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Mstas, hm 27. W1932

Vie .Oberhessisch« Zeitung' er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatl.i. Marburg 2.02 AM auSschl. ZusiellungSgebühr, bei unsren Agenturen 1,93 GM. zuzügl- ZustestellungSgebühr, durch die Post 2.25 GM Für etwa durch Streik, Maschinendefektod«« elementare Ereignisse ausfallend« Rummrrn wird kein Ersatz g«* leist«!. Verlag, Dr. §. Hitzeroch, Druck der Unib-Buchdruckerei Job- Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr 54 und Str. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. W. Rr. 5015. Sprechzeit der Sledaktw» von 1011 >md

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.

NeueAusschreitungenvonKommunisten

Schwere Zusammenstöße in Hamburg und im Ruhrgebiet Schüsse auf die Polizeibeamten -

Hamburg, 26. Mai. Di« komm», nistische Aktion, die am Mittwoch abend z« den Vorfällen am Jnngsernstieg führte, wnrd« a« Donnerstag fortgesetzt. Bereits in den frühen Vormittagsstunden hatten sich an verschiedenen Stellen der Stadt, vor alle« vor den Arbeits­ämtern, größere Menfchenmaf, feu angesammelt, die offenbar einer kom- mnnistischen Anssordernng folgend eine Kundgebung zu veranstalten versuchten. Die Polizei mußte mehrmals mit dem Gummiknüppel einschreiten. Trotz­dem bewegt« sich ein Zug von Kundgebern mittags zum Alten Steinweg. In der Michaelisstraße wurde «in größeres Poli­zeiaufgebot eingesetzt, um de» Zug aufzu, lösen. Bei dieser Gelegenheit find auch Schüfie gefallen.

Kurz nach 12 Uhr kam es am Lagerplatz zu einem schweren Zusammenstoß. Eine größere Menschenmenge nahm scharf gegen die Beamten Stellung. Durch Schüfie aus den Reihen der Kommunisten wurde ein Polizeibeamter verletzt. Darauf machten auch die Beamten von ihrer Schußwaffe Gebrauch. Hierbei soll eine größer« An­zahl von Kundgeber» man spricht von «twa 15 Personen schwer verletzt wor­den sei».

Wuppertal, 26. Mai. Wegen der Kürzung der Unterstützungssätze veranstal­teten heute vormittag Wohlfahrtserwerbs- lose vor dem Barmer Ratha use eine Demonstration, die so bedrohlichen Cha­rakter annahm, daß sich die Polizei zur Räumung des RachauSvorplatzeS ge­zwungen sah. Einem Dell der Demon­stranten gelang es, bei der SäubetungS- oktion in das Ratha US einzudringen. Ein Polizeikonnnando besetzte daraufhin das Rathaus und kontrollierte die Be­sucher. Gegen 11 Ahr wurde das Rathaus von der Polizei vorübergehend geschlossen, um eine reibungslose Abfertigung der An- terstützungsempfänger zu ermöglichen. Auch später kam es in den in der Rühe des Rathauses liegenden Straßen immer wie­der zulärmenden Kundgebungen von Demonstranten, die ein Eingreifen der Polizei notwendig machten.

Düsseldorf, 26. Mai. Kurz noch 18 Ahr erschien heute plötzlich in einer der Hauptverkehrsstraßen der Stadt, der Königsollee, ein Trupp von etwa 100 bis 150 meist jungen ßeuten. Sie lie­fen zunächst unter dem GesangderIn- ternationale im Laufschritt durch die Straßen, ergriffen dann plötzlich die vor einem Kaffeehaus stehenden Stühle und Tische und schleuderten sie in die großen Spiegelscheiben mehrerer Geschäfte. Zwölf große Schaufensterscheiben und ver­schiedene Glasscheiben parkender Kraftwagen wurden zertrümmert. Die Demonstranten zerstreuten sich, bevor die Aeberfallkommandvs zur Stelle waren.

jJn Dortmund mußte bei Er- werbSlvs endemvnstrativnen die Polizei mit mehreren Aeberfallkommandos eingreifen. Mehrfach griffen die Demrm- stranten Polizeibeamje tätlich an. Ein Beamter wurche durch einen Schuh aus einer Scheintvdpistvle echeblich verletzt. Insgesamt mußten 22 Personen verhaftet werden.

Zusammenstöße in Berlin.

Berlin, 26. Mai> Am Donnerstag vor­mittag kam es an acht verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozia listen. Die größte Schlägerei entstand am Stettiner Tunnel, wo auch 2 Schüsse, die aber niemanden trafen, abgegeben wur­den. In der Weißenburger st raße wurde ein Nationalsozialist durch

einen M e s s e r st i ch verletzt. Bei einer Schlägerei in der Zionskirchstraße wurde eine Person schwer und zwei leicht verletzt. Meh­rere Kommunisten überfielen ein nationalsozialistisches Lokal, ergriffen aber bei Eintreffen der Polizei die Flucht. Im Kleist- park wurde ein Nationalsozialist durch einen Steinwurf verletzt. Die Polizei nahm ver­schiedene Personen fest und führte sie der poli­tischen Polizei zu.

Nach der Schlägerei im Landtag

Berlin, 26. Mai. Die Tagesordnung für die nächste Landtagssitzung am Mittwoch, den 1. Juni ist bereits ausgestellt. Es befinden sich auf ihr haupffächlich nationalsozialistische und kommunistische Anträge über die Bildung von Untersuchungsausschüffen, Einstellung von Strafverfahren, die neue Geschäftsordnung des Preußischen Landtags, über die Aufhebung der Kürzung der Sozialunterstützungen, über die weitere Amtsführung der Regierung Braun und auf Beseitigung des Abfindungsvertrages mit den Hohenzollern, so ziemlich alle Be­ratungsgegenstände, die in den verflossenen Beratungen die Meinungen sehr hart aufein­ander prallen ließen.

Der neue preußische Landtagspräsident zu den Zusammenstößen.

Der neue Präsident des Preußischen Land­tages, Kerrl, erklärte am Donnerstag auf Befragen, ob uftb welche geschäftsmäßigen Folgerungen aus den Zusammenstößen im Landtage gezogen werden würven, daß hier­über zur Seih noch nichts gesagt werden könne. Er werde später veranlassen, daß in Zukunft sich vor der Rednertribüne Abgeord- nete auf keinen Fall mehr versammeln dürf­ten. Die Abgeordneten sollten vielmehr er­sucht werden, innerhalb der Bänke zu bleiben. Die Frage, ob die gegenwärtigen Ordnungs- besiimmungen des Hauses verschärft werden müßten, werde erst im Einvernehmen mit dem Aeltestenrat entschieden werden können.

Am Donnerstag vormittag weilten einige höhere Beamte der Berliner Polizei im Land- tagsgebäude. Der Präsident äußerte die An­sicht, daß die Pölizeioffiziere dem Hause ledig- lich einen privaten Besuch abgestattet haben, was ihnen selbstverständlich wie jedermann freistehe.

Im übrigen sind bereits am Donnerstag mit­tag alle Spuren des schweren Zusammen­stoßes aus dem Plenarsitzungssaal beseitigt, so daß der Saal nunmehr wieder sauber und in Ordnung der nächsten Plenarsitzung des Hau­ses am 1. Juni zur Verfügung steht.

Der nationalsozialistische Prefiedienst zu den Ereignisien im Landtag.

Berlin, 26. Mai. Der preußische Presse­dienst der nationalsozialistischen Landtags­fraktion gab gegen Mitternacht einen umfang­reichen Bericht über die Ereignisse in der Mittwochsitzung des Preußischen Landtages aus. In diesem Bericht wird erklärt, daß die sofort aufgenommenen amtlichen Ermitt­lungen der Fraktion eine Fülle von Beweis­material gegen Abgeordnete der Linken be­züglich ihrer Teilnahme an Gewalthandlungen erbracht hätten. Es standen dafür Dutzende von Zeugenaussagen auch von Nicht-National­sozialisten und von neutralen Tribünenbe­suchern zur Verfügung. Soweit das Steno­gramm vorliege, ergebe es einwandfrei die Schuld der marxistischen Abgeordneten. Unter Anführung von Stellen aus dem Stenogramm wird darauf hingewiesen, daß beleidigende Zwischenrufe gegen Nationalsozialisten e in 2 Maßregelung nicht erfahren hätten.

Der Bericht zählt dann eine große Reihe von Zeugenaussagen auf. Mehrfach wird übereinstimmend erklärt, daß der kommu­nistische Abgeordnete Pieck von der einen Regierungstribüne einen schweren Minister­sessel in die Reihen des Zentrums und der Sozialdemokraten hinuntergeworfen habe, ob- wohl dort kein.Handgemenge geherrscht habe. Durch diesen Wurf fei wahrscheinlich ein Abgeordneter dieser Fraktion verletzt worden.

Eine genauere Darstellung der Verletzun­gen, die mehr als ein Dutzend nationalsozia-

Aend erung d er Notv erordnung?

Hindenburg fordert Aenderungen in wichtigen Punkten

Berlin, 26. Mai. Staatssekretär Meißner hat nach feinet Rückkehr ans Neudeck dem Reichskanzler über fein« Be­sprechungen mit dem Reichspräsidenten eingehend Bericht erstattet. In unter­richteten Kreisen wird es für möglich ge­halten, daß auf Grund besonderer Wünsche des Rerchspräsiden, t e n die geplante Notverordnung in einigen Punkten noch eine Aenderung erfahren dürfte. Es wird jedoch erklärt, daß derartige Aenderungen nicht auf irgendwelche Schwierigkeiten innerhalb des Kabinetts stoßen würden. Was die sonst mit der Notverordnung noch zusam­menhängenden Fragen personeller Art angeht, so find die Entscheidungen hier­über erst nach vem Vortrag zu erwarten, den der Reichskanzler bekanntlich am Sonntag dem Reichspräsidenten von Hin. denbnrg nach defien Rückkehr nach Berlin erstatten soll.

Hindenbargs AendernngswÜnsch« zur Notverordnung.

Di« AenderungSwünsche des Reichsprä­sidenten hinsichtlich der vom Kabinett ge­planten Maßnahmen beziehen sich, wie dieDAZ." erfährt, vor allem auf zwei Punkte: Der Reichspräsident wünscht, daß nach Möglichkeit die Kriegsrenten vor Der Gefahr weiterer Abstriche bewahrt bleiben. Der Reichspräsident hat ferner Bedenken gegen gewisse Tendenzen in den bisherigen Siedlungsplänen des Kabinetts geäußert. Wie das Blatt wetter meldet, hat der Reichspräsident durch Staatssekretär Meißner nritteilen lassen, daß er drei 'Gesichtspunkte berücksichtigt sehen möchte: die Enteignungsmöglichtett, die durch die bisherigen Entwürfe vorgesehen war, soll durch verstärkten Rechtsschutz entschei­dend eingeengt werden. Weiter sollen

Deutschland bezahlt alles! Deutsch-amerikanisches Abkommen über di« amerikanischen Besatznngskosten.

Berlin, 27. Mai. Rach Blättermel- üungen ans Washington, hat der deutsche Botschafter gestern eia deutsch-amerikani­sches Abkommen unterzeichnet, das die Zah­lung von sechs Millionen Dollar in zehn Jahresraten mit 4%, 3 i n i e n durch Deutschland vorsieht. Bei diesen sechs Millionen Dollar handelt es sich um die durch das Hoovermoratorium aufgeschobene Jahresrate für die Koste» der ameri»

verbesserte Möglichkeiten für die An­hörung der Berufsstände getrof­fen werden. Der dritte Punkt betrifft die Zu summenfas ung der Siedlung in einer Hand. DieDAZ." verzeichnet schließlich das Gerücht, daß Dr. Brüning diktatorische Bollmacht für eine grundsätz­liche' Ambildung seines Kabinetts- vont - Reichspräsidenten erbitten werde. Aeber Einzelheiten lasse sich zur Zeit naturge­mäß nichts sagen.

Optimismus in der Wilhelmstratze

Berlin, 26. Mai. Das Eonti-Büro, ein Rebenbüro des WTB., verbreitet heute folgende, offenbar offiziös beeinflußte Meldung:

Zn Börsenkreisen nicht nur Berlins, son­dern auch im Reich waren heute Ge­rüchte über einen Rücktritt Dr. Brüning verbreitet. Man kolportierte sogar schon Namen angeblicher Nachfolger. Wir können feststellen, daß diese Gerüchte völllommen falsch sind. Zm Gegenteil sprechen sogar die stärksten sach­lichen Gründe dafür, daß de r Kanzler weiter im Amte bleibt. Dieser Eindruck wird als das Ergebnis der Besprechung bestättgt, die Staats­sekretär Meißner in Neudeck mit dem Reichspräsidenten gehabt hat.

Der Reichspräsident hat eine Reihe von Wünschen, die sich auf die Ergänzung des Reichskabinetts und auf die Gestaltung der neuen Notverordnung beziehen. Schon die Tatsache, daß Staatssekretär Meißner dem Kanzler diese Wünsche heute über­mittelt hat, ist ein Beweis dafür, daß an eine Kabinetts- oder Kanzlerkrtse nicht zu zu denken ist. Heute hat wegen des Fron­leichnamsfestes keine Kobinettssitzung statt- i gefunden: aber man kann wohl annehmen, | daß die Reichsregierung die nächsten Tage dazu benutzen wird, die Notverordnung oen Wünschen des Reichspräsidenten anzu­passen.

konischen Besatzungsarme« im Rheinland.

Eine Stellungnahme zu dieser Meldung von zuständiger deutscher Seite war an­gesichts der späten Nachtstunde nicht mehr zu erlangen.

Französisches EsiifUhrverbot für Rinder und Schafe.

ft. Paris, 27. Mai. Nach einer Ver­ordnung des Landwirtschafts-Ministeriums ist das Emsuhrverbot für aus Deutschland kommende Rinder und Schafe wieder in Straft getreten.