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Marburg 0.8M

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Anzeiger Dr (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen fSr Stadt und «reis Marburg.

Vor der Entscheidung

Angebot gegen Angebot - Die Verhandlungen gehen von rund 2 Milliarden aus - Macdonald will Donnerstag abreisen

ff. Lausanne, 5. Sufi. Die Tribut« rerhandlungen am Montag sind ins Stocken geraten und werden erst wieder «n heutigen Dienstag vormittag nach Eintreffen Herriots ausgenommen werden, da die französische Abordnung eine Stellungnahme zu den deutschen Aeutzerungen abge­lehnt hat und auf der Zahlung von 4,2 Milliarden besteht.

Der Schlutzkampf steht im Zeichen ge­fährlicher Zahlungspläne, nach denen eine beschleunigte Regelung etwaiger bedingungsloser deutscher Iahres- zahlungen herbeigesührt werden soll (!)

In der Pariser Presie wird zu dem Fortgang der Lausanner Konferenz be- haazftet, Deutschland hab« den Grundsatz einer Restzahlung anerkannt und unterstrichen, datz Frankreich auf den an Deutschland zum Ausdrwk gebrachten Grundsätzen bestehen müsse.

Der italienische Außenminister Graudi hat an einen französischen Pressevertreter «ine Erklärung abgegeben, in der er for­dert. datz die Lausanner Konferenz nach dem GrundsatzSchwamm darüber!" eine Einigung in der Tributfrage herbei- iuhre.

Sturmlauf der französischen Presse.

ft. Paris, 5. Juli. Die Abreise Herriots hat das Schwergewicht der fran­zösischen Politik wieder nach Lausam« verlegt, roo man tu den nächsten 48 Stunden eine endgültige Lösung erwartet. Die französischen Blätter benutzen die Gelegenheit, um noch ein letztes Mal gegen die deut­schen (Gegenbemerkungen Sturm zu laufen und sie als völlig un­annehmbar hinzu stellen. Aller­dings wird diese unnachgiebige Haltung nicht von der ganzen Presse geteilt. Die der Negierung mehr oder weniger nahe­stehenden Blätter wie dasOeuvre" und dasPettt Journal" zeigen sich im we­sentlichen sehr viel zugänglicher und geben bannt dem Wunsch Ausdruck, datz sich die deutsche und französische Abordnung auf halbem Wege entgegenkommen möchten, um die langwierigen Verhandlungen und die in ihrem Verlauf er$ielten Ergebnisse nicht wieder von grundauf in Frage $u stellen.

Die Rechtspresse mit demEcho de Paris" an der Spitze ist natürlich an­derer Auffasiung.Pertinax" schreibt, die deutschen Gegenbemerkungen beweisen, datz Frankreich bester getan hätte, we­sentlich höhere Forderungen zu stellen und vor allem dem festen Willen auf Bezahlung energischer Ausdruck zu ge­ben. Es fei zum mindesten zu hoffen, datz Herriot diesmal unnachgiebig bleibt. Der Pettt Parisien glaubt, die Äuffastung der führenden Mitglieder wiederzugeben, wenn er betont, datz Herriot die deutschen Gegen­bemerkungen restlos ablehnen werde. Auch der grötztt Teil der englischen Abordnung habe diesen Standpunkt eingenommen. Ebensowenig wie die Rede von einer wei­teren Herabsetzung der Einnahmen sein kann, ebensowenig sei es möglich, eine endgülttge Regelung der Reparattonssrage zu trafen, ohne sich vorher über das Schick­sal der interalliierten Schulden Eewitzheit zu verschaffen.

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Italien an Deutschlands Seite.

Lausanne. 4. Juli. Der italienische Außenminister E r a n d i hat dem Lau­sanner Vertreter desPetit Pa­

risien" eine Erklärung übergeben, in der u. a. folgendes ausgeführt wird:

Die einzig mögliche Lösung, die im Interesse aller liegt, ist nach den drei­wöchentlichen Verhandlungen der Konfe­renz nur die LösungSchwamm darüber" (coup d eponge). Die Lausanner Konfe­renz war nicht einberufen worden, nm zukünftig« Zahlungen zu sichern, die nur die anormale und künstliche Lage der Gegenwart weiter aufrecht erhalten und verschärfen konnten, sondern um die unerläßliche Rückkehr zum Verirauen und die Wiederaufnahme des allgemeinen Han- delsvettehrs zu ermöglichen. Die Mora­toriumserklärung der Lausanner Konfe­renz vom 16. Juni, durch die die Repara- ttons- und Kriegsschuldenzahlungen zwi­schen den europäischen Mächten aufgescho­ben wurden, hat den jetzt einzuschlagenden Weg gezeigt. Dieser Weg mutz jetzt zu Ende gegangen werden.

M« Regelang, die ans der Konferenz gefunden wird, mutz eine endgültige Regelung sein.

Die Annullierung der Zahlung gen mutz sich auf sämtliche europäisch«! Gläubiger- und Schuldnermächte erstrecken. Rur auf diese Weise kann eine allgemeine Regelung vorbereitet werden, auf die in der Moratoriumserklärung vom 16-Junr

hingewiesen wird. Es ist jetzt der Augen­blick gekommen, die Worte des Evangelisten anzuwenden:Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigem."

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Abreise Macdonalds schon am Donnerstag

Lausanne, 4. Juli. Die heutige Vormtttagsfitzung der fünf Gläubiger- mächte, die am 11 llhr begann, dauerte etwa fünfviertel Stunden. Dabei hatten sich die Teilnehmer mit den Ergebnisten der gestrigen Unterhaltung zwischen den deutsche Delegierten und Macdonald aus­einanderzusetzen. in den von Deutsch­land gemachten Vorschläge kri- ttsch behandelt und in einzelnen wesent­lichen Punkte durch deutsche Anregungen variiert worden waren.

Rach Schlutz der Sitzung verlautet, Mac­donald habe erklärt, datz er am Don­nerstag abend unbedingt ab­reisen müsse, um am Freitag vor­mittag wieder in London zu sein. Herriot seinersetts komme, nachdem die Aus­sprache in der Kammer vertagt worden sei, nunmehr wie ursprünglich vorgesehen, bereits Dienstag früh wieder nach Lau­sanne zurück, wo er schon um 9 Uhr vor­mittags eine Besprechung haben werde.

Die Australienflieger gerettet

Halbverhungert im Busch aufgefunden

Sydney, 4. Juli. Rach einem Funkspruch aus Wyndham sind die beiden Flieger Bertram und Klansmann, die seit de« 15. Mai vermißt wurden, van Einge­borenen unweit des Cap Berater lebend anf- gefunden worden. Die beiden Geretteten be­fanden sich in vollkommen erschöpftem Zustande.

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Wie wir aus durchaus zu verlässiger Quelle erfahren, sind Verhandlungen im Gange, die ermöglichen sollen, daß Berttam seinen Australienflug fortsetzen kann und zwar mit der JunkersmaschineAtlantis", die bis auf den einen Schwimmer nicht w ei ter be- schädigt ist.

Bei den Junkerswerken in Dessau ist folgendes Telegramm aus Wyndham (Westaustralien) eingelaufen:

Gesund. Gerettet. Telegramm folgt. Ber­tram, Klausmann, Flugzeug."

Das Telegramm ist das erste Lebens­zeichen der seit dem 14. Mai ds. Js. nach ihrer Landung bei Wyndham verscholle­

nen Fieger Bertram und Klansmann. Die Flieger sind nach einer sechs Wochen lan­gen Jrrwanderung durch die Wildnis bei Kap Bernier, 250 Meilen westlich von Port Dar­win von zwei australischen Buschnegern durch Zufall am 26. Juni aufgefunden worden. Einer der Eingeborenen alarmierte ein von der australischen Regierung nach den Fliegern ausgesandtes Suchkommando, das dann die Absendung eines Motorbootes mit Lebens­mitteln, Kleidung und Medikamenten ver­anlaßte.

Di« beiden Flieger waren bei ihrer Auf­findung derart erschöpft, datz sie nur noch Brot. Brot" ausrufen konnten und dann zusammenkrachen. Ihre Kleider waren bei der Wanderung durch den Busch in Fetzen ge­rissen und nach und nach verlorengegangen. Ihre letzten Wasser- und Etzvorrät« waren be- rrits seit Wochen erschöpft.

Di« ganze Zeit hindurch waren fte in

einem Umkreis von etwa 18 Kilometer um

ihr Flugzeug herumgeirrt.

Wie Klausmann später erzählte, waren beide seit dem 22. Juni bewegungsunfähig. Sie hatten sich hinter einem Steinhaufen nie­dergelegt, um den Tod zu ermatten. Die Flie­ger waren nach der Ueberfliegung der Timor- Seen wegen Benzinmangels zur Lan­dung gezwungen worden. Drei Tage lang suchten sie zunächst nach einer mensch­lichen Ansiedlung. Dann standen sie plötzlich wieder vor ihrem Flugzeug und konnten hier wieder etwas Nahrung zu sich nehmen. Sie montierten dann einen Schwimmer ab und fuhren auf das Wasser hinaus. Nach fünf­tägiger Irrfahrt auf dem Wasser erblickten sie in unmittelbarer Nähe einen Dampfer.

Der Dampfer bemerkte aber die Ver­unglückten nicht. Das Boot wurde wieder an Land getrieben, und die Flieger nahmen ihre trostlose Wanderung wieder auf, bis sie schließlich nach zahlreichen Abenteuern hinter einem Steinhaufen niedersanken. Nach sechs­wöchigem Umherirren wurden sie dann durch die zwei Buschneger im letzten Augenblick gerettet.

Die irmerpolitischen Voraus­setzungen von Lausanne

Während in Lausanne der ScMtzkamPf ausgefochten wird, von dem man allerdings noch nicht sagen kann, ob er mit einem Er­gebnis oder einem Mißerfolg enden wird, hat in Deutschland bereits die Aus- einandersetznng über die möglicher­weise zu erwartende Abkommen über die Tributregelung eingesetzt. Bemerkenswert ist dabei insbesondere, was der frühere Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Kölner Rede gesagt hat.Bleibt die deutsche Delegatton auf der Linie", so er- Körte er,die vorher vorbereitet und fest- gelegt ist, so wird sie die Unterstützung der Zentrumspartei m diesem Puntte auch in Zukunft behalten. Macht man aber tat® tische Ungeschicklichkeiten, oder fühlt man das Bedürfnis, sich vielleicht hier und da interessant zu machen, dann muß ich darauf aufmerksam machen, daß das was kon- zediett wird, aber nicht notwendig ge­wesen sein sollte zu konzedieren, die na- ttonale Rechtsoppositton im neuen Reichs­tag diesmal für sich allein annehmen muß."

Wenn man sich die Haltung der Zen- tvumSpresse gegenüber dem Reichskanzler von Popen und seiner Berhandlungsfüh- tttng in Lausanne vergegenwärtigt, wie sie insbesondere in derKölnischen Bolls - zeittrng" zmn Ausdruck gekommen ist, so weih man, was diese Worte Brünings zu bedeuten haben. Äämlich, daß die Zen- trurnspattei entschlossen ist, den Kanzler und die jetzige Reichsregierung zu stürzen, wenn auch nur im gettngsten von der e i n - mal vorgezeigten Linie der völ­ligen Tributstreichirng abge­wichen wird. Tatsächlich muß damit gerechnet werden, daß im neuen Reichstag das Lausanner Abkommen, vorausgesetzt natürlich, daß es zustande kommt, nicht mit den Stimmen der Linken, wie dies bisher gewesen ist, sondern der Rech­ten wird ratifiziert werden müs­sen. Damit ist die Haltung des Reichs­kanzlers aber auch unzweideutig festgelegt. Irgendein Kompromiß, das dem deutschen Standpuntt nicht entspricht, darf es nicht geben, da sowohl die Rationalsozialisten als auch die Deutschnattonalen jede weitere deutsche Zahlungsverpflichtung als untrag­bar ablehnen.

Wie liegen mm die Dinge in Lausanne? Rach den letzten Meldungen soll Deutsch­land d«n Tributglänbigern eine Zahlung von zwei Milliarden Mark angeboten ha­ben. Diese Zahlung soll nicht durch Eisen- Sahnbonds, sondern dirett aus der Reichs- kasie erfolgen. Man rechnet entweder mit zehn Jahresraten zu 250 Millionen oder 20 Raten za 160 Millionen einschließlich Verzinsung. Mit den Zahlungen soll erst nach einer Schonfrist von drei Jahren be­gonnen werden. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, datz der gesamte Teil VIII des Diktats von Versailles, der die Repara- ttonsverpflichtung enthält, einschlietzlich des Artikels über die KriegsschuMüge feierlich für Rull und nichtig erklärt wird.

Don amtlicher deutscher Seite wird dem­gegenüber erfrört, daß ein formeller deutscher Gegenvorschlag bis­her noch nicht existiere. Bon deut­scher Seite sei ein neuer Plan nicht vor­gelegt worden, sondern man habe nur 51 den bekannten Vorschlägen Stellung ge- »ommen. Tatsächlich aber dürften wohl