloffen hinter Herriot und betonen, daß das kategorische Rein, die einzig mögliche Antwort gewesen sei.
Pertinax erklärt im „Echo de Paris" Macdonald habe eine mehr als zweifelhafte Rolle gespielt (!) Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß er das Manöver des Reichskanzlers viel genauer gekannt habe, als er dies zugeben wolle. Pertinax betont, in amtlichen französischen Kreisen sei man der Ansicht, daß die Konferenz den durch die politischen Forderungen Deutschlands aufgetauchjen Schwierigkeiten nicht gewachsen sei. Auch das „Journal" schreibt einen Teil der gegenwärtigen Krise dem englischen Ministerpräsidenten zu. Das Blatt betont, daß die Wiederherstellung der Einheitsfront der Eläubigermächte (!) dringend notwendig sei. Frankreich sei auf
alle Fälle bis an die äußerste Grenze dar Zugeständnisse gegangen (!).
„Petit P a r i s i e n" hebt hervor, daß man oft dem Ziel am nächsten sei, wenn die Lage am verworrensten sei.
Das „Oeuvre" wirft die Frage auf, ob es sich in Lausanne um die Regelung der Reparationsfrage und die Wiederaufrichtung der europäischen Wirtschaft handle, oder um die Ausarbeitung von Parolen für die deutsche Wahlkampane, die die internationalen Verhandlungen durch innerpolitische Wahlbedürfniffe erschwerten. Da man aber an dieser Tatsache nichts ändern könne, werde man notgedrungen die Verhandlungen bis auf bessere Zeiten vertagen müffen. Auch die der Regierung nahestehende „E r e Nou - oelle“ betont, daß Herriot auf die deutschen Forderungen die einzig mögliche Antwort gegeben habe.
von Papen freie 5anb?
Rach Pressemeldungen haben die in Berlin anwesenden Mitglieder der Reichs- regiernng der deutschen Delegation in Lausanne grundsätzlich freieHandfürdie letzten Lausanner Entscheidungen gelassen. Mit tfer Erteilung dieser Vollmacht soll auch der Reichspräsident einverstanden sein. Dabei ist der deutschen Delegation kein „Limit" inbezug auf etwaige Schlußzahlung gesetzt. Selbstverständlich werden sich die deutschen Unterhändler vor der Paraphierung eines Abkommens nochmals mit Berlin besprechen. — Eine amtliche Bestätigung dieser Meldung steht noch ans.
Hente abend Zusammentritt der Reichs» regierung.
Berlin, 5. Juli. In Fortsetzung der heutigen Nachmittagsbesprechungen werden, wie wir erfahren, die in Berlin weilenden Mitglieder des Reichskabinetts heute abend, voraussichtlich um 21 llhr, nochmals zu einer Beratung über den Gang der Lausanner Verhandlungen zusammentreten.
Herriot verschiebt ferne Rückkehr nach Pari»
fk. Paris, 6. Juli. Ministerpräsident Herriot hatte im Laufe des Dienstag eine längere telephonische Unterredung mit dem llnterstaatssekretär im Minister- präfidinm, Marchandeau. Herriot. deffen Rückkehr nach Paris ursprünglich für kommenden Freitag vorgesehen war, erklär! e, daß ihm dieser Zeitpunkt als verfrüht erscheine. Er bat deshalb den llnterstaats- sekretär den Kammerpräsidenten dahin zu verständigen, daß er für die Beratungen des Finanzprogramms den kommenden Montag vorschlage. In politischen Kreisen legt man die Tatsache, daß Herriot nicht mit seiner Rückkehr am Freitag rechnet, dahin aus, daß er die Hoffnung aus eine zufriedenstellende Lösung in Lausanne nicht aufgeben werde. Die Kammer hat sich im übrigen dem Vorschlag des Ministerpräsidenten angeschloffen, und die große öffentliche Aussprache auf Montag nachmittag festgesetzt.
„Gras Zeppelin" über Lausanne.
Lausanne, 5. Juli. Heber dem Hotel Beau Rivage erschien plötzlich während der ernsten Verhandlungen der englischen und deutschen Minister in niedriger Höhe das Luftschiff G..raf Zeppe- lin". Bei klarstem Sommetroetter hoben