Nr. 144
OetMfMe ZkNMS, Manwrs e. r, Mittwoch, dm 22. Juni 1932
Sette 9
Rund um die Festspiele
Heute wieder: „Till Eulenspiegel"
Nachdem nun die drei ersten Aufführungen des »Sommernachtstraum", die bestimmt keinen Besucher enttäuscht haben werden, vorüber sind, wird heute nachmittag wieder einmal »Till Eulen - s p i e g e I“ im Schloßparktheater sein. Dieses lustige Schelmenstück hat nun bald ans- gespielt, so daß es sich für den, der es noch sehen will, empfiehlt, baldigst auf den Schloßberg zu pilgern. Bei der heutigen Aufführung wird übrigens Oberbürgermeister Dr. Stadtler (Kassel) als Gast zugegen sein.
Guter Besuch aus Bad Wildungen und Bad Nauheim.
Der Besuch der Festspiele war in den letzten Tagen erfreulich rege, nur aus Marburg selbst könnte er noch erheblich besser sein. Gs muß immer wieder darauf hin- «ewiesen werden, daß größere Gruppen bei dem Besuch Preisermäßigungen erhalten, so daß es also selbst bei den fieinsten Vereinen nur der Organisation durch den Vorstand bedarf, um den Mitgliedern diese Ermäßigung zukommen zu lassen.
Der Besuch der Festspiele aus unseren benachbarten Bädern Bad Wildungen und Bad Nauheim ist erfreulich gut, dank der Werbearbeit, die in den letzten Jahren geleistet werden konnte. So waren aus Bad Wildungen in diesem Jahre bereits sechs Sonderfahrten hier und gestern traf eine größere Reisegesellschaft aus Bad Nauheim ein.
»Warum keine Reichsbahn-Sonderzüge nach Marburg?"
Was die Frage der Reichsbahn- Sonderfahrten nach Warburg anbelangt, so ist auch hier getan worden, was mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglich war. Für den kommenden Sonntag ist bekanntlich ein Sonderzug aus Kassel in Vorbereitung, außerdem ein Sonderzug aus Frankfurt, der am 3. Juli noch einmal wiederholt werden soll. Daß der »Sonderzug" aus Frankfurt am vergangenen Sonntag, der in Wirllichkeit nur ein von Gießen weitergeführter Persvnen- zug war, ein glatter Mißerfolg war, ist allein darauf zurückzuführen, daß dieser Zug seitens der Reichsbahndirektion Frankfurt innerhalb drei Tagen angekündigt wurde, ohne daß das hiesige Verkehrsamt übechaupt davon benachrichtigt war. Daß auf diese Weise kein SonderzUg gut zustande kommen kann, bedarf wohl kaum einer näheren Begründung. Gin Sonderzug muß von langer Hand vorbereitet sein, deshalb ist auch die Propagandierung der nächsten Züge seitens des Verkehrsamtes sofort in die Wege geleitet werden. Es wäre aber falsch, heute eine Verkehrswerbung einzig und allein nach der Zahl der Sonderzüge zu beurteilen, die in Mar» bürg einlaufen (oder auch nicht einlaufen). Die Zahl der Sonderzüge ganz allgemein ist durch die wirtschaftlichen Verhältnisse gegen frühere Jahre um gut 50 Prozent zurückgegangen, Und wenn man einen Sonderzug zustande bringen will, so verlangt er — wie wir bereits be- tonten — eine sehr gründliche Vorbereitung. Diese Vorbereitung kostet aber Geld Und noch einmal Geld, das heute aber nur in beschränktem Maße zur Verfügung steht. Der Rus nach Sonderzügen ist also ganz leicht in der Theorie — aber nicht in der Praxis. Trotzdem muß in der Frage der Sonderzüre alles getan werden, was irgendwie getan werden kann. Eine Grenze ist aber gerade in diesem Jahre gezogen durch die fehlenden Mittel, darum sollte man auch bei der BewilNgung der Mittel für die Derkehrswerbung nicht knau- settg sein. Wer das eine will, muß auch das andere wollen.
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«Till Eulenspiegel" in der Presse.
Erfreulich ist es, daß sich die gesamte deutsche Presse von Jahr zu Jahr in gesteigertem Maße mit den Marburger Festspielen und damit auch mit unserer Stadt bnd mit unserer Universität beschäftigt. Das ist ein Plus, das zahlenmäßig nicht
festzustellen und auch sonst unter den größten finanziellen Opfern nicht zu erreichen ist. Wir haben zum »Dill Eulenspiegel" bereits zahlreiche Pressestimmen gebracht, hier noch einige Stimmen, die zeigen, daß auch die entferntest gelegene Presse zu den Marburger Festspielen Stellung nimmt:
Die »Bremer Nachrichten" schreiben u. a.: Man hatte die Erwartungen zu dieser sinnreichen Komödie sehr hoch gespannt. Sie sind nicht enttäuscht worden ...
»Hallesche Nachrichten": Das Stück, das im alten Marburg Philipps des Großmütigen spielt, zeigt Eulenspiegel in der Rolle des philosophischen Schalles, der alles lachend in Frage stellt, vor allem die hohe Autorität, die mit kräftigem Humor zerzaust wird.
»Münsterischer Anzerger": Ein Erfolg . . . Darsteller, Autor und Spielleiter wurden wiederholt hervorgevufen.
»Westfälisches Dolksblatt, Paderborn": Der diesjährige Anstatt der Marburger Festspiele war mit dem »Eulenspiegel" ein durchaus gelungener.
»Fuldaer Zeitung": Manch köstlicher Witz, aber auch manche sinnreiche Wahrheit kommt in den Szenen zum Ausdruck, die umso mehr wirken, als ausgezeichnete Darsteller dafür vorhanden sind.
„Faust"-Ausführung am 28. Juni.
Gs steht nun endgültig fest, daß die Premiere des »Faust" am 28. Juni, 8.30 Uhr stattfinden wird. Das Interesse an dieser Aufführung ist heute bereits sehr rege, da bekanntlich der große Schauspieler Dr. Ludwig Wüllner die Titelrolle spielen wird. Aus der übrigen Besetzungseien genannt: Leopold Biberti (Mephisto), Renee Stobrama (Gretchen), Erich Strömer (Valenttn), Dorothea Thieß (Marthe Schwerdtlein) und Hanne Wettens (Lieschen). s—r.
Groß-Boxkampf in Marburg
Boxring 31 Marburg siegt gegen BSK. 26 Kassel-Melsungen
Anläßlich des Borkampfes um die Weltmeisterschaft zwischen Schmeling — Sharkey in Amerika hatte der Borring 31 Marburg d en Borklub Melsungen zu einem Vereinswettkampf verpflichtet. Wie man aber während des Kampfes feststellen konnte, handelte es sich nicht um den Borklub Melsungen, sondern um eine kombinierte Mannschast. deren Hauptbestandteil der BSK. 26 Kassel stellte. Das Wetter war für die Veranstaltung im Stadtgatten nicht besonders günstig, denn gleich nach Beginn setzte em leichter Regen ein, der das Verweilen nu Gatten sehr beeinträchtigte. Der Veranstalter hatte eine gute Absicht und wollte dem Marburger Sportpublikum auf dem Gebiete des Borspotts etwas ganz besonderes bieten. Diese gute Absicht wurde aber dadurch in das Hintettreffen gebracht, daß die Kasseler Borer alle bedeutend schwerer gegenüber den Marburgern waren und dadurch eine ungleiche Paarung entstand, die die Be- wettung durch das Spottpublikum sehr benachteiligte. Dem Borring Marburg mutz man grotze Anerkennung zollen, dah er sich in allen Kämpfen sehr gut gehalten und die grotze Energie seiner Kämpfer den Sieg gebracht hat.
Trotz des nicht günstigen Wetters hatte sich ein gang ansehnliches Sportpublikum im Stadtgatten versammelt, das zu Beginn der Veranstaltung von Herrn Schmalz begrüßt wurde. Der Kampf selbst begann mit einem Iugendkampf zwischen
Pauli — Simon. ' der mit einem unentschieden endete. Wenn man sich hier ein Urteil ertauben will, so mutz man sagen, datz dieser Kampf zu dm schönstm des Abmds gehött hat. Beide jungm Leute besitzm bereits eine schöne Technll im Stand und Schlag.
3m nächsten Kampf standen sich
Paul-Mardorg und Till-BSK. 26 Kassel gegenüber. Dieser Kampf wurde von Till- Kassel nach Punkten gewonnen. Es war eine ungleiche Paarung, währmd Paul in Technik bedeutend besser war, trat bei Till das hatte Herangehm an den Gegner zu seinem Botteik in Erscheinung.
3m Riegengewicht lieferten sich
Vamxi-Marbrng und Wech-Mttsunge« einen unentschiedenen Kampf. 3n diesem Kampf mutzte Vaupel mehr eine Kämpfer- natur zeigen, denn nur ein Herangehen an dm Gegner kann zmn Siege führen.
Eine« schr schönen Kampf lieferten Bamberger-Marburg und Seitz-Kassel.
Beide verstehm $u kämpfen. Seih ist ein sehr sympathischer Borer; er verläßt sich aber zu viel auf ferne langen Arme. Bamberger ist etwas fintier und weiß sehr gecheckt eine Mütze des Gegners auszunutzm. Dies verhalf ihm auch zu einem knappe« Punktsieg.
Ebmso fair war auch der Kampf zwischen
Keppler-Marburg und Wicke-Kassel.
Set diesem Kampfe zeigte es sich wieder, dah zum Borspott Mut gehött und dah es mit »em Herumhüpfen im Ring nicht getan ist. Keppler fre-gte verdient nach Punkten. •
Der nächste Kampf war eine sehr ungleiche Paarung, die auch den Kampf so gestaltete, wie es ausgegangen ist.
Karl Vaupel gegen Witzner-Kassel.
Ersterer 120, sein Gegner 134 Pfund schwer. Die erste Runde verlief so, datz man Vaupel em Plus zugestehen mutz. Bei der zwettm Runde macht sich das Mehrgewicht aber schon bemerkbar. Vaupel mutz zweimal zu Bodm gehm. Bei dem zwecken Male schlägt der Gegner nach, und Vaupel mutz aus dem Ring getragen roerben. Der Arzt stellte einm Nie- rmschlag fest. Sein Gegner wurde dis- qualTfwrt und Vaupel zum Sieger erklärt.
Der nächste Kampf ist wieder ganz gut, der zwischm
Heinrich Vaupel-Marburg und Völker» Raffel
ausgetragen wird. Beide sind sich ebenbürtig und sehr faire Kämpfer. Der Kasseler verfügte über etwas mehr Geschwindigkeit, die ihm auch zum Schluß einm knappen Punktsieg einbrachte.
Eerlach-Marburg imb Schwalm-Kassel warm wieder ein ungleiches Paar. Der Marburger 130, der Kasseler 148 Pfund schwer. Hier siegte wieder die kurze Entschlossenheit und der Wille zum Kämpfen. Gerlach wurde verdient nach Punkten Sieger.
Der letzte Kampf war eigentlich eine kleine Enttäuschung, denn hier standen sich zwei Kämpfer gegenüber, bet denen dex Gewichtsunterschied noch gröber war.
Viatowsti-Marbmg^und Schneider-
Zu Anfang sah es so aus, als wenn der Kasselaner gar keine Lust zum Kämpsm hatte. 3n der zweckm Runde zeigte er aber, datz er sich nicht so ohne weiteres besiegen läßt. Rach Schluß der brüten Runde wird Viatowski nach Punkte« als Sieger erklärt.
Als Ringrichter warm die Herrm BrA- Kassek und Schmatz-Marburg, als Punktrichter Vaupel und Hotz tätig. Die Beran- stattung war für dm Borring 31 Marburg ein Erfolg, der mit 13 zu 10 Punkten siegte.
* Verein fit da, Deutschtum im Ausland. (Fr auen-Gr uppe.) Wie der „Deutsche Abend" im Winter, so ist im Sommer das Fest der Frauengrum>e eine festgesetzte jährliche Feier des V. D. A. geworden. Am 3 Juli, abends, wird zum Gedmkm an unsere Bruder im Ausland wieder ein geselliger Abend mit verschiedenen Darbietungen rn den Städtsälen von der Frauengruppe veranstaltet Der Verein braucht Geld für die dringendsten Hilfsmaßnahmen auf kulturellem Gebiet in den uns entrissenen Gebieten, in denen deutscher Geist, deutsche Sprache, deutsche Kunst, ja, deutsches Leben, überhaupt abgedrosselt werden, wenn nicht die Volksgenossen im Reich wenigstens mit kleinen Beträgen dieser Rot zu steuern versuchen. Wir bitten daher herzlich unsere Marburger Mitglieder aller Gruppen und Freunde des Vereins, unser 3uli-V.-D.-A.-Fest zahlreich zu besuchen, sich an den Darbietungen zu erfreuen und unsere Hilfsmittel wieder etwas aufzuftischm. Alles nähere im Anzeigenteil.
* Aus der Kriegsopferversorgung. Die Arbeitsgemeinschaft der Kriegs- opferverbände, Reichsverband — Zentralver- band ist am 17. d. M. vom Reichsarbeits- minifter empfangen worden. Die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft haben habet schärfsten Protest der Kriegsopfer gegen die neuen unerhörten Belastungen, die in der neuen Notverordnung enthalten sind, eingelegt. Insbesondere haben sie daraus hingewiesen, datz der Wegfall des Kinderzuschlages und der Waisenrente mit Ablauf des 15. Lebensjahres eine unerträgliche Härte für die Betroffenen darftellt. Außerdem sollen die Renten der kinderlosen Leichtbeschädigten um weitere 20 Prozent gekürzt werden. Ferner enthält die neue Notverordnung weitere Einschränkungen der Versorgung, die u. a. eine Anzahl von Rechtsansprüchen in Kannanspriiche umwandelt. — Wie wir weiter erfahren, besteht die Absicht, die seitherige Arbeitsgemeinschaft zwischen Zentralverband und Reichsverband zu einem gemeinsamen Eroßverband zu vereinigen. Beide Verbände halten in der Zeit vom 24. bis 26. Juli d. I. in Bremen ihre Verbandstage ab. Im Anschluß an die Heiden getrennt abgehaltenen Berbandstage soll bann_ her offizielle Zusammenschluß beider Verbände beschloßen werden. Von den Ortsgruppen Marburg-Stadt, Wetter und Dreihausen wird je ein Abgeordneter an diesen Tagungen teilnehmen.
« Zielfahrt nach Kassel. Der Mo- torsportklub 1926 A. D. A. K.. (Bau III b, veranstaltet am 3. Juli eine Zielfahrt nach Kas- ßl. Die Zielfahrt ist offen für Kraftwagen und Motorräder mit und ohne Beiwagen.
* Urlaub des Regierungspräsi- h e n t e n Die Pressestelle der Regierung teilt mit: Der Regierungspräsident Dr. Srtebensburg tritt am 19. Juni 1932 einen vierwöchigen Urlaub an. Seine Ver- tretung wird von Regierungsdirektor Dr. Kramer wahrgenommen.
MlteiluiMN aus s«n
Die Verhältnisse auf dem Rudolphsplatz werden nur gebessert werden können, wenn, wie tn Großstädten, eine Schutzinsel ge- schaffen wird und zwar vor dem Geschäft Schonstegel vor dem Eingang zur Weiden- Hauser Brücke, da hier genügend Raum ig.
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9ns Frankfurter Mia-Maranm
Donnerstag, ben 23. Juni.
e.OO: Wetterbericht. — Anschließend: Mor- gengmnnastik - 7.05: Konzert des Kurorchesters Bad Münster am Stein. — 12.00- Konzert — 13.00: Konzert. — 15.30: Stunde der Jugend. — 17.00: Konzert des Wföarmomj^ Orchesters Mannheim. — 18 25: Zeckfragen. — 18.50: „Staatsver- fasfung her Völker: Italien", Vortrag. —
Neues aus aller Welt. — 19.30: Unterhahungs-Konzett des Frankfurter Rund- fwrtonMters. - 20.00: ,,Das Gespenst von Cantervklle. — 21.20: Sonnenwendfeier an der Grenze. — 21.55: „Mawra", Buffo- Zper m emem Akt. - 22.20: Zeitangabe,
Wetterbeebachtengen am 21.22. Juni
Höchste Temperatur am 21. Juni 18.9 Celsius
Niedrigste Temperatur lebte Nacht 10.2 Eelsins
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Wettergasse 30 Buhnhofstr. 1
Fernruf 348
Wetterbericht.
Die über Zenttaleuropa liegende Tiefdruckrinne hat über Böhmen einen kräftigen Kern entwickell, in welchen von Südosten her warme und feuchte Lust emftrömt und verbreitete Niederschläge Hervorrufi. Aus- fäufer dieses Regengebrets reichen bis in unseren Bezirk, doch wird durch den von Westen her neuerdings oorstotzenden Hochdruckrücken die Witterung in Westdeutschland weiterhin vorwiegend fiocken und späterhin auch wieder wärmer sich gestalten.
Vorhersage für Donnerstag: Wieder ziemlich helleres und auch wärmeres Wetter wahrscheinlich.
darf nur 1 gr. wiegen, während die 3$ Pfg.-Zigarette 1,2? gr. wiegen darf. CLUB 31 hat gesetzlich zulässiges Höchstgewicht und taor allein: Sie ist rein macedonisdi, also grösser und besser.