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Montag, dkni-Mmr

Kie ,Ob#tb<fptoe Z«ttm,q' et- s«ck>swal wöchrntlich. S3e- Ivasprei« monatl. L Marburg 2.02 AM. au«s»l. Zust«0mig«gebühr, b«t unsren Agenturen 1.93 SM. ,»;Sgl. Anstellungggebühr. Iw* He Post 2.25 SM. FiK etwa durch Streik, Maschtnendefektvder elementare Ereigniffe mKfaffent* Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. S. Aitzervth, Druck der Univ-Buchdruckerei Job. Ang. Hoch, Markt 21/28. Fernsprecher: Rr. 2054n. Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Fmmkfurt «. W. Rr. 5015. Sprech,e« der Redaktion een 10M*

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iDbcrlicITtTdic

Anzeiger für (bas frühere kurhesfrsche) Oberhessen

to. 154 «r.Mrg. Marburg a. Lahn

Der Auzeigenprei« beträgt sttr den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 ®9R Aamilieuanzeigen bei Barzahl. 0.07 SM., amtl. u. aus­wärtig« Anz. 0.10 SM. Sog. kleine Anzeigen nach Epezialtarif.Srund- schrtst: Aolonel. Bei schwierig.Satz, sowie bei Platzbor schrtst 50*/, Auf­schlag. Gammelanzeigen 100% Aufschlag Reklam.-Milltm. 0.40 GM. Grundschrift: Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebübr: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebot« einschl. Porto.60 GM. Belege werden berechnet, ckrfüllimgsort Marburg.

Anzergee der amttrche« Bekanntmachmrge« fSv Stadt und Kreis Marburg.

Fort mit dem Tributsystem!

Deutschland lehnt die französischen Vorschläge ab und stellt die deutschen Forderungen heraus

Die Lausanner Konferenz ist nunmehr tn die Schlußphase eingetreten, nachdem die französischen Forderungen deutscher­seits endgültig abgelehnt worden sind. Wie sahen diese Forderungen aus? In­offiziell hieß es, daß die Summe der deutschen Schlußzahlung vier Mil- liarden betragen sollte, und daß drei Viertel davon im Falle einer Nicht­einigung der Alliierten mit Amerika uoer die Streichung der Kriegsschulden den USA. als Schuldenzahlung angeboten werden, während das resttliche Mertel in die Wiederaufbaukasie ein^r zahlt wer­den sollen. Deutschland hat nun hinter diesen Plan ein deutliches Nein ge­setzt, dafür aber einen Gegenvorschlag in Lausanne unterbreitet, der in seinen Grundlagen an den bekannten Vorschlag vom Dienstag voriger Woche anschließt und erneut eine Revision des Versailler Vertrags fordert. Offiziell ist noch nichts davon bekannt, welche Summe die deutsche Delegation vorgeschlagen hat oder für diskutabel hält. In der Presie wird der Betrag von 2,3 Milliarden ge­nannt

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ft. Lausanne. 4. Juli. Der deutschen Wardnuug wurde am Sonntag vormittag der Vorschlag der Glaubigermächte über­reicht, der die bekannt« Forderung auf Aushändigung von Bonds im Betrage von 4,2 Milliarden Goldmark ufto. vorfieht. Von deutscher Seite ist den GSubigermSch- ten mitgetcilt worden, daß der Vorschlag für Deutschland nicht annehmbar sei. Es wird sowohl die Verbindung der Tribut, ftoy mit der Schuldenfrage, wie die Ab- schlußzahluug in dieser enormen Höhe ab­gelehnt. Daraufhin hat Macdonald neue Bermittlungsverhaadlungeu eingeleitet.

Die Gegensätze auf der Konferenz haben sich energisch zngespitzt. Deutschland fordert nach wie vor eine restlose Beseitigang des Tributsystems. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Eine französische Meldung, wo, nach Deutschland angeblich eine Jahreszah, lung von 160 Millionen angeboten habe, wird entschiede« dementiert.

Lausanne, 3. Juli. Der Sonntag ist von den Konferenzteilnehmern nicht, wie üblich zu Bergausflügen, sondern zu un­unterbrochenen Verhandlungen benutzt worden. Den ganzen Dag fanden teils in Gestalt interner Delegationsbera­tungen, teils in Besprechungen innerhalb der fünf Gläubigermächte oder in Unter­redungen mit den deutschen Ministern ein­gehende Verhandlungen statt. Am Rach» mittag begaben sich der Reichskanzler, der Reichsaußen» und der ReichSfinanzminister zu Macdonald. Die Besprechungen fan­den so schnell hintereinander statt, daß die einzelnen Phasen der Verhandlungen sehr schwer festzuhalten sind. Vorläufig werden die Besprechungen nur zwischen Macdonald Und Schatzkanzler Chamberlain mit den deutschen Vertretern geführt. Eine ge­meinsame Sitzung mit den fünf Gläubiger- Mächten soll erst stattftnden, wenn eine ge­wisse gemeinsame VerhandlungSgrUndlage gesunden ist. Die grundsätzlichen Gegen­sätze bestehen weiter fort. Die deutschen Vertreter haben in den Sonntags» besprechungen immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß der Vorschlag der Gläubiger- Mächte so, wie er jetzt vorgelegt werde, nicht annehmbar lei.

Ste HAAPttzegensEtz« Braten fol­gendermaßen zusammengefaht werden:

1. Die deutsche Abordnung lehnt die vorgeschlagene Abschlußza h- Ittng von 4,2 Mlllrarden AM. ocks Un­tragbar ab.

2. Die deutsche Abordnung lehnt jeden Versuch, Deutschland in die Front der europäischen Schuldnermächte gegenüber der Vereinigten Staaten ein­zureihen, ab und ist nicht in der Lage, irgendeine noch so lose Bindung in dieser Richtung einzugehen.

3. Die Bedingungen für die Ausgabe der Bonds der deutschen Regierung, die nach dem dreijährigen voll­ständigen Moratorium von deutscher Seite als endgültige Abschlußzahlung für die Tribute ausgegeben werden sollen, werden auf deutscher Seite nicht als annehmbar angesehen.

4. Eine GesamtregelUng der Tributfrage muß nach deutscher Auf­fassung zu einer endgültigen Beseitigung des gesamtes Teiles VIII des Versailler Vertrages und daher auch des berüchtigten Artikels 231 (Kriegsschuldlüge) führen.

Auf deutscher Seite werden aussichts­reiche Dechandlungen über die Gesamt­regelung der Dributfrage nur dann als denkbar angesehen, wenn in die­sen vier Punkten den deutschen gürndsätz- lichen Forderungen in vollem Maße ent­sprochen wird.

Der englische Ministerpräsi­dent soll sich in den SonntagS-llnterre- dungen den deutschen Wünschen keineswegs verschlossen haben. Gleich nach der Rach» mittagSunterredung zwischen den deutschen und den englischen Ministern fand eine Sitzung der fünf Gläubigermächte statt. Die italienische Regierunghat sich dem Gläubigeworschlag Nur mit dem Be­merken angeschlossen, daß sie sich bei der iBeratung der einzelnen Punkte volle Handlungsfreiheit vorbehäll und ihren grundsätzlichen Standpunkt auf eine voll­ständige und endgültige Regelung der Tri­butfrage im Sinne der bekannten Erklä­rungen Mussolinis aufrechterhült. Die deutscheAuffassung, daß jede Ver­bindung zwischen den interalliierten Schul­den und der Tributregelung nicht nur für Deutschland unannehmbar sei, sondern auch

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Französische Kabinettskrise

Herriots Rückkehr nach Lausanne verzögert

fl. Paris, 4. Juli. Im Finanzaus- l schuß der Kammer find an dem Haushalts­plan erhebliche Abstriche vorgenommea worden, sodaß die Stellung des Kabinetts Herriot als erschüttert gilt. Am heutigen Montag findet ein Kabinettsrat über die kriüsche Lage des Kabinetts statt, die in­folge der franzöfische« Finamzschwierigkei- ten eutstande« ist.

Herriots Rückkehr «ach Lausanne verzögert?

fk. Paris, 4. Juli. Die Rückkehr des französischen Ministerpräsidenten nach Lausanne die ursprünglich auf Dienstag feftgelegt war, ist durch die i n n e r p o l i - tischen Schwierigkeiten, denen sich die Regierung infolge der ablehnenden Haltung des Finanzausschusses gegenüber dem Finanzprogramm gegenüber sieht, fraglich geworden. Die Beratung dieses

Programms sollte ursprünglich am heuti­gen Montag nachmittag in der Kammer stattfinden. Trotzdem wäre es jedoch not­wendig gewesen, daß der Bericht des Ee- neralberichterstatters 24 Stunden vorher, das heißt am Montag morgen, imJour­nal Officiell" erscheine. Dies war jedoch infolge der Einstellung des Finanzaus­schusses weder am Sonntag noch am Mon­tag der Fall. Im günstigen Fall würde er auch erst am Dienstag erscheinen, nach­dem die Regierung zu den vom Finanz­ausschuß eingebrachten Aenderungen Stel­lung genommen hat. Die Beratungen kön­nen daher frühestens am Mittwoch nach­mittag stattfinden. Ob Ministerpräsident Herriot bis dahin in Paris bleibt, oder inzwischen nach Lausanne zurückkehrt, steht noch nicht fest. Er selbst hat noch keinen Entschluß gefaßt, sondern erklärte am Sonntag, daß er angesichts der innerpoliti- schen Schwierigkeiten keinerlei Voraus­sagen machen könne.

Die österreichische Anleche abgeschlossen Nochmaliges Anschlußoerbot?

Lausanne, 2. Juli. In der österrei­chischen Anleihefrage fand heute nachmit­tag die Schlußsitzung in Lausanne statt, wobei alle Punkte der vorbereitenden Ar­beiten erledigt wurden. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß ist heute von hier abgereist. Wie verlautet, findet bereits am Montag die Sitzung des Gen­fer Kreditausschusies statt, in der über die Durchführung der Anleihe verhandelt wer­den wird.

Zu dem Abschluß der österreichischen An­leiheverhandlungen erfährt man noch, daß die Verteilung der vorgesehenen Anleihe­summe von 300 Millionen Schilling fol­gendermaßen gedacht ist:

England, bereits zugesagt: 100 Millio­nen^ Frankreich, vorbehaltlich der Zustim­

mung der Kammer: 100 Millionen, Ita­lien: 30 Millionen, die Schweiz, Holland, Belgien und Deutschland mit noch nicht ganz feststehenden Ziffern, ferner eine grundsätzliche Zusage Spaniens und vor­aussichtlich auch Schwedens.

Bezüglich der Sicherungen hat sich eben­falls nichts wesentliches geändert. Die for» mell erforderliche Zuffimmung des Völker­bundsrates dürfte noch in dieser Woche er­folgen.

Die Präambel des Anleiheprogramms enthält «ach Pressemeldungen eine Klausel, i« der die Aufrechterhaltung der früheren Abmachungen, vor allem des Genfer Pro, *. tokolls von 1922, betont wird, in welchem I Oesterreich der Anschluß untersagt wird.

nicht im Interest« einer baldigen End» lösung der gesamten politischen Schulden» frage liege, findet jetzt starke Anterslüt» zung in allen ausländischen Finanzkreisen. Wie verlautet, sollen die Gläubigermächte in den letzten Tagen daraus aufmerksam gemacht worden sein, daß die amerikanische Regiemng Und di« amerikanische Oestent» lichkeit eine Verbindung der interalliierten Schuldenfrage mit der Reparationssrage lediglich als den Versuch eines Drucks auf das amerikanische Volk ausfassen würden, und daß damit die gegenteilige Wirkung erzielt würde. Rur eine sofortige und un­abhängige Regelung der deutschen Re» paratim^frage könne die öffentliche Mei­nung der Vereinigten Staaten dazu bestim­men, nunmchr auch von amerikanischer Seite aus in die endgültige Regelung der interalliierten Schuldenfrage einzutreren.

«Reuet Gläubigerpla«?

Die Gläubigerseite scheint im Verlauf der Verhandlungen darauf verzichtet zu haben, die während des Hoover-Morato­riums gestundeten deutschen Reparations­zahlungen in Höhe von fast zwei Milliar­den Eoldmark außerhalb ihres Vorschlags zu behandeln. Sie hat sich dazu bereitge­funden, diese Summe in die von ihr in Vorschlag gebrachte Gesamtsumme von, 4 2 Milliarden einzubeziehen, so daß außer­halb dieser Regelung verbleiben würden:

Der Dienst für die: '

Dawes-Anleihe mit 85 Mill.

Young-Anleihe mit . 65 Mill,

amerikanischen mixed Claims mit 40 JJall. belgischen Markabkommen mit 25 Mill.

mit zusammen: 215 Mill.

Der Eläubigerplan sieht vor, die an die BIZ. als Treuhänder zur Tilgung der 4 2 Milliarden Mark zu begebenden Schuld­verschreibungen erst nach Ablauf von drer Jahren auf die Kapitalmärkte zu bringen, und zwar, wenn die Kreditlage die Aus­gabe der Schuldverschreibungen zu 90 Pro­zent bei Sprozentiger Verzinsung und 1 Prozent Amortisation erlaubt. Der Erlös aus diesen Schuldverschreibungen soll auf ein Spezialkonto bei der BIZ., ernbezahlt werden, das nach deutscher Auffassung als Gemeinschafts-Fonds zum Wiederaufbau Europas dienen soll.

De« Präsident der B. 3. Z. in Lausanne eingetroffen.

Lausanne, 3. Juli. Im Zusammen­hang mit der Formulierung bestimmter Vorschläge von der Gegenseite, deren Ver­wirklichung eine Mitwirkung der V I. Z. notwendig machen würde, ist gestern abend der Präsident des Verwaltungsrats der B I. Z. M a c G a r r a h, auf Einladung Macdonalds in Lausanne eingetroffen. Er hat mit dem britischen Premierminister heute eine Besprechung gehabt.

Kabinettsrat in Paris.

fk. Paris. 4. Juli. Der Inhalt der Unterredung der deutschen Abordnung in Lausanne mit Macdonald wurden am Sonntag nachmittag Herriot telephonisch übermittelt. Die franzöfische Regierung wird vorausfichtlich im Verlaufe des am heutigen Montag vormittag stattiindenden Ministerrates dazu Stellung nehmen, so­daß Finanzminister Germain Mar­ti n dem englischen Mniisterpräsidenten tm Laufe des Nachmittags die Aufsagung der französischen Regierung unterbreiten kann.

DasEcho de Paris" betont, daß die kommenden Verhandlungen voraussichtlich sehr schwer sein werden, da es Frankreich dabei nicht nur mit Deutschland, sondern