Seite b
OberttfTH*e Zeitung, Marburg a. L. Mittwoch, beit 1. I«i 1932
Rr. 126
Aus -ev Umgegend
Kreis Marburg
1 Simtshausen 1. Juni Im Herbst vorigen Jahres wurden an der Straße von Schlagpfütze nach Obersimtshausen Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Bekanntlich liegt die Stratze verhältnismätzig tief, zum anderen find die Kurven schlecht ausgebaut Als Auffüllungsmafien benutzte man die bei den Bahnarbeiten zwischen Todenhausen und Wetter freigeworbenen alten Deckmafien. Gegenwärtig ist man mit dem Anfahren von Grauwacke beschäftigt die zu einer Packlage Verwendung finden soll. Das Gestein stammt aus dem Wollenberg bei Wetter. Später soll dann die Packlage mit einer Dasaltdecke versehen werden.
KrriS Kinbbatn
Kirchhainer JungmSdchen-Toguvg.
Kirchhain, 1. Juni. Im Rahmen der diesjährigen Jahresveranstaltungen hatte der Evg. Verband weiblicher Jugend Kurhessen» in Verbindung mit dem Kreisjugendpfarrer 'zu einer Arbeitstagung nach Kirchhain aufgerufen. lieber 500 Jungmädchen hatten mit ihrem Führern und Führerinnen diesem Rufe gern Folge geleistet. Der Tay begaün mit einem Gottesdienst den Kreisjugendfarrer Fischer in der zur Andacht so recht einladenden festlich geschmückten Kirche hielt. Die Mädchen gingen dann mit ihren Führern und Führerinnen hinunter zum Evgl. Gemeindehaus. Dort stärkte man sich, um bald danach auf dem Turnplatz im frohen Spiel sich zu et freuen. Um 2 Uhr sammelte man sich dann wieder in der Kirche. Rach einem kurzen Erutzwort der Verbandsjuaendpflegerin, Frl. Thiele (Kassel), sprach Pfarrer V« e r- hosf (Marburg) über das Thema „Weckruf der Gegenwart". Er ging aus von dem heut« wieder viel von evangelischer Jugend gesungenen Liede Johann Walters „Wach auf! Wach auf! Du deutsches Land, du hast genug ?«schlafen." In feiner, die Mädchen innerlich afiender Att suchte er die Augen für die mancherlei Volksnote unseres heuttgen Lebens in Dorf und Stadt zu öffnen. „Rach Frauenhänden. Frauenhilfen schreit in diesen gro« tzen Nöten unsere große Zeit".....Mein Volk,
das soll deine Sendung sein, suche deine Seele!" Der Schluß seines Weckrufes klang aus in den Worten Ernst von Wildenbruchs „Diese neue Zeit hat harte Augen, harte Augen, und das Schicksal spricht: Leben denen, die zum Leben taugen! Für den Schwächling wächst das Leben nicht!" Die notwendige .Heldenkraft in diefer harten Zeit sollen wir uns von dem erbitten, der uns mächttg macht, Christus. Anschliehend teilte sich die große Schar in sechs Gruppen, von denen zwei eine Bibelbesprcchung hatten und die übrigen praktische Fragen aus dem Frauenleben der Gegenwart besprachen. Rach der Kaffeepause hielt der Kreisjugendpfleger unter den herrlichen Linden vor der alten Kirche eine „Offene S i n g st u n d e". Ausgehend vom „Lebensbrünnlein" zeigte er wie deutsches Volkstum immer gesund gewesen sei, wenn es aus den Tiefen der Religion seine Kraft geschöpft habe. Einige geistliche Lieder leiteten über zu der Abendfeier in der Kirche, an welcher nochmals die Gemeinde teilnahm. Landesjugendpfarrer Schäfer (Kassell ließ den Tag ausklingen in dem Psalmwort: „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang, und meinen Gott loben, solange ich bin." Alle schieden dankbar aus dem gastlichen Kirchhain, dessen kirchliche Gemeinde so fein gesorgt
hatte für die jungen Scharen, die aus den Kreisen Marburg, Frankenberg und Kirchhain mit ihren Wimpeln und zum Teil in ihrer kleidsamen oberhessischen Tracht erschienen waren. Mit einem besondern Dank sei auch gedacht der sorgfältigen Vorbereitung der Tagung durch Diakon Petri, bet mit seiner Jungmädchenschar sowohl ?ür das äußere Wohl der Tagungsteilnehmer sorgte wie auch durch Sing- und Sprechchöte die Herzen der Gäste erfreute. W Sch.
Kreis Biedenkovf
Werbekundgebung de» Stahlhelms.
Am Sonnabend, dem 28 Mai veranstaltete hi? Kreisgruppe Marburg (Lahn) des Stahlhelm (B. d. F.) in Hartenrod (Hessen- Nassau) eine gutbesuchte Werbekundgebung. Redner war der Gauführer Kurhefien-Wal- decks, Kamerad Oberstleutnant von Buch.
Etahlhelmgeist erfüllte die Versammlung und der reiche Beifall, der sich bis zum Getöse steigerte nach den herzhaften und kraftvollen Worten des Kameraden Jungstaführers von Dillenburg, geigte, daß der Stahlhelm mit seinem Ziel: „Deutschland ist uns alles, Phrasentum nichts" auf dem rechten Weg ist.
Als am Ausgang der Versammlung das Deutschlandlied gesungen wurde, fiel es auf, daß der überwachende Bürgermeister und der Landjäger sich von ihren Plätzen nicht erhoben. Als ein älterer Kamerad aus Dillenburg die beiden Beamten darauf aufmerksam machte, daß es Ehrenpflicht jedes Deutschen und Dienstpflicht der Beamten sei, die Nationalhymne stehend anzuhören, schloß der Bürgermeister die Versammlung mit der Begründung, daß er durch diese Neatzerung des
Ctn Revolverattentat auf einen Arzt.
Kassel 31. Mai. Auf den Nervenarzt Dr. Salomon wurde heute ein Revolverattentat verübt, durch das der Arzt schwer verletzt wurde. In der Sprechstunde erschien ein Patient namens Simonsohn, der schon seit längerer Zeit bei Dr. Salomon in Behandlung war, und gab auf den Arzt fünf Schüsse ab. Dr. Salomon wurde sofort ins Krankenhaus übergeführt. Der Täter stellte sich selbst der Polizei. Die Gründe zu der Tat dürften in einer starken Nervenüberreizung des Attentäters zu suchen sein.
Adolf Hitler
Ehrenbürger oberhessischer Landgemeinden
Alsfeld, 31. Mai. In dem Kreisorte Eudorf ernannte der Eemeinderat mit 7 gegen 2 Stimmen den Führet der NSDAP. Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Gemeinde Eudorf.
Ortenberg, 31. Mai. Der Gemeinderat des Dorfes Eckartsborn (Kreis Büdingen) ernannte Adolf Hitler ein- sttmmig zum Ehrenbürger von Eckartsborn.
Kameraden beleidigt worden fei. Der Entrüstungssturm gegen diese Ansicht eines Vertreters des Preußischen Staates und die Tatsache, daß sich zwölf deutsche Männer und Jungmannen zur Aufnahme in den „Stahlhelm" meldeten, zeigten, daß hie deutschgesinnte Bevölkerung nicht mit einer derartigen Einstellung einverstanden war. Anschließend wurde noch eine kurze geschlossene Versammlung abgehalten, in der Kamerad Oberstleutnant von Luch noch einige beherzigende Worte über die Wehrspottarbeit sprach. Gegen 11.30 Uhr rückten die einzelnen Stahlhelmgruppen aus Hirzenhain, Lixfeld, Haiger, Dillenburg. Herborn, Sinkershausen und Marburg ab nach ihrem jeweiligen Standort, um am Sonntag größere Wehrsportübungen abzuhalten.
m. Lixfeld, 30. Mai 1932. Am Sonntag veranstaltet« bet Stahlhelm des Dillkreises ein großes Treffen auf der Hirzenhainer Höhe. Samstag abenb trafen an- nähernb 100 Jungstahlhelmer in Hirzenhain ein unb fanden Ausnahme im Fliegerheim, bas bet bärtige Verein zur Verfügung gestellt hatte. Auf der Viehweide fand dann am Sonntag vormittag unter großer Beteiligung ein Wehrspottfest statt, das außerordentlich gute Ergebnisse zeeitigte. Den Abschluß bildete eine Ansprache des Gruppenführers Kapitänleutnant Weiß, Frankfurt (Main). Mit der Veranstaltung sollte gleich- zeittg das Interesse am Segelflugsport geweckt werden. Nach verschiedenen Flügen wurden Gelände und Anlagen einer eingehenden Besichtigung unterzogen. — Die hiesige Jagd wurde neu verpachtet. Nachdem im ersten Termin kein Zuschlag erteilt wurde, bekam jetzt der vorherige Pächter Thomie (Plettenberg) den Zuschlag mit 320 M.
Hitler Ehrenbürger von 12 waldeckischen Gemeinden.
Arolsen, 31. Mai. Wie wir erfahren, haben 12 waldeckische Gemeinden den Führet bet NSDAP, Adolf Hitler, zum Ehrenbürger ernannt. Es handelt sich um die Gemeinden Willingen, Schwalefeld, Giebringhausen, De- ringhausen, Meineringhausen, Sachsenhausen, Nieder-Werbe, Ober-Werbe, Alraft, Freienhagen, Armsfeld und Königshagen. Die Urkunden wurden Hitler zusammen an einem Tage zugesandt.
Sturz aus dem fahrenden Zag.
Gießen 31. Mai. Gestern gegen Abend stürzte unmittelbar bei der Einfahrt in den Bahnhof Eroßen-Linden die dort wohnhafte Frau Marie Menges aus dem um 18.28 Uhr in Eroßen- Linden ankommenden Personenzug von Frankfurt a. M. Die Frau hatte die Abteiltür schon geöffnet, während der Zug sich noch im Fahren befand, vermutlich um rasch anssteigen zu können. Durch die Bewegung des fahrenden Zuges stürzte die Frau ans dem Wagen und erlitt dabei eine Gehirnerschütterung und Beinverletzungen, die ihre lleberführung in die Gießener Klinik erforderlich machten.
Hesfen-Raffau un- Nachdargebiete
Die Frankfurter Tagung des Verein» Deutscher Zeitungsverleger verschoben.
Frankfurt a. M., 31. Mai. Mit Rücksicht auf die unerwattete Wendung bet politischen Verhältnisse hat der Verein Deutscher Zeitungsverleger, Herausgeber der deutschen Tageszeitungen e. V. seine ordentliche Hauptversammlung, die in den Tagen vom 10. bis 12. Juni in Frankfurt (Main) stattfinden sollte, einstweilen vertagt.
eingetanM
Nicht nut die Bäume trauern, bet Blüten unb Früchte durch Apfelblütenstecher und anbete Schädlinge beraubt, mehr wohl noch der Gartenfreund, der um den Lohn seiner Arbeit betrogen wird, dazu vielleicht sogar unnötigerweise. Immer seltener werden feine treuesten Bundesgenossen, die Vögel, namentlich Meisen unb Rotschwänzchen, in seinen Baumen, desto häufiger schleichen deren Feinde, räubernde Katzen, durch die Gärten. Es wäre wohl recht zweckmäßig, ihnen ihr schlimmes Handwerk zu legen und andererseits endlich einmal mit dem groben Unfug des Abbtennens der Rame aufzuhören, womit man denVögeln die Nistgelegenheit nimmt. Die Einfuhr kalifornischen Obstes wird sonst aus überflüssigem Luxus zur Notwendigkeit.
Ein Eattenfreund.
Wetterbeobachtungen am 31.5.1.6,
Höchste Temperatur am 31. Mai 12,7 Celfiu, Niedrigste Temperatur lebte Nacht 8.5 Celssu,
norm.
PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER
Seit
Barometers!, reduziert auf N N
Temperatur
Relativ
Lufi- feuditig» feit
31.5. 2 Uhr nadjm.
31. 5. 9 Uhr nachrn.
1. 6. 7 Ubr norm.
758.2 mw
757.8 mm
757,8 mm
12.4 Eeli.
10.2 Teil.
11.0 Cels.
76 X
96 %
90 st.
Marburg/Lahn
Wettergasse 30 Bahnhofstr. t
Fernruf 248 Wetterbericht.
Starker Luftdruckfall übet Westeuropa bringt jetzt die Wetterlage in etwas raschere Umgestaltung. Unser Gebiet kommt dabei zunächst unter den Einfluß eines über der Biskaya sich entwickelnden Tiefdruckausläufers, an dessen Vorderseite vorübergehend auch Erwärmung eintreten dürfte. Späterhin ist aber nach Niederschlägen wieder mehr veränderliches unb im ganzen kühles Wetter mit weiteren einzelnen Schauern wahrscheinlich.
Aussichten für Donnerstag Veränderliches, aber im ganzen freundlicheres Wetter, bei kühleren westlichen Winden noch einzelne Schauer.
Verlag Dr. C. Hitzerolh. Hauptschristleiter und oerantroortlidj für Politik unb Feuilleton: Dr. Ernst Scheller: für Kommunalpolitik. Provinz und Lokales Lothar Schneider, sämtlich in Marburg,
Nachdruck verboten
Das Msrl ter SufMntang
Roman Don Kurt Marlin
Copyright by Verlag Neues Leben, Bayr. Gmain.
20. Fortsetzung. ,
„Wie mag er übrigens zum Tode Rung-Kü-Sans stehen?"
„Wie meinen Sie das?"
„Hat er Vorteile durch Rung-Kü-Sans Tod?"
„Ja, er ist sein Erbe. Aber Sie glauben doch nicht —? Liü-Fu-Tang ist ein sehr reicher Mann."
„Ich will ihn nicht verdächtigen. Aber könnte er nicht — den Mörder schützen, anstatt daß er ihn sucht? Sollte es wirklich nicht möglich sein, den zu finden, der Rung-Kü-San erwürgte?"
„Schü-Seing, der Diener des Toten, ist verschwunden. Er dürfte wohl der Täter sein."
„Bezichtigt ihn Liü-Fu-Tang der Tat?"
„Nein."
„Erzählen Sie doch! Wie war das eigentlich alles?"
„Lieber Mr. Bollander! Ich bin ja erst kurze Zeit hier. Als ich kam, war Rung- Kü-San längst tot. war auch Mr. Shelton mit seiner Frau abgereist. Ich erfuhr alles durch den Sekretär unseres Hauses, Fre- dey Vloyd."
„Der hat also alles miterlebt! Kann ich diesen Herrn nicht einmal sprechen?"
„Auch er ist fort. Ich habe jetzt einen andern Herrn hier. Wissen Sie, Mr. Shcltons Abberufung nach Mandalay kam ganz plötzlich. Unser Londoner Haus mußte dort die Vertreterftelle neu besetzen. Ra, und da wählte man eben Shelton. — 2a, und Freddy Bloyd hatte längst Heimweh nach England: er hatte schon lange darua« nachgesucht, ihn zurückzurufen. Nun
ward sein Wunsch auf einmal erfüllt. Es war ein lieber Kerl. Er hatte eine große Freude, als er nun Heimreisen konnte."
„Schade! Ich hätte ihn gern befragt."
„Ich weiß ja auch alles. Er hat mir viel erzählt. Weniger freilich von Rung- Kü-San, als von Sheltons Ehe. Ich kenne Shelton nicht, habe ihn nie gesehen; aber nach Freddy Bloyds Schilderung mag er kein besonders sympathischer Mensch sein. Jähzornig und ein Hartkopf, dabei wenig zugänglich, rücksichtslos, wenn es gilt, eigene Interessen zu verfolgen. — Die Frau soll dafür ein sehr liebes Geschöpf sein."
„Lilith Shelton."
„Sie kennen ihren Namen?"
,Zch erfuhr ihn auf dem Flußdampfer."
„Aha? Da spricht man also doch mehr von Shelton. als ich dachte. — Aber seine Frau —, ja, sie soll sehr lieb und nett sein. Freddy Bloyd hat begeistert von ihr geschwärmt. Shelton soll auf seine Frau sehr eifersüchttg gewesen sein. Er hielt sie immer hier -im Haus, er hatte ihr strenge Vorschriften gegeben, und sie befolgte sie. Sie wußte natürlich, daß mit dem Herrn Gemahl nicht zu spassen war. Ja. sie soll das Haus fast nie verlassen haben, sie pflegte gar keinen Verkehr. Der einzige East, der hier aus und ein ging — der auch nicht fetten länger blieb —, das war Rung-Kü-San; erklärlich damit, daß er laufend große Edelstcinverkäufe an unser Haus betättgte. Shelton mußte es sehr willkommen sein, daß Rung-Kü-San deratt entgegenkommend war und ihm so große Käufe ermöglichte. Aber der Chinese soll auch Sheltons Frau zuliebe gekommen sein. Lilith Shelton hatte es ihm angetan. Freddy Bloyd sagte, Rund-Kü-San habe sie wie eine Fürstin verehrt."
„Das weiß ich."
William Ralms staunte.
Das wissen Sie?"
„2a. — Er liebte die Frau wohl über alles."
„Woher stammt Ihr Wissen?"
„Gedulden Sie sich! Ich möchte erst hören, was Sie mir noch zu erzählen haben."
,Mcht viel? Shelton hatte an jenem Tage noch ein großes Geschäft mit Rung- Kü-San zum Abschluß gebracht. In der Nacht darauf ist dann die Tat geschehen. Am Morgen fand Schü-Seing seinen Herrn als Leiche. — Es gab da unter den Chinesen in der Stadt bald ein feindseliges Flüstern: Shelton wisse um diesen Mord! Ja, es soll wohl sogar ganz laute Rufe in den Sttaßen gegeben haben: Der Engländer hat Rung-Kü-Sa aus Eifersucht erwürgt? — Es war, glaube ich, nicht sehr angenehm hier. Shelton soll getobt haben, er hat seiner Frau in Gegenwart Freddy Dlo^is die heftigsten Vorwürfe gemacht, daß sie ihn durch ihren Flirt mit Rung-Kü-San in derarttgen Verdacht brachte. Sie hat auch beschworen, daß er in jener Nacht das Haus nicht verlassen höbe. — Trotzdem hätte es wohl nicht erfreulich für Shelton ansgehen können, wenn nicht Liü-Fu-Tang «schienen wäre. Er erklätte das bestimmteste, alle Anzeichen bewiesen, daß der Mord an seinem Verwandten von einem Chinesen begangen worden sei. Er verbot, Mr. Shelton irgendwie zu verdächtigen und anzufeinden. Aus welchem Grunde er so tatkräftig Sheltons Partei ergttff, weiß ich nicht. War es wirklich feine Ueberzeugung. daß Shelton ohne Schuld ist? Wollte er es nicht zu einem offenen Fremdenhaß in der Stadt kommen lassen? Wollte er einen Skandal vermeiden, der auf den Toten ein zweifelhaftes Licht warf? — Wer weiß das! — Auf alle * lle konnte Shelton mit seiner Frau unbehelligt abreisen. Liü- Fu-Tang entschuldigte sich sogar noch bei ihm ob der anfänglichen Erregung unter den Chinesen."
„Wer aber mag Rung-Kü-Sans Eold- ladung vom „Tushintang" geraubt haben? — Das muß zunächst einer gewesen sein, der darum wußte; aber auch einer, der von meinem Kommen Kenntnis hatte; denn er bediente sich meiner Person, um die Rammung des Schiffes anzuordnen.— Dieser Mensch kennt aber auch Dr. Sm; deny der war auf dem Schiff, und er überlebte den lleberfall, er sandte mir hernach in Schanghai einen Drohbrief."
„C7nen Drohbrief? — Mr. Bollander, ich bewundere Ihren Mut. Sie wissen also, daß man nicht einverstanden ist mit Ihren Forschungen, und dennoch lassen Sie nicht locker. Sie möchten alles, was Ihnen rätselhaft erscheint, aufdccken.
„Nicht alles, Mr. Rilms. Ich möchte nut Klarheit über Jngeborg Bergners Schick sal haben. Sobald ich das erreiche, wirb mich alles andere nicht mehr interessieren."
6.
Am nächsten Morgen fuhr Jörgen Bollander mit Fai Wentschou entgegen, natfi- dem er sich nochmals von William Rilms herzlich verabschiedet hatte, der wieder und wieder bat, ihn ja bald zu besuchen.
Die Fahrt verlief ziemlich schweigsam. Fai schien heute sehr wenig Lust zu Gesprächen zu haben, und Jörgen Bollander war selbst nicht dazu aufgelegt. Es gab so vieles zu überdenken und zu erwägen. Da war es ihm sehr lieb, diese Stunden der Fahrt zur inneren Sammlung benützen zu können. Nun kam ja bald seine erste Begegnung mit Liü-Fu-Tang.
— Wahrhaftig — er gestand es sich seu'- zend ein —, an die geschäftlichen Aufgaben dachte er dabei am allerwenigsten. Nock nie war es ihm bisher passiert, daß er andere Dinge den geschäftlichen Pflichten voranstellte. Aber nun —. Es ging nickt anders, er mußte all diesen Rätseln nach' gehen!—
(Fvrtsctzung folgt.)