W. 137
OBerbeffiM* 3etttmg. Marvurg s. L. Dienstag, bet 14. Statt 1932
Sette 1
§1* Der Mississippi stiftet eine Ehe
E be Der Kinderballon als Heiratsvermittler - Wozu Briefiästen in Afrika gut sind
na*
Der kleinen Budapester Tänzerin ging es
mntifu ioetit6 iftintut; or, bo > ein m k ittfibe m Ftz fbieiÄt,
n,wv. 1 183. Durch t vor
Rioch teie, Ktt.
M.
nmq» cechrgtz Im fm ^stoos StDoä. ! Par ksda» florti, 3ha. inatj» Votts 3h. 7, Saget» Laich, raziak ge do kieichs
NN? . <k» broefr
gw Tausenden ihrer Schwestern: Sie sehnte |i6 nach einem Mann und hatte dach keinen. Das sollte sie anfangen? Me sonstigen Dege der üblichen Ehevermittlung hatte Re Hon erfolglos beschritten. Irgend ein neuer flufete gefunden werden. Die Lösung liefe tatsächlich nicht lange auf sich warten. Die Tänzerin verschaffte sich einen Kmderbaflon gnb hängte eine Karte mit folgendem Hilfe- «f ans bedrängtem Herzen daran: »Schre»- berrn ist ein braunes Mädel, von dem man ^gt, es ser hübsch und es bittet den ehrlichen Finder, sich mündlich oder schriftlich mit M..- S... in Verbindung zu setzen." Dann liefe die bedrängte Seele den Liebesboten aufsteigen.
Sie hatte EWck. Der Wind trug den KaScm in «in ungarisches Dorf, landete ihn auf dem Hofe eines Gutes. Der Besitzer, ein junger Mann, las den Brief, war der Ueberzeugung, das Glück ser zu ihm geflogen, Md er befolgte die Aufforderung der Briefschreiberin so wortwörtlich dafe er sich einen Tag später in jeder Beziehung mündlich mil der jungen Dame in Verbindung setzte und sie daun heiratete.
W»e der Leinen Budapesterin ging es einem jungen Farmer am Vater der Gewässer, am Mississippi. Der Mann hatte wohl nicht den Mut. auf die Brautschau zu gehen, oiet- lticht auch nicht die Zeit dazu. Seine Farm lag recht einsam und weitab von der groben Strafe«, auf der die Mädchen aus den Städten in ihre» Kraftwagen vorbeirasten. Was tun?
Der Flufe gab chm eines Abends die Antwort. Unser schüchterner Farmer safe sin- aend an seinem Ufer und sah die Wasser zu- tal gleiten. »Da fiel ihm ein, er könnte die Fluten zum Liebesboten machen. Er über- tegte nicht lange, schrieb ein paar Zeilen: „2Ber diesen Brief findet, der mag an mich schreiben, wenn es nur ein anständiges Mäd-
wi
i bat t Be
Bun iifeteit egte*
6e>
!. g* rtten: deut- diese ft bet t die fetter e die t m iegs- hmi- sen-
chen ist, das einen guten Mann sucht." Dieses wenlger durch seinen Stil als durch seine Elgenrat ausgezeichnete Schreiben steckte der Farmer in eine Nasche, und die warf er in den Mississippi.
Doller Erwartung sah er den kommenden Dingen entgegen. Er brauchte nicht lange zu fiebern. Denn baß» darauf stellte sich em frisches junges Mädchen bei ihm ein: ,Ich habe die Flasche mit dem Brief gefunden. Ich bm die Rechte."
Sie muhte wohl die Wahrheit sagen. Denn eine Woche später waren die beiden »erheiratet, und sie sollen sich, obwohl die ®je schon ein Iahr dauert, noch immer vertragen.
Noch schlechter als für die ungarische Tänzerin und den amerikanischen Farmer standen ine Heiratsaussichten für die Tochter eines Pflanzers in Nordrhodessen. Denn weit und breit wohnte kein Weitzer, geschweige denn em heiratsfähiger oder gar heiratslustiger junger Mann kaukasischer Rasse. Was tim? D» Phantasie des Mädchens fand die rich- bge Antwort. Dreifeig Kilometer südlich von der väterlichen Pflanzung war ein pri- mittoer Briefkasten, in den jeder, der auf rund fünfzig Kilometer Umkreis sich mit der Sufeenroett m Verbindung setzen wollte, seine Epistel warf. Der erste beste, der am Brieflasten vorüberkam, nahm dann den Brief tot zum Postamt.
er.
|atne den ereil
3a diesen Kasten warf die einsame Jungfrau einen Brief, auf dessen Umschlag sie schrieb: „Dem ersten braven Europäer, der an tüchtiges Pflanzermädchen heiraten wilk."
Das Herz klopfte ihr doch ein wenig, als sie nach der väterlichen Pflanzung zurückfuhr:
aus
D ▻ aten >eld- Mst. nach che urs, : sie
be« ms- iten den
roe» be« ind Ire* ah- Se- ze» ret le« nfo »on be* inö ilb> ter lic* 2a* rfte er* nS
Ae Mlla
(Eine Marburger Erinnerung.)
Achüos schreitet täglich wohl die jetzige Generation einer studentischen Korporation tt einem Hause auf der Neustadt vorbei, oas heute durch Umbau und Anstrich sein Aus- ichen gegenüber früher gänzlich geändert hat und durch äufeere Eleganz bis zur Unkenntlich- «eit entstellt ist, so dafe wohl auch Wohl mancher von denen, die ebtit in ihrer Sünden Maienblüte es fich zum Heim erkoren hatten ober die ständigen Gäste der dort Hausenden waren, es kaum wiedererkennt: damals aber, ™ längst verklungenen Zeiten, so in den 90er Jahren und darüber hinaus, stand es schlicht *nb grau und bieder da und patzte so auch Wtnz in seine nächste Nachbarschaft.
Und schlicht und grau und bieder wie die "Silla" war auch ihr Besitzer, der dort eine nvlonialwarenhandlung betrieb: holde Düste Hauchte sie aus und erfüllte damit Nur, Treppenhaus und Wohnräume. Wo und wie rer aste Junggeselle. seine Schwester und eine Ate Haushälterin, und namentlich, wann re geschlafen haben, entzieht sich näherer Kenntnis: seine Mieter kümmerten sich wenig barum; was sie mit ihm zu verhandeln hatten. besorgten fie im Laden, oder auch in rem dahinterliegenden Zimmer, wenn die Unterhaltung einen intim-metallischen Charakter annahm und somit der Ohrenzeugen ent- rehren konnte. Leichtsinnig und unbekümmert wohnte man in dem gastlichen Hause, wo der toveklige Zahlungstermin gänzlich jeglichen schrecken verloren hatte, wo so manches flei- Jjere oder grötzere, aber immer gern gegebene Darlehn manchen Mieter manchmal aus sei-
Db sich wirklich einer melden würde? Ob 1 sie nicht eine Dummheit gemacht hatte, die noch unangenehme Folgen haben könnte? Was, wenn sich irgend em hergelaufener Europäer meldete und Anspruch auf ihren Besch erhob. Kroch schlug, weil sie ihn ab- roies? Dem Mädchen war alles andere äks froh zu Mute.
Es kam nicht so schlimm. Eine Woche später traf ein etwas stoppekger, aber sonst ganz vernünftig aussehender Weitzer auf der Pflanzung ein und verlangte die Tochter des Hauses zu sprechen. Zitternd folgte das Mädchen dem 9tuf. „Guten Tag", sagte der Fremde, „ich will mich erst rasieren, und dann können wir meßet über den Fall reden."
Er rasierte sich. Und unter der rauhen Schake kam em so guter Kern zum Vorschein, datz Mädchen und Fremder bald „han
delseinig" wurden. Der Vater war um so mehr einverstanden, als der junge Mann sich als Erbe einer guten Familie entpuppte, der m Rhodesien hatte jagen wollen.
Erfindungsreich rote die Frauen nun e«n- mal sind — besonders in Dingen der Siebe —, kamen ein paar Amerikanerinnen auf «inen anderen Einfall. Sie boten ihre Hand durch die Zeitung denjenigen an, die ihnen ober — um eine sentimentale Saite im Herzen des Mannes Hingen zu lassen — ihren „armen Eltern" fünf- oder zehntausend Dollar auf den Tisch zahlen würden. Aber nur wenige hatten Glück. Erne freilich — sie gehörte zu den ersten, die diesen noch etwas ungewöhnlichen Weg beschritten — erhielt nicht weniger als 400 Angebote, von denen manche gleich einen Scheck über zehntausend Dollar entbidtten. W. Sattels.
Die Gisenbahnkatastrophe bet Anna
M M
WMMM.W
Blick auf die Unglücksstätte mit dem umgestützten Wagen.
Infolge Bodensenkungen entgleiste bei Unna (Westfalen) ein Petsonenzug. Sämtliche Waggons stützten um und fielen die Böschung hinunter. Eine Reisende wurde getötet und 44 Personen verletzt, davon 16 schwer.
Der König -er SGmetterlinse"
Auf feinem Besitz in Whetly in England starb vor einigen Tagen James Joicey, der sogenannte „König der Schmetterlinge". Der Fang und das Sammeln von Schmetterlingen wat die größte Passion dieses reichen Mannes. Seine Schmetterlings-Sammlung war die größte der Welt. Die Zahl der Schmetterlinge, die in zahlreichen Glaskästen in den Räumen seines Landhauses, sotgfälttg präpariert aufbewahrt werden, erreichte !%• Millionen Exemplare verschiedenster Gattungen. Um seine Sammlung zu erweitern, unternahm Joicey alljährlich Reisen nach Australien, Südamerika, Afrika und China. Die eigenartige Passion kostete jährlich 100 000 Mark. Den Anfang machte Joicey vor vierzig Jahren. In der ersten Zeit waren die Eeldaufwendungen ! des Sammlers nicht besonders groß, da I
es sich um die „landläufigen" Schmetterlingsarten handelte. Im Laufe der Zeit wurde Joicey von dem ehrgeizigen Gedanken ersaht, alle i«. der Welt vorhandenen Gattungen in seinem Besitz zu haben. Auf der Suche nach Schmetterlingen bereiste Joicey die Welt und rüstete auch Hilfeexpeditionen aus, die ihm besonders seltene Exemplare aus den wildesten und entlegensten Gebieten verschaffen sollten. Das berühmte Stück in seiner Sammlung ist ein Schmetterling, den die Wissenschaft mit dem Namen „Caraxes Furinere" bezeichnet, von dem nur zwei Exemplare bis jetzt gefangen werden konnten. Um diesen seltenen Schmetterling zu erwischen, begab sich Joicey vor Jahresfrist nach dem Kongo-Gebiet. Er vermachte seine Sammlung, die von Sachverständigen auf etwa 800 000 Mark geschätzt wird, dem britischen Museum.
ner dauernden „momentanen" Verlegenheit befreit hat.
Und so konnte sich der biedere „Fritz" nie über einen Mangel an Mietern beflogen; alle irgend verfügbaren Räume des Hauses waren dauernd von ihnen besetzt, der erste und der zweite Stock so gut wie hoch oben die Mansarde, die „Terrasse" benannt, und zeitweilig auch das Zimmer, das vom Hausflur auf' der Neustadt aus eine Treppe tief lag, nach dem Pikgrimstein aber bas dritte Stockwerk bildete.
Und wenn jetzt frohe Feste oder ernste Tagungen den einen ober anderen der ehemaligen Villenbewohner wieder ins alte, liebe Marburg führen, sie, die jetzt alle in Amt und Würden stehen und doch einst am tollsten gewettert, dann wird der Arntsgerichts- rat ober der Zahnarzt, der Rechtsanwall so gut wie der Arzt und der UniversitätsProfessor, wenn er streng ehrbar und bedächtig, auch wohl schon ein bitzchen kurzatmig zur Wasserschride sich empormüht, mit verständnisinnigem Schmunzeln an dem Hause emporschauen, wo er dereinst — im wörtlichsten Sinne des Wottes — so frei wohnte, ober er wird verstohlen einen Blick in den Hausflur werfen, in dem er sich so manches liebe Mal nächtlicher Weile zwischen Wand und Pettoleumfässern hindurchzroängle zur Treppe, mit ihr den allnächtlichen Kampf aufzu- nÄhmen.
Da gedentt dann der eine wohl der Zeiten, ba er als uralter Inaktiver die vom Fschi- boden Kommenden grotzzügig und unbefangen auf Kosten des Hauswirts zum Frühstück hinauf bat — „denn was man itzt, das bleibt man andern schuldig", dachte er mit Goethe.
Der andere sieht im Geiste dann wohl wieder die eigenartig-sinnige Festdekoration, die einst an einem Sonnabend, der schon längst ein Sonntag war, dieselben Hände anbrachten, die ihn eben noch, ba er so stützungsbe- bürftig war, hilfreich voller Nächstenliebe in die Mansarde hinaufgeleitet und dott liebreich unter der buntgeroürfelten Decke gebettet hattet hatten — die an einer Fahnenstange befestigte, von sankt ern Morgenwinde geschaukelte Hose des ahnungslos Schlummernden, ein Aergernis aller Kirchgänger, aber als eine Zierde der Stratze gedacht, für die nur leider die Polizei nicht das nötige Verständnis aufzubringen vermochte, und er sieht auch wohl wieder das Tintenfaß auf dem Tische prangen, das er einst als Zeichen betriebsamen Fleitzes erstanden hatte, als ihm der väterliche Besuch angekündigt war, bas er aber in seiner freubigen Bestürzung zu Füllen vergessen.
Unb er, der bei seinem Weggang von Marburg gutgläubig die Versicherung seiner Freunde mit nach München nahm, bafe es in ber alten Pinakothek bas bessere Bier gäbe, er wirb in Gedanken immer noch dem Fluchen, der ihm einst den furchtbaren Käse unter die Tischplatte nagelte, ben er wohl witterte, aber nicht fanb; aber vielleicht hat er bem verziehen, ber ihm mit Heimlist und Hintertücke bte Bettfvanne aushakte, so bah er beim unsanften Erwachen sich in dem zerrütteten Bettsystem nicht mehr auskannte.
Und wieder ein anderer, der Nachfolger des „flaggenden" Villenbewohners, hat wohl auch heute, nach 80 Semestern, noch nicht die Zeit vergessen, da er mit genialer Einfachheit — alles Geniale ist einfach — sich vor Besuchen
D« «mm, der feinen Mörder bestellte
3m Treppenhaus des Jugendamtes Halle wurde im Dezember v. 3 der Stadt- oberfekretär Göhre mit einem lebenSge» fährlichen Lungenschuß aufgefunden, ein größerer Geldbetrag fehlte, ein Spar* kassenbuch lag zerrissen neben dem Verletzten. Wie sich später herausstellle, hatte Göhre seinen Freund, den arbeitslosen Zu- schläger Pfeiffer gebeten, ihn zu erschien hm. Göhre war des Lebens überdrüssig, fürchtete aber, bei einem Selbstmordver-, such Krüppel zu werden. Außerdem wollte er seine Fannlie nicht die Schande antun, ein Selbstmörder zu sein. Pfeiffer hatte nicht den Mut, die Tat auszuführen. Er holte wiederum seinen Schwager, den Qlr* beitSIosen Haller, ließ ihn vor dem Ju* gendamt warten, ging hinein, nahm von Göhre 570 Mark in Empfang und schickte bann seinen Schwager zu Göhre. Göhre drückte diesem die Pistole in die Hand und Haller schoß.
Wor dem Schöffengericht Halle wurde Göhre wegen unerlaubter Waffenführung und unerlaubter Abgabe einer Schußwafffe mit Munition zu einem Monat Gefängnis verurteilt, Haller erhiell wegen gefährd kicher Körperverletzung Und unerlaubter Waffenführung neun Monate Gefängnis. Pfeiffer wegen Anstiftung ebenfalls neun Monate Gefängnis. Bor der Strafkammer Halle verlangte in der Berufung der OJer- teidiger für Göhre eine Geldstrafe, Pfeiffer führte plötzlich an, er sei nicht ganz nüch-. tern gewesen, Haller bat um ein milderes Urteil. Sämtliche drei Prüfungen wurden verworfen, nur Haller erreichte, daß vier Monate seiner Antersuchungshaft ange* rechnet, werden.
----*----
Wie ein ftanniMMlm gedreht wird
Eine französische Filmgesellschaft brachte vor einiger Zeit einen Film heraus, ber auf ben Hebriden gedreht würbe unb erschütternde Kannibalen-Szenen angeblich lebens» getreu darstellte. Das Publikum entsetzte sich übet die blutrünstigen Sitten der Menschenfresser. Der Film lief wochenlang mit grobem (Erfolg. Nun nimmt Pater Dussere, der päpstliche Vikar auf den Hebriden, zu bem sensationellen Film Stellung. „Eines Tages", so berichtet ber ehrwürdige Pater, „erschienen in der katholischen Mission die Herren Filmregisseure Äntome und Lugond unb erklärten, sie seien nach ben Hebriden gekommen, um einen kulturwissenschaftlichen Film zu drehen. Ich stellte der Film-Erpe- dition das Missions-Haus auf der Insel Achin zur Verfügung. Es ist eine gesunde, ruhige Gegend. Die Eingeborenen sind freimbl'td), friedlich und vergnügt. Natürlich waren sie gern bereit, gegen ein entsprechendes (Entgelt) vor der Kamera Kannibalen zu spielen. Von den Regisseuren eingehend unterwiesen, spielten sie ohne Schwierigkeit die die erdichteten grausigen Szenen. Da die Emgeborenen-Siedlung den Filmregisseuren nicht gefiel, wurde eine riesige Kulisse errichtet, vor der eigens dazu kostümierte und kriegerisch bemalte Insulaner nach vielen Regieproben ihre wilden Tanze genau nach Vorschrift ausführen konnten. Eine Schlacht wurde inszeniert, die zahlreiche „Tote" und „Verwundete" forderte. Schließlich wurde das aus Pappe hergestelfte Insulaner-Dorf in Brand gestreckt. In einem Riesenofen brieten die Sieger ihre unglücklichen „Opfer", um sie darauf zu verehren. Einige Wochen später", so endet Pater Dussere, „ttaf ich auf der Achin-Jnsel ein. Sowohl die Regisseure rote die Eingeborenen waren mit der geleisteten Arbeit höchst zufrieden." So werden für bas leichtgläubige europäische Publikum Kon- nibalen-Füme hergesteflt.
seitens seiner Freunde oder gar rechnung- schwingender Vertreter der Marburger Bürgerschaft dadurch sicherte, datz er, ruhig und gelassen, aus der zu seinem Bau führenden .hühnerleiterartigen Treppe kurzer Hand ein paar Stufen herausnahm und so jedem Sturm zu hoben vermochte — my House is my caftte —.
Vergessen sind auch noch nicht die Ovationen, die ein kleines, aber unverhältnismäßig lautes Orchester den Schläfern in seinem Drange nach musikallscher Betätigung ab und zu barbrachte, unb unvergessen bleibt dem Bettoffenen die eigenartige Huldigung, die man ihm eines Tages schuldig zu sein glaubte, indem man am stillen Herd zur Winterszeit ein Rehgehörn auf bem glühenden Abzugsrohr des Ofens unter der Einwirkung der Hitze langsam jergefeen liefe, so dafe ob des Duftes eines Pfarrers Bild — der einzige Wandschmuck — so heftig die Nase gerümpft haben soll, datz bas Glas des Rahmens davon zersprang....
So unb ähnlich haben in dem gastlichen Hause heiter und sorglos ganze Generationen gewohnt oder vielmehr — gehaust, und alle, die Villenbewohner und ihre ständigen Gäste, denken wohl immer noch der Semester, da die „Villa" ihr eigentliches Heim gewesen.
Was sucht ihr mich heim, ihr Bilder, Die längst ich vergessen geglaubt?
Mit dem Tode ihres Besitzers hatte die „Villa" ihre Anziehungskraft verloren: und wieder war damit ein Stück von dem wohl etwas rauhen und urwüchsigen, aber trotzdem noch mit einem Schimmer von Romantik umgebenen Marburger Studentenleben dahinge- schumnbeu.