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oeefljeffflflk Zrtvms. Sterttore «. L. Dmmersk«, bet 23. 3mri 1932

Nr. 145

Der

Arbettstagung -er NMsveremigung DeuWer Hausfrauen

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Tie Arbeitstagung der Landesvereinigun- gen Westfalen und Hessen-Nassau der Revchs- veremigung Deutscher Hausfrauen begann gestern abend rm Cafe Mar­se es mit dem Vortrag des Privatdozenten Dr. R. Fricke über das Thema:Die gegenwärtige Lage der deut sch en Wirtschaft". Es sei nicht ganz einfach gewesen, so betonte die Vorsitzende, Frau Dr. Zahn, in ihren Begrützungsworten, die Tagung in Marburg durchzuführen, aber da der Vorstand des Verbandes die Auf­gabe stellte, so ser man mutig an das Werk gegangen. Cie durchzuführen heißt nicht die Stunden fröhlich und gemütlich zu verbrin­gen, sondern wir sind zusammengekommen zu ernster Arbeit. Wir sind kein Vergnü- gungs- und auch kein politischer Verein, wir sind ein Hausfrauenverein auf christlich-natio­naler Grundlage, auf der wir auch weiter arbeiten werden. In der heutigen schweren Zeit hat auch die Frau eine grobe Verant­wortung zu tragen. Sie mutz Bescheid wissen, welchen Strömungen und Anstötzen die heu- ttge Jugend unterworfen ist. Beides wollen wir heute aus dem Munde eines Kenners, eines Fachmannes, eines Wirtschaftlers hören.

Herr Dr. Fricke, der jetzt das Wort Fit. nahm, ist ein Gelehrter, der seit 10 Jahren 3.15 . den augenblicklichen Gang der Wirtschaft un­tersucht und reiche Kenntnisse auf diesem Ee- - , biete besitzt. In Anbetracht der innenpoliti-

3,10 * scheu Spannung vermied es der Redner, die

Lage der Wirtschaft im parteipolitischen Som, Emire darzulegen. Die Lage der deutschen Wirtschaft ist nicht rosigrot, und der silberne Streifen, den Dr. Sftesemann am Himmel nttlich bereits sah, sei wieder untergegangen. Die innen- und autzenpolitische Lage ist so undurchsichtig denn je und es ist ganz gleich, " Zn* ob bei den Konferenzen Ergebnisse gezeitigt werden, ob die Tribute gestrichen werden

oder nicht, für jeden bleibt ein kleines Selbst-

Wre Politik getrieben worden ist, sehen wir KCl» deutlich an der Sozialversicherung, und be-

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wohl

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sonders bei der Invalidenversicherung, die heute doch nur noch von Hand in den Mund

lebt. Auch die deutsche Währung sei feit mtschl den Bankfeiertagen nur mit Mühe und Not

Hisfn Verantwortungsgefühl, mit ihr fertig zu wer- Arb den.

Reich, Länder und Kommunen wissen nicht mehr, wie sie leben sollen und mit jedem Tag wird es schlechter. Wie es hier rst, so ist es auch in mittleren und kleineren Kreisen

gestützt worden, und man mutz erkennen, datz die Stützung mit künstlichen Mitteln nicht

ie U : hier

bis lasse,

- tige Not von Menschen hervorgerufen und nzuza Etz auch wieder von Menschen beseitigt indig werden.

Jltt geht, will das alles nicht wissen, weil eine Zukunft für sie nicht sichtbar ist. Es ist schwer, sich auf eine andere Basis umzu- Eit, weck die Karre der deutschen Wrrt- t gründlich festgefahren ist. Eins steht fest, so kann es auf keinen Fall wefter- gehen. So pessimistisch auch alles klingt und die Lage beurteilt wttd, so ist die gegenwär-

.. mehr geht. Wrr leben in einer Zeit, wo $*» 01 wrr nicht wissen, ob wir die Währungsstabi- ngssti lftät aufgeben müssen und ob uns wettere iwohn Hilfsmaßnahmen erspart bleiben. Die Ju­gend, die auf der Straße liegt, die sich in radi­kalen Hoffnungen nach rechts und links er-

die

Redner untersucht dann eingehend die Fra-

gszwa

Wirtschaftserperimente erlauben ohne

die

(

Wirtschaft zu belasten? Was dürfen

wir

WtiOf nicht tun, weil es zu gefährlich ist? In Be­

antwortung dieser Frage lernt man

den des

eingi toste«

gen: Was müssen wir tun, damtt wir wieder tn Ordnung kommen? Wie können wtt uns

gen. dann bleibt Deutschland nur ein Mo­ratorium übrig für die Zahlungen, die be­

rg ooi mach« tte I finer llnat

Redner als einen sehr guten Kenner Wittschastslebens kennen. Nach seiner An­sicht mutz das ganze Wittschastsproblem von einem Wirtschaftler urttersucht und die Er-

datz di« Reparattonen gesttichen werden, denn auch die englische Wirtschaft wird damtt be­tastet. Sollte eine Stteichung nicht erfol-

«tts gestundet sind.

" In innenpolitischer Hinsicht mutz man sich Huss«» -totf den Boden der Tatsachen stellen, mit

gebnisse von dem Polittker verwertet wer­den. Die Reparaüonsfrage ist eine Schick- koäiel sa^ftage des deutschen Volkes und eine voll- q ständige Stteichung ist unbedingt erforderlich, überl England habe ein großes Interesse daran, orgeH nerbei

der Arbettslosigkett und HoffmmgslosrgkeL ferttg zu werden. Redner untersucht bann, wie es kommt, datz sich die deutsche Witt- schast nicht erholen kann. Vor allem kommt hier in Frage, datz Deutschland ein Wohl­fahrtsstaat geworden ist. Alles ist dazu an- getan, die Elastizität der Wittschast zu ver­mindern und die Selbsthilfe ist vollkommen geschwunden. Ein grober Schaden im heu­tigen Wirtschaftsleben ist die zur Zett herr­schende Preis- und Zinspolitik. Die Zinsen sind viel zu hoch. Man muh zu den alten Zetten zurückkehren, wo es uns besser ging. Die Tattfverttäge müssen abgeschafst und auf einem erttäglichen Matz für die Witt- schaft wieder aufgebaut werden. Mtt diesen Fragen beschäftigt sich der Redner eingehend, da sie ein Krebsschaden am ganzen Volke sind. (Er verurteilt weiter die groben Konzerne und die Stützungsaktionen, die in letzter

Zett vom Reiche für Pttoatbettiebe vorge- nommen worden sind.

Aus dem ganzen Vortrag, der in seinen einzelnen Fragen und Antworten so lehrreich war, Hingt das eine heraus, datz das deut­sche Volk wieder zur Sparsamkett erzogen werden mutz. Datz dieses geschieht, da könne dre deutsche Hausfrau grohes leisten. Mehr berat je, so betonte Frau Voh-Ztetz m ihren Dankeswotten an bett Redner, müssen wrr uns mtt den grotzen Problemen der Ge­genwatt auseinandersetzen und zur alten preu- tzischen Sparsamkett zurückkehren. Man muh wieder lernen, dah man nicht mehr ausge­ben kann, als man hat. Wtr müssen wieder zu dem wohlhabenden Deutschland zurückkeh­ren und einfach und bescheiden sein.

An den sehr lehrreichen Borttag schloh sich eine eingehende Aussprache an, an der sich | auch Syndikus Meyer im Interesse der Landwirtschaft beteiligte.TL

$6 »leibt btt freiwillige «rbtttSNtnft?

Kassel hat bereits 18000 Tagewerke beschlossen - Und in Marburg?

Wie jetzt die Kasseler Presse meldet, hat der dortige Magistrat im Rahmen des diesjährigen Haushaltsplans einen Betrag von 150 000 RM. zur Förde­rung des freitorlligen Arbeits­dienstes bewilligt. Zugleich hat die Bettvattung beim Landesa rbettsantt in Franksutt a.M. Anträge auf Bewilligung etwa einer gleichen «Summe für bestimmte Arbeitsdienftvorhaben gestellt. Zunächst hat die Ftnanzkommission einen Teilab­schnitt des Programms nnt 12000 RM. in Ängttff genommen, so dah wenigstens acht Bochaben mit rund 18 000 Tagewerken ge­nehmigt sind. Geplant sind zunächst Her­stellung einer Spielwiese, Fertigstellung eines Sportplatzes, Berbessekung der Klär­anlage, Bau einer Wasserleitung usto. Daß es auch in Kassel nicht an Arbeit fehlt, liegt ja auf der Hand.

Wie liegen die Dinge nun in Marburg? Bekanntlich hat auch der Landkreis Marburg ein umfangreiches Programm für den freiwilligen Arbeitsdienst ausgestellt, z. T. find die Arbeiten bereits in der Aus­führung begriffen. Sollte nicht auch in der Stadt Marburg der freiwiMge Ar-

be'. dienst am Platze sein? Wenn andere «Städte hierfür Mittel erhalten können, sollte das schließlich auch bei Unserer Kom­mune möglich sein. An Arbeiten fehlt es ja auch bei uns nicht, wir denken dabei z. B. an die noch jüngst viel besprochene Auto-Umgehungsstraße Hinden- buvgsttaßeWeidenhausenSüdbahnhofs­brücke, die ein Projett darstellt, das minde­stens für Mei Sommer Arbeit liefern würde.

Oder will man wirklich warten, bis die Frage der Arbeitsbeschaffung restlos ge* Härt ist? Die »produktive Grwerbslosen- fürsorge" ist wie so vieles bisher nur ein Schlagwort geblieben, und die all­gemeine Arbeitsdienstpslicht besteht noch nicht. Ist es nicht höchste Zett, daß unsere Jugend von der Straße kommt, daß sie zu- irückgefühtt wird in den Arbeitsprozeß, gleich tote er sei? Allein der ideelle Wert des freiwilligen Arbeitsdienstes ist so hoch einzuschätzen, daß man nur den Wunsch haben kann, daß auch in Marburg sich Magistrat und Stadtverordnete eingehend und schnellstens mit dieser Frage beschäf­tigen. fr.

zeritnsorsrn ter Eltern

Die Landesverwaltung (Landeshaupt­mann in Hessen) Kassel teilt uns mit: Me großen Fetten nahen heran und wohl in jedem Haushall werden Pläne geschmie­det, was während der Fetten geschehen soll. «So manche Mutter und mancher Va­ter ist bringend erholungsbedürftig und wohl mancher würde auch eine verdiente Serienreife unternehmen, wenn nicht die Sorge um die Kinder wäre. Richt jede Farnllie besitzt Verwandte oder Bekannte im Land, die einmal für ein paar Wochen die Kinder aufnehmen können und wollen.

Auch für diese besorgten Mütter und Väter, wenn sie einigermaßen über Geld­mittel verfügen, ist Hilfe vorhanden. Im Bezirk Kasfä allein befinden sich eine grö­ßere Anzahl Kindersolbäder, fo in Bad Och, Earlshafen, Sooden-Allendorf und Soden (Kreis Schlüchtern), die für ver­hältnismäßig geringe Lagesvergütung Kin­der aufnehmen, ärztlich und gesundheitlich betreuen und frisch und raunten nach den Fetten ins Elternhaus zurücksenden. Aber auch für noch nicht schulpflichtige Kinder best-cht die Möglichkeit der Unterbringung in den Heimen des DeziikSverbanLes und zwar in dem schön gelegenen Kindeverho- lungSheira Berghaus Schocketal bei Jhtti^Shrusen und in der KlnderheLanstall Reinhardshauseu bei Bad Wil­

dlingen. Diese Heime nehmen Kinder vvu 2 bis zu 14 Jahren auf. Die Kinder wer­den ständig ärmlich überwacht, von ge­prüften Kindergärtnerinnen tagsüber be­treut und beschäftigt; sie haben Spiel und Ruhe je nach dem Gesundheitszustand des Kindes und beide Heime bieten volle Ge­währ, daß die Kinder braun gebrannt Und gesund wieder in das elterliche Heim zu- (Rommen.

Auskunft über die RnteübttnglMgsbe- dingungen erteilt jedes Jugendamt, aber auch die Leiterinnen der beiden Heime und die Abteilung Gesundhettsfiirsorge beim Herrn Landechauptmann.

In früheren Jahren waren diese Heime vollauf belegt durch hilfsbedürftige Äbtber. Roch im verflossenen Jahre find durch die Entsendestellen des Landesfürsorgeverban- des über 1200 Kinder aus unserem Bezirk in Sol- und Seebäder sowie Erhotungshei- (men untergebracht worden. In diesem Jcchre ist angesichts der Beschränkung der Rüttel der öffenüichen Körperschaften, die Entsendung von Kindern in scckche Heime ttuf ein Drittel des Vorjahres zarück- gegangen, so daß nur noch Selbst- zahlerkinder Aufnahme io all den oben genannten Anstalten Aufnahme fin­den Rinnen.

Aus -em Gerichtsfaal

Ein Nachspiel zum Reichsbannertag in Marburg bildete gestern eine Gerichtsver­handlung vor dem Schöffengettcht, wo sich zwöff Reichsbannerleute wegen gemeinschaftlicher Mißhand­lung und Körperverletzung von zwei Nationalsozialisten zu verantworten hatten. Nachdem die Tagung des Reichs- banners in den Stadtsälen beendet war, wollten sich die auswürttgen Reichsbanner­leute zur Bahn begeben. In der Biegen- straße begegneten sie zwei National­sozialisten. Es kam zu einem, kleinen Wortwechsel, in dessen Verlauf einer der Reichsbannerleute einem Nationalsozia­listen die Mütze vom Kopf nahm und diese auf die Straße warf. Als Letzterer die Mütze wieder aufheben wollte fielen die Reichsbannerleute über die Nlttionalsozia« listen her und mißhandelten sie. Einer, ein Trommler, nahm die Trommelschläger und schlug damit auf einen der National­sozialisten ein. Dieser wurde am Kopf nicht unerheblich verletzt. Bei der gestrigen Verhandlung gab ein Teil der Angeklagten den Tatbestand ttn wesentlichen zu. Der Ä Teil besttttt aber ganz entschieden Sache beteiligt gewesen zu fein. Nach Lage der Sache wurden drei Singe« Ragte für schuldig befunden und einer zu drei und dre anderen zwei zu je zwei Monaten Gefängnis ver­urteilt. Die übrigen neun wurden freigesprochen. (Bei der gestrigen Meldung muß es Reichsbanne v- leute und nicht Nationalsozialisten heißenZ

Das Mnrttt JhWnimmi

Freitag, den 24. Juni.

6.00: Wetterbmchb Anschftetzettd: Mor­gengymnastik. 7.05: Konzert des Kur­orchesters Bad Münster am Stein. 12.00: Konzert. 13.00: Konzert. 17.00: Ilnterhottungs-Konzert. 18.25:Die Be­deutung Gutenbergs für die Buchdrucke» kunst", Dorttag. 18.50:Hygiene des Schwimmsports", Aerztevottrag. 19.15: Zu Diotnnas Gedächtnis", Vortrag. 19.30:Das Kalibergwerk in Buggingen", Hörbilder. 20.00: Aus Neuyork:

Worüber man in Amerika spricht", Vor- trag. 20.15: Süddeutsche Bläsermusik. 21.15:Die Dorfsängerinnen", Komische Oper. 22.20: Zettbericht. 23.00: Zeit­angabe, Wetterbericht, Tagesnachrichten, SportberM. 2320: Iazz auf zwei Flügeln.

Wetterbeobachtungen am 22.23 Juni

Söchste Temperatur am 22. Juni 16,4 Eelüus Niedrigste Temperatur letzte Nacht 8,9 Telsins

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖBLER

Zett

Barometerst. reduziert aus N.N.

Tempe­ratur

Relative Lust- feuchtig-

22.6. 2 Uhr uachnr.

782.9 mm

144 (Eeli.

721,

22. 6. 9 Uhr nachm.

763,9 nun

11,4 CeU.

951,

23. 6. 7 Uhr norm.

7644 atm

HF Test.

901.

Marburg/Lahu

Wettergasse 30 Bahnhofstr. I

Fernruf 248 Wetterbericht.

Ein über Dolen liegendes Tiefdruckge­biet, an dessen Rücksette kühlere Lust­massen in unser Gebiet vordrangen, ver- lagett sich langsam ostwärts. Die Nie­derschläge, die am Mittwoch in unserm Gebiet niedergingen, werden bald ihr Ende finden und bei Lustdruckanstieg im Westen dürfte sich wieder eine Beruhi­gung der Wetterlage einstellen.

Witterungsaussichten für Freitag: Weitere Besserung des Wetters mit Auf­heiterung und langsamer weiterer Wärmezunahme wahrscheinlich.

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