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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fSr Stadt und Kreis Marburg.
Schwere Schlägerei im Landtag
Kommunisten provozieren und beginnen eine Schlägerei - Sie werden von den Nationalsozialisten zumS aal hinausgeworfen
Der nationalsozialistische Abg. Kerrl Landtagspräsident
Serliit, 25. Mai. Die zweite Setzung des neuen preußischen Landtages wurde vom Mersprasidenten Litz mann wiederum be> vollbesetztem Hause und starkem Andrang auf den Tribünen um 2.15 Uhr eröffnet Alterspräsident Litzmann erklärte zunächst cms der Presse habe er erfahren, daß in der Eröffnungssitzung des Landtages von der Unken Seite des Hauses während seiner Eröfs- muigsansprache schwere 23eieibigun• gen ausgestotzen worden seien. Soweit die Beleidigungen ihn persönlich angmgen, sei es ausschließlich seine Sache, wie er damit verfahren wolle. Er könne sich auf den Standpunkt stellen, daß er von den Zurufern überhaupt nicht beleidigt werden könne. Wenn z. B. gerufen worden sei: „Nieder mit den kaiserlichen Generalen!!", so werde auch davon betroffen, der Generalfeldmarschall von Hindenburg. „Wenn ich wüßte", so fagte Litzmann, „wer diesen Ausdruck gebraucht hch, würde ich entsprechende Maßmchmen dagegen getroffen haben." (Zurufe b. d. Stumm.: „Die ganze Fraktion! ) Litzmann: „Das spricht nicht für ihre Fraktion!"
Bor Eintritt in die Tagesordnung kam es zu einem Geschäftsordnungsgeplänkels wobei Anträge verschiedener Fraktionen in die Ausschußberatung verwiesen wurden. Ehe dann die
Wicht des Landtagspräsidiums begann, die als erster Gegenstand auf der Tagesordnung stand, erklärte Abg. Lohse (Nat-Soz.), daß seine Fraktion bereit sei. sich den bisherigen parlamentarischen Gepflogenheiten anzuschkießen. Er beantrage, den Abg. Sterrl (Nat-Soz.) als Vertreter der stärksten Fraktion zum Präsidenten zu wählen. Seine Fraktion werde ihr Verhalten bei der Wahl des Vizepräsidenten von dem Verhalten der Fraktionen gegenüber der Kandidatur Kerrl abhängig machen.
Abg. Heilmann (Sog.) wiederholte darauf schon im Aeltestenrat gemachte Ausführungen, wonach die SPD. nicht für einen Nationalsozialisten stimmen könne, zumal die NSDAP, auch nicht den Anspruch der stärksten Fraktion anerkannt hätte, wenn die SPD. diese Fraktion gewesen fei.
Abg. Stube (Nat-Soz.) wies darauf hin, daß die Sozialdemokraten sich daran gewöhnen müßten, daß der neue Landtag ein politisch anderes Bild zeige, als der alte.
Nun folgte der eigentliche Wahlakt, der mit alphabetischem Namensaufruf sämtlicher Abgeordneter in geheimer Zettelwahl durchgeführt wurde und sich mehrere Stunden lang hinzog. Für die W a h k des Landtagspräfidenten wurden 416 Stimmen abgegeben. Davon waren 6 Zettel unbeschrieben, einer ungültig.
Bon bett gültigen 409 Stimme, erhielt der Nationalsozialist Kerrl 262 und damit die absolute Mehrheit, so daß er zum Landtagspräfidenteu gewählt war.
Er übernahm sofort die Geschäfte und wurde von seinen Freunden mit Händeklatschen und dem Faschistengruß empfangen, als er das Präsidium betrat. Die Kommunisten riefen: „Von Zentrums Gnaden."
Präsident Kerrl
dankte zunächst dem Alterspräsidenten für die Mühewaltung, der er sich trotz seines hohen Alters unterzog. „Ich übernehme", io fuhr er fort, „das Amt des Präsidenten, Zu dem Sie mich mit absoluter Mehrheit gewählt haben, nachdem zuvor das preußische Volk in einer einzigartigen Erhebung durch feine Willenskundgebung Bet der Wahl die bisherige Sschsmännergruppe $ut stärksten Fraktion des Hauses gemacht hat (Unruhe iinks und lärmende Rufe bei den Kommunisten.) nicht mir dieses Hauses, sondern überhaupt des preußischen Landtages seit seinem Bestehen. Ich werde mein Amt den Bestimmungen der Geschäftsordnung entsprechend und wie sich das bet etnem NationaHozi-Äistsn non selbst ge
hört, unparteiisch wahrnehmen. (Lärm bet den Kommunisten.) Sie (zu den Kommunisten) haben ja genug Gelegenheit genommen, uns von der Güte ihrer Stimmen zu überzeugen. Es ist allerdings nötig, zu zeigen, daß zu diesem Stmrmenmaterial auch der notwendige Verstand da ist." (Lebhafter Beifall rechts. — Lärm bei den Kommunisten und Zurufe: Frechheit! — Zwei Kommunisten werden zur Ordnung gerufen.) „Zwingen Sie mich nicht", so fuhr der Präsident, zu den Kommunisten gewendet, fort, „zu schärferen Maßnahmen zu greifen." (Erneuter Lärm bet den Kommunisten.)
Das Haus wandte sich dann der
Wahl des ersten Bizepräfidenten
zu. Präsident Kerrl teilte folgendes Abstimmungsergebnis mit: „Es sind 253 Stimmzettel abgegeben. Unbeschrieben sind 31 Stimmzettel, ungültig ist eine Stimme. Es haben erhalten: Abg. Wittmaack (Soz.) 167, Abg. Kasper (Korn.) 54 Stimmen." Die Deutschnationalen und die Mehrzahl der Nationalsozialisten hatten fich an der Abstimmung nicht beteiligt
Es folgte die Wahl des zweiten Vizepräsidenten mit folgendem Ergebnis: „Es sind 410 Stimmzettel abgegeben worden. Unbeschrieben sind 3, ungültig ist kein Stimmzettel. Es haben erhalten der
Abg. Baumhoff (Ztr.) 354, der Abg.
Kafp er 53 Stimmen."
Das Haus nahm dann die Wahl des dritten Vizepräsidenten vor. Hierbei wurden 306 Stimmzettel abgegeben, von denen einer ungültig war. Der Abg. Dr. von Kries (Dtn.) hat 254, der Abg. Kasper (Kom.) 50, der Abg. Pieck (Kom.) eine Stimme erhalten.
Das Präsidium wird ergänzt durch die Wahl von zwölf Beisitzern, die sich zusammensetzen aus fünf Nationalsozialisten, drei Sozialdemokraten, zwei Zentrumsmit- gliedern, einem Kommunisten und einem Deuts chnationalen.
Inzwischen eingegangene Anträge verschiedener Fraktionen wurden den Ausschüssen überwiesen, nachdem vorher die Verteilung der Ausschußsitze erfolgt war.
Eine Geschäftsordnungsaussprache
Zur Geschäftsordnung erhielt darauf der Abg. Dr. Freister (Nat.-Soz.) das Wort der die sofortige Einsetzung des von den Nationalsozialisten geforderten Untersuchungsaus- 'fchuffes zur Nachprüf ung derdkechts-^ pflege in Preußen verlangte. Seiner Fraktion fei soeben ein Telegramm zugegangen, wonach der Staatsanwalt gegen die drei im Hückeswagener Prozeß angeklagten National
In wenigen Minuten
Die SaaMlackt - Abg. Daluge (NS.) erhält einen Messerstich
Berlin, 25. Mai. Im Preußischen Landtag entstand am Mittwoch wahrend einer Rede des Kommunisten Pieck, der den Nationalsozialisten zugerufen hatte, daß in ihren Reihen Mörder säßen, eine ungeheure Schlägerei. Die Rationalsozia, listen drängten nach diesen Worten vor. Die Kommunisten stürmten gleichfalls auf die Rednettttbüne zu, umgaben schützend ihren Redner und stießen wilde Drohungen gegen die Nationalsozialisten aus. Die Nationalsozialisten drängten jetzt auf die Treppe zur Rednertttbüne.
Als der Abg. Hinkel («<rtfo$.) die oberste Stufe erreicht hatte, erhielt tt von ehren kommunistischen Abgeordneten einen Schlag ins Gesicht 3m selben Augenblick flog das Tintenfaß des Präsidenten in die Rattonal- iorialisten
Es entstand eine wüste Schlägerei, an der etwa 200 Abgeordnete beteiligt waren: Befiel flogen durch die Luft und die Lampen am Btenographentisch wurden zerschlagen. Die Abgeordneten hieben wütend aufeinander ein. Die Kommunisten wurden von den Rattonalsozialisten buchstäblich aus dem Saale getrieben. Der Geschäftsführer der Sozialdemokrattschen Fraktion, Abg. Jürgensen, mutzte be- umtztlos aus dem Sitzungssaale getragen werden. Die kommunistischen Abgeordneten K r ä m e r-Oberschöneweide, Kuntz und Eolke sind gleichfalls verletzt. Der Geschäftsführer der nationalsozialistischen Fraktton, Abg. Hin kl er, hat eine Verletzung am linken Ohr davongetragen, der Abg. Wehner- Ostpreutzen ist durch einen Wurf mit einem schweren Stuhl am Rückgrat verletzt worden, während der Abg. Daluge sogar einen Messerstich erhalten hat. Leichter verletzt ist der nationalsozialisttsche Abgeordnete Kunze.
le Minuten nach dem Zusammen- .rjchien der Kommunist Krämer stark verbundenem Kopfe wieder im s.Zungssaale. Er räumte seinen Arbeitsplatz und ttef dabei einigen Nationalsozialisten, die sich noch im Sitzungssaale aufhielten zu: „ZwanzigfürEinen, Ihr Hunde, das sollt Ihr noch bezahlen!"
Der Sitzungssaal bot
nach der Schlägerei
einen wüsten Anblick. Schwere Ledersessel, Tischkästen, zerbrochene Lampen und ein Tohuwabohu von Papier, Abstimmungskarten und was sich sonst in den heraus- gerifienen Kästen der Arbeitsplätze der Abgeordneten vorgefunden hatte, lag besonders um den kommunistischen Sektor herum auf dem Boden. Man konnte von dem Eingang der Kommunisten auf der linken Seite des Hauses her kaum den Sitzungssaal betreten und mutzte erst mühsam über die Reste des Mobiliars hinwegklettern.
Der Aeltestenrat
trat sofort nach der gewaltsamen Vertagung der Sitzung zusammen, um sich über die gegen die schuldigen Abgeordneten zu ergreifenden Mahnahmen schlüs- stg zu werden. Wie verlautet, haben Nationalsozialisten und Kommunisten erklärt daß ihnen an der Klärung der Schuldfrage nichts g e l e g e n s e i und datz sie ein Eingreifen der Polizei nicht wünschten. Die Sozialdemokraten erklärten dagegen, datz sie sich angesichts bei Verletzungen des Abgeordneten Jürgensen und des ganzen Tatbestandes nicht damit abfinben könnten, datz die Beteiligten erklären, sie seien ohne weiteres Interesse. Eine ähnliche Erklärung wurde vom Zentrum abgegeben. Beschlüsse wurden im Aeltestenrat nicht gefaßt
soziallsten Zuchthausstrafen von sieben bis zehn Jahren beantragt habe, obwohl sich die Angeklagten in direkter Notwehr befunden hätten. Wie in biefem Falle, so habe sich in Preußen
die Staatsanwaltschaft seit Jahren ein
seitig gegen die Nationalsozialisten eingestellt gezeigt, was die Vermutung nahe- tege, daß diese Haltung letzten Endes auf eine Anordnung des Ministeriums zurückgehe. Der Untersuchungsausschuß solle klären, was in den letzten 13 Jahren in Preußen an Rechtsbeugung vorgekommen sei. Es wird beantragt, daß dieser Untersuchungsausschuß aus 29 Mitgliedern zusammengesetzt wird.
Vizepräsident Baumhoff fragte, ob sich Widerspruch gegen die Aussetzung bei beiden Anträge auf die Tagesordnung erhebe, worauf Abg. Heitmann (Soz.) rief: „Wir widersprechen selbstverständlich!" ^Lebhafte Aha-Rufe rechts. — Abg. Stube (Nat-Soz): Der Angeklagte widerspricht!)
Zur Geschäftsordnung erklärte dann Abg.
I nfn n n (Soz.), es scheine, als ob bie- Absicht der Nationalsozialisten, in diesem Hause parlamentarisch zu verhandeln, schon nach recht kurzer Zeit wieder aufgegeben worden sei. Es müsse allerschärfstens gegen den Versuch protestiert werden, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen. (Gelächter rechts und fortgesetzte große Unruhe.) Die Männer, die das beantragt hätten, hätten drei Menschen getötet (großer Lärm im Hause), darunter den Bruder des Landtagsabgeordneten. Fries- Köln. (Zuruf von den Nationalsozialisten: Unglaublich!)
Abg. Kube (Natsoz.) nahm schärfstens gegen den Versuch Stellung, den Nationalsozialisten Einmischung in ein schwebendes Verfahren vorzuweifen. Dr. Freisler hätte auf taufend andere Fälle Hinweisen können. (Zurufe links: Schulz! — Lärmende Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. — Von sozialdemokratischen Abgeordneten werden die Fauste erhoben. — Vizepräsident Baumhoff warnt vor einer Fortsetzung der beleidigenden Zurufe, die er wegen Unkenntnis der Namen vieler Abgeordneter bisher nicht habe rügen können.)
Es seren, so fähtt der Redner fort, Mitglieder der sozialdemokratischen Frattion, die ei« Mitglied dieses Hauses dreist als
Mörder beschimpften!
(Stürmische „Unerhört!"-Rufe rechts.) Die Minister Severing und Braun, so betonte Abg. Kube wären nicht hier, wenn sich nicht Männer wie Schulz für Preußen eingesetzt hätten. „Gegenüber den Nationalsozialisten", erklärt schließlich der Redner, wird aus politischen Gründen von der Staatsanwaltschaft in Preußen oft genug das Zehnfache beantragt. (Lebhafte Zustimmung bei den Nationalsozialisten.) Wenn Sie glauben, daß wir uns das weiter bieten lasten, so find Sie auf dem Holzwege. (Stürm. Beifall rechts.)
Wir »erben Ihnen beweisen, daß mit dieser Justiz in Preußen Schluß gemacht werden muh!
(Beifall rechts.) Die deutsche Staatsanwaltschaft ist zu 90 Prozent wert, selbst in An- klagezustano wegen Rechtsbruchs gestellt zu werden. (Zustimmung rechts.)
Abg. Pieck (Komm.) sprach danach von einer martterten Auftegung der Nationalsozialisten. Der Redner wandte sich weiter gegen die deutschen Richter. Nationalsozialistische Mörder hätten nur sieben Jahre Zuchthaus bekommen, die Kommunisten aber wegen politischer Tätigkeit in der Reichswehr 10 Jahre Zuchthaus. (Zuruf der National, ozia- listen: Noch nicht genug!) - Erregte Zwischenrufe der Kommunisten.)
Als Pieck selbst den Nationalsozialisten zurief: „In Ihre« Reihen fitzt eine ungeheure Zahl von Mördern!" kam es zu der