Dienstag.
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Anzeiger Mr (das frühere knrhessifche) Oberheffen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Beschleunigte Lösung in Preußen?
Der Reichskanzler greift ein - Vor wichtigen Entscheidungen des Kabinetts - Hitler spricht im Rundfunk?
Wie wir erfahre«, hat Reichskanzler ». P a p e n gestern abend eine Aktion eingeleitet, fcKc den Versuch darstellt, in Preussen sobald wie möglich zur Bildung einer parlamentarischen Regierung zu gelangen. Der Kanzler empfing zunächst den Führer der Deutschnationalen. Geheimrat Hugen- derg, um ihm seine Ansicht über die Notwendigkeit einer schnellen RegierungsbU- dung in Preußen darzulegen, einer Notwendigkeit, die sich allein schon aus der Finanzlage von selbst ergibt. Es sind weitere Besprechungen mit den Nationalsozialisten und dem Zentrum geplant. Di« massgebenden Vertreter beider Parteien waren gestern nicht mehr zu erreichen. Es ist deshalb anzunehmen, daß die nationalsozialistische Führung in Preußen und der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Ab- gcotbtteter Steeger, vom Kanzler hente »der morgen empfangen werden. Mit die, se» Besprechungen stehen wohl auch di« Gerüchte über die Möglichkeit einer frühere« Einberufung dtzs Landtages im Zusam- «enbang. Ob die Aktion zu einem Erfolge führt, steht natürlich noch dahin, da es in Erster Linie auf die Parteien ankommt, mit denen noch gesprochen werden muh. Dem Reichskanzler wäre eine parlamentarische Lösung der preußischen Krise offenbar schon deshalb erwünscht, da eine Reihe von Gründen — namentlich wohl mich der Widerspruch aus Süddeutschland — es als wünschenswert erscheinen lasten, die Einsetzung eines Reichskommistars. wenn irgend möglich zu vermeiden.
Bon preußische Seite wird zu der Finanzlage Preußens erklärt: Zwilchen dem feinerzeitigen Reichsfinanz- mmister Dietrich und dem preußischen Finanzminister Klepper ist eine Abmachung getroffen worden, derzufolge sich sm? Reich verpflichtete, den Fehlbetrag im preußischen Haushalt in Höhe oon rund 100 Mill. 9L/< aus Reichsmitteln bezw. im Wege der Siedlung zu decken, wogegen die preußische Regierung auf ihre Anteile an der Siedlungsbank verzichtete. Preußen habe zwar seine Verpflichtungen dmsichtlich t>er Siedlungsbank voll erfüllt, Es habe aber vom Reiche bis auf den heu- Uen Tag noch keinen Pfennig als Gegenleistung erhalten.
-Zn den Kabinettsberatungen spielte ne* toi der Frage des Wahltermins, die 'störterung des Kabinetts über die bereit« ^gekündigte Neuordnung der bisherigen Mtinrmungen über die Aufrechterhaltung
Ruhe und Ordnung eine besondere «Ee. 3n politischen Kreisen interessiert vorbei vor allem die Aufhebung des 03er* ■?& der nationalsozialistischen Sturm* und Schuhabteilungen und Abmilderung der ^nschvänkung der Pressefreiheit. Gut* ^brechend den Forderungen der Rationell* '^ialisten wird man voraussichtlich be* Mich der Dersanrmlungs- und Presse* scheit erhebliche Abmilderungen treffen, ^enso rechnet man damit, daß das Ka- der nationalsozioKstischen Forderung M Aufhebung des Demonstrationsver*
Nachkommen wird. 3n diesem In* rAwrenhang dürfte auch die Frage der -D^ißung des Rundfunks im Wahlkampf werden. Bekanntlich haben die ^ttumalsoDaüste« die Fvetgabe des Ruud*
funks für den Wohlkampf schon seit langem gefordert. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dieser Forderung Rechnung getragen wird, so daß Hitler im kommenden Wahlkampf zum ersten Mal im Rundfunk das Wort ergreifen würde.
Was die Entscheidungen des Kabinetts bezüglich der Kassenlage des Reiches und der zum Teil katastrophalen Lage der Länder und Gemeinden anbetrifst, so sieht man in politischen Kreisen vor allem der Auswahl der Maßnahmen mit Interesse entgegen, die das Kabinett aus der alten vorgesehenen Rotverordnung der Regierung Brüning übernehmen wird. Man rechnet "6ei Durchführung radikaler Sparmaßnahmen und BerwaltungSvcrein- fachungen zumindest mit dem Verzicht auf die Beschäftigungssteuer. Dagegen dürfte
die Verlängerung der Bürgersteirer beschlossen werden. Das damit eng ver* knüpfte Problem der Sanierung 'der So* znllversicherungen steht ebenfalls ün Vordergrund der Arbeiten. In diesem Zusammenhang ist in politischen Kreisen eine Aeuherung des früheren Finanzministers Dietrich in einem Sonntagsattikel in einem Berliner demokratischen Blatt besonders vermertt worden, worin Dietttch zum ersten Mal zugibt, daß für die Del* kung des Aufwandes der Arbeitslosen* Unterstützung in allen Klassen mit einem Fehlbetrag von rund einer Milliarde Mark zu rechnen ist, der nach seiner Ansicht nur durch Herabsetzund der Leistungen oder Erhöhung der Einnahmen bzw. eine Kombination von beiden Maßnahmen behoben werden kann.
Politische Märchen
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Kein wahres Wort"
Berlin, 6. Juni. In der in* und ausländischen Presse der letzten Tage sind die verschiedensten falschen Gerüchte und unwahren Behauptungen über Absichten des Reichspräsidenten und verschiedener Regierungsmitglieder im Umlauf. Die vor einigen Tagen in der deutschen Presse aufgetauchten Kombinationen über Rücktrittsabsichten des Reichspräsidenten, die in Zusammenhang gebracht werden mit Plänen über eine Berufung des Kro nprin- zen zum Reichsverweser werden von zuständiger Seite in vollem Umfange dementiert. Ganz autoritär und von erster
Stelle aus kann dazu gesagt werden, daß an diesen Behauptungen kein wahres W ort ist. Unzutreffend sind auch die 'Behauptungen über die Patteizugehörigkeit des Reichsvettehrsministers Freiherrn Erlz von Rüb enach. Minister Frhr. Erlz von Rübenach stellt diesen Behauptungen gegenüber fest, daß er parteipolitisch in keiner Weise gebunden ist, und daß weiter die Angaben über die Parteizugehörigkeit seiner engsten Familienmitglie der unzutreffend sind. Offenbar handelt es sich dabei um Personenverwechse langen.
Politik der Erpressung
Ein neuer „Wohlfahrtsindex" für die Franzosen
Frankfurt a. M., 6. Juni. Parn- lev^, der neue französische Luftfahrtminister und Vorsitzender des Rats für nationale Verteidigung, hatte mit dem Vertreter des „Frankfurter Generalanzeigers" am ersten Tage des neuen Ministe- ttums eine längere Unterredung. Auf die Frage des Korrespondenten über die sogenannte Ausgleichskasse erklärte Painlevä:
Frankreich hat Ansprnch ans die deutschen Leistungen; Deutschland kann aber gegenwärtig nicht zahlen. Das Fortbestehen der Forderung vergiftet die Beziehungen. Es ist notwendig, die Luft zwischen den beiden Völkern zu reinigen.
Wenn jedoch Frankreich für alle Zeiten bedingungslos verzichtet, besteht die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit, daß Deutschland aufgrund seiner besseren technischen Ausrüstung und überdies „von allen Lasten befreit", in einen wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe tritt, der für die jetzigen Gläubiger Deutschlands, die auf ihre Forderung verzichtet haben, eine schwere Gefahr bedeuten würde.
Wenn jedoch ein Verzicht ausgesprochen werden soll, muß gegen diese Möglichkeit ein Schutz geschaffen werden, ein Ausgleich. Ich habe dafür das Wort Ausgleichskasse gebraucht, das offenbar so viele Mißver-
ständnisse hervorrust. Um den Ausgleich zu schaffen, ist eine Wohlfahrtsindex notwendig. Was ist das beste Meß-Instrument für die Bürger eines Landes? Der Verkehr!
Wenn also die deutschen Verkehrsmtt- tel. Eisenbahnen und Haudelsschifs- fahrt in ein internationales System einbezogen wurden, ist eine Gewähr gegeben, daß im Falle eines starken Aufblühens der deutschen Wirtschaft auch die anderen Staaten teftnehmen.
Eine solche Internationalisierung der Verkehrsmittel würde eine Beschränkung für die allzustarke wittschaftliche Entfaltung der einen Seite und einen Ausgleich für die wittschaftlich Schwächeren bilden. Als Vorbild könne die Organisation der französischen Eisenbahnen gelten, für die mit Rücksicht auf die staatlichen Ausfallkasien schon ein Ausgleichssystem besteht.
Auf die Frage des Korrespondenten, ob er die Möglichkeit eines französischen Verzichts sowohl auf die geschätzten wie auf die ungeschätzten Jahre in Erwägung gezogen habe, erwiderte Painlevä: „Ja, unter zwei Bedingungen, daß Amerika der Streichung zustimmt und zweitens, daß irgend ein Ausgleichssystem gegen eine allzustarke Entfaltung der deutschen Mrt- sthaft geschaffen roirb“<
Wieder deutsches Direktorium # in Memel
Memel, 6. Juni. Gouverneur Gylys hat heut« vormittag nach seiner Rückkehr aus Kowno, wohin er am Sonnabend gefahren war, den Abgeordneten der Memelländischen Volkspartei, Dr. Schreiber, znm Prost» dsnten des Memelländischen Direktoriums ernannt.
Nach mancherlei Schwierigkeiten ift die neue Memelregierung nun doch unmittelbar nach der Eröffnungssitzung des neu gewählten Landtags gebildet worden. Noch in >er Vorwoche sah es so aus, als wollte Litauen auch diesmal wieder durch allerlei Bedingungen und Einwendungen versuchen, den Wahlsieg der Memelländer in fein Gegenteil zu verkehren und die Einsetzung einer Landesregierung, entsprechend dem Volkswillen hinauszu- zögern. Als am Sonnabend vergangener Woche der Landtag sich zu seiner ersten Sitzung versammelte, konnte er nur eine kurze Sitzung abhalten, weil das neue Direitorium noch nicht gebildet war. Es wurde lediglich das Präsidium gewählt, das diesmal ausschließlich aus Angehörigen der Mehrheitsvar- teien — der bisherige litauische Vizepräsident ist nicht wiedergewählt worden — besteht. Der Landtag vertagte sich hierauf bis zur Vorstellung des neuen Direktoriums. Gewissermaßen über Nacht ist dann die Entscheidung gefallen. Noch am Sonnabend abend hatte sich der neue Gouverneur Gylys nach Kowno begeben, um die abschließenden Verhandlungen über die Dttettormrnsbildung zu führen, und am Montag mittag war die neue Landesregierung, der nur drei Vertreter der deutschen Mehrheitspatteien angehören, bereits geblldet.
Mit der Wiedereinsetzung eines rein deutschen Direktoriums hat die Periode litauischer Gewaltpolitik, bie mit der Absetzung des Direktoriums Böttcher begann, ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Allerdings haben sich die Memelländer diese Regierung buchstäblich erkämpfen müssen. Wie schon gesagt, hatte die litauische Regierung ihre Bedmgun- & gestellt. Sie fordette, daß zum Lan- räsidenten nicht ein Angehöriger der Mehrheitsparteien, sondern ein „Neutraler", möglichst litauischer Einstellung, ernannt werden sollte. Außerdem sollte den Litauern trotz ihrer Wahlniederlage noch ein weiterer Sitz in der Landesregierung eingeräumt werden. Gewiffermaßen zur Begründung dieser an und für sich unverständlichen Forderungen wurde viel von Verständigung und Versöhnung im Interesse des Gesamtstaates ae- schrieben und gesprochen. Die Memelländer haben sich jedoch hierdurch nicht beirren lassen. Sie haben in den Verhandlungen mit dem Gouverneur keinen Zweifel daran gelasien, daß sie auf diese Art „Versöhnung" keinen Wert legten. Unter diesen Umständen blieb der litauischen Regierung, wollte sie sich nicht erneut ins Unrecht setzen, nichts anderes übrig als dem Wahlergebnis des 4. Mai Rechnung zu tragen und in die Bildung des Direktoriums Schreiber einzuwilligen.
Man geht wohl nicht fehl, wenn man kiesen Stimmungsumschwung in Kowno auch mit dem Kurswechsel in Deutschland in Zusammenhang bringt. Die litauische Regierung hat erkannt, daß es jetzt höchste Zeit war, die Gewaltpolitik gegen das Deutschtunl im Memelgebiet abzublasen, wollte sie nicht nach dem Regierungswechsel in Berlin ernste Verwicklungen mit Deutschland heraufbeschwören. Und schließlich bürfte auch die Verhandlung über bie Memelklage im Haag, die am 8. Juni beginnt, mit dazu beigetragen haben, daß Litauen sich den memelländischen Forderungen geneigter zeigte.
Die Aussichten Litauens im Haag sind nämlich alles andere als günstig. Das geht schon daraus hervor, daß es den Bemühungen bet Kownoer Regierung nicht einmal gelungen ist, unter ben Juristen von internationalem . Ruf einen Verteidiger für die litauische These zu finden. Die Unterzeichner-