Montag, temauni 1932
DU .Otxrd«ss>sch< Seituna* et- f^einl sechsmal wSchevtltch. B«- ,«g«pr«t« monLÜ.i. Marburg 2.02 $gR au«schl. Z-sttllung-gtbübr. Ki unften Agenturen 1,93 DM. -uftgL ZustestellungNgebühr. durch Jte Post 2.25 DM. Für etwa tot <6 Streik, Maschtnendefektoder elementare Ereignisse ausfallend« Munnnern wird kein Ersatz g«- ,eistet Verlag, Dr. §. Httzeroth, Druck der Untb-Buchdrnckeret Aoh. Ang. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: SRt. 54 und Rr. 56. Postscheckkonto: Antt Frankfurt «. M- Rt. 5015. Sprechet der DteMHee von 10—M etib ’M—1 Ute.
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Anzeiger für (bas frühere kurhesfische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
228000 Nichtwähler in Hessen
Die bürgerliche Mitte fast völlig zerschlagen — Neuer Wahlsieg der N.S.D.A.P. — 32 von 70 Mandaten
fl. Darmstadt, 20. Ium. Nach dem wriäuftgen amtlichen Ergebnis der Landtagswahlen ergeben sich für die einzelnen Parteien folgende Stimmen:
Sozialdemokraten Zentrum
6. A. P. Kommunisten Lifte Dr. Leuchtgens Deutschnationale Nationalsozialisten Hess. Demokraten tat. Einheitsliste
Danach ergibt sich der 70 Mandate:
Sozialdemokraten Zentrum
6. A. P.
Kommunisten
Liste Dr. Leuchtgeu« Deutschnationale Nationalsozialisten Kess. Demokraten Rat. Einheitsliste
172 545 (168 101) 108 603 (112 444)
11697 (8170) 82111 (106 790)
10 796 (0) 11267 (10 857)
328 313 (291183) 4 925 (4 613)
25175 (68 208) folgende Verteilung
17 (15) 10 (10)
1 (1)
7 (10) 0 (0)
1 (1)
32 (27) 0 (0)
2 (5)
Gewinne und Verluste
Bei einer Wahlbeteiligung von nur rund 77 Prozent gegenüber 82,4 Prozent bei der vorjährigen Lanvragswahl und von 86.2 Prozent bezw. 84,7 Prozent bei ben beiden Präsidentschaftswah lgängen bat die hessische Landtagswahl in erster Linie den Nationalsozialisten Erfolge gebracht. Der Anteil ihrer Stimmen stieg von 37,1 Prozent bei der Landtagswahl des Jahres 1931 auf 44,0 her gültigen Stimmen, und ihre Mandatszahl von bisher 27 auf 32. Al(ch wenn man die Reichspräsidentenwahl zum Vergleich heranzieht, zeigt sich ein Anwachsen der nationalsozialistischen Stimmen von 314 039 (38,8 Proz.) im zweiten Wahlgang auf nunmehr 328 313 künftig haben beim Wahlkampf auch die Sozialdemokraten abgeschnitten. Ihr Stimmenzuwachs beträgt etwa 4400, und die Zahl ihrer Abgeordneten erhöht sich infolge der feststehenden Mandatszahl und der geringen Wahlbeteiligung von 15 auf 17. Anteilsmäßig fielen ihnen diesmal 23,1 Prozent der Stimmen zu gegen 21,4 Prozent bei der letzten Landtagswahl, während sie bei der Reichstagswahl von 1930 noch 28,9 Prozent der Wähler hinter sich hatten. Die K o m w u n i ft e n haben starke Einbußen erlitten. Von bisher 13,6 Prozent und 10 Mandaten sind sie auf 11,0 Prozent und 7 Mandate zurückgegangen. Da die mit der Sozialistischen Arbeiterpartei zusam- wengehende Kommunistische Opposition bei gleichfalls starkem Stimmenverlust üd) ihr bisheriges Mandat erhalten tonnte, so haben die Linksparteien insge- ftoit jetzt zwei Sitze weniger als bisher (25 gegen 27).
Einen leichten Stimmenrückgang (3800) tot das Zentrum erfahren, der aber tor ungefähr der geringeren Wahlbeteiligung entspricht; relativ hat seine Stärke ^och etwas zugenommen (14,6 Prozent Segen 14,3 Prozent), und seine Mandats- 5°6l bleibt mit 10 unverändert. Die Deutschnationalen haben absolut tob relativ (runb 11000 Stimmen oder
Prozent) ihre Stimmenzahl und ihren bisherigen Sitz behauptet. Bei der »ieichstagswahl 1930 erreichten ste nur "900 Stimmen oder 1,6 Prozent eine tot wenig höhere Stimmenzahl. Beim Ersten Wahlgang der Reichspräsidenten- tochl wurden für Duesterberg 10203
Stimmen oder 2 Prozent abgegeben. Die hessischen Demokraten haben allerdings auf niedriger Basis, ihren Besitzstand gut gehalten (4925 ober 0,7 Proz. gegen 4613 oder 0,6 Prozent bisher). Das politisch bedeutsamste Ergebnis der hessischen Landtagswahl ebenso wie der beiden Dorangegangenen Landtagswahlen in Mecklenburg und Oldenburg ist aber der fortschreitende Zerfall der bürgerlichen Mittelparteien. Ob- wohl sie sich diesmal alle sechs van der Staatspartei bis zum Landvolk zu einer Nationalen Einheitsliste zu- sammengeschloffen hatten, konnten sie von
ihren bisherigen, beim letzten Wahlkampf noch getrennt errungenen fünf Mandaten nur 2 retten. Ihre Stimmenzahl ging von 187112 oder 25,1 Prozent im Jahre 1930 auf 68 208 oder 8,7 Proz. im Jahre 1931 auf jetzt 25 175 ober 3,4 Prozent ber gültigen Stimmen zurück.
Bedenklich ist bie hohe Zahl ber Nichtwähler. Sie stehen gewiß roebet ber NSDAP, noch bem Zentrum, ber SPD. unb KPD. nahe. Es finb heimatlos gewordene Bürgerliche, die zu Sammellisten, gleich welchen Namens, kein Vertrauen finden, und von der Dynamik des Parlamentarismus fo wenig begriffen
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as wird in Preußen?
Auch der 22. Juni bringt keine Entscheidung
Während bereits am Mittwoch, dem 22. Juni, der preußische Landtag mit dem Programmpunkt auf der Tagesordnung wieder zusammentritt, der die endgültige Wahl des Landtagspräsidiums und vor allem auch die Wahl des Ministerpräsidenten vorsieht, ist die Lage hinsichtlich eines positiven Ergebnisies des Wahlganges noch so undurchsichtig, daß es trotz des gewaltigen Interesses, das diese Sitzung schon im Publikum gefunden hat, höchst fraglich erscheint, ob sie nicht schließlich wie das Hornberger Schießen aus- laufen wird. Im Landtag selbst ist der parlamentarisch gewiß recht seltene Fall •eingetreten, datz am Vorabend der Wahl der Regierung noch nicht einmal Namen der Kandidaten genannt werden.
Ueberblickt man die parlamentarische Lage, wie sie zurzett zwischen den beiden maßgebenden Parteien, ben Nationalsozialisten und dem Zentrum, besteht, so kann man auch fast mit Gewißheit sagen, daß Herr Braun and sein gefchäftsfiih- rendes Kabinett am Mittwoch noch keine Nachfolger finden werden. Die noch vom vorigen Landtag kurz vor fernem Abtritt vorgenommene Aenderung der Geschäftsordnung bestimmt, datz der Ministerpräsident mehr als die Halste der "abgegebenen gültigen Stimmen erhalten muß. Der zwette Wahlgang, die sogenannte Stich- wahl, ist nach dieser Geschästsordnungs- schiebung weggefallen, ohne datz es dem neuen Landtag infolge der Haltung ber Kommunisten möglich gewesen wäre, die alte Geschästsorbnungsbestimmung wieder herzustellen. Entsprechenb altem parlamentarischem Brauch beansprucht bi« NSDAP, als bie stärkste Fraktion im Lanbtag das Recht, den Mmrsterpräsiden- ten zu stellen. Da aber Rattonalsozialiften. Deutschnationale und bürgerliche Splitterparteien, bie für einen nationalsozialistischen Ministerpräsidenten stimmen wurden, nicht die Mehrhett haben, ist eine Zustimmung des Zentrums notwendig. — Nun sind seit dem Zusammenttitt des neuen Landtags in Preußen Wochen und Monate vergangen, ohne daß es auch nur zu einer Belebung, geschweige beim zu einem positiven Erfolg ber Koalitions- gefpräche zwischen NSDAP, unb Zentrum gekommen wäre. Die Taktik der Nationalsozialisten ist auf Zuwarten abgestellt, während das Zentrum von vornherein eine etwaige Verhandlungsbereitschaft mit so vielen Vorbehalten und Bedingungen belastete, datz die Aussichten, beide Parteien unter einen Hut zu bringen, stets skeptisch beurteilt roerocn muhten. Neuerlich ist ober durch ben Zusammen
stoß zwischen Kube und Sieger hn Landtag eine wesentliche Verschärfung hinzugetreten, sodaß heute praktisch mit einem Ingangkommen ber Koalitionsverhand- lungen nicht mehr gerechnet wirb. Die un- vermeibliche Verschärfung ber Gegensätze, bie auch'ber beginnenbe Reichstagswahlkampf mit sich gebracht hat, bewirkte es stießlich, baß Abg. Kube in ber letzten Lanbtagssitzung erklärte, Koalitionsver- nanblungen kämen jetzt nicht mehr in Frage.
Damit dürste aber auch erwiesen sein, datz ein von den Nationalsozialisten am Mittwoch herausgestellter Kandidat niu die benötigte absolute Mehrheit ber Stimmen auf sich vereinigt. — In Kreisen ber Parteien ber ehemaligen Koalition trat nun in der letzten Zeit das Beftteben hervor, einem Kandidaten dieser Parteien, der dem Zentrum oder den Sozialdemokraten angebört hätte, eine Mehrheit zu sichern. Nach Lage der Dinge wäre dazu aber die Zustimmung der Kommunisten notwendig. Datz die KPD. ihrem alten Brauch untreu werden unb ihre Stimmen einem nichtkommunistischen Kandidaten geben könnte, dürste aber nicht anzuneh- ben sein; hn Gegenteil scheint heute auch ht den Weimarer Kreisen schon volle Klarhett darüber zu bestehen, datz diese neue Schiebung mit Hilfe der Kommunisten nicht durchgehen wttd.
Die gleiche Spekulation auf die kommunistische Hilfe ist auch hn Fall der Wiederwahl des Landtagspräsidmms fehlgeschlagen. Nach der neuerlichen Zuspitzung zwischen Zentrum und NSDAP, wurden nämlich Gerüchte verbreitet, denen zu- Se das Zentrum den Präsidenten Kerrl t wiederwählen wolle, sondern dafür einen eigenen Kandidaten aufstellen werde, der dann angeblich mit Unterstützung ber SPD. und ber KPD. durchgehen sollte. Es wurde bereits der Name des jetzigen Vizepräsidenten Baumhoff genannt. Aber auch diese Hoffnung hat, wie gesagt, Schiffbruch erlitten. Die Kommunisten werden auch in diesem Fall ihre Stimmen ihrem eigenen Kandidaten geben, sodatz das Zenttum her Wiederwahl Kerr ls zustimmen dürfte. Mit dieser Wiederwahl des Präsidiums dürfte die Landtagssitzung vom 22. Juni auch ihre einzige positive Arbeit geleistet haben; darüber hinaus ist nicht daran zu zweifeln, datz die größere Anzahl von Agita- tationsanttägen abgelehnt wird, während die Regierungsbildung bis nach den Reichstagswahlen verschoben werden wird.
haben, daß sie ber Linken, wenn auch nicht zum Siege, so boch zur Erhaltung ihrer Machtposition verhelfen. Ihre Schuld ist es, wenn bie Linke trotz aller Siege ber nationalen Rechten triumphieren kann.
. Regierungsbildung unmöglich?
Die Regierungsbildung im netten Hessischen Landtag wird aller Voraussicht nach auf die gleichen Schwierigkeiten flößen tote nach der letzten Landtagswahl. Die Nationalsozialisten können für die Vildung einer Rechtsregierung zu den von ihnen jetzt errungenen 32 Mandaten mit Sicherheit nur noch auf den einen deutschnationalen Abgeordneten rechnen, so daß sich also nur eine Minderheit von 33 von insgesamt 70 Abgeordneten ergäbe. Wie weit sich die auf der „Nationalen Einheitsliste" gewählten beiden Abgeordneten Dr. Aiepoth (Deutsche Volkspartei) und Dr. Glaser (Dandbund) eventuell bereitfän- den, mit den Nationalsozialisten zusammen- zugehen, ist noch unbeftnrant, zumal besonders der an zweiter Stelle gewählte Dr. Glaser sich bisher über eine solche Koalition wiederholt ablehnend ausgesprochen hat. Aber selbst für diesen Fall hätte eine RechtSregierung noch keine Mehrhett im neuen Hessischen Landtag, sondern nur Stimmengleichheit (35 von 70 Abgeordneten). ES bleibt also dabei, daß zur Bildung einer parlamentarischen Negierung die Zusammenarbeit zwischen Zentrum Und Nationalsozialiften erforderlich ist. Nach der Fühlungnahme, die der Vertreter des WTB. mit maßgebenden hessischen Zentrumskreisen genommen hat, wird sich jedoch an der bisherigen Haltung des Zentrums nichts ändern, das heißt eine Regierungskoalition von den National- sozialiften bis zum Zentrum wird nicht m Frage kommen.
Emzelergebnisse
Stadt Darmstadt.
SPD. 13 805 — Ztr. 4002 — SAP. 276 — KPD 4202 — DNVP. 911 — NSDAP 25 230 — Hess. Dem. 632 — Rat. Einh.-L. 4322 — Leuchtgens 75.
Reichstagswahl 19. 4. 1930: Wahlbeteiligung: 83,3 Proz. — SPD. 15 536 — Ztr. 3532 — KPD. 3987 — DNVP 1405 — NSDAP 13 341 — Staatspartei 3602 — DVP. 9089 — Heß. Landvolk 128 — Christl.-Soz. 1717 Wirtfchastsp. 1033.
Reichsprafideuteuwahl 1932: Wahltbeteilig. 1. Wahlgang 85 Proz., 2. Wahlgang 85 Proz. - KPD. 5653 (4096) — DNVP. 1339 - NS DAP. 18 769 (22 140).
Stadt Mainz.
SPD 19167 — Ztr. 18 419 — SAP. 1056 — KPD. 10 026 — DNVP. 880 — NSDAP 24 393 — Heft. Dem. 396 — Nat. Einh.-Liste 2897 — Leuchtgens 57.
Reichstagswahl 14. 9. 1930: Wahlbeteilig. 83.3 Proz. — SPD. 25 396 — Ztt. 15 714 — KPD. 9278 — DNVP. 1302 — NSDAP. 12111 — Staatsp. 8407 — DVP. 3909 — Hess. Landv 833 - Christl.-Soz. 2237 — Wirtsch- Partei 1838.
Reichspriifidentenwahl 1932: Wahlbeteilig.: 1. Wahlgang 86,2 Proz. (2. Wahlg. 82 Pro^) — KPD. 11017 (8116) — DNVP 2517 — NSDAP. 16 668 (21 083).
Stadt Sieben.
SPD 3879 — Ztr. 1138 — SAP. 165 — KPD. 1324 — DNVP. 645 - NSDAP. 9496 — Heft. Dem. 159 — Nat. Einh.-L. 1277. — Leuchtgens 19.
Reichstagswahl 14. 9. 1930: Wahlbeteilig.: 79,1 Proz. - SPD 5040 — Ztr. 925 — KPD. 1730 - DNVP. 840 - NSDAP 3714 -