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Nr. 152

OterlfcfiiWe Settimg, Mardmcs «. L. Frettaa, bat 1. ZV» 1933

Sette 3

Nom erwachenden Danzig

LinienschiffSchlesien" / Irrlichter über bewegte« Wassern

Bon Detlev Eieveki»,. »3t.<ra Berd derSteeb«"

Das war ein sonniges Erlebnis? Und doch fing es ein wenig trübe an. Bon Swine- münde nach Pillau führt der bequemste Weg aus dem Reich nach unserem Ostpreußen, aber er ist nicht immer der ruhigste, auch wenn sich hier keine korridorfanatischen Polen ein­mischen. Die beiden Motorschnellschiffe des Seedienstes Ostpreußen, die uns schlimmsten- falls gegen alle Warschauer Schikanenoer­suche sicherstellen könnten, müssen sich schon zuweilen gefallen lassen, von den gefürchteten kurzen Ostseewellen geschaukelt zu werden. Mit umso gröberem Eifer höre ich vom Kapitän derPreußen" eine gründliche Belehrung über die zuverlässigen Schutzwirkungen des neuen Mittels gegen die Seekrankheit.

Inzwischen stampft diePreußen" ihren Weg. Und dienstbare Geister schleppen Legio­nen von Wassereimern hierhin und dorthin, wo jene den Tribut an die Zweigstelle Nep­tuns in der Ostsee entrichten. die ihn nicht vorher an die chemische Industrie unseres Lan­des abgeführt haben. Nebenbei: Wird sie Neptun zu ihrem Schutzherrn erheben?

Dienstbereite elettrische Funken vermitteln uns die neuesten Wetternachrichten. Keine freundlichen. Die See sei bewegt, heißt es in den Drahtneuigkeiten. Das wußten wir schon: denn sie wiegt uns mit grimmigen Armen. Später... ja später werde sie grob", heißt es weiter. Da herrschte denn ein gemessener Ton auch auf'der Kommando­brücke. Selbst die lange Sommermrcht, die um diese Iahreszeit hier oben meist in der Dämmerung hängen bleibt, verfinsterte sich unter tiefliegenden düsteren Wolken.

Wer treibt sich denn da noch herum?" äugte der Wachhabende durch sein starkes Glas in die unendliche, von der Nacht fast ver­schlungene Wasserwelt voraus. Es ist nicht herauszubekommen. Wir werden das Ge­heimnis bald lüften: denn wir sind ja das flinkeste Schift auf dieser Fahrstraße und ren­nen alles in Grund und Boden, was uns in den Weg kommt. Stolz werden wir auch an den beiden Schiffen oder ist es doch nur eines? vorbeikommen, die allerdings weit voraus auf den hohen Wellen tanzen.

Wir sputen uns. Sonderbar. Diese bei­den Lichter bleiben immer in der gleichen Entfernung. Wir gewinnen trotz voller Fahtt keinen Meter gegen sie. Was das wohl sein mag? Sind das überhaupt Schiffe, oder sind es Irrlichter? Stundenlang wartete auch ich gespannt auf die Lösung dieser Frage. Vergeblich. Hundemüde schwantte ich in die Kabine. Außenbord. Schiele durch das Bullauge. 'Immer noch blitzen die sonder­baren Lichter in unendlich erscheinender Ferne etwas seitlich weit, sehr weit voraus. Ich träume unter ihrem Eindruck eine schaurige Seegeschichte zusammen und bin im Hinüber- dämmern aus dem Bewußtsein in das süße Reich des Allesvergessens einige Male dicht bei dem Entschluß, nachzuschauen, wer denn den dummen Scherz macht, immer wieder von draußen an bas Bullauge zu pochen. Mit Mühe rede ich mir die Beruhigung ein, daß es die hochgehenden Wogen sind und . . .

Ms ich die Augen wieder öffne, ist es tag­hell. Die Uhr behauptet tickend, es sei noch nicht ganz sechs Uhr morgens. Schwarze Schat­ten treten m das Rund des Bullauges. Da springe ich auch schon in die Beinkleider. Das muß ich mir genauer ansehen. Tor­pedoboote! Flink auf die Brücke. Nun lie­gen sie schon etwas zurück, die schwarzen Ge­sellen. Deutsche Torpedoboote. 90 und 110. Das waren die Nachtgespenster. Wohin geht ihre Fahrt? Unwillkürlich wandert das Auge voraus. Dort liegt em wuchtiges Etwas. Ietzt verschleiert von einer Regenböe. Aber dann taucht es wieder auf. Gewachsen. Und bald kann man sich die Wahrheit zusammen reimen. Die beiden Torpedoboote streben jenem Etwas zu. Und das wird das Linien­schiffSchlesien" fein.

Da müssen wir hin!" Der das sagt: ist der Kapitän.Erst lege ich in Zoppot an, aber dann fahren wir ganz dicht heran. Die Umrisse am Horizont dorthinten sind Danzig. Da macht das deutsche Geschwader seinen Be­such Hoffentlich kommen wir noch rechtzeitig 'ran!"

Spannung und Freude auf unserem Schiff trotz des Seegangs, als es Gewißheit wird, daß wir die Begegnung mtt dem verankerten Kriegsschiff sicher erleben werden. Die Tor­pedoboote haben wieder hohe Fahrt gemacht und sind rasch an das Linienschiff herange- gangen. schaukeln unter den wuchtigen Ge­schützrohren wie junge Enten unter der Hut des scharfen Schnabels ihrer Mutter. Als wir herankommen, sehen wir, daß die Tor- pedoboote doch noch zweihundert bis dreihun- d«t Meter von derSchlesien'' abliegen. Sie bekommen unser erstes Hurrah! Kräftig und froh gegeben von rund hundert Jugend­lichen, die in Ostpreußen wandern wollen, und ebensoviel Men.

Und dann kommt der große Augenblick, in dem nur zum Greifen dicht an das Linienschfff Herangehen.Wir werden einen ganzen Kreis herumzahren", verspricht der Kapitän. Wie vergnügt sind sie auf dem Linienschiff, als sie unsere Absicht merken! Auf allen Decks, von allen Panzertürmen bis in die höchsten Spitzen der Gefechtsmaste hinauf winken sie mit ihren weißen Galamützen. In luftiger Höhe baut sich die Schiffskapelle auf. Admiral F »erster bringt uns einen musikalischen Morgengruß, «inen flotten, lustigen, schwingenden Marsch. Scharfer Wind reißt unsere Hurrahs vom Munde weg. Aber wir schwenken die Mützen, winken mit den Armen, und ein Widerhall

von der Schiffswand zeigt uns, daß unser Hurrah doch angenommen ist.

Immer wieder treibt uns die hochgehende See ab. Und doch runden wir unseren Kreis. Plötzlich in Begleitung: Aus Danzig konimen große und lleine Schiffe mit bunten Wim­peln durch das Grau des Morgens und eines sich immer wieder verdichtenden Regenschauers. Ganz Danzig scheint nicht auf den Beinen, aber auf dem Wasser zu sein. Das Grüßen

und Begrüßen nimmt kein Ende. Niemand dentt an Wind und Wetter. Mle wärmt ihr heißes Herz, das für Deutschland und die Deutschen schlätzt. Viele hundert auf dem Kriegsschiff: viele hundert in kleinen und großen Schiffen rings auf dem schäumenden Meer. Menschen, die sich nicht kennen, und die doch begeisterte Freude durchdringt, wie sie sich hier, in der Danziger Bucht bekennen dür­fen zu ihrer aller heißesten Liebe: Deutschland!

Luftschutzübunven nun auch in -er Reichshauptsta-t

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(Ent interessantes Bild von der Luftschutzübung auf dem Gelände der Berliner Technischen Hoch­schule, bei der Feuerwehrleute. Polizeikräfte. Sanitäter und Studenten der Hochschule Mitwirken.

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Das -euische Reichsehnnmal

Eine Aufgabe für den freiwilligen Arbeits­dienst.

Auf der Tagung des Rekchsverbandes akademischer Kriegsteilnehmer in Helm» stedt sprach ReichSkilnfttvart Dr. RedS» lvb über das deutsche Reichsehrenmal. Gr wies auf die Entstehungsgeschichte des Gedankens der Errichtung eines Ehren« mals hin und schilderte die Idee des Un­bekannten Soldaten. Diese Idee sei eine deutsche, und sei Alterst nach den Befrei­ungskriegen aufgetaucht. Sie habe jedtxh im Ausland zuerst ihre Verwirklichung gefunden. Nach der Erläuterung der Eründe, die zur Wahl des Ortes Bad Berka geführt hätten, unterzog der Red­ner die Frage der künftigen Gestaltung einer eingehenden Prüfung. Zwei Ge­danken wurden dabei besonders hervor­geh oben. Die Gräber der deutschen Ge­fallenen lägen außerhalb der deutschen i

Grenzen, deshalb brauche man km Kerzen Deutschlands eine Stelle, die man ihnen weihe. Roch nie habe eine so große heilige Idee die Kämpfenden verbunden, wie im Weltkriege. Das Reichsehrennral müsse als Symbol für diese, alle Deutschen um­schließende Idee gebaut werden. Sie solle ihren Ausdruck finden in einem Hain. Dem Sinne des Opfertvdes enffpreche es fer­ner, wenn das Ehrenmal nicht etwa als ein großes und prunkvolles Denkmal, aks trotziges Siegesdenkmal errichtet werde. Der wahre Wert des künftigen Reichs­ehrenmals werde erst dadurch geschafft», daß die noch lebenden Kameraden im Wege des freiwilligen Arbeits­dienstes des Ehrenmal errichten sollten. Das solle die erste Aufgabe eines Au schaffenden Arbeitsdienstes sein. Finde die im Kriege erprobte Kameradschaft so ein Symbol, so werde das Ehrenmal Au- gleich das Ehrenmal des deutschen Volkes sein.

SomimrnmWlrmm

Emmyluise Grotesend.

In den Fenstern der Stadt Marburg spiegelf sich die langsam sinkende Sonne. 3m Schloßgarten schickt ein Springbrünnchen dün­nen Strahl in die Höhe und sehen die Mehl­beersträucher zerzaust aus, denn auf der Bank in der Mauerbuchtung spielen Rinder Kauf­laden mit den abgerupften Früchten. Von der niedrigen, breiten Mauer schaut man über die Stadtgrenze und den alten Friedhof auf die schattige Philosophie, den Heckenweg, der unterhalb der Stadt just breit genug ist, daß der Student seine Coeurdame und der Pro­fessor feine Gedankenwelt dort spazieren führt. Ienseits der Philosophie gibt es Gärten, einen am andern, einen hinter dem andern. Dann steht mitten zwischen ihnen die rote Back­steinkaserne, das sichtbare Zeichen, daß wir preußisch" geworden sind.

Vom Schloß herunter kommt der Direktor mit dem Sammtkäppchen auf dem weißen Haar: er geht langsamen Schritts seiner Wohnung entgegen und hält rechts und links em Enkelkind an der Hand. Da liegt der viereckige Feuerteich auf dem Schloßhof. ein­gegittert und grün verschlammt. 3m Brun­nenhäuschen plätscherfs, weil die Mägde Wasser holen, um die Bornstangen zu fül­len. Das ist ein ausgiebiges Geschäft, bei dem junge Burschen gern Hilfsstellung leisten, denn jede dralle Dirn hat ihrenKusäng".

Ehe die Sonne vollends versinkt, geht's über den Sandweg, rechts an der Direktvr- wohnung vorbei zum Feldgarten, einen schräg aufwärts führenden Heckenweg entlang. Da tmftets nach der Tageshitze noch nach kräf­tigem BuHenlaub. bitterem Weißdorn und würziger Haselstaude. lieber die Hecken sprie­ßen Hopfentriebe oder ranken sich lila blühenve Winden, die zur Nacht die Kelche schließen: und drunter schützt sich lleines Unkraut gegen Sonne und zertretende Füße.

Lattenpförtchen führen zu den Feldgärten, deren Schlüssel und Angeln rostig knirschen. 1

Und dann schließt sich ein Stück Feld ans andre, kein einziger Baum: nur Strauchwerk, an dem rund und lockend Stachelbeeren und 3ohannisbeeren in Fülle reifen. Große Stücke sind mit Kartoffeln beflanzt. die ftn Sand­boden prächtig gedeihen. Auf den Heineren Stücken wachsen Rüben und Kohl und Salat: und an Stangen recken sich Erbsen und Boh­nen, damit doch irgend etwas in die Höhe strebt. Rittersporn und 3ungferchen im Grünen, Aurikeln und Salfaminen fasten die Beete ein und blühen schön in Anspruchslosig­keit. Kathrinchen und Müllersch schleppen Trachten Wasser aus dem Brunnenhäuschen zum Gießen. Aber die Hauptpffege muß dem Hiurmel überlasten werden: der spannt sich weit über das trotz allem fruchtbare Land.

Wie ein einsamer Fremdling steht mitten imte der eckige Turm der alten Sternwarte. Auf deren Stufen sitzt ein Liebespaar und hält sich umschlungen und schweigt dem auf- gehenden Mond entgegen in stiller Herzens­seligkeit. Aus ihren Feldlöcherhäuschen lugen spitzschnäuzige Mäuse und huschen eilig zu­rück wenn die buntscheckige Katze lauert, oder ein Raubvogel herabschießt um einen Abend- imbis für seine 3ungen.

Kühlender Luftzug streicht über die Höhe und vertröstet was durstig steht, auf einen tränkenden Taufall zum Morgen.

Da steigt der Mond hinter den Bergen auf und sein silbernes Licht leuchtet selbst in den Heckengang zum Heimweg. Glühwürmchen locken heimliche Gefährten. Aus Bückings Garten schallen fröhliche Studentenlieder und klappen Bierseidel auf Holztische.

In wohlgepflegter Anlage plätschert kein Springbrünnchen im Schloßgarten, und Ord­nungsdienst sorgt dafür, daß Kinder nicht mehr Kauffaden spielen. Von der niederen breiten Mauer trifft der Blick ein Häusermeer, in besten Mitte ganz unauffällig auch die alte, rote Backsteinkaserne liegt. Kopf- pflaster deckt den weiten Schloßhof und Was­serleitung räumte den alten Feuerteich fort. Das Brunnenhäuschen duckt sich eng und

Eännellnss nächster Segner

Der Neger Larry Gains, den der bekannte Box-Manager Jeff Dick- fon Max Schmeling in London gegenüber« stellen will. Larry Gains hat vor kurzer Zeit in einem sensationellen Kampfe den 65 Pfund, schwereren Riesen Carnera über­legen besiegt und gilt als einer der besten Techniker, die den Boxring seit langem betraten.

Hans Albers soll 50 000 Mark zahlen.

Die Künstlerkammer des Berliner Ar­beitsgerichts hatte sich mit einer Klage ge­gen den Filmschauspieler Hans Albers zu beschäftigen. Albers ist von der fran- zöfifchen Filmgesellschaft Vandor-Film auf Zahlung von 50 000 Ji Schadenersatz ver­klagt worden. Nach der Darstellung des Syndikus Dr. Friedmann der die Klägerin vertrat, war Hans Albers im Mai d. 3. verpflichtet worden, die Hauptrolle in einem FilmDas heilige Grab­mal" zu spielen, besten Regie Joe May führen sollte. Einige Tage nach den Ver­handlungen erklärte Albers jedoch, daß er in dem Film nicht mitwirken werde. Dr. Dr. Friedmann behauptete, daß bereits ein fester Vertrag vorgelegen habe und daß Albers deshalb die durch feine Absage ent­standenen Kosten in Höhe von 50000-tk zah. len muffe. Der Vertreter des Filmschau- fpielers bezeichnete demgegenüber die Ver­handlungen zwischen Hans Albers und der Firma als Vorbesprechungen, aus denen noch keine Verpflichtungen herzuleiten feien. Da über diesen Punkt keine Eini­gung erzielt werden konnte, vertagte das Gericht die Verhandlung, um Beweis zu erheben.

Sormenqebraunl-e Haut*

VEA-CBEME

NIVEA-ÖL

Hein an die Schloßmauer in seiner absoluten Ueberffüssigkeit. Die Romantik hält's in den Armen und hat bas Türchen hinter sich ver­rammelt.

Rechts an der Direktorwohnung vorbei, zieht sich her Behringsweg, eine feine Straße, hin­ter bereu Baumreihen elegante Häuser stehen. Unb bie Höhe deckt ein ausgedehnter Park mit gewaltigen Bäumen. Die ragen hoch als stäuben sie von Ewigkeit her für eine Ewigkeit. Unb durch dichtes Buschwerk ziehen sich verschlungene Pfade. Vögel nisten im Park: und an heimlicher Stelle sprudelt ein Quellchen unb bildet einen Springbrunnen in gefaßtem Becken: der wirft spritzend Wasser­strahlen. Vorsorglich ist ein Spielplatz für Kinder angelegt; unb Liebespaare ftnben Bänke an viel lauschigen Plätzen.

Mitten hinein in all bie Herrlichkeit er­klingt 3azzmusik zum Tanz, verkünbet Rund­funk im Schloß-Cafe die Tageserlebnisse der Welt für alle, bie sich's wohl sein lassen bei materiellen Genüssen. 3n Bückings Garten stehen bie Tische zierlich gedeckt unb kon­zertiert auch allerhand: dazu leuchten elektrische Lichtchen an langen Ketten.

Voll steht bei Monb am Himmel und seine silbernen Strahlen senken einen feinen Schleier auf bas wunberliche Treiben. Das geschieht vor ben drei Spitzbögen, hinter denen Schloß unb Kaiser-Wilhelm-Turm, ja bie ganzen be­waldeten Berge eine gewaltige Kulisse ab- geben. Zuschauer in langen Reihen lassen einen Sommernachtstraum an sich oorüber- ziehen, ein köstliches Märchenerleben, auf Das bie oernrnnbetten Sterne herabblinzeln, und aufgeschreckte Fledermäuse spielen lautlos mit. Und Glühwürmchen? bie viel hundert be­geisterten Menschen beachten nicht, wie rührend sie sich mühen, um bie Wette zu leuchten. Da springf's, sich überkugelnb, aus dem Dickicht Troll ist es, das Ziegenfell um die Lenden, und List und Laune im bubenhaften Gesicht Und was er ruft? Mir deucht es heißt:

Kommt abermals nach 50 Iahren Desselbigen Weges ihr gefahren. Was bann?!"