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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Wahlen in Mecklenburg
Die Stimmen der N.S.D.A.P. mehr als verdoppelt — 29 von 58 Mandaten — S.P.D. verliert 13000 Stimmen
fl. Schwerin, 6. Juni. In Meckke«- dug-Schwerin fand am gestrigen Sonntag die Landtagswahl statt, die bei einer Beteiligung von 80 bis 85 vom Hundert i« wesentlichen ruhig verlaufen ist. Das
vorläufige amtliche Ergebnis — es stehen «ur noch 17 von 1492 Wahlbezirken aus — lautet:
S. P. D. 18
Ä. P. D. 4
R. S. D. A. P. 29
Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 1
D. N. B. P. 5
Arbeitsgemeinschaft
nationaler Mecklenburger 1
Gegenüber der Reichstagswahl von 1930 gaben die Mittelparteien und die S. P. D. erhebliche Stimmen« einbuhen zu verzeichnen, während die Nationalsozialisten ihre Stirn, men mehr als verdoppeln konnten.
Die abgegebenen Stimmen.
(In Klammern Ergebnis der Reichstags- wahl vom 14. 9.1930.)
Abgegeben gültige Stimmen 359 453 Wahlbeteiligung etwa 80% Sozialdemokraten 107 669 (124 922)
Kommunisten 26 850 (27 644)
Nationalsozialisten 175 884 (72 033)
Bürgerliche Arbeits
gemeinschaft . 7 867 (8096)
Deutschnationale 32 683 (39 874)
Arbeitsgemeinschaft
Nation. Mecklenburger 7 443 (49 412) Soz. Arbeiter-Partei 947 (—)
StLdte-Ergebnisse.
Rostock.
SPD. 17 920 (Reichstagswohl 14.9.30: 19 600) — KPD. 4328 (14.9.30: 4224; Reichspräsidentenwahl 14.4.32: 3975) — NSDAP. 20 656 (8175 ; 21805) — Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft der Mitte 1361 — DNVP. 5645 (6231) — Arbeitsgemeinschaft nationaler Mecklenburger 1352 — SAP. 65.
Schwerin.
SPD. 8576 (10 862) — KPD. 1054 (906; 921) — NSDAP. 13 966 (5138; 12 301) — Bürger!. Arbeitsgem. der Mitte 1479 — DNVP. 2577 (2960) —Arbeitsgem. Nation. Mecklenburger 1453 — SAP. 108.
■-renn <9U|ttOW,
SPD. 3815 (4378) — KPD. 993 (1093; 1006) — NSDAP. 4963 (1979 ; 5009) — Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 624 — DNVP. 976 (1181) — Arbeitsgemeinschaft nationaler Mecklenburger 206 — SAP. 19.
Die Negierrmgsmöglichkeiten
Nach den bisherigen Ergebnisien der Wahlen zum mecklenburg-fchweriner Landtag werden im neuen Parlament 29 nationalsozialistischen Abgeordneten 29 Mandate aller übrigen Parteien gegenüberstehen. Den Nationalsozialisten wäre somit nach dem Muster von Braunschweig die Mög- lichkeft gegeben, zusammen mit den Deutsch- Nationalen, die fünf Sitze erlangen konnten, die Regierung zu übernehmen. Ob aber die Nationalsozialisten den Deutsch- Nationalen einen Regierungssitz einräumen werden, erscheint bei der zwischen beiden Parteien in Mecklenburg-Schwerin seit Wochen vorhandenen Spannung fraglich.
Während die im bisherigen Landtag in der Arbeitsgemeinschaft Nationaler Mecklenburger zusammengeschlosienen Regierungsparteien insgesamt über 23 Mandate verfügt haben, werden sie in den neuen Landtag nur mehr 6 (6ir '.ge Arbeitsgemeinschaft 1 und Deut^y nationale 5) Vertreter entsenden. Die Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Mitte in der die Mieter und die Staatsparteiler vereinigt sind, haben über die Hälfte ihrer Wählerstimmen eingebüht und erhalten, statt bisher 2 nur einen Sitz. Die SPD. mit einem Verlust von rund 13 000 Stimmen ist um zwei Mandate geschwächt.
Die Kommunisten haben einen Sitz hrnzu- gewonnen. Leer ausgegangen ist die Sozialistische Arbeiterpartei.
Die Möglichkeit, daß die NSDAP, aus den Ergebnisien der noch ausstehenden 20 Bezirke ein weiteres Mandat erhält, ist durchaus vorhanden. In diesem Falle würden die Nationalsozialisten wie in Oldenburg über eine absolute Mehrheit verfügen. Daß eine der anderen Parteien noch einen Sitz erhält, ist nicht mehr anzunehmen. Nach anderen Informationen dürfte dieses letzte Mandat auf die DNVP. oder KPD. entfallen.
Aushebung des S.A.-Verbots
Beseitigung der Ausnahmebestimmungen
fk. Berlin, 6. Juni. 3m Reichsinnenministerium ist der Entwurf einet neuen Notverordnung ausgearbeitet worden, die alle bisherigen politischen Notverordnungen aushebt und nur einige Bestimmungen in neuer Fassung enthalten soll. Danach wird das S. A.-B erbot aufgehoben, die Bersammlungs- und Pressefreiheit irn weitesten Umfang wieder hergestellt usw. Mit ihrer BerSffent- lichung ist Ende nächster Woche zu rechnen.
Eine Unterredung mit dem Reichsinnenminister.
Reichsinnenminister Freiherr v. Gayl äußerte sich zu einem Redaktionsmitglied der »Ostpreußischen Zeitung" über die politische Lage und die nächsten Absichten des Kabinetts. Der Minister erklärte auf die Frage nach dem Programm für fein Ressort insbesondere hinsichtlich des S. A.-Berbotes, in kürzester Zeit würde eine neue Fassung der Verordnungen über die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ergehen, durch die alle Ungerechtigkeiten gegenüber der nationalen Bewegung in ihren verschiedenen Formen aufgehoben würden. Im Gegensatz zu früher werde das Kabinett nicht jede kleine Anrempelung in der Oesfentlichkeit mit der ganzen Schwere seiner Machtvollkommenheit ahnden. Nur grobe Angriffe und Verunglimpfungen besonders gegen die Person des Herrn Reichspräsidenten würden bestraft werden. Die Regierung werde nicht nur für Ruhe und Ordnung, sondern auch für das Recht und die Sicherheit des einzelnen Staatsbürgers sorgen. Im Zusammenhang mit der Frage der Reichstagswahlen wandte sich Freiherr v. Gayl gegen die Gerüchte über die Aenderung des Wahlgesetzes. Die Wahlen, so betonte der Minister mit allem Nachdruck, sollen die unverfälschte Willensmeinung des deutschen Volkes zum Ausdruck bringen. Jede Einschränkung und Behinderung dieser Wil- Icnsmeinung werde vom Kabinett abgelehnt. Der Minister stellte zum Schluß die Gerüchte über die angeblich geplante Einsetzung eines Staatskommissars für Preußen richtig.
Erklärung Brünings über feine Verabschiedung angekündigt.
Wie aus Zentrumskreifen verlautet, wird Dr. Brüning nach feiner vollständigen Genesung Gelegenheit nehmen, sich über die Gründe, die zu seiner Verab- schiedung geführt haben, m der Oe ff ent« lichkeit zu äußern und außerdem zu verschiedenen gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Reichsparteivorstand des Zentrums muh Berlin einberufen.
Der Reichsparteivorstand der Deutschen Zentrumspartei ist zum Mittwoch, 8. Juni, - h Berlin einberufen worden, um zur g., amtpolitischen Lage Stellung zu nehmen und die Dimmenden Reichstagswahlen oorzubereiten.
Rücktritt des Chefredakteurs Stiftet von der „Germania".
Wie Re Verlagsleitung der „Germa- nia" mitteilt, tritt mit Rücksicht auf die politischen Vorgänge der letzten Tage Cheftedakteur Emil Ritter von der redaktionellen Leitung der „Germania" zurück.
Mg ungebunden!
Gregor Strasser zum Regierungswechsel.
Lrauuschweig,5. K. 3u einer großen Kundgebung der NSDAP, sprach am Sonntag abend vor etwa 25 000 Zuhörern Gregor Strasser, fcter u. a. erklärte:
Wir sind dem neuen Kabinett Pape« gegenüber in jeder Form ungebunden. Wir haben von Anfang an von diesem Kabinett nur eine Forderung und ihre Erfüllung erwartet: Da» Volk in dieser Zeit unerhörter Not selbst zu befragen, wie es regiert werden will und uns, die wir jene Umwälzung im Denken der deutschen Ration geschaffen haben, für diesen Wahl, kämpf die Freiheit der agitatorischen Arbeit in jettet Form zu gewährleisten. Nach der Reichstagswahl wird der Nationalsozialismus feine Entschlüsse und Forderungen bekanntgeben. Der Redner polemisierte im w 'n Verlauf seiner Ausführungen sehr scharf gegen die Zentrumspartei.
Um die Entscheidung
Nachdem die neue Reichsregierung mit ihrer am Sonnabend zum ersten Mal in der deutschen Parlamentsgeschichte nicht im Reichstag, sondern durch Rundfunk und Presse der Oesfentlichkeit bekanntgegebenen Regierungserklärung gewiffermaßen den letzten offiziellen Akt vollzogen hat, durch den die deutsche Kabinettskrise beendet wurde und die Amtsgeschäste von der alten auf die neue Regierung übergegangen sind, wird es nunmehr gelten, an die nücierne Arbeit zu gehen. Eine Kabine l-,sitzung wftd erst wieder am Montag ober Dienstag zusammentreten, am Sonnabend fanden lediglich Ministerbesprechungen statt. Im Mittelpunkt steht nach wie vor die Frage des Wahltermins, in der noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde. Diese wird aller Voraussicht nach erst fallen, wenn die Regierung sich mtt den Parteiführern ins Benehmen gesetzt hat. — Was die nächsten innen» politischen Aufgaben angeht, so wird u. a. geplant daß die Bestimmungen der im letzten Jahr erlassenen Verordnungen zur Sicherung des inneren Friedens, gurrt Schutz der Staatsautorität sowie der in der Oesfentlichkeit stehenden Personen einer gründlichen Nachprüfung unterzogen werden. Da die unter verschiedenen Gesichtspunkten und oft in größerem zeitlichen Abstand voneinander erlassenen Verordnungen sich oft wiederholen bezw. widersprechen, ist an eine Neuregelung und Zusammenfassung der Verordnungen auf diesem Gebiet gedacht. In diesem Zusammenhang dürste dann auch die Frage der schon in einem natio- nalsozialistischen Antrag geforderten Aufhebung des SA-Verbotes geklärt werden. In politischen Kreisen wurde eine Rede des nationalsozialistischen Abgeordneten Hauptmann Göhring im mecklenburgischen Wahlkampf beachtet, der schon für die nächsten Tage eine Aushebung des SA-Verbots ankündigte. In welcher Weise diese Frage aber schließlich gelöst wird, steht noch nicht eindeutig fest. Wenn auch mit der Tatsache der Rückgängigmachung des Verbots sicher zu rechnen ist, so scheint die Form noch nicht geklärt zu sein. Diesen Fragenkomplex hat auch Reichsinnen- mmtfter v. Gayl in einer Presseunterredung behandelt und dabei besonders betont, daß bei der Neufassung der Bestimmungen über die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung auch die s o n st i- gen Ungerechtigkeiten gegenüber der nationalen Bewegung in ihren verschiedenen Formen aufgehoben werden sollen.
Die Presse der Opposition wird es dabei mit besonderer Befriedigung zur Kenntnis nehmen können, daß auch eine Überprüfung und Abmilderung der bestehenden Vorschriften über die Presse m Aussicht genommen ist.
ES ist leider unvermeidlich, daß jeder Schritt dieser ^Regierung von einer gewissen Sorte Presse mit hähmischen Bemerkungen begleitet und jeweils so ausgelegt wird, als steuere „bte Generals- und Ädligen-Ka- morina“ eben den erwarteten Kurs, der gar nicht anders mehr als zum Abgrund führen müsse. Diejenigen, die das tun, wollen es anscheinend nicht sehen, daß sie nur einem mißgünstigen und mißtrauischen Auslande in die Hände arbeiten und daß der Zukunft Deutschlands damit wahrlich nicht gedient ist. Wie haltlos die Kritiken