Einzelbild herunterladen
 

Nr. 124

ObtriRihidK Bettung, Marburg <l L-. Montag, den 3V. Mai 1932

Sette 8

Sorschauarrs öieNrrtsentiviMlms

Wenn das alte Erntejahr sich seinem Ende juneigt, gewinnen die Auslichten für die neue Ernte allmählich einen immer stärkeren Einfluß auf die Getreidepreise, so daß erfahrungsgemäß die Höchstpreise durch­aus nicht in den letzten Monaten des alten Wirtschaftsjahres zu liegen pflegen. Es scheint nun, daß diese Einflüsse im laufenden sich besonders früh auswirken. Das hat feinen Grund darin, daß man augenblicklich mit einer frühen und guten Ernte rechnet. Ob diese optimistische Auffassung recht behalten wird, ist natürlich nicht vorauszusehen; denn in den kommenden Monaten können darin noch manche Aenderungen eintreten. Aber augenblicklich wird die Marktmrinung hier­durch stark beeindrußt so Saß dre Brotgetreide- preise neuerdings recht nachgiebig wurden. Da bereits Abschlüsie in neuem Weizen zu­stande gekommen sind, wo sich die Abgeber zur Lieferung in der ersten Hälfte des August ver­pflichten und die Preise für die neue Ernte unter denen der alten liegen, sind bte Käufer natürlich besonders vorsichtig geworden. Durch diese Verhältnisse wird ein großer tlnficher- beitsfaktor in das gesamte Eetreidegeschäft gebracht. Verschlechtern sich die Ernteaus­sichten, so wird dadurch natürlich wieder ein stärkerer Anreiz zum Kauf des alten Ge­treides gegeben. Außerdem ist der Angebots­druck auf dem Eetreidema.rkt natürlich am empfindlichsten kurz nach der neuen Ernte und zwar umsomehr, je stärker der Geld­mangel die Landwirtschaft dazu zwingt, die Ernte dem Markte anzubieten. Die Preisaus­sichten werden infolgedesien auch davon ab­hängig werden, in welchem Ausmaß die Re­gierung rechtzeitig Vorbereitungen trifft, um eine gleichmäßigere Verteilung der Getreide­ernte auf das ganze Jahr zu ermöglichen. Rach den günstigen Erfahrungen des letzten Jahres stehen der Regierung dazu eine ganze Anzahl wirksamer Mittel zur Verfügung. Je früher diese Maßnahmen getroffen und vor­bereitet werden, umso fühlbarer müssen diese ihren Einfluß auch schon auf die jetzige Preis­gestaltung ausüben. Jedenfalls ist die Situa­tion auf dem Breotgetreidemarkt ge­genwärtig recht unsicher geworden und die weitere Marktentwicklung von solchen Fak­toren abhängig die sich" in geringem Maße voraussehen lassen.

Diese Berhältnisie sind zwar bisher ohne tiefere Einwirkung auf dem Futter- getreidemarkt geblieben; aber erfah­rungsgemäß würde ein Nachgeben der Brot­getreidepreise auf die Dauer nicht ohne Ein­fluß auf das Futtergetreide bleiben können. Sehr wesentlich für sie Beurteilung ist es außerdem, daß es immer deutlicher wird, daß der Kartoffelabsatz auf große ^hwierigkeiten stößt. Dadurch wird die' Landwirtschaft frag­los wieder zu einer stärkeren Verfütterung ihrer Kartoffelbestände gezwungen. Rechnet man ferner hinzu, daß bet Rückgang der Schweinebestände und das Einsetzen des Weidebetriebes die Verwertung von Futter­getreide weiter einschränken, so können jetzt auch die Preisausfichten für Gerste und Hafer nicht mehr so günstig beurteilt werden, wie noch vor einiger Zeit. Es erscheint daher nicht ausgeschlosien, daß auch hier die Preise in der kommenden Zeit eine gewisie Ab­schwächung erfahren werden.

Schon seit längerer Zeit wiesen wir auf die Gefahren hin, welche in den Frühjahrs­monaten dem Kartoffelgeschaft droh­ten, wenn nach Beendigung der Destellungs- arbeiten die großen Kartoffelvorräte, über welche die Landwirtschaft noch verfügt, in verstärktem Maße dem Markte angeboten würden, da es dann an der entsprechenden Ab­satzmöglichkeit fehlen würde. Diese Befürch-

Aeffen-Raffau und Nachdarsebirke

Wilhelm Merck

1. Präsident des Hessischen Automobilklubs.

Darmstadt, 29. Mai. Der Hessische Automobilklub e.V. (AVD.) wählte in seiner außerordentlichen Generalversamm­lung sein lebenslängliches Mitglied Fabri­kant Wilhelm Merck einstimmig zu seinem ersten Präsidenten.

Der kommunistische Landtagsabgeordnete Hamman verhaftet.

Darmstadt, 29. Mai. Da mit der Ungültigkeitserklärung des Hessischen Landtags auch die Immunität der Abge­ordneten aufgehoben worden ist, wurde von der Polizei der seitherige kommu­nistische Abgeordnete Hammann, der auch auf der neuen Kandidatenliste der KPD. erscheinen wird, vor Beginn einer Ver­sammlung in Bauschheim im Ried ver­haftet. Hammann ist seinerzeit wegen Beleidigung des hessischen Innenministers zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wor­den, die er nunmehr verbüßen soll. Außer­dem läuft noch ein Haftbefehl gcaen ihn wegen Rädelführerschaft bei den Unruhen in Mörfelden.

Taufe von fünf Sportflugzeugen.

Wiesbaden, 29. Mai. Einen schönen Erfolg konnte heute der aufwärtsstrebende Mittelrheinische Verein für Luftfahrt buchen. Es war ihm möglich, auf dem Flugplatz in Wiesbaden-Erbenheim heute die Taufe von fünf Sportflugzeugen zu vollziehen. Dieses in der Geschichte des deutschen Luftsports wohl noch nicht zu ver­zeichnen gewesene Ereignis wurde von dem Vorsitzenden des Deutschen Luftfahrt­verbandes, Staatsminister a. D. Domini- cus, gebührend gewürdigt. Der Mittel­rheinische Verein für Luftfahrt habe es verstanden, sich durch intensive Tätigkeit, was Schulung der Mitglieder und des ihm zur Verfügung stehenden Materials anbe­

treffe, an die Spitze der deutschen Luft­fahrtvereine zu setzen. Darum gebühre dem Mittelrheinischen Verein für Luftfahrt der ganz besondere Dank des Deutschen Luftfahrtverbandes. Die fünf Flugzeuge wurden getauft auf die Namen Gnom, Mainz, Wiesbaden, Mein Glück und Meine Kleine.

4,21 Mill Jt Fehlbetrag im Wiesbadener Etat.

Segen die Konkurrenz der Staatsbäder.

Wiesbaden, 27. Mai. Der städtische Haushaltsplan, der heute in der Stadtver­ordnetenversammlung durch den Oberbür­germeister und den Kämmerer begründet wurde, schließt mit einem Fehlbetrag von 4.21 Mill. asio mit einem ungefähr gleich großen Fehlbetrag wie der Zwangs­etat 1931. Hierbei ist jedoch zn berück­sichtigen. daß für das neue Jahr eine llnte'rstu 'i'"! durch Reich und Staat in der Eeiamihöhe von 4 Mill. Jt eingesetzt ist, während für 1931 nur mit einer sol­chen von 1.9 Mill. gerechnet worden ist. Rur durch diese Annahme einer um 2,1 Mill, .ff höheren Beihilfe konnte der Feblbetraa in der annähernden Höhe des vorigen Jahres gehalten werden. Die Gesamtausgaben sind auf 42,4 Mill. .< veranschlagt; im vorigen Jahr betrugen die Ausgaben 49.8 Mill. .M. Für das Jahr 1932 ist ein Steuerrückgang von 1,4 Mill. Jt zu erwarten und eine Ver­ringerung des lleberschusies aus den wer­benden Betrieben in Höhe von etwa 1 Mill. JC. Durch die schlechte Wirtschafts­lage des Jahres 1931 ist die Kur- und Bäderverwaltung außerordentlich stark betroffen worden. Der Besuch von inländischen Gästen ging um 17% zurück, der Ansländerbesuch sogar um 31%, der Eesamtbesuch um rund 23% gegen das Vorjahr. Stark macht sich die Konkurrenz der ausländischen und der deutschen Staats- bäder bemerkbar.

taugen scheinen sich jetzt in vollem Ausmaß zu erfüllen. Das von allen Seiten heran- rollende Material hat auf vielen Plätzen be­reits zu empfindlichen Absatzstockungen und Vermehrung der babnstehenden und standgeld­pflichtigen Wagen geführt. Wie gewöhnlich werden hiervon in erster Linie die weiß- fleischigen Sorten betroffen; aber auch die gelbfleischiaen lasien sich nicht mehr ohne Preisherabsetzungen unterbringen. Diese Ab­satzschwierigkeiten erfahren noch dadurch eine Verstärkung, daß unsere Exportaussichten sich neuerdings ebenfalls verschlechtert haben. Fa­brikkartoffeln finden augenblicklich zwar noch Unterkunft zu weichenden Preisen, aber man rechnet auch hier bald mit einem Nachlassen des Bedarfes der Stärkefabriken. Es ist asio wenig Aussicht auf eine Besserung der Ver­hältnisse auf dem Kartoffelmarkt vorhanden und daher der Landwirtschaft nur zu raten, durch weitgehende Verwertung der Kartoffeln im eigenen Betriebe die Zufuhren zu den Märkten nach Möglichkeit einzuschränken.

Der Tendenzumschwung auf dem Butter­markt ist schneller eingetreten, als man noch vor einiger Zeit geglaubt hatte. Unsere Fut­terproduktion ist mit der Aufnahme des Weidebetriebes sehr schnell gestiegen. Dieses

rasche Wachsen der Jnlandszufubren macht sich umso empfindlicher bemerkbar, als es in das letzte Monatsdrittel fiel und gleichzeitig auch eine scharfe Konkurrenz durch das Ange­bot von billiger Auslandsware einsetzte. Wenn nun auch durch die Devisenschwierig­keiten der Import eingeschränkt und durch die billigen Spargel preise der Butterver­brauch begünstigt wird, so erscheint es doch zweifelhaft, ob diese Faktoren genügen wer­den, bei der zu erwartenden Produkionszu- nahme und der schwachen Kaufkraft, die Preise wenigstens auf ihrer jetzigen Höhe zu halten. Auch die E i e r p r e i s e mußten in der Be­triebswoche herabgesetzt werden; jedoch dürfte hier wohl eine gewisse Wahrscheinlichkeit da­für bestehen, daß der Einfluß der befestigten Faktoren ein weiteres Abqlciten der Preise verhindern wird. Die Höhe der Produktion ist bereits überschritten; die Frühgemüsezeit be­günstigt den Eierkonsum; auch hat die Nach­frage zu Konservierungszwecken noch nicht völlig aufgehört. Sehr fraglich ist allerdings, ob die nächste Zeit schon eine Befestigung des Marktes bringen wird.

Wie zu erwarten war, hat nach den Pfingst­tage auf den meisten Schlachtvieh­markten die Nachfrage nachgelasien. ta ...

..

*J

Giuseppe Garkbälvi,

Bet italienische Nationalheld, starb vvr 50 Jahren, <rm 2. Juni 1882 dttf seiner be- rühmten Felseninsel Caprera. Garibaldi hat durch seine kühnen Feldzüge in den von ihm gebildeten Freischärler-Korps die Ein­heit Italiens vorbereitet. Zuvor hatte Garibaldi wesentlichen Anteil an der Be­freiung der südamerikanischen Republik Uruguay. 1870/71 focht er auf feiten der Franzosen gegen die Deutschen, konnte aber keine Erfolge erzielen.

Wetterbeobachtungen 29.30. Mai.

Höchste Temperatur am 29. Mai 15.5 Celsius Niedrigste Temperatur lehte Nacht 8,6 Celäur

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER

Zeit

Barometerlt. reduziert auf N N

Tempe­ratur

Relativ Luft­feuchtig­keit

29 5. 2 Ubr nachm.

29. 5. 9 Ubr nachm.

30. 5. 7 Ubr vorm.

759.7 nun

759.5 mm

759,2 mm

14.4 Teil.

12.0 Keif.

12.3 Teli.

81'1.

87'1.

811.

Marburg/Lahn Wett-ronsse 30 Bahnhofstr. I

Fernruf 248

Wetterbericht.

Infolge kräftiger Verstärkung des nord- europäischen Hochdruckgebiets und stärke­rem Luftdmckanstieg von Südwester her hat sich über dem Kontinent eine Tiefdruck­rinne gehalten. In ihr strömen Lustmassen verschiedener Herkunft und Temperatur zu­sammen und es kommt immer wieder zur Ausbildung einzelner flacher Tellftörungen, die auch bei uns zum Auftreten weiterer vielfach gewittriger Mcderschlüge führen werden. Im ganzen bleibt jedoch die feit Samstag eingetretene freundlichere Witte« rung erhalten und es bleiben Störungen nur vorübergehender Statur. Die Erwär­mung macht nur langsam weitere Fort­schritte. Witterungsaussichten für Diens­tag: Fottdauern der im ganzen freund­lichen, aber nicht ganz beständigen Witte­rung.

Rachdruck verboten.

Aas Rüttel des rushintlmg

Roman Von Kurt Martin

Copyright by Verlag Neues Leben, Bayr. Gmain.

18. Fortsetzung.

Rächen! Jemand also, der die Tote kannte? Dann wäre es nicht Ingebvrg Bergner; denn sie war ja keinem Men­schen hier bekannt."

Dr. Kao-Tse zeigte wieder Verschlossen­heit. Es machte den Eindruck, als ob er das Gesagte schon bereute.

Wir können das noch nicht beurteilen."

Io, wie dann aber? Wer hatte den Wunsch, ich sollte die Tote finden? Wer brachte die Kugel aus der Wunde? Wer?

Mr. Vollander, das sind alles Fragen, die der Untersuchung Vorbehalten bleiben müssen."

ilnfc was hatte es zu bedeuten, daß die Bordwand desLushang" plötzlich ein weißes Zeichen trug, daß dies dann wieder ebenso rätselhaft verschwunden war? Was bezweckte die jagende Fahtt von Mr. Liü- Fu-Tangs Motorboot, das den Jangtse herabkam, den ^Vushang" umkreiste und dann mit der gleichen Schnelligkeit zurück- suhr?"

Das hat wohl nichts zu bedeuten."

Jörgen Bollander fühlte: Hier wollte der Chinese sich nicht cwssprechen. Warum? Hatte er nach dieser Rtchtung irgendeinen Verdacht? Brachte er Liü- Fu--Dang mit den Ereignissen in Ver­bindung? Wollte er es vermeiden, ohne offenen Beweis einen Verdacht auf Äü- Zu-Tang fallen zu lassen?

Dr. Sro-Me hatte sich gleichfalls er* Hecken.

»Wir werden eifrig bemüht bleiben, alles aufzuklären. Bitte, lassen Sie sich in Ihren Geschäften nicht mehr anshallen. Die Bestattung der Toten kann heute er­folgen. Sie werden hierauf nach Dschong- fing reisen, nicht wahr? Es ist nur llsb, wenn Sie bald reisen."

Jörgen Dollander hatte eine über­raschte Frage auf den Lippen; aber er sah es dem andern an, daß er nicht gefragt sein wollte. Da schwieg er und verabschie­dete sich.

Am Abend aber trat Jörgen Bollander seine Fahtt den Iangtsekiang aufwärts von neuem an. Er hatte die Tote in die Erde gebettet, er hatte bei ihr gestanden und war dann still und ernst an Bord sei­nes Schiffes gegangen.

Wer lag da uiun unter der Erde? War es Ingebo-rg Bergner, war es eine andere? Wer? Wie war diese Frau dorthin auf das Boot gekommen, wie hatte sie den Tod gefunden, in wessen Gewalt war sie gefallen? Denn Gewall war ihr geschehen, das war gewiß! Eine Kugel hatte ihrem Leben ein Ende bereitet. Wo­her tarn dieser tödliche Schutz? Hotte jene Frau die Waffe selbst erhoben und sich erlöst aus schlimmer Aot? War es ihr Peiniger, der fte niederschotz? Warum aber hatte man die Tote ver­brannt?

Jörgen Bovanders Gedanken kreisten rastlos am diese Geschehnisse und fanden keine Antwort, die Klarheit brachte. Seit jener Macht aus dem Meere, da der Kweipcmtu" denDuihingtang" gerammt hatte, da dieses rätselhafte Schiff in der Tiefe versunken war, folgte ein sonder­bares Geschehnis dem anbem, und eins blieb so uuechlärlich wie das andere

Was würde ihm auf dieser Fahrt begegnen?

ES trat aber nichts Auffälliges ein. AichtS Äeberrafchendes geschah.

Das Schiff erreichte pünktlich Tschong- fing. Jörgen Bvllander hatte das Ziel seiner Fahtt erreicht. Das laute, bunte Dvekben dieser echt chinesischen Stadt nahm ihn auf und riß ihn aus seinen Gedanken.

Eie hatten kaum angelegt, als ein Chi­nese an Bord kam und auf Jörgen Blck- londer zusteuerte.

»Mr. Bvllander? Wein hoher Herr, Mr. Liü-Fn-Lang, enMetet dem fremden East seinen Gruß. Er hat mich gesandt, daß ich seinem Gast alle Anbeguemlich- keiteu abaehme."

Gr schlag vor, die Dacht in Dschongsiny zu verbringen und am nächsten Morgen mit Lin-V^TongS Wagen die Fahtt nach Wentschou fortzusetzen. Bvllander war damit einverstmcheu. Fai wie der Chi­nese sich nannte winkte zwei Diener herber and gab ihnen seine Befehle. Gr geleitete den Ankömmling zu einer Mck- schah und war ihm 6e$m Ginsteigen be­hilflich

Es ging in eiliger Fahrt hinein ht das Gewirr der Gassen und Gäßchen, an sich drängenden und emsig schwatzenden Men­schen vorbei. Hin und wieder führte der Weg über eine schmale Holzbrücke, unter der schmutzig braunes Wasser träge dahin­floß. Ueberall in den schmalen Straßen flatterten von den Häusern lange schmale Fahnen herab, die Firmenschilder der Ge­schäftsleute, mit goldenen, roten und schwarzen Buchstabengruppen senkrecht übereinanderstehend, bemalt. In den kleinen Häusern fehlte die vordere Wand; man konnte die Räume zum großen Teil von bet Straße aus besehen und das Le­

ben und Treiben der Bevölkerung bei ihrer häuslichen und beruflichen Betäti- gung beobachten. Am wenigsten anziehend wirkten auf Jörgen Bollander die Läden der Lebensmittelhändler, die ihm schon in Schanghai zum Teil durch ihren üblen Ge­ruch unlieb aufgefallen waren. Der inten­sive Knoblauchduft war dabei noch das kleinste Aebel; weit schlimmer roch es aus den Fischläden, ht denen Stockfische ver­kauft wurden und aus den Fleischläden, in denen es neben gebratenen Enten und Hunden, gemästeten Ratten auch Gedärm und alle möglichen, nicht zu erkennenden Leckerbissen" zu erstehen gab. Ganz« Körbe mit schwarzen Eiern die. ge­kocht und auf besondere Weise zubcreitet, erst wochenlang in der Erde eingegraben liegen, bis ihre Schale schwarz geworden ist, warteten der Käufer. Die Stände der Obsthändler lockten dafür schon mehr den europäischen Geschmack zum Kauf: da gab es safttge Ananas, Oliven, Orangen und manch anderes.

In einer Bäckerei war eben ein Chinese damit beschäfttgt, den Teig zu kneten, wa« er kunstgerecht mit einer Bcmbusstange besorgte, auf deren Ende er saß und damit herumwippte. Sie kamen vorbei an Estcn- beinschnitzern, an Kattunwebern, an den Porzellanhändlern, die ganze Berge non Tellern, Reisschüsseln und Teeschälck-en aufgebaut hatten, und es war erstaunlich daß es bei dem regen Verkehr in be! Straße nicht Scherben auf Scherben gab.

Das kleine Gefährt hielt plötzlich vot einem größeren Gebäude, und da war aum schon Mr. Mai zur Stelle und geleitet6 Jörgen Vollander in der für ihn reser­vierten Räume. Er war eifrig um den East seines Herrn bemüht, fragte im nid wieder nach besonderen Wünschen.

(gunfetjung folgt.)

i