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Dienstag, Sen2l.«miil9K

ftie .Oberhessisch« Zeitung' et- sechsmal wöchentlich. Be- lUgSpret« monoti. t. Marburg 2.02 g<$ auSschl. ZustellungSgebübr. tel unsren Agenturen 1,93 SM. ittjögL ZustestellungSgebühr, durch fit Post 2.25 SM. Mir etwa durch Streik, Maschinendefektod«, tliauntau Ereignisse ausfallend« Kümmern wird kein Ersatz ge­leistet «erlag, Dr. §. Hitz«r»ch. Druck der Univ-Buchdruckerei Iub Ang. Koch. Markt 21/23. Aernsprecher: Nr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto-. Am« Arankfurt «. 5R. Nr 5015. SprechM d« Redaktion von 10U und

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marbuvq.

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Alles scheitert an Frankreich

herriot will England gewinnen - Reparationsfrage, Abrüstung und Sicherheitsproblem immer mehr miteinander verbunden

In b»n privaten Besprechungen am Montag in Lausanne sind die deutsch-fran- IzSsische Gegensätze in der T r i b u t f r a g e Et aller Schärfe zu Tage getreten. In Ittiter Besprechung mit dem Reichskanzler Imb dem Reichsautzenminrster hat M a c - »onald die Wünsche Herriots Lber- pnttelt, wonach Frankreich in eine Herab- tetzung und Hinausschiebung der Tribut- Mungen einwilligen wolle, dagegen auf einer grundsätzlichen Beibe­haltung bestehen müsse. Bon deutscher Seite wird dieser Standpunkt auf das nachdrücklichste abgelehnt.

Bei einem Presseempfang erklärte He r r i o t, das) er die Linie verfolge, erst eine llebereinstimmung zwischen England und Frankreich herbeizu- Hhren, um erst dann die unmittelbaren Verhandlungen mit den deutschen Mi­nistern aufzunehmen. Indessen ist für deute. Dienstag, eine Unterredung des Reichskanzlers mit Herriot sorges e h en.

Schwierige Berhandluugen in Genf.

Die geheimen englisch-französischen Be­ratungen in Genf über die Abrüstumgs- irage wurde« den Montag über fortge- Khrt, ohne daß es gelungen wäre, die Ee- Msätze zu überbrücken. Der amerikanische Aordnungsführer K i b s o n hatte ein telephonisches Gespräch mit Präsident Hoover, befielt Ergebnis dahin zusam- mengefaßt wird, daß Amerika nach wie vor «itc Einigung Europas über Tribute und' Abrüstung als eine Borbedingung für Ke Kchulden-Revision ansieht.

Zurückziehung des französischen Abrüstungsvorschages?

DerTime s"-Korrespondent sagt, es bestehe guter Grund für die Annahme, das, die Franzosen ihre Bereitwilligkeit bekundet hätten, ihren Vorschlag be- Mfenb eine Völkerbundsarmee lurLFzuziehen. Dadurch werde ein rein künstliches Hindernis aus dem Wege der Konferenz entfernt, das ohnehin hätte verschwinden müssen, aber geeignet ge­wesen wäre, die Arbeit aufzuhalten.

Die Franzosen verlassen die Dreimächtr- besprechung.

Die gestrige Besprechung zwischen den englischen, französischen und deutschen Der- stctern im Hotel Beau Rivage dauerte über zwei Stunden. Vereinbarungsgemäß Nstrrde der Presse nichts mitgeteilt. Zu­nächst wurde in Anwesenheit von Herriot «ich dem französischen Finanzminister ver­handelt. Diese kehrten jedoch nach einiger Zeit in ihr Hotel zurück, so daß die wei­ten Besprechungen allein zwischen den Deutschen und englischen Ministern statt- 'anden. Unmittelbar nach der Sitzung 'M» eine Sitzung der deutschen Abordnung Mt, in der der Reichskanzler und der ^richsautzenminister die übrigen Herren ?rr deutschen Abordnung über ihre bis­sigen Besprechungen unterrichteten.

Ia3n unterrichteten Kreisen wird die eng- stche Politik wie folgt formuliert: Eng- M> erwartet einerseits von Frankreich *?s Einverständnis mit der völligen Streichung der Reparationen und ferner Abgehen von dem Plane der Verwen- ^ng der Reichsbahnbonds für eine Maige Schlußzahlung, für Ke England, Ms sie.sich nicht vermeiden läßt, die Form

einer internationalen Anleihe bevor­zugen würde. Andererseits erhofft die englische Politik von Deutschland Zu­geständnisse hinsichtlich einer Sicherheits­formel.

Die Reparationsfraq« ein Zahlenproblem.

In einer Besprechung mit der französischen Presse legte der französische Ministerpräsi­dent Herriot dar, dah es sich für Frank­reich um eine durchaus konkrete Zahlenfrage handele. Während z. B. England in einer Größenordnung von etwa 16 Millionen jährlich selbst an den deutschen Reparations­leistungen interessiert sei, habe Frankreich jetzt 359 Millionen auf die Dauer von 37 Jah­ren mit 5V- Prozent zu bekommen. Das ser ein konkretes Objekt, mit dem man rech­nen müsse, während alle anderen bisher auf- getauchten Kombinationen abstrakt seien. Ser­riet führte weiter aus, bevor man mit Herrn von Papen zu einer Diskussion gelangen könne, müsse er sich mit Macdonald über die grundsätzliche Seite dieser Frage verständigen. Es sei deshalb nicht weiter verwunderlich, dah die Erörterungen bisher noch nicht wester in Ruh gekommen seien. .

Skrm mungsum schwang in Parts.

In der Pariser Presse ist feit Montag abend im Zusammenhang mit den Lausanner Besprechungen ein Stirn - m ungsumschwung festzustellen, der um so schärfer hervortritt, als sich die Blätter mit dem bisherigen Verlauf der Auseinandersetzungen ganz besonders zu­frieden zeigten. Der Optimismus hat nun plötzlich einem Pessimi smus Platz gemacht, nachdem der französische Mi­nisterpräsident im Laufe des Montags vergeblich versucht hat, Macdonald für seine ReparationS-These zu gewinnen. Die über dreistündige Unterredung Herriots mit Macdonald soll nach Informationen des außenpolitischen Berichterstatters des E ch o d e P a r i s", Pertinax, äußerst be­wegt gewesen sein. Herriot habe die deutschen Tributverpflichtungen als unan­tastbar hingestellt und dabei unterstrichen, daß er vor der französischen Oeffentlichkeit zum mindesten die Form wahren müsse. Die unnachgiebige Haltung Macdo­nalds habe nunmehr bei der französischen Abordnung die Frage auftauchen lassen, ob es angebracht sei, sich mit den Eng-

Ein Angebot der Kommunisten

Hilfestellung für S.P.D. und Zentrum

Wie dieRote Fahne" mrtteklt. hat das Zentralkomitee der KPD. eine Kund» gebnng zur Frage der Wahl des Land- tagspräsidiums im preußischen Landtag herausgegeben, in der gesagt wird, die preußische Landtagsfraktion der KPD. sei bereit, für die Wahl einesPräsidiums aus Vertretern der S.P.D. «nd des Zentra»» aalet Ausschluß von Nationalsozialisten und Deutschnationalen einzutreten und ans di« Aufstellung eige­ner Kandidaten der KPD. bei der Prä» sidiumswahl zu verzichten. Die KPD. stelle dabei der Sozialdemokratie und dem Zentrum die Annahme und Durchführung von zwei antifaschistischen Mindest» forderungeu als Bedingung. Sie for, der« Herstellung der Bersammluugs-. De- monstrations, und Pressefreiheit, Freigabe des Rundfunk» für die revolutionäre Ar» ornctfCpGft tit Preuyen mro rettfl der beiden faschistischen Notverord­nungen der Papenregierung in Preußen.

Die NSDAP. *tb die Regimmg.

Köln, 20. Juni. Gregor Strasser hielt m Köln in der Rheinlandhakle eine Red«, in der er sich mit ganz auhergewöhn- licher Heftigkeit und schärfsten Ausdrücken gegen dieverbrecherische Politik, der S o - ziaidemokraten und des Zentrums wandte. Gerade letztere Partei habe als Steigbügelhalter des Manismus m zwölf Jahren den Kulturbolschewismus gezüchtet. Strasser jagte weiter, dah die SA. verboten wurde, weil Groener Hin­denburg falsch informiert habe, lieber die neue Regierung erklärte Strasser, dah das Kabinett von Papen bestimmt nicht die Maßnahmen durchführen werde, die der Nationalsozialismus von einer deutschen Staatsregierung erwarte. Die bisherigen Taten des Kabinetts, besonders die Aufhe­bung des SA.^Derbotes, seien kein Verdienst, sondern eine Selbstverständlichkeit, ebenso die Reichstagsauflösung. Das Kabinett von Pa­pen aber für den in vierzehn Jahren geschaf­fenen fürchterlichen Zustand heute oerant«

wörtlich zu machen, fei eine Infa­mie, die nur die verbrecherische Sophistik der Schwarz-Roten fertig bringen könne. Durch die kommenden Reichstagswahlen müsse die Schlüsselstellung des Zentrums endgültig ver­nichtet werden. Nochmals das Verhältnis zur neuen Regierung streifend, erklärte er, daß die jetzige Zwischenlösung nicht dauerhaft sei.

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NSDAP., Adolf Hitler, gestern dem Reichsinnenminister Freiherrn von Kayl ehren Besuch abgestattet. Die Deutsche Zeitung-, die ebenfalls übe, die Besprechung zwischen dem Mi­nister und Hitler berichtet, behauptet, daß Hitler insbesondere die Vorgänge in München «nd Köln zur Sprache g«, bracht «ah Vorstellungen erhoben habe ge­gen die Richtdurchführung der politischen Verordnungen in den einzelnen Ländern. Eine amtliche Mitteilung war. wie das Blatt schreibt, in später Nachtstunde nicht zu erhalten.

Adolf Hitler spricht in Weimar.

Weimar, 20. Juni. Auf einer von etwa 2000 Teilnehmern besuchten Amtswal- tertaaung des Gaues Thüringen der NSDAP führte Adolf Hitler, der auf der Reise von Hessen nach Berlin hier abgestiegen war, in einer kurzen Ansprache u. a. aus: Er hoffe nicht, daß die kommenden Reichstags­wahlen das letzte sein werden. Er hoffe, daß niemals der Zeitpunkt eintreten werde, wo auch die Führer sagen: Nun wollen wir zur Ruhe gehen. Er hoffe, daß die Bewegung dauernd scharf bleibe. Der 31. Juli sei für die NSDAP wiederum ein Meßtag, um zu sehen, wie stark sie sei. Er werde in eine Koalition hineingehen unter der Voraus­setzung, daß sie nicht die Politik des überwun­denen Deutschlands sondern die des kommen­den Deutschlands betreiben wird. Wenn das nicht möglich sei, dann würden die National- sozialichen lieber mit 200 Mann in Oppo­sition stehen, als 30 Ministerposten besitzen.

RtoSem M verärgern ttnB Frwckrelch M isolieren, oder aber sich den englischen Wünschen zu beugen und gemeinsam in Washington vorstellig zu werden.

DasJournal- glaubt zu trnfiten, dah man sich jetzt englischerseits bermche« die deutsche Abordnung von ihrer bisherig gen Haltung in den Reparaticmsfraaem abzubringen. Es stehe außer Zweifel, dahi man englischerseits verärgert darüber sei« dah Frankreich die Reparationsfrage über* Haupt noch einmal aufwerfen wolle, nach­dem man die Erklärung der interessierten Mächte allgemein als die Beerdigung der Frage betrachtet hatte. Der auhenpolitische Berichterstatter des Blattes will sogar aus gut Unterrichteter Quelle erfahren haben, daß die englische Abordnung mit so­fortiger Abreise gedroht habe, falls Herriot auf seinem bisherigen Standpunkt verharre.

Der »Petit Parisien- erklärt, dah Frankreich trotz seines Wunsches, seinem Nachbarn auf der anderen Seite des Rheins zu helfen, keine Lösung annehmen könne, die ganz einseitig zu Gunsten Deutschlands ausfalle und die anderen in­teressierten Mächte direkt schädigen würde. In Lausanne handele es sich nicht nur um die Reparationen, sondern um die euro­päische Wirtschaft. Diese Frage könne man jedoch nicht lösen, indem man die Lasten von der einen Schuster auf die an­dere wälze, sondern indem man die Ach - tun g vor den Verträgen wahre, selbst wenn man ihre praktische Durchfüh­rung aus drei bis fünf Jahre auf­schiebe. Die Form, in der der Lau­sanner Berichterstatter des Blattes diese These vorbringt, legt im Gedanken nahe, dah es sich hiechel um die Wiede rgabe des amtlichen Standpunktes handelt.

Londoner Stimmen übe» Genf and Laasanue.

Me Lonvoner Morgenpref^e berichtet aus Genf, dah die AbrüftUngS- verhandlungen zwischen den Delegationen Englands, Frankreichs und Amerikas nt verschiedenen Richtungen gute Fort­schritte gemacht hätten, wenn auch noch nicht von einer endgültigen Dereinbarung gesprochen werden könne.

Die Nachrichten der Morgenblätter aus Lausanne lauten weniger erfreulich als die aus Genf. Immerhin wird betont, daß es voreilig wäre, auch nur von einer Stockung der Verhandlungen zu sprechen, wenn auch zwischen der englischen Forde­rung nach völlig-r Beseitigung der Re­parationen und dem französischen Er­langen, daß Deutschlandnach Wieder­herstellung der wirtschaftlichen Wohlfahrt" noch irgend welche Zahlungen leisten solle, noch kein Ausgleich habe hergestellt werden können.

Der Lausanner Berichterstatter Reuters nennt die Erklärung Herriots vor französi­schen Pressevertretern, eine völlige An­nullierung der Reparationen lege Frank­reich viel größere Opfer auf als England, unvollständig und irreführend. Die Er- flärung zeige deutlich die Weite der Kluft zwischm dem englischen und dem, fran­zösischen Standpuntt. Herriot sei wäh­rend seines Pariser Aufenthalts offenbar unter dem Einfluß von Kreisen der Rechten gekommen, infolgedessen fei seine Haltung etwas eigensinniger geworden.

Der Lausanner Korrespondent der Mt>rning Post" sagt, der Fortschritt der Berhandlungc n werde gehemmt durch das französische Beharren auf Sicher­heit. In allen seinen Besprechungen