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Domers-ag, ton 30 Juni 1932

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Anzeiger für (das frühere knrheMche) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fSr Stadt und Kreis Marburg.

Entscheidende Schritte in Lausanne?

Das deutsche Angebot: Wiederaufbaubeittag - wenn Revision von Versailles Reue Kanzlerreise nach Berlin

Me deutsche Abordnung hat m ßottfotnte Ären entscheidenden Schritt ge­tan, der geeignet ist, Klarheit darüber zu schaffen, ob die Dributkonferenz ein Er­gebnis bringt oder nicht. Der Reichs­kanzler hat sich bereit erklärt, im Falle der Revision von Versailles hinsicht­lich der Kri egs schuld lüge und der Tributverpflichtung die Ver­pflichtung für Deutschland ent» zug^en, einen gewissen Beitrag für die sogenannte Wiederaufbau­kasse zu zahlen. Dieses deutsche Angebot ist naturgemäß von den französischen Ge­genspielern mit einem wüsten Geschrei aus­genommen worden. Der französische Mi­nisterpräsident Herriot soll erklärt haben, daß man hieraus sozusagen schließen könne, daß Deutschland zur Zahlung einer »Rest­summe" in der Lage wäre, aber nicht zahlen wolle, wenn nicht der Versackter Vertrag revidiert werde . . .

Daß dieses Argument vemeswegs stich- haMg ist. geht schon daraus hervor, daß im Grunde genommen dieser Vertrag, ins­besondere mich was die DriSUtvetchflich- tnng anbetrifft, mit die Hauptschuld an dem wirtschaftlichen Aiedergang Deutsch­lands trägt. Selbstverständlich ist das den Franzosen höchst unangenehm, immer­hin aber wird dadurch die Lage, so tote sie ist, gekennzeichnet. Im übrigen hat die deutsche Abordnung mit ihrem Angebot ein englisch-französisches Manöver, das sozu­sagen schon fix und fertig war, noch im lebten Augenblick zunichte gemacht. Macdonald hatte mit Herriot verab­redet, eine deutsche Restzahlung von ins­gesamt 3 Milliarden Reichsmark in Aus­sicht zu nehmen, von denen eine Milliarde als Beitrag in die europäische Wieder­aufbaukasse fliehen sollte, während gtoet Milliarden als Schlußzahlang an Frank­reich für die Ausgleichung der Schulden an Amerika reserviert werden sollten. Da in der französischen Presse bereits davon die Rede war, daß Deutschland sich mit dieser SchluhzahlUng einverstanden erllärt hatte, warf der Reichskanzler die Frage der deutschen Gleichberechtigung auf. Er forderte als Voraussetzung dafür, daß Deutschland seinen Beitrag zur Wieder­aufbaukasse zahlt, die »Distrimination von Versailles". Darin ist aber nicht die Revision der Grenzen zu verstehen, sondern die Beseitigung der Seite 5 und 8 des Dik­tats von Versailles. Da ssind die Be­stimmungen über die Angleichheit in der Rüstung und die Bestimmungen über die Tributverpflichtung Deutschlands ein­schließlich der KriegSschulMige.

Ob Frankreich auf diesen Vorschlag ein­gehen wird bleibt abzuwarten. Soviel aber dürste schon heute feststehen, daß eine Zahlung von drei Milliarden, wie sie der Macdonald-Plan vorsieht, nie­mals in Frage kommen kann. Eine Schluß- zahlung an Frankreich, und sei es nur zum Ausgleich für etwaige amerikanische Forde­rungen, ist völlig unmöglich. Darüber hin­aus wird man natürlich darauf Hinweisen müsien, daß die Revision von Versailles nicht nur hinsichtlich der aufgeworfenen Punkte, sondern überhaupt eine Selbstver­ständlichkeit ist. die niemals durch irgend­welcheSckilußzahlungen" erkauft werden braucht, lieber diese Fragen wird jeden­falls bei dem neuerlichen Aufenthalt des Reichskanzlers von Popen in Berlin noch eingehend gesprochen werden müsien. Eben­so wie es notwendig ist, daß auch über den sogenanntenBeitrag" zur Wiederausbau- kasie vollste Klarheit geschaffen wird.

ft Lausanne, 30. Statt Rach einer amtlichen Verlautbarung war das Ergeb­nis der Sitzung der sechs einladenden Mächte, daß em Finanz- und Han- delsausschuß eingesetzt wurden, die in kürzester Frist Berichte mit Empfeh­lungen an die Führer der sechs Mächte auSatbeiten sollen. Man nimmt an, daß diese Ausschüsse bis zum Montag tagen werden, und daß der Abschluß der Konferenz Anfang oder Mitte nächster Woche erfolgt.

Die Lage auf der Konferenz war am Mittwoch abend dahin zusanrmengefaßt, daß grundsätzlich der Plan besteht, eine gemeinsame Kasse für den Wie­deraufbau Europas zu schaffen, an der sich sämtliche Mächte beteiligen sollen, i Die von dem Reichskanzler an gemeldeten I Revisionsforderungen will man I

entgegen dem deutschen Wunsche auf einen späteren Zeitpunkt vertagen. Auf deut­scher Seite hält man aber an dem bisher eingenommenen Standpunkt fest und for­dert insbesondere eine Entscheidung im Sinne der Gleichberechtigung und der Sichecheit Deutschlands, sowie einer Be­seitigung der gesamten Tributzahlungen.

Der Präsident der Konferenz Mac- d o na l d hat in der offiziellen Sitzung eine große Rede geh allen, in der er u. a. sagte, daß Aebereinstnnmung darüber hergestellt worden sei, daß Deutschland gegenwärtig nicht in der Sage sei, Reparationen zu zahlen. Macdonald betont die Rotwendig- digkett einer endgültigen Lösung der Sri« butfrage.

Gegenüber den vielfachen falschen Aus­landsmeldungen über angebliche deutsche Pläne hat die deutsche Abordnung eine

Das bisherige Ergebnis

----- Macdonald über die Lausanner Konferenz

Lausanne, 29. Juni. Der englische Ministerpräsident Macdonald hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Repa- rastonskonferenz in der offiziellen Sitzung der sechs einladenden Mächte vom Mitt­woch eine große Rede gehalten, die ent­gegen allen Gepflogenheiten im Wortlaut veröffentlicht wird und die ein zufammen- fasiendes Programm der gesamten gegen­wärtigen und künfttgen internationalen Verhandlungen darstellt. Der englische Ministerpräsident hat in seiner Rede fol­gendes ausgeführt:

Die Lausanner Konferenz hat zwei Aufgaben:

1. Endlösnng der Reparationsprobleme.

2. Ueberwindnng der wirtschaftlichen and finanziellen Krisis.

Die zweite Aufgabe kann jedoch nur ge­meinsam mit der amerikanischen Regierung gelöst werden. Die gegenwärtige Konferenz muß daher in allererster Linie das Re- parationsProblem lösen und dann die nötigen Vorbereitungen für die kommende Wrtschastskonferenz treffen. In der un- unterbrochenen Reihe von privaten Be­sprechungen der letzten zwei Wochen ist zwar keine vollständige Uebereinstimmung zustande gekommen, jedoch besteht

allgemeine Uebereinstimmnng sämtlicher Mächte in folgenden Punkten:

1. Sie Uebertragnng von Zahlangen von einem Lande in das andere führt z« einer weiteren Berschärfnng der gegen­wärtigen Krisis.

2. Di« Befreiung eines Schnldnerstaates von seinen Zahlangen, die er selbst nicht mehr tragen kann, führt lediglich zur Uebertragnng der Last ans den Gläubiger­staat

3. Die gesamten internationalen Schul­den, die Reparattonen und die Kriegsschul, den müssen der gegenwärttg gefährdeten Weltwirtschaft^ §e unverzüglich angepaßt werden, um eine weitere Katastrophe zu verhindern.

4. Es müsien Maßnahmen ergriffen wer­den, um die Stabilität der Wäh­rung Deutschlands ausrecht zu erhalte» and die energische« Maß­

nahmen der dentschen Regiervng äaf die­sem Gebiete danernd ZU sichern.

5. Die Lausanner Konferenz muß mit einer positiven, möglichst endgültigen Lösang endigen «nd der allgemeinen Re­gelung der Frage gemeinsam mit den Ber­einigten Staaten angepaßt werden.

6. Die auf der Lausanner Konferenz p findende Endlösung mutz p einer Wieder­herstellung des Vertrauens führen, die un- erlätzlich ist für die Wiederbelebung der Kredite «nd des internationalen Handels.

7. Die künstliche Uebertragnng von Zah­lungen, die die internationale Zahlungs­bilanz nicht untergrabe, kann nur auf dem normalen Wege des internationalen Han­dels nnd Vie hierdurch geschaffene Zah­lungsfähigkeit vorgenommen werden.

8. Dentschlandistgegenwärtig nicht in der Lage. Reparations­zahlungen zu leisten.

Macdonald führte dann weiter aus, daß die Konferenz jetzt in allererster Linie das außerordentlich heikle und schwierige Pro­blem der deutschen Reparationszahlungen p lösen habe. Er werde persönlich zu die­sen Fragen keine Stellung nehmen, da seine Auffasiung bei der einen oder an­deren Seite auf Widerstand stoßen könnte. Aus diesem Grunde habe er die übrigen Mächte ersucht, durch Bildung eines Ausschusses, in dem sämtliche ein­ladenden Mächte vertreten seien, ihm in der endgültigen Lösung der Frage zu hel­fen. Auf diesem Wege werde es möglich fein, festzu stellen, was endgültig geklärt fei und was in den direkten Besprechungen noch geregelt werden müsie. Die Konferenz müsie in einzelnen Etappen vorgehen. Die erste Aufgabe sei die Reparationslösung. In den übrigen Fragen Abrüstung, politischen Abkommen usw. müsie die gegenwärttge Konferenz eine allge­meine Erklärung abgeben. Jede einzelne teilnehmende Macht müsie sich verpflichten, alles in ihren Kräften stehende zu tun. um in den allernächsten Monaten eine Ver­ständigung in diesen Fragen herbeizufüh­ren. Jedoch dürfe die endgültige Regelung der Reparationsfrage nicht hinausgeschoben werden. Eine vollständige Verständigung hierüber müsie erzielt werden.

Reihe sehr scharfer Dementis er­lassen, die sie sogar in der Pressezentrale der Konferenz als Anschlag anbringen ließ.

Die Erklärung des Reichskanzlers.

Lausanne, 28. Juni. Reichskanzler von Papen hat in den Verhandlungen mit Macdonald und Herriot nach einer amtlichen Verlautbarung erfiärt, das Ver­trauen der Welt könne nur dann wieder­hergestellt werden, wenn die Siegermächte sich entschlietzen würden, die Dis. kriminationdesVersaillerVer- trages zu beseitigen. Wenn somit die Gleichberechtigung Deutschlands und die Sicherheit hergestellt werden, würde der Reichskanzler es für möglich hal­ten. datz Deutschland an der allgemeinen Anstrengung zur Wiederaufrichtung der Weltwirtschast seinen Anteil in Form eines Beitrages zahle, der selbstverständlich die vollkommene Wieder­herstellung des wirtschaftttchen Gleich­gewichtes in Deutschland und der Welt zur Veraussetzung hat

Erneute Kanzlerreise nach Berlin.

Lausanne. 29. Juni. Reichskanzler von Papen beabsichtigt, am Donners­tag abend in Begleitung von Ministerial­direktor v. Kauffmann für zwei bis drei Tage nach Berlin zurückzukehren. Nach dem bisherigen Dispositionen sollen Herriot und der Reichskanzler am Montag vormit­tag wieder nach Lausanne zurückkehren. In leitenden Konferenzkreisen will man unter allen Umständen heute eine endgültige Entscheidung in irgendeiner Richtung ver­meiden. In deüist^en Kreisen besteht der Eindruck, daß die Konferenz vorläufig fortgesetzt und voraussichtlich sogar bis in die nächste Woche hinein dauern wird.

Die französische Presie spricht von einer Entspannung.

ff. Paris, 30. Juni. Die französischen MovgenblSüer verfügen nur über sehr un- besttmmte Informationen über den gan­zen Verlauf der Mittwoch-Aussprache in Lausanne, da sich die Führer der fron» zösischen Abordnung bisher strengste Zu­rückhaltung über das Ergebnis der letzten Zusammenkünfte auferlegt haben. Dicht- destoweniger spricht man jedoch allgemein von einer wesentlichen Entspan­nung und teilweise sogar von einer sen­sationellen Wendung in den Verhand­lungen.

Das »Journal" gibt ebenso wie eine Reihe anderer Blätter die von der deut­schen Abordnung in Lausanne bereits energisch dementierten Ge­rüchte wieder, wonach sich die deutsche Abordnung grundsätzlich dazu Bereit er­klärt habe, eine einmalige Abfin­dung in Höhe von 3 Milliarden Mark zuzugestehen. Die Blätter behaup­ten, die neue Reise des Reichskanzlers nach Berlin habe nur den Zweck, der ReichS- regierung und dem Reichspräsidenten die­sen Plan zur Annahme zu unterbreiten.

Perttnax bespricht im »Echo de Pa­ris" sehr eingehend die Nachmittagssitzung zwischen Herriot und Papen. Er wirft dem französischen Ministerpräsident vor, dem Reichskanzler gegenüber nicht mit der nötigen Energie aufgetreten zu sein. Er habe auf seine schwere innerpolitische Lage hingewiesen und auf seine Absicht einer weitgehenden Streichung im französischen