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Anzeiger Mr (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Pariser Verdrehungskünste

Die Antwort des französischen Finanzministers -Deutschland kann zahlen" Herriot hAt an der Verknüpfung der Schulden- und Tributftage fest

gaefanne. 30. Jmrr. Die französische Delegation übergab heute abend der fran­zösischen Presse die Antwortrede, die gestern abend Germain-Martin in Beantwortung der Rede des deutschen Reichsfinanzministers hätte halten sollen. Das Manuskript umfaßt 22 Schreib­maschinenseiten.

Die französische Antwort geht von der Vorgeschichte der Lausanner Konferenz aus Sie spricht von der Krise, der das Hoover- moratorium keinen Einhalt hatte gebieten können. Nach Ansicht der französischen Re­gierung sei die Kreditkrise im Grunde der Fortdauer der politischen Anficherheit und dem Mangel an Vertrauen in die inter­nationalen Beziehungen zuzuschreiben. Eine Wiederherstellung des Verstauens, die für den Kredit notwendig ist, wird eine sichtliche und unbestreitbare Besserung in den internationalen Beziehungen herbei- führen.

Frankreich gibt zu, daß eine Wiederher­stellung der deutschen Wirtschaft endgültig sein mutz und daß auch die wirtschaftlichen »Hb kommerziellen Verhältnisse der ande­ren Länder geregelt werden müssen, tim so eine allgemeine Prosperität zu erzielen. Ferner wird auf die Friedensverträge und auf die Haager Abkommen Bezug genom­men.

Die bekannte französische These wird wieder vertreten, daß ei« einseitiger Abbau der deutschen Schuld nur die Folge hätte, Frankreich die ganze Last der Zahlungen aufzubürden, wenn Amerika sich nicht bereiterklärt, Frank­reichs Schulden zu streichen.

Die Opfer müßten gleichmäßig verteilt werden. Frankreich sei aber nicht nach Lausanne als unerbittlicher Gläubiger ge­kommen. Frankreich sei bereft, die Repa- ration^ahlungen mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten zu vereinigen. Grundlage für die französische Haltung sei der Baseler Sachverständigenbericht, den auch der deutsche Finanzminister erwähnt habe.

Frankreich wolle den Ftteden im Rah­men einer fortdauernden Zusammenar­beit. (?) Es müsse seine Interessen ver­teidigen, es habe aber auch den sehnlichen Wunsch, (?) die deutschen Sorgen und Qtöte zu verstehen. Frankreichs Vorschläge seien vernünftig. (?) 2lür eine Entente zwischen Deutschland und Frankreich und gegen- fettige Verständigung könne dem deutschen Doll seinen Wiederaufstieg sichern.

Aunmehr werden

die französischen Vorschläge aufgezählt: Eine endgülttge Regelung, die weder den deutschen Kredtt untergraben noch Schwierigkeiten in den mternatto* nolen Beziehungen Hervorrufen könne, sei notwendig. Dieser Gedanke wird folgen­dermaßen ausgefühtt:

1- Zum Beispiel eine allgemeine Suspension der Zahlungen wäh­rend zwei oder drei Jahren, um Deutsch­land die Zett zu geben, seine Wirtschaft wieder aufzubauen.

2. Die Reichsbahn oder andere Jn- stitutionen sollen die notwendigen Summen für einen Zinsendien st urtt) die Amor- ttsation von Bonds, die das Reich gar­antieren würde, der BIZ. zur Verfügung stellen. Diese Bonds würden eine Rück­lage für eine Regelungsgrundlage bilden. Durch diese EndregelUng würden zukünf- ttge Konsequenzen oder sonstige wirtschaft­liche Schwiengketten ausgeschlossen.

Die deutsche These des ^Schwamm- Wisches^ sei nur eine theoretisch: Lösung. Der »Schwammwisch- enthalte nicht die

Elemente, die für eine Regelung mit den Vereinigten Staaten von Amerika not­wendig seien. Die französische Delegation wisse, daß eine Streichung der Reparatio­nen ihrerseits in Amerika falsch aufge­faßt werden könnte. Daher müsse man zu einer praftischen Lösung kommen. Das Manuskript der Rede analysiett ferner die Natur der Kreditkrise in Deutschland nach der bekannten französischen Auffassung. ES besagt, daß Deutschland mtt den Kre­diterleichterungen, die es genossen habe, seine Wirtschaft in einem solchen Maße rattonaliftert habe, daß die Folgen davon die ArbeitSlosigkett und schwere wittschastliche Störungen seien. Jedoch sei dies nicht allein in Deutschland der Fall. Der Zweck der Lausanner Konferenz fei auch, diesen liebeln abzuhelfen. Auf die Reparationsftreichung zurückgehend, heißt es in dem Redemanuskript, daß man damit nur neue Gefahren und unüberwindliche Hindernisse in Bezug auf die internatio­nalen Kredttoperationen herbeiführen würde.

Frankreichs nach dem Hoovermora- torium sich noch erhöht habe, wird geant­wortet, daß eine solche Schuld alle Unter­nehmungen in allen Ländern belastet. Frankreich habe sich nicht so sehr wie Deutschland um kurzfristige Kredkte be­müht, die Deutschland dann in Unterneh­mungen auf lange Sicht investiert habe. Deutschland habe z. B. nach dem Kriege kostspielige telephonische Kabelanlagen gebaut, sein Transportwesen verbessert und seine Handelsflotte ausgebaut, die, wenn sie auch eine geringere Tonnage als in der Vorkriegszeit habe, dies durch ihre technische Vervollkommnung wieder wett­mache.

Auf den Hinweis des deuffchen Finanz- Ministers, daß die innere Schuld

Die Rede schließt mit der Versicherung daß Frankreich bereit ist, Formeln für die Regelung zu studieren, die im Zusammen­hang mit der deutschen Wirtschaft stehen Deutschland solle sich aber auch nicht aus die gegenwärtige Krise berufen, um eine Reparationsstteichung zu erlangen und um so alle Zahlungen auch nach Eintritt einer Besserung der Weltwirtschaft ver­meiden zu können. Jeder unvorsichtige Schritt könne hier zur Folge haben, daß

125 Millionen Ueberbrückungskredit

B e r l i n, 30. Juni. Wie wir erfahren, hat das Reich in den letzten Tagen über einen Ueberbrückungskredit verhandelt, der den Zweck hat. über ven Juni-Ultimo hin­wegzuhelfen. Die Verhandlungen sind auch bereits zum Abschluß gekommen. In un­terrichteten Kreisen verlautet, daß der Kredit sich auf 125 Millionen be­läuft. Dieser Betrag reicht vollkommen aus, um alle Zahlungen für den Monat Juli stcherzustellen. Die Rückzahlung er­folgt bis Ende des Rechnungsjahres. Der Kredit wird von dem Bankenkonsortium bereitgeftellt, mit dem das Reich auch in früheren gleichen Fällen zusammengearbei­tet hat. Die Verhandlungen find uatürftch auch dieses Mal durch Vermittlung der Reichsbank geführt worden.

Deutsch-englische Stillhalteverhandlungen in London.

Berlin, 30. Juni. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß morgen in London neue deuisch-englische Stillhalteverhandlungen für die privaten Kredite beginnen. Die Reichsbankdirektoren Fuchs und von Wedel, für die Privatbanken die Direktoren Schlie- per und Jeidels, ferner Geheimrat Kastl vom Reichsverband der Deutschen Industrie sind zu diesen Verhandlungen bereits nach London abgereist.

Die Zusammenkunft geht auf eine frühere Vereinbarung zurück, wonach die Sachver­ständigen beider Länder alle Vierteljahr ein­mal Msammenkommen, um sich über die Ent­wicklung des Stillhalteabkommens auszu- sprechen. Diesmal liegen die Dinge nun so, daß im laufenden Vietteljahr 60 Millionen mehr von Deutschland abgezogen worden sind, als vorausgesehen wurde; nach deutscher Aus­lastung ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer weiteren Zinssenkung. Wie weit es dazu kommt, das läßt sich natürlich erst nach Abschluß der Verhandlungen übersehen.

Die Berliner Universität geschlossen

Erneute Zusammenstöße zwischen Studenten

Berlin, 30. Juni. In der 11-llhr- Pause kam es Donnerstag wieder rm Vesti­bül der Universttät zu Zusammenstößen zwi­schen rechts- und linksstehenden Studenten. Rufe wie:Deutschland erwache!",Juda verrecke!",Juden raus!",Httler verrecke!" und andere ettönten. Lieder wurden gesun­gen. Während der Verhandlungen des Rek­tors, die eineinviettel Stunden dauerten, kam es zu Schlägereien mtt Spazierstöcken, Riemen. Koppelschlössern, wodurch mehrere Anwesende blutig verletzt wurden. Die Rechtsstehenden, meist Nationalsozialisten, ver­langten, datz die Juden das Gebäude vor ihnen verlassen mußten. Schließlich verfügte der Rettor die Schließung der Itnioeriität

Bei den Krawallen wurden, wie wtt wetter erfahren, vier linksgerichtete Studenten er­heblich am Kopf, em weiterer leichter verletzt. Sie mutzten sich in ärztliche Behandlung be­geben.

Am Nachmittag trat der Rettor der llnr- oersttät mtt den Führern der Stu­dentenverbände zu einer Be­sprechung zusammen. 3m Verlaus« dies«

Besprechung gaben die Vertreter der sozial­demokratischen, der kommunistischen und der Studentengruppe der SAP. sowie die re­publikanische Studentengruppe eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt, nach Ansicht der linksstehenden Gruppen seien bisher alle Zu­sammenstöße an der Berliner Universttät durch nationalsozialistische Provokationen her­vorgerufen worden. Die Führer der natio­nalsozialistischen Studenten erhoben die For­derung, daß die Juden die Universttät räu­men müßten, und hoben hierbei besonders hervor, daß sie nicht von ihrer Mrndesfforde- nntg abgingen, wonach die Juden nicht mehr im Vestibül bleiben dürsten. Der Rettor lehnte beide Forderungen ab.

Die Universttät wttd bis Sonnabend ge­schlossen. Wenn die Nationalsozialisten an ihren Forderungen festhatten sollten, so wttd dtt Universttät bis Semesterschlutz geschlossen bleiben. Das bedeutet, datz diefts Semester für dtt Studenten an der Berliner Universi­tät nicht angerechnet »«den wird.

ein Staat, der bisher Gläubiger gewesen sei, nun Schuldner würde, ohne hoffen zu können, daß seine inneren Lasten und seins äußeren Schulden annulliert wer­den würden. Ein solcher unvorsichtiger Schritt würde auch den finanziellen Zu­sammenbruch der kleineren Staaten her­beiführen. Frankreich wünsche aus allen diesen Gründen, eine der trage entspre­chende Haltung einzunehmen, und es habe den besten Willen, im Rahmen eines allgemeinen Einvernehmens sich am Wiederaufbau des europäischen Kredits und der europäischen Wirtschaft zu be­teiligen.

Die Lage in Lausanne nach wie vor ungeNärt.

fk. L a «s a n n e, 1. Juli. Im Laufe des Donnerstag find von der Gläubigerfeite verschiedene neue Vorschläge zur Lösung der Tributfrage aufgetaucht, die alle neben der deutschen Beteiligung an der Aufbaukaste auch eine Rest­zahlung vorseben und deren Durch­führung von ttrm Entgegenkommen Amerikas in der Schuldenfrage abhängig gemacht wurden. Herriot hält an der Verknüpfung der Sch ulden - und der Tributsrage fest. Das Büro der Konferenz ist zu einer Nacht- fitzung zusammengetreten, um seine endgül­tigen Gegenvorschläge auszuarbeiten. Bon deutscher Seite sind alle diese Vorschläge abgelehnt worden.

Herriot hat am Donnerstag nachmittag unvermutet dem Reichskanzler einen Be­such abgestattet, und mit ihm eine längere Aussprache gehabt. Er ist am Donnerstag abend nach Paris abgereist, will aber am Sonnabend wieder zurückkehren. Die Lage wird allgemein als völlig unsicher und un­übersichtlich beurteilt.

Der englische Schatzkanzler nach Lau­sanne berufen.

fk. London, 1. Juli. Der Schatzkanz­ler Chamberlain, der erst am Don­nerstag von Lausanne kommend in Lon­don eingetroffen ist, ist von Macdonald telephonisch aufgefordert worden, s o - gleich wiedernach Lausanne z.',i- rückzukehren, da gewisse Einzelhei­ten seiner Beobachtung bedürfen. Ent­gegen seiner ursprünglichen Absicht fahrt daher Chamberlain bereits am Freitag wieder von London nach der Schweiz ab. Er hofft jedoch Mitte nächster Woche wie­der in London zurückzusein, um sich den dringenden Vorbereitungen für die Weltreichswirtschafts­konserenz widmen zu können.

Die Agonie der Lausanner Verhand­lungen."

fk. Paris, 1. Juli. Ungeachtet des von der deutschen Abordnung vorgebrach­ten Dementis versuchen die französischen Blätter auch weiterhin der Oeffentlich- keit glauben zu machen, als ob die deutsche Abordnung eine Rest- zahlung unter der Bedingung ange­boten hätte, daß man das Reich von den Fesseln des Versailler Vertrages befreie.

Von diesen Voraussetzungen aus­gehend, knüpfen die Pariser Blätter ihre Betrachtungen an die Haltung des Reichs­kanzlers. DasEcho de Paris" glaubt nicht mehr an einen Erfolg der Konferenz in Lausanne und spricht von